“Access, as Tanya Titchkosky (2011) has observed, should not be understood simply as a bureaucratic procedure, but is about how spaces are experienced and lived as oriented toward bodies, with their differing capacities and incapacities. That we notice some modifications of spaces to make them more accessible reveals how spaces are already shaped around certain bodies. As Nirmal Puwar (2004) describes some bodies are perceived as “space invaders.” The modifications required for spaces to be opened to other bodies are often registered as willful impositions on those spaces.”

Sara Ahmed on racism, ableism, misgendering and heterosexist assumptions. She argues that, if your body and your very being don’t fit into spaces (because they are already built and fit for others), you not only feel like an imposition, but you become an imposition to those spaces (and to others, who already fit in). Accomodations have to be made, so you can fit in. Therefore “you must be willing to minimize differences in order to fit in”.

Her sharp and sometimes metaphorical analyses of how individuals keep discriminatory structures and spaces alive by reproducing them in their mindsets and actions, are always an inspiration to me for taking responsibility and getting into action.

So check out her blog feministkilljoys.com and her twitter account.

Skandalisierung, Rückzug und dann?

Toller Text über produktive Umgänge mit eigenen Privilegien auf Black Girl Dangerous. Was Punkt 3 betrifft, habe ich auch andere Erfahrungen gemacht und wähle teilweise andere Umgänge à la “holding others accountable”: Sich aus Räumen zurückzuziehen oder Events nicht zu besuchen, die für andere diskriminierend sind oder Ausschlüsse produzieren, kann eine (zu) einfache Lösung sein für alle, die Zugang zu diesen Räumen und Events haben. Ich versuche mich einerseits an den Kritiken und ggf. darin enthaltenen Forderungen zu orientieren und je nach dem nach zusätzlichen Interventions-Möglichkeiten zu suchen, bspw. in Kontakt mit Organisator_innen und Veranstalter_innen zu treten. Da die meisten diskriminierenden Raumstrukturen sehr normalisiert sind, fällt mein Wegbleiben oft nicht als “Kritik” auf, auch “angekündigt” in Form einer Mitteilung oder mittels Weitertragen der Kritik an die Verantwortlichen nicht. Kollektive Verweigerung wäre ein probates Mittel, allerdings habe ich das noch nie erlebt, gerade, wenn es sich um beliebte Szeneorte oder -events handelt. Was in der Konsequenz aber auch nicht bedeutet, dass mein Wegbleiben nicht auch als wertvolle Unterstützung angesehen werden kann.

Wenn ich irgendwo zum Sprechen eingeladen bin, versuche ich verschiedene Perspektiven unterzubringen und nicht nur die, die mir in meiner sozialen Position am nächsten sind. Allerdings mit wechselnden Erkenntnissen: Nur wenige haben Lust, sich auf Unbekanntes oder Unbequemes einzulassen und nur wenige (wollen) verstehen, dass das eigene Wohlbefinden in/auf “emanzipatorischen” Gruppen/Räumen/Events oft ein Marker von bereits erfolgten Ausschlüssen ist, weil Themensetzung und Personen zur eigenen Lebensrealität und eigenen Bedürfnissen passen. Teilweise wird sogar passiv-aggressiv reagiert, wenn mein Publikum nicht das von ihnen erwartete “jetzt erzähle ich euch eure kollektive Lebensgeschichte”-Narrativ vorgesetzt bekommt. Zusätzlich ist es wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, warum eine_r zu welchen Sachen zum Sprechen eingeladen wird und nicht andere Expert_innen. Auch hier gibt es neben dem Weiterreichen des eigenen Platzes (wichtig für mich ist dabei die Frage: “wem mute ich welche Räume zu?”) oder einer mit konstruktiver Kritik versehenen Absage, vieles, was zu überlegen ist. Gerade, wenn es um die Besetzung und inhaltliche Ausrichtung eines Panels geht. Habe ich Möglichkeiten meine Kritik vorzubringen, zu intervenieren oder soll meine Anwesenheit selbst schon als Killjoy herhalten, deren Kritik nur dazu da ist, zu polarisieren und die dann vielleicht gar nicht ankommt?

In Bezug auf rassistische Strukturen gibt es manchmal die Tendenz unter uns weißen, entsprechende Orte zu “verdammen”, Kritik an diesen Orten herum zu erzählen (und leider selten an die Verantwortlichen zu richten) und damit einen Konsens herstellen zu wollen im eigenen (weiß-dominierten) sozialen Umfeld: Dieser Raum/Ort/dieses Event/diese Orgagruppe ist total rassistisch, “wir” gehen da jetzt nicht mehr hin/arbeiten nicht mehr zusammen. (Oder?) Und wenn doch, dann kann ich an dir/euch Kritik üben. Hier geht es viel darum, sich selbst als gute weiße Person zu inszenieren, das eigene Handeln nicht kritisch zu prüfen und sich teilweise Umgangsstrategien rassistisch Diskriminierter anzueignen. Es bleibt dann eine Wohlfühlposition, die mehr an moralischen Urteilen als an Transformation interessiert ist. Entsprechende Räume/Gruppen/Events sind in der Zeit aber weiterhin Bestandteil der Szene (weil Rassismus), zu der ich mich dazurechne und zu der ich in Bezug auf Rassismus immer Zugang habe, also liegt es auch in meiner Verantwortung hier gegen Rassismus zu arbeiten.

Ich sehe dieses Verhalten auch in einem Verständnis von Aktivismus begründet, welches viel auf Skandalisierung aufbaut. Natürlich ist es wichtig, Diskriminierung zu kritisieren, oft bleibt es aber dabei, sich über Strukturen und Verhaltensweisen zu echauffieren, die anstrengende Arbeit wird dann liegen gelassen. Ich finde das einerseits nachvollziehbar, weil es bei Kritik an Diskriminierung auch darum geht, einen kollektiven Konsens herzustellen, sich selbst sicherer zu fühlen mit dem Wissen: auch andere finden Diskriminierung scheiße. Weil es ja in den allermeisten Fällen so ist, dass das Vorhandensein von Diskriminierung geleugnet wird. Hier bin ich vorsichtiger geworden oder überlege mir genauer, was ich wann wo in welchem Zusammenhang wie kritisiere und ob eine Veränderung der Situation überhaupt möglich ist. Was bringt es mir, mich an dem x-ten diskriminierenden Zeitungsartikel aufzureiben? Meine Energie in weiße Typen oder Heteras zu stecken, die Bockmist schreiben? Frage ich mich dann, wo meine Kraft eher “gebraucht” wird? Habe ich so überhaupt im Blick, an welchen Machtverhältnissen und Diskriminierungen ich mitwirke?

Eine weitere oft erlebte Konsequenz einer Orts- und Gruppen”verdammung” ist, dass weiße vermehrt Orte/Events aufsuchen, die sie selbst als “diverser” und kritischer wahrnehmen, weil dort z.B. (mehr) Menschen of Color abhängen. Das ist auf mehreren Ebenen problematisch: Was nehme ich als divers wahr und warum? Wer weicht von wem ab? Fühle ich mich hier (auch) wohl, weil mein weißsein “sichtbarer” ist und ich damit suggeriere, aware für rassistische Verhältnisse zu sein? Konstruiere ich Gemeinsamkeiten zwischen meiner Awareness für Rassismus und er/ge-lebten Rassismuserfahrungen? Habe ich mich überhaupt im Vorfeld gefragt, wie meine (selbstverständliche) Anwesenheit und mein (selbstverständliches) Bewegen auf andere im Raum wirkt?

Es ist einfacher, sich aus Räumen oder von Events zurückzuziehen, wenn mein Wegbleiben ein freiwilliges ist und ich Verantwortung abgeben kann. Es ist auch einfacher für mich als weiße Person Räume aufzusuchen, die PoC als diskriminierungssensibler wahrnehmen, weil ich als weiße mir sowieso selten_er Gedanken um Ausschlüsse machen muss. Und es ist einfacher, Komplexitäten und Widersprüche im eigenen Handeln zu reduzieren, statt einen Umgang mit ihnen zu finden, der Möglichkeiten für viele verschiedene (und auch unbequeme) Entscheidungen lässt.

Für mich hilfreiche Überlegungen im Umgang mit Privilegien sind, meine Motivation immer wieder kritisch zu prüfen und das eigene Handeln vor allen an denen auszurichten, die ich unterstützen und für die ich solidarisch handeln möchte. Und dennoch eigene Entscheidungen zu treffen, mir also teilweise bestimmte Forderungen zu übersetzen: Was bedeutet diese Kritik/Forderung für mich in meiner sozialen Position und den damit verbundenen Möglichkeiten der Intervention? Wie kann ich meine Intervention dann solidarisch gestalten? Was bedeutet solidarisches Handeln für andere? Wie bleibe ich beweglich, wenn ich (trotzdem) Kritik auf mein Handeln erhalte? Mache ich meine Intervention vom Beifall und der Zustimmung anderer abhängig?

Sie wollen uns erzählen.

Julia Engelmann hat da so einen Poetry-Slam-Dingens gemacht. Über das Leben und wie “wir” nur so rumdallern und nix tun und nicht die Welt verändern und deshalb auch keine Geschichten zum Erzählen haben, wenn “wir” alt sind. Engelmann meint mit dem “wir” auch sich selbst und diese Generation Dingens in meinem Alter. “Wir” sollen uns also engagieren und nicht mehr nur stumpf in die Smartphones gucken und am Wochenende das Geld von Mutti&Papi im Berghain liegen lassen, sondern mal richtig was tun. Alles, was uns einfällt, einfach, weil wir es können. Weil jede_r es kann. Einfach mal machen. Nicht immer nur Befindlichkeitslyrik ins Universum blasen, Generationen-Gelaber sein lassen und mal anpacken. So wie Julia Engelmann es tut.

Ich glaube tatsächlich, dass Engelmann ein treffsicheres Porträt geslampoetiert hat. Ein gar perfektes. Ein Porträt einer Gruppe, die sich alles zutrauen kann, weil sie es kann. Die alles tun kann, weil sie es kann. Der die Welt offen steht, weil die Gesellschaft es ihnen zugesteht, weil das Normengerüst sie schützt und trägt. Julia Engelmann weiß, wovon sie spricht.

It’s hard to do things, if all the things are getting done for you in the first place. Julia, I hear you.
Es ist hart, wenn es von allen Seiten schallt: Mach, mach, mach. Krieg deinen Arsch hoch, leiste leiste und alles, was geleistet werden muss, sich irgendwie von Zauberhand selbst erledigt. Studium. Karriere. Vielleicht ein Kind. Oder zwei. Neoliberalismus sucks. Wenn mensch so satt ist von all den Privilegienpralinen, dass nichts mehr reingeht in den verwöhnten Magen, außer XTC, Bier oder Wein. Lass uns noch einmal die Sau rauslassen vor dem nächsten Sonnenschein. Einmal noch edgy sein, bevor der Ernst des Lebens ruft und die Tür aufhält, und eine_r nichts mehr tun muss als durchzugehen. Anecken am Türrahmen als revolutionäre Handlung nicht vergessen!

Was soll mensch sich da schon gegenseitig zu erzählen haben, sobald die Falten sich zeigen und der Gang schwer wird? Von all den Widerständen, die nie da waren? Julia trifft den Nagel auf das Bücherregal. In dem die Weltliteratur ungelesen verstaubt.

Nadia hat einen Text über Julia geschrieben. Und Charlott hat ihn vertont.

Was ich brauche.

Was ich brauche, um mit Heterosexismus und Homophobie besser klarzukommen, ist nicht: Toleranz, Akzeptanz und das “Nachspielen” von irgendwie “homosexueller” Performance von Heten. Ich will auch nicht gesagt bekommen, ich sei begehrenswert – wenn ich ein Typ wäre. Ich will auch nicht von Heten hören, dass Dyke-sein eigentlich ganz toll und erstrebenswert ist. Ich will auch nicht von Heten das Gefühl vermittelt bekommen, dass die Diskriminierung, die ich erfahre, voll schlimm, gemein, ungerecht ist.

Was ich brauche, um mit Heterosexismus und Homophobie besser klarzukommen, ist: ein radikaler Abbau von Hetero-Privilegien und Hetero-Normen, die immer zusammenhängen mit der unhinterfragten Fortführung einer Vorstellung, dass es zwei und nur zwei Geschlechter gäbe und dass Geschlecht überhaupt eine notwendige gesellschaftliche Ordnungskategorie sei. Was ich brauche, ist, dass Heten ihre Verantwortung darin erkennen und sich am Abbau dieser Dinge beteiligen.

Was ich brauche, ist eine solidarische Grundhaltung von Heten gegenüber den Widerstandskämpfen und Umgangsstrategien aller, die durch Heterosexismus, Trans*diskriminierung, Homophobie und Cis-Normativität und der Vorstellung von Zweigeschlechtlichkeit diskriminiert werden. Was ich brauche, ist, dass Heten sich mit sich auseinandersetzen, mit ihren unhinterfragten normalisierten Vorstellungen zu Geschlecht und Begehren und Sex_ualität.

Was ich brauche, ist, dass Heten endlich damit aufhören, dass sie glauben zu wissen, was diese Menschen (und ich) brauchen, was ihnen (und mir) hilft und dass sie mit einem Verständnis von Antidiskriminierung aufhören, welches auf dem Konzept von “Gleichstellung” beruht. Ich will nicht “gleichgestellt” werden. Ich bin anders. Und zwar nicht, weil ich Dyke bin, sondern, weil es Heterosexismus, Trans*diskriminierung, Homophobie und Cis-Normativität und die Vorstellung von Zweigeschlechtlichkeit gibt. Ich habe mir nicht ausgesucht, anders zu sein. Ich habe mir ausgesucht, widerständig zu sein und kritisch, herausfordernd und infragestellend, was all diese (und andere) Formen von Diskriminierung angeht. Deswegen bin ich Dyke.

Was ich brauche, ist, dass Heten aufhören, meine Widerständigkeit, meine Kritik, meine Herausforderungen und meine Infragestellungen, meine Erfahrungen, meine Umgänge abzuwerten, in Frage zu stellen, zu negieren. Was ich brauche, ist, dass Heten lernen zuzuhören und ihre Haltungen und ihr Verhalten in Frage zu stellen und zu verändern. So wie ich mir nicht ausgesucht habe, anders zu sein, so hoffe ich, dass Heten sich nicht länger aussuchen sich wie ignorante Vollpfosten zu verhalten.

Was ich brauche, sind solidarische queer_feministische Communities, in denen wir uns gegenseitig stärken und empowern können, Auszeiten vom diskriminierenden Normalzustand haben können, Heilung erfahren, uns gegenseitig kritisieren und voranbringen können, uns anerkennen in unseren Differenzen und Differenzen Gemeinsamkeiten bilden können im Kampf gegen den diskriminierenden Normalzustand und für das Entwerfen von Utopien von Zusammenleben und Transformation.

Was ich von mir brauche, ist das Einlassen für die Kritik, die ich erfahre.
Was ich von mir brauche, ist der Mut zur Veränderung meiner Haltungen und Verhaltensweisen.
Was ich von mir brauche, ist die Offenheit für all die Dinge, die ich (noch) nicht weiß.

Was ich von mir brauche, ist die Bereitschaft zu Selbstverantwortung, Verantwortungsübernahme und Unterstützung für das, was andere brauchen.

interventionen in diskriminierungen.

was sind interventionen in diskriminierungen für mich? wann macht intervention welchen sinn für mich?

interventionen in diskriminierungen sind für mich kritisch ver_ortete* handlungen, die diskriminierungen als solche ver_suchen wahrnehmbar zu machen und diese ver_suchen herauszufordern, zu kritisieren; andere wahrnehmungen, vorstellungen, bewegungsmöglichkeiten und lebenswirklichkeiten auf und in welt jenseits von diskriminierungen schaffen können. (ich schreibe hier ‚können’, da interventionen in diskriminierungen wiederum diskriminierend wirken können).

interventionen suchen einen ort auf, an und in dem diskriminierte positionen anwesend sein können, ermöglichen über_leben und (kollektives) empowerment für diese positionen und bieten raum für utopische überlegungen und deren umsetzungsver_suche.

nehme ich diese thesen als grundmotivation für meine handlungen, machen interventionen sinn für mich. das bedeutet auch, dass interventionen in diskriminierungen für mich nicht zwangsläufig an eigene diskriminierungserfahrungen gekoppelt sein müssen. der sinn von interventionen besteht für mich also in erster linie nicht darin, mich selbst „zu befreien“, da in dieser motivation eigene privilegierungen und eigenes mithandeln an diskriminierungen ent_merkt sind.

welche interventionsmöglichkeiten und vorstellungen zu interventionen ergeben sich, wenn aktivist_innen nicht aufgrund geteilter diskriminierungserfahrungen ein intervenierendes kollektiv bilden, sondern weil sie ähnliche handlungsmotivationen in bezug auf interventionen teilen? können mit dieser form der kollektivbildung interdependente** diskriminierungsdimensionen konsequenter in interventionen mitgedacht und zum ausgangspunkt von interventionen gemacht werden?


*kritische ver_ortung meint die reflektion eigener sozialer positionierungen, die durch strukturelle diskriminierungen hergestellt werden und deren übersetzungen in politische handlungen gegen diskriminierungen. antisexistisch und antirassistisch sind beispiele kritischer ver_ortungen. eine kritische ver_ortung ist keine identität, keine “privilegienaufzählung” und besitzt keine konstanz, sondern “gilt” jeweils nur für die konkrete handlung zu einem bestimmten zeitpunkt in einem bestimmten kontext.

**interdependenz meint die wechselseitige, mehrdimensionale überlagerung und konstituierung von machtverhältnissen. das bedeutet, dass machtverhältnisse immer zusammen wirken und niemals getrennt voneinander in erscheinung treten. eine (analytische) trennung von bspw. sexismus und rassismus re_produziert ausschlüsse und nicht-wahrnehmungen von mehrdimensionalen erfahrungswelten und funktionsweisen wie auswirkungen struktureller diskriminierungen.

allein die annahme, kritik an sexismus käme ohne kritik an rassismus aus, re_produziert ‘weiße’ normsetzungen innerhalb von anti/sexismus und priorisiert die unterdrückungs- und diskriminierungserfahrungen ‘weißer’ frauen, lesben und trans* über die von Schwarzen und migratisierten frauen, lesben, trans* und frauen, lesben und trans* of Color. ein anderes wort für interdependenz ist intersektionalität.