Ich komme im Moment nicht wirklich zum Lesen, des wegen lest ihr hier nur, was andere schon vor mir rausgefunden haben. Dafür kommentiert.
- In den Kommentaren zu meinem letzten Piratenartikel tummelte sich neben Trollgedöns auch das ein oder andere Lesenswerte. JoKnopp ließ einen Text über Post-Gender da, geschrieben von einem Pirat (weiblich) für die Partei. Mal abgesehen von inhaltlichen Fehlern und permanenten Verkürzungen, ist der Artikel im besten Falle nett gemeint oder naiv. Eine Gesellschaft in Postgender-Manier ist so utopisch wie durch ein Wurmloch zu fliegen. Sollte ich jetzt leider sagen? Judith Butler galore und so? Ääh. Ich halte es schlicht für unmöglich, nicht nach Geschlecht (sex+gender) zu differenzieren, weder bei sich selbst noch bei anderen. Ehrlich gesagt, habe ich da auch gar keine Lust drauf. Ich bin stolz, das Label Frau zu tragen. Andererseits halte ich es doch für ziemlich vermessen, sich selbst als post-gender zu betiteln, sozialisiert in einer nach Geschlecht differenzierenden und von Sexismen durchzogenen Welt. Schon gar nicht ist post-gender als progressiv zu betrachten, wenn man selbst nicht mal die Begriffe Feminismus und Ideologie auseinanderhalten kann. Bevor sich eine Partei wie die PP postgender schimpft, sollte sie erstmal Nachhilfe in Sachen Politischer Bildung tätigen. Und zu guter letzt, dient dieser Artikel zu nichts weiter, als eigene Sexismen in der Partei mit irgendwelchem halbgaren Geschwurbel zu legitimieren und bagetellisieren. Klasse. Ich will demnächst mal einen Text zu Postgender schreiben, erinnert mich bitte dran!
- Dass Deutsche Leitkultur nicht erst seit Homie Adolf einen schweren Schlag erlitten hat, dürfte zum deutschen Allgemeinwissen gehören. Schon Kant und Hegel waren Rassisten und eigentlich hat das sächsische Kurfürstentum die Weltherrschaft verdient. Davon ist leider nichts zu spüren, außer dass Sachsen im innerostdeutschen Vergleich noch am besten wegkommt. Apropos Osten, wohnen da nicht die vom Sozialismus verrohten und versoffenen Untermenschen in diesen No-Go-Areas, wo Asylheime brennen und die Hakenkreuze als Stuck Laternen zieren? Richtig. Und wenn sie nicht grad ein paar Ausländer klatschen gehen, dann lachen sie über die Hessen, weil deren thoitsche Volksfeste mit Studentenverbindungen, Hexenverbrennungen, Nationalismus, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus dann doch etwas zu plump sind für diese dumpfen Ossibratzen.
- Fünf Lesben erzählen von ihren lesbischen Erfahrungen, wie wahr, wie wahr. Besonders kann ich unterschreiben, dass lesbische Sexualität nach wie vor ein Tabu ist. Nein, ich rede nicht von Girl-on-Girl-Action, das ist nämlich immer das, was sich Affe Mann vorstellt, wenn er mich und Frau X. mal wieder sabbernd angafft und fragt, ob er mitmachen kann. Darüber wollt ich auch nochmal was schreiben und auch hier bitte ich um Erinnerung.
- Die Zahlen sagen nichts neues, aber sie sind eindeutig: Die Lohnunterschiede zwischen den Gehältern wachsen weiter.
- Jungen als Bildungsverlierer: Das neue Paradigma in der Gleichstellungspolitik. Und: Frauen sind schuld daran. Nein, sagen neue Studien.
- Wesentlich mehr Frauen als Männer arbeiten im Niedriglohnsektor und sind häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen. Seit Jahren. Tendenz: steigend. Für alleinerziehende Mütter der direkte Weg in die Armut. Deutsche Politik rührt sich nicht, freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft haben keine Verbesserung gebracht.
- Tessa geht der Frage nach, welchen Einfluss das Internet auf unser Beziehungsleben hat und umgekehrt. Frau X. kommt auch darin vor.
- Annina lässt nach Worten Taten folgen: GIRLS CAN BLOG soll eine neue Vernetzungsplattform für Bloggerinnen sein. Beteiligt euch!
Dass die geistig Verwirrten bei der Piratenpartei die lautesten sind, kennen wir ja bereits. Auch eine Genderdebatte hatte es vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr gegeben. Daraus gelernt hat die Partei: Nichts.
Jetzt wird wieder ganz offen dem Sexismus und Maskulismus gefrönt. Jaja bei den Piraten sind alle gleich, die Männer noch mehr als die Frauen. Und mit Gender kennen sie sich aus und Feminismus und Frauen und Diskriminierung und so. Da wissen sie so gut drüber Bescheid, dass sie glatt mal jeden dieser Begriffe umdeuten, Frauen den Mund verbieten und ihren megakleinen Schwanz ganz lang draußen hängen lassen. Vorsicht, Zugluft!!
Diese Partei ist ein Gespött für die gesamtdeutsche Parteienlandschaft. Und das will in Anbetracht der gesamtdeutschen Parteienlandschaft schon was heißen. Lassen sich kapern von frauenfeindlichen, islamophoben, nationalistischen und dummbratzigen Dummschwätzern und sind obendrein zu blöd, es zu bemerken. Piratische Reaktion: Wir sind postblablabla. Ja. Posthirn vielleicht.
Mädels, in dieser Partei werdet ihr nicht glücklich. Es sei denn, Gleichberechtigung der Geschlechter ist für euch sowas wie: don’t give a shit. Wenn doch: Raus aus diesem sexistischen Sauladen und flugs das Weite in ne andere Partei gesucht. Oder was eigenes an den Start bringen. Demokratie ist nämlich ne ganz feine Sache. Gleichheitsgrundsätze und Würde auch. Muss nur offen gelebt werden. Dann muss sich frau von Piraten auch nicht mehr Bezeichnungen wie “Menstruationsblut als Zugangsberechtigung” anhören.
Edit: Andi Popp, Stellvertretender Vorsitzender der Piratenpartei beantwortet die Genderdebatte in nur einem Satz: “Der weitere Streitpunkt in dieser Frage, der Frauenanteil bei den Piraten, ist, zumindest in diesem Zusammenhang, eigentlich gar nicht der Erwähnung wert.” Priceless!
und es geht weiter… Wieder Herr Popp im selben Post über die Unterschiede von geschlossenen Frauen- und Männerräumen: “Wenn Lena also der Meinung ist, sie will sich nur mit Piratinnen austauschen, ohne dass wir Kerle da mitreden ist das vollkommen in Ordnung. Wenn ich mir eine rein männliche Piratengruppe aufbauen will um dort schweinische Witze abzulassen, werde ich mir das sicher auch von niemandem verbieten lassen.” Richtig. Eine reine Frauengruppe, die diejenigen ansprechen will, “die sich innerhalb der Partei benachteiligt fühlen und nicht davon überzeugt sind, dass das Geschlecht innerhalb der Piraten tatsächlich (und nicht nur an der Oberfläche) keine Rolle mehr spielt“, ist natürlich was ganz anderes als der geschlossene Männerräum, wo über Schwanzlängen und feuchte Mösen postuliert werden darf. Nuff said!
Heute beginnt das queerfeministische “Who cares”-Event in Berlin. Noch bis zum 7. März haben Interessierte die Gelegenheit, Diskussionen über Reproduktion, Gewalt, Abtreibung, Feminismus, Verortung, Migration und Dekonstruktion zu verfolgen und sich aktiv einzubringen. Alle Themen werden aus einer queerfemininen, ökonomiekritischen Perspektive beleuchtet.
Seit heute und noch für fünf weitere Wochen ist in verschiedenen Berliner Locations der Film “Damla = Tropfen – Derya = Ozean” zu sehen, der sich mit MigrantInnen in Problemkiezen, ihren traditionellen Rollenbildern, der medialen Sicht der Mehrheitsgesellschaft und dem wissenschaftlichen Stand zu Migration/Integration beschäftigt.
Am 10. März startet im Loris Berlin die Ausstellung “Zur sexuellen Identität schwuler Männer”. Fotos, Fotos, Fotos werden zu sehen sein und zeigen, wie schwule Männer Sex, Gender und sexuelle Orientierung für sich gestalten und ausleben. Ein bisschen queer und trans* darf’s auch sein. (Zum Facebook-Event)
Ebenfalls am 10. März gibt es im Forum Politische Bildung einen Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema Diversity. Spannend dabei ist der Blickwinkel von Katrin Reimer, die theoretische Überlegungen anstellt und aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert:
An das Schlagwort Diversity knüpfen sich viele Hoffnungen: Abkehr von defizitorientierten Integrationsbemühungen, die die Einzelnen in ihren subalternen Positionen fixieren. Hinwendung zu Ressourcenorientierung, zu gezielter Förderung bei Wahrung der Vielfalt, letztlich zu mehr Gleichberechtigung und Anerkennung. Ein Gewinn für alle. — Leider ist das nur die eine Seite der Medaille, werfen wir auch einen Blick auf die andere.
Oft wird Diversity in die Tradition der Bürgerrechts- und Frauenbewegung der USA gestellt. Entwickelt aber wurde es angesichts eines drohenden Mangels an hoch qualifizierten Arbeitskräften unter Weißen Männern — als eine Management-Strategie zu Erschließung der Potenziale in subalternen Gruppen. Die Existenz von Oben und Unten, von Reichtum und Armut, stand dabei nie in Frage. Heute rüstet der Ansatz Unternehmen für ihren Kampf um Profite in einer globalisierten Welt. Er verändert die Zusammensetzung derer, die Oben sind, und weist den großen Rest nach Unten.
Dieses Doppelgesicht von Diversity kann sich auch auf seine Verwendung in der Politischen Bildung auswirken. Verstehen wir Differenzen als Merkmale von Individuen oder als Macht- und Herrschaftsverhältnisse, in denen Einzelnen unterschiedliche Handlungsspielräume zugewiesen werden? Wo wird mit Diversity Ungleichheit überwunden, wo nur in eine andere Form gebracht? Wie lässt sich der Einsatz für mehr Anerkennung mit dem
Ringen um Umverteilung verbinden? — Nach dem Input ist Zeit zur Diskussion und zum Austausch über Erfahrungen mit Diversity-Strategien in unterschiedlichen Praxisfeldern.
Ebenfalls am 10.März wird Heide Oestreich folgenden Fragen nachgehen: “Wie werden Frauen in der Politik wahrgenommen, welche Männlichkeits-Mythen produzieren wir, welches Frauenbild liegt unserer Arbeitsmarktpolitik zugrunde?”
Im Ballhaus Naunynstraße, das sich in seiner theatralen und performativen Arbeit der sogenannten Postmigration zuwendet und bereits das umjubelte Tango Türk auf die Bühne brachte, gibts vom 20. bis 30. März das prämierte Stück “Schwarze Jungfrauen” zu sehen.
In Neco Çeliks Theaterdebüt von 2006 fragen Schwarze Jungfrauen warum Allah kein Ausländer und die Gottkriminalität notwendig ist; wodurch der weichgespülte Islam halal wird und warum man morgens mit Flöhen aufwacht, wenn man mit Gottlosen geschlafen hat. Und nicht zuletzt geht es ihnen auch um die Suche nach der perfekten Symbiose: Sex und Islam. Ihre fromme These lautet: Nackt ist nicht gleich ungläubig und vollbandagiert ist nicht gleich Gott total unterworfen.
Habt ihr Termine, die ihr beachtenswert findet? Dann ab damit in die Kommentare.
Annina hat eine hervorragende Idee: Einfach, unkompliziert und alle so: yeah – Ein <3 für Bloggerinnen und BloggerInnen mit Fem-Anspruch. Warum nicht?
Das Ausschreiben zum Bloggermädchen des Jahres der Mädchenmannschaft war bereits ein erster Schritt, aber es kann noch mehr sein. Schreibt bei Annina, oder hier oder auf eurem eigenen Blog (Backlink beifügen bei Bedarf) eure LieblingsBloggerInnen auf, erweitert eure Blogroll, stöbert in anderen Blogrolls – Macht kommt von machen!
Ich mach mal gleich den Anfang:
Eine Übersicht über 100 must read blogs by women findet ihr hier
Disclaimer: erz von der Kontextschmiede hat mich bezüglich dieses Themas um ein kurzes Statement gebeten. Ich kann es leider nicht kurz fassen, deswegen dieser Beitrag.
Anne Roth in einem DCTP-Interview, rege Frauenbeteiligung bei der Re:publica 2010 und ein gut aufgestelltes Netzwerk feministischer BloggerInnen: Reicht das, um die Diskursfelder (oder Diskursarenen – ich habe so mein Problem mit dieser Diskurstheorie und ihren Begriffen) Feminismus, Gender, Queer, Diversity, Gleichstellung und Gleichberechtigung so anzukurbeln, dass sie auch außerhalb dieser Netzwerke wahrgenommen werden? Nach einem halben Jahr Beobachtung muss ich diese Frage leider mit Nein beantworten.
Während es unsere männlichen Bloggerkollegen immer wieder schaffen mit ihrem Themenmix weitreichende Diskussionen auszulösen, die es nicht selten bis in die Mainstreammedien schaffen und haften bleiben, gelingt es der (queer)feministischen Bloggerszenerie kaum in diese Sphären vorzustoßen. Wie erz richtigerweise feststellt, ist das Netz nichts weiter als ein Abklatsch patriarchaler Strukturen aus dem Real Life.
Nun kann und will ich niemanden dafür verurteilen, sich nicht für oben genannte Anliegen zu interessieren und dementsprechend auch nicht darüber zu bloggen. Andererseits ist das Netz aber nicht nur eine billige Contentmaschine, sondern auch eine billige Contentweiterreichungsmaschine. Und das wird sträflich vernachlässigt. Oftmals lese ich auf den großen deutschsprachigen Blogs Texte (von Männern geschrieben), die sich genau um die o.g. Themen drehen. Weiterführende Links? Leider Fehlanzeige. Fehlanzeige ebenso die Diskussionen darunter, die an einigen Stellen beispielgebend dafür sind, warum Gender & Diversity noch immer hochaktuelle Problemfelder sind und nicht einfach mit: “Frauen und Männer sind doch gleichberechtigt” heruntergeredet werden können.
Wäre es nicht wichtig und richtig, an eben diesen Punkten und Texten anzusetzen, Links auf entsprechende Blogs und Inhalte zu geben, ExpertInnen zu interviewen, Streitgespräche zu führen und auch queerfeministische Ansätze in Kapitalismuskritiken (als Beispiel) unterzubringen, um das Blickfeld zu erweitern? Es gibt unzählige Möglichkeiten, das Spektrum an Ideen und Ausrichtungen zu erweitern und damit gleichzeitig bestehende Netzwerke zu verknüpfen. Davon Gebrauch machen nur die allerwenigsten. Mir scheint, als würden diese Themen und die Menschen, die täglich darüber bloggen, nicht ernst genug genommen. Obwohl ich mir absolut nicht vorstellen kann, dass die sogenannten A-Blogger nicht längst um deren Existenz wüssten.
Falls doch, dann fühlt wohl dieses Zitat auf den Zahn der Zeit:
Das erste Privileg der Weißen, von Männern, Mitgliedern bessergestellter Gesellschaftsschichten, der Heterosexuellen, der Nichtbehinderten ist, völlig in Ignoranz der Tatsache zu leben, dass sie privilegiert sind. (via Kontextschmiede)
Ungeachtet der Ungerechtigkeit dieser pointierten Bestandsaufnahme: Warum nicht aus der Not eine Tugend machen und die Privilegien ausnutzen? Die Hand reichen, eine Räuberleiter bauen und die vielen BloggerInnen mit hinauf hieven auf die Mauer des Schweigens, da wo viele Blogs bereits ihren Platz gefunden haben, um regelmäßig einen lauten Shout nach draußen zu blasen?
Ja, Frauen haben digitale Diskursmacht, doch sie reicht nicht aus, um im digitalen Raum eine permanente und kräftige Stimme zu haben. Es wäre ein Zeichen der vielen Netzaktivisten, Blogger und Digital_Magaziner, sich mehr für Frauen in den eigenen Reihen zu öffen und beim gleichen Themensetting auf andere Denkrichtungen hinzuweisen oder aber gar Inhalte (queer)feministischer BloggerInnen hinzuweisen, sie aufzugreifen, weiter zu diskutieren, eigenen Input reinzugeben und … ach was erzähl ich euch da: eigentlich genau denselben Kram machen, den ihr auch bei Datenschutz, DEM Internet, digitale Bürgerrechte und der letzten Schmähkritik auf Westerwave so blendend beherrscht.
Wie sich vielleicht nur noch die härtesten StammleserInnen hier erinnern, wurde ich vor zwei Jahren Opfer von PI. Schon damals wurde ich als Feministin bezeichnet, die Damen und Herren wussten wahrscheinlich schon viel früher als ich, was gut für mich ist :) Es fielen noch andere Begrifflichkeiten, die in der abgeschwächten Form aber korrekt meine Identität wiedergaben. Strafrechtlich relevant war trotzdem alles. Bis heute gibt es diese zwei Einträge + die Kommentare darunter über mich. Die PI-Einträge wurden auch auf anderen Blogs verlinkt, die Kennern der islamophoben Szene sicher ein Begriff wären. Lange Zeit waren diese Schmährufe, Bedrohungen, Verleumdungen und Beleidigungen auf der ersten Suchtrefferseite von Google gelistet. PI schützt sich relativ gut gegen anwaltliche Angriffe, es gibt kein Impressum, alles ist anonym, Server und Betreiber sitzen im Ausland, wir wissen alle trotzdem gut, wer hinter diesem menschenfeindlichen Portal steckt, beweisen lässt es sich aber nur schwer.
Da vor wenigen Tagen ein Kollege aus der Redaktion in übelster Art und Weise durchs Hassdorf getrieben wurde und auch andere KollegInnen in den Kommentaren beleidigt wurden, fiel natürlich auch wieder mein Name (Die KommentatorInnen dort leiden trotz ihres sozialen Untermenschentums nicht an verkürztem Langzeitgedächtnis).
Vermeiden lassen sich solche Attacken nie. Schon gar nicht, wenn die eigene Identität im Internet präsent ist. Ich habe verschiedenste Profile bei diversen Portalen und Communities, schreibe für den Tagesspiegel, besitze eine eigene Webseite (die ich by the way besser pflegen sollte) und dieses Blog hier. Ziemlich schnell sind für die nächsten Lantzschi-Rufmord-Aktionen ein paar Infos zusammengesammelt. Obwohl ich ein Verfechter von selbstbestimmter Privacy bin, sehe ich nicht ein, mich wegen solcher Deppen einzuschränken.
Egal, was sie schreiben, ich halte dagegen – mit eigenen Beiträgen, die Google lieber von mir crawlt als von denen. So ist es passiert, dass nur noch zwei Fotos von mir umhergeistern, die auf PI verlinken und die PI-Einträge von damals mittlerweile im Suchmaschinen-Ranking sehr weit nach hinten gerutscht sind. Ich gehe mit meinem Klarnamen ins Netz sowie mit meinem Spitznamen, selbstbewusst und selbstbestimmt.
Ich kann nur allen empfehlen, die nicht möchten, dass über sie falsche und merkwürdige Informationen im Netz herumgeistern, auch so zu verfahren. Schließlich hat von den Vollspacken keiner die Eier, persönlich vorbei zu schauen und sein/ihr Anliegen vorzutragen. Einschüchterungen, auf die ich mit einem Gähnen reagiere. Angreifbar ist mensch schließlich immer, egal ob wir sonntags gerne den Haushalt schmeißen oder uns politisch engagieren.
Disclosure: Das Foto habe ich übrigens in den Kommentaren dort aufgegabelt und finde es sehr lustig. Bei Google tauchte es bis dato noch nicht auf. Jetzt schon und jetzt wissen alle, die es klicken, wer für solche witzigen und liebevoll gestalteten Cartoons verantwortlich zeichnet.
Disclaimer: Anna von der Mädchenmannschaft hat diesen Text geschrieben und erlaubt es, ihn mit Hinweis auf Autorin und Backlink auch aufs eigene Blog zu stellen. Also bedient euch, verlinkt, schreibt eure eigenen Gedanken auf. Egal. Spread The Word!!!
Ich seufze und drücke „löschen“. Es ist kurz nach Mitternacht und eigentlich wollte ich gerade ins Bett gehen. Das muss jetzt aber noch einen Moment warten, denn inzwischen weiß ich: wo ein Fotzen-Kommentar ist, da lauern auch noch andere und gerade zu nächtlicher Stunde fallen die Hemmungen besonders schnell.
Als ich begann, im Internet feministische Texte zu veröffentlichen, war mir nicht klar, welch offener Hass Frauen und Feministinnen im Netz an manchen Stellen entgegen schlägt. Dabei gibt es natürlich immer wieder Kommentare, die nichts weiter als Herumgetrolle sind, das wirklich keinen weiteren Hintergrund hat.
Die meisten dieser Beiträge jedoch sind klar feminismus- und frauenfeindlich motiviert (das eine lässt sich da nicht mehr so leicht vom anderen trennen). Sie lassen sich grob in drei verschiedene Typen unterteilen:
Da wäre der einzelne Irre. Dieser stößt oft eher zufällig auf feministische Seiten und Blogs und versucht seiner ganzen aufgestauten Wut in einem deftigen Kommentar Raum zu geben. Meist gelingt ihm das nur mit wüsten Schimpfwörtern, manchmal sind auch nur relativ harmlose Einwürfe wie „geht kochen“ oder „macht euch doch mal locker“. In diese Kategorie würde ich auch den Klassiker „ihr gehört einfach mal wieder ordentlich durchgebumst“ einordnen. Diesen hielt ich persönlich übrigens lange für eine altfeministische Saga, bis er mir tatsächlich selber im Rahmen einer Diskussion in einer Community das erste Mal begegnete. Man muss also nicht unbedingt auf einer explizit feministischen Plattform schreiben, um solchen Sprüchen ausgesetzt zu werden – das reine Äußern gleichberechtigter Gedanken reicht völlig aus, um bei manchen Menschen einen Schalter umzulegen.
Neben dem einzelnen Irren gibt es den Typ, der sich ein bisschen mehr Zeit lässt. Auch er hat sich natürlich überhaupt nicht mit der jeweiligen Seite, den Autor_innen und Beiträgen dort beschäftigt, aber immerhin bringt er Argumente mit. Oder das, was er dafür hält. Diese werden dann willkürlich unter irgendwelche Texte platziert. Viele dieser Kommentatoren haben anscheinend wirklich die Hoffnung, sämtliche Feministinnen mit nur drei Zeilen überzeugen zu können, dass sie mit allem, was sie schreiben und denken völlig falsch liegen. Solche Kommentare sehen meistens ungefähr so aus: „Männer haben übrigens eine geringere Lebenserwartung als Frauen!! Denkt da mal drüber nach!!11!“. Manchmal wird das ganze noch mit einem Nick wie „Fotzenprotz“ oder „Frauenfeind“ kombiniert.
Als letzter Kommentartyp ist der zu nennen, der sich wirklich Zeit nimmt. Meist hat er den Text sogar gelesen und versucht, mit seinem Kommentar einen Bezug dazu herzustellen. Letztendlich handelt es sich hier aber nur um eine Erweiterung des zweiten Kommentartypen, es wird also versucht, mit mal mehr mal weniger aus dem Zusammenhang gerissenen Zahlen und Fakten zu verdeutlichen, dass Feminismus grundsätzlich falsch und gefährlich ist.
Wie erwähnt, war ich zu Beginn meiner Arbeit als Bloggerin wirklich schockiert über den blinden Hass, die große Wut, die aus vielen Kommentaren sprach. Mir war nicht klar, welche Bedrohung von Feminist_innen nach wie vor auszugehen scheint. Die meisten dieser Kommentatoren sind allerdings eigentlich nichts anderes als Angstbeißer. Sie fühlen sich vom Feminismus, von Genderthemen generell, unglaublich beunruhigt, ja, gar terrorisiert. Ein Blick in die entsprechenden Foren bestätigt diesen Eindruck. Vieles von dem, was es da zu lesen gibt, lässt einem wirklich ab und an den Atem stocken.
Die meisten Kommentatoren dort sind Anhänger der These einer großen, allumspannenden feministischen Weltverschwörung. Der Feminismus gilt in diesen Kreisen als nicht weniger als ein faschistoides Konstrukt, das kein geringeres Ziel hat, als die gesamte Macht in die Hand der Frauen (und „sexuell desorientierter Homos“) zu legen und die Männer finanziell auszunehmen, zu entmachten, zu erniedrigen und schließlich zu beseitigen. Nein, ich übertreibe nicht. Die Gleichsetzung von Feministinnen mit Nazis und Männern mit Juden ist in solchen Foren Alltag und wird auch meist durch keine Netiquette geahndet. Vor diesem Hintergrund muss man sich schon fast nicht mehr wundern, wenn diese Leute dann Kommentare wie „diese elenden Feministinnen sollte man in einen Rattenkäfig sperren und den Mund zutackern“ hinterlassen.
Die Schreiber schließen von sich auf andere: Da sie Frauen und Feministinnen abgrundtief hassen und sie für jedes Übel dieser Welt verantwortlich machen („ihr habt alles kaputt gemacht!“) gehen sie davon aus, dass es umgekehrt genauso sein muss. Weil sie alle Feministinnen und wohl auch generell einen Großteil der Frauen lieber gestern als morgen „beseitigt“ sehen würden, nehmen sie an, dass auf der „Gegenseite“ die Feministinnen von „Gulags für die Untermenschen“ (also Männer) träumen. Und so verschanzen sie sich feige hinter ihren Nicks und nutzen die Gelegenheit, endlich all den Hass und Frust, den sie in sich tragen loszuwerden, während sie wahrscheinlich im echten Leben kaum den Mut aufbringen, einer Frau auch nur aufrecht in die Augen zu schauen.
Wie geht man mit so einem Hass um? Wie gehe ich als Privatperson damit um, wie gehen wir als Blogbetreiber_innen damit um? Ist es überhaupt sinnvoll, Beiträge wie „Frauen sind wie Hündinnen – die lassen sich nämlich auch mal gern von hinten ficken“ kommentarlos zu löschen? Wäre es nicht vielleicht doch sinnvoller, offensiver damit umzugehen? Was ist die richtige Art, so etwas zu begegnen? Wie reagieren andere Blogs oder Feminist_innen, die in der Öffentlichkeit stehen, darauf? Gibt es ihn überhaupt, den einen richtigen Weg?
Nein, eine wirkliche Lösung scheint es nicht zu geben. Allerdings sollten all die Hasskommentatoren daran denken, dass auch das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Eine Beleidigung bleibt auch online eine Beleidigung und kann angezeigt und strafrechtlich verfolgt werden (von den gerade wieder aktuellen Morddrohungen gegen einige Feministinnen mal ganz zu schweigen).
Und abgesehen davon: Glauben diese Kommentatoren wirklich, dass sie ihren Zielen irgendwie näher kommen, indem sie ab und an ein paar Feministinnen beschimpfen? Ihnen scheint nicht klar zu sein, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Mit jedem Kommentar, den sie hinterlassen, mit jedem Hinweis auf PMS oder Untervögelung werde ich mehr darin bestärkt, Feministin zu sein. Mit jeder „Fotze“, die wir löschen, werden wir ermuntert, weiterhin laut und deutlich für die Gleichberechtigung aufzustehen – und uns dabei auch nicht feige hinter anonymen Nicks zu verstecken.
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