Magda.

Magdas Macbook-Lüftung besteht aus einem Bildband über Haie, ihr einziges Kuscheltier ist ein Hai in Metergröße. Sie liebt Haie. Ich hasse Haie. Magda hat zwei Jahre ihres Lebens in den USA verbracht. Sie liebt die USA. Ich hasse die USA. Magdas Musikgeschmack bewegt sich zwischen Singer/Songwriter und Metal. Ich hasse Singer/Songwriter und Metal. Magda hält sich hauptsächlich in linken und/oder anarchistischen und/oder antifaschistischen Räumen auf. Ich in Berlin-Mitte. Ich stecke in Berliner Clubs mein rares Geld in teure Longdrinks. Sie schmuggelt Vodkaflaschen in Konzerthäuser. Einmal im Vierteljahr muss ich meine unbändige Shoppingsucht bekämpfen. Fällt an Magdas Jacke ein Knopf ab, ersetzt sie ihn einfach durch einen Button. 24 Jahre unseres Lebens haben wir in völlig unterschiedlichen Welten gelebt und ohne das Internet hätten wir uns wahrscheinlich auch nie kennengelernt.

Magda empfahl mich im vergangenen Jahr für das Bloggermädchen, las mein Blog regelmäßig und ich las als Fan der Mädchenmannschaft bis dato alles, was sie schrieb. Ihren Rant gegen Alice Schwarzers Bushido-Rant fand ich beispielsweise sehr charming. Als wir beim Girls-On-Web-Society-Treffen der re:publica 2010 das erste Mal aufeinander prallten, ignorierten wir uns. Einen Monat später stieg ich bei der Mädchenmannschaft als feste Autorin ein. Magda und ich mussten nun zwangsweise miteinander kommunizieren.

Schnell stellte sich heraus, dass wir wenigstens einen wesentlichen Aspekt unseres Daseins teilten: Die Liebe zu neuerer feministischer Theorie, Herrschaftskritik, Antirassismus und Critical Whiteness. Gewürzt mit postkolonialen Aspekten. Seitdem versüßt uns diese äußerst zündstoffhafte wie leckere Mischung erhellende Gespräche und die gemeinsame Arbeit des feministischen Bloggens.

Aus der Liebe zu Schnaps, gutem Essen, Blinkpenissen und Fotzen-Dialogen entwickelte sich Anfang Oktober das erste Pflänzchen ernsthafter Zuneigung. Zum Frauenbarcamp schafften wir es dank unserer hinreißenden Erscheinung zusammen mit Tessa auf die Titelseite eines Sozi-Magazins. Obwohl ich mit meiner Privilegien-Koketterie oft genug Projektionsfläche für gehässige Bemerkungen der vom Klassenkampf beseelten Magda bin, ist aus dem Pflänzchen mittlerweile ein robuster Gummibaum geworden, der nur noch selten gegossen werden muss.

Während uns ein Teil der Mädchenmannschaft lieber heute als morgen gemeinsame Kinder ans Bein binden will, belassen wir es lieber spät als nie bei pubertärem Geraufe und chauvinistischen Anmachversuchen. Die tägliche Beschäftigung mit Feminismus führt bei Magda und mir nachweisbar zu temporärer geistiger Umnachtung, die sich in stundenlanger Metakommunikation über verschiedene mediale Kanäle hinweg äußert (siehe Titelbild).

Um Folgeschäden zu vermeiden, treffen wir uns ab und an persönlich, diskutieren über unsere unterschiedlichen Lebenswelten und backen ungenießbare Kekse. Ich bin Fan ihrer Band, ihres feministischen Bücherregals und losen Mundwerks. Sie steht auf mein iPhone (das sie liebevoll in Cyberphone umgetauft hat), meine Jacketts und empörten Gesichtsausdrücke.

Foto: privat | Video: Magda singt Lady Gaga.

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