Tessa.

Vor zwei Jahren lag mein inhaltlicher Fokus noch auf Medienbums, ich arbeitete schließlich beim Tagesspiegel, machte gerade meine Ausbildung zur Onlinehure und echauffierte mich in meiner Freizeit über Journalismus, Blogs und den Macher_innen dahinter. Bis heute haben mir diese Menschen wenig zu sagen. Von Twitter war ich deshalb zu Beginn etwas enttäuscht. Bis mir ins Auge fiel, dass auch andere Menschen auf Twitter verkehrten, die einfach nur lustige Sätze formulieren konnten oder eben neue Perspektiven auf mein Lieblingsthema eröffneten. Mir die Lust am Schreiben zurückbrachten. Eine dieser Personen war Tessa. Ich folgte ihr und es dauerte nicht lange, bis das erste Mal das Wort „Frauen“ im Kontext von Autor_innenschaft fiel.

Ich kann den Tweet nicht mehr genau rekonstruieren (und deshalb hier leider nicht verlinken), aber sie twitterte (in meiner Erinnerung) in ihre Follower_innenrunde, dass sie gerade mit Freundinnen an einem feministischen Pamphlet zum Medienbums säße und welche Aspekte unter all dem bereits konsumierten Wein nicht vergessen sollten. Spätestens mit diesem Text hatte sie mich dann am frauenbewegten Schlawittchen.

Ich las sie also fortan bedächtig, mit inniger Zuneigung, retweetete hier und da ein paar Versatzstücke ihrer illustren Gedanken und zur Berliner Fashionweek 2010 kontaktierten wir uns das erste Mal via Facebook. Vielleicht folgte sie mir bis dato schon auf Twitter oder las meinen Blog, ich weiß es nicht mehr. Oft sind ja stille Leser_innen die größten Fans der eigenen Worte. Ich befragte Tessa für einen Artikel zu ihrem Blog und seiner Entstehungsgeschichte und heraus kam dieses entscheidende Zitat:

Die Idee zu Flannel Apparel kam [Teresa] Buecker nach Beobachtungen der damaligen Berliner Style-Kultur: Frauen in Flanellhemden. „Die Sprache des karierten Kleidungsstücks durchbricht die Zwänge des von Mediengesellschaften diktierten Frauenbilds“, so Bueckers Meinung zum hippen Stoff.

Bis heute lässt sie sich nicht davon abbringen, der Modewelt feministische Perspektiven aufzudrücken. Auch wenn mich Modeblogs und Fashion langweilen, für den Style von Tessa konnte ich mich schon beim ersten Blick auf ihr Facebook-Profil begeistern. Ich würde es Schwärmen nennen.

Anfang 2010 war ich endgültig in der feministischen Blogwelt angekommen, warf den männerdominierten Medienbums über Bord, aus meiner Timeline und aus meinem Feedreader. Damit mir solche Sahnestücke nie wieder entgehen. Die re:publica nahte, Tessa kündigte sich und ihre Brüste an, was mein Herz in die Höhe schnellen ließ.

Nachdem ich etwas ausgelaugt war von den ersten Panels, dem grottigen Essen und den vielen iPhones, die Treppe der Kalkscheune beinahe hinunterwankte, durchbrach ein hinreißend blauer Mantel meine diffuse Wahrnehmung. Tessa machte sich auf, die schläfrigen Gemüter mit ihrem Vortrag über Liebe in Zeiten des Internets zu wecken. [Leider finde ich ihr Sheet nicht mehr online, vielleicht kann sie es ja in die Kommentare posten].

Danach war ich endgültig verzaubert und wir verabredeten uns per Twitter für den Abend. So liefen wir durch das nasskalte Aprilwetter von der Kalkscheune in eine Mitte-Bar und sudelten uns mit Feminismus voll, spannen Pläne für ein feministisches Magazin, erkannten, dass uns die reichen Mäzene dazu fehlten und betäubten unseren darüber augenblicklich einsetzenden Schmerz mit Grasovka. Das vodkaeske Liebesband umschlung uns und von nun an sollte dieses Getränk die Beziehung zwischen Tessa und Lantzschi bestimmen.

Wenige Wochen später trafen wir uns mit einer Dame, auf die ich in dieser Serie noch näher eingehen werde, in der Luzia in Kreuzberg. Die laue Sommernacht ließ den Grasovka verheißungsvoll die Kehle hinuntergleiten und so bemerkten wir nicht, wie wir uns in einen Rausch redeten über distanzlose Männlichkeiten, Objektivierung, Drogen und Die Grünen.

Zu meinem Geburtstag bedachte mich Tessa mit Dietmar Dath, einer Flasche Rotwein und einem Kilian-Kerner-Beutel (aus Vergesslichkeit), in dem sich noch heute mein alltäglicher Zigarettenkonsum und mein Portemonnaie pudelwohl fühlen. Den Grasovka, den sie beisteuerte und wir beinahe allein leerten, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Das Grasovka-Glas, welches zusammen mit der Flasche den Weg in meine Lichtenberger Wohnung fand, lässt Tessa auch dann am abendlichen Beisammensein teilhaben, wenn sie gerade wieder anderswo subversiv tätig wird und Männer zum Feminismus bekehrt.

Unsere digitale Kommunikation ist immer wieder durchdrungen von der Gier nach feministischer Vollendung, Sex und Vodka. Vielen gemeinsamen Follower_innen stockt der Atem und sie lechzen nach Teilhabe. Ein Vortrag ist bereits in jungfräulicher Planung.

Bis dahin dürft ihr gerne lesen, wie Tessas Liebeserklärungen an mich aussehen.

Foto: Monic Johanna Wollschläger | Titelbild: Meine Kochkünste wecken Begehrlichkeiten.

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4 Kommentare

  1. So geht mir das immer mit den Herzen: Kaum verschenke ich eins, verwandelt es sich in ein Fragezeichen… :( Es sollte natürlich „I Heart You“ heißen…

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