Ausschlüsse innerhalb der Homoszene – UPDATE

Viele von euch werden sicher schon den unsäglichen Rant-Artikel über sogenannte Modelesben (Heteras, die mal mit Frauen rumprobieren) in der NEON gelesen und sich geärgert/gewundert haben. Ich wurde in den vergangenen Tagen des öfteren von heterosexuell und homosexuell lebenden Menschen darauf angesprochen. Leider möchte ich mich dazu nicht ausführlich äußern, weil ich die Autorin des Textes persönlich kenne. Der Hinweis auf den Artikel ist mittlerweile aus unerklärlichen Gründen von der NEON-Seite verschwunden, ob und wann der Artikel auch gänzlich online verfügbar sein wird, ist ungewiss. Wer sich bei der NEON direkt beschweren möchte, kann dies über folgende E-Mail-Adresse tun: redaktion@neon.de

Gestern stieß ich auf folgende Reaktion (ein offener Brief an die Autorin) auf diesen – milde ausgedrückt – unreflektierten Text, den ich hier gerne verlinke:

Tatsächlich ist das Thema “Modelesbe” ein interessantes Thema. Du hast es allerdings geschafft dich, und alle Lesben mit, als triebgesteuerte Sexmonster, Bisexuelle als unentschiedene Feiglinge, heterosexuelle Frauen als unsichere Tussen die Lesben terrorisieren, und Männer als unsensible Zuhälter hinzustellen. Dazu muss man dir fast gratulieren! Wahrlich eine Glanzleistung.

[…]

Also bitte, liebe Xenia, das nächste Mal, wenn dich eine heterosexuelle Frau ärgert, schreib deine Sorgen, Nöte und Gedanken in dein Tagebuch und nicht dahin, wo es alle lesen können. Es könnte die Vermutung entstehen, dass alle Lesben so sind wie du.

Bis dahin:

Ein großes Fuck you von mir und den heterosexuellen Frauen, mit denen ich geschlafen habe.

Habt ihr euch selbst dazu schriftlich geäußert oder kennt andere Texte, die sich kritisch mit dem Artikel befassen? Dann bitte Links in die Kommentare. Ich möchte laute Stimmen gegen diese Klischeeverwurstung, die dazu beiträgt, mein freies Leben als Lesbe einzuschränken. Danke!

UPDATE: Ich hab den Artikel eingescannt! Ihr könnt ihn hier downloaden.

Lesetipp: Wer diskriminiert wen auf Lesbenpartys? (Artikel von mir bei der Mädchenmannschaft)


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Kommentare

10 Antworten zu „Ausschlüsse innerhalb der Homoszene – UPDATE“

  1. L.W.K.

    Ich würde mal ein paar Euro verjubeln und eine ganze NEON durchlesen. Dieses unsägliche Befindlichkeitsgeseiere wirkt insgesamt ungeheuer stimulierend auf den Blutdruck.

  2. heidrun

    wenn ich jedesmal, wenn mich in einer NEON etwas stört, nen brief schreiben würde, hätte ich deutlich weniger freizeit… lieber einfach ignorieren. „bild für studenten“ trifft es da schon einigermaßen.

  3. Huhu lantzschi,

    bin auf der Suche nach Diskussion zu dem Neon-Artikel hier gelandet. Danke fürs Hochladen, und für das Verlinken des offenen Briefs – ich hatte tatsächlich mit einer Freundin neulich ausgehend vom Artikel (den wir beide nicht gelesen hatten) eine ziemlich spannende Diskussion zu dem ganzen Thema. Um so trauriger, dass der Artikel selbst nun so ein entsetzlicher Haufen verletzender Mist ist. Für wirklich alle auch nur möglicherweise an dem Kuddelmuddel Beteiligten – Respekt.
    … Ich verweise ja nun gern auf Moff’s Law und würde niemandem anschaffen, irgendwas am Besten zu ignorieren oder wenigstens nicht öffentlich darüber zu reden oder schreiben (für wen auch immer in welcher Situation auch immer das ein gangbarer Weg sein mag, das ist ja ok), insofern danke Dir: Was Du hier schreibst, war für mich wichtig, und gut zu lesen. Und nicht nur in diesem Post, ich hab weitergelesen. Ganz abgesehen davon, dass ich hier Deine Ansicht teile.

  4. Provinzlesbe

    „kennt andere Texte“

    Nele Tabler hat gleich nach Erscheinen der Neon was darüber geschrieben
    http://www.karnele.de/kolumnen-und-texte/lesbisches-leben/ab-und-zu

  5. teresa

    mh. mir ist jetzt ehrlich gesagt unklar, warum so eine große aufregung wegen dieses artikels herrscht.

    ich bin nicht lesbisch. nein, hier meldet sich mal eine der „modelesben“ zu wort. und dieser artikel wollte, so denke ich, in keiner art und weise die lesbische szene schlecht machen. aber er hat recht. bezüglich modelesben nämlich.

    es gilt tatsächlich als schick mit einer frau sex gehabt zu haben. und ja, ich habe einen freund, einen ganz tollen nebenbei gesagt, der es auch interessant fände wenn ich mal mit einer frau was hätte. viele meiner freundinnen sehen sich da regelrecht unter druck. und vorallem jene die gerade verlassen wurden oder ähnliches probieren sich oder probierten sich mit frauen aus.

    und ich kann die autorin verstehen: da steckt nix dahinter.
    kein großes sexuelles verlangen. und von liebe oder sowas brauchen wir da jetzt auch nicht sprechen. es ist ein selbstversuch. ein selbstversuch den relativ viele frauen betreiben. (und nebenbei gesagt finde ich die verleugnung der tatsache dass hetero-frauen sich anders anziehen und ein anderes balzverhalten an den tag legen fast schon langweilig.)

    also ich kann die autorin in diesem für sie sehr wichtigen punkt gut verstehen. die wollte doch nur aufzeigen dass sich in der szene menschen rumtreiben die sich ausprobieren möchten und nicht mehr.

    also: warum um alles in der welt ist da jetzt so eine aufregung???

  6. Zur Not auch mal die Links lesen vorm Kommentieren.

  7. […] der Darstellung des Ausprobierens von Sex unter Frauen in einem aktuellen NEON-Artikel, via z.B. lantzschi oder auch gleich Kweenz, aber hallo. Und weil ich das Problem nicht nur mit diesem Artikel habe, […]

  8. […] Nachtrag: Lantzschi hat den Artikel eingescannt […]

  9. marki

    Aaaaloso. Also ich muss mich schon sehr wundern, wieso es “neon” überhaupt bin in irgendene reflektiertere Szene / Bogs hinein schafft.
    Ich lese das normalerweise nicht, erinnere mich aber an abstoßenden illustrationen, doofe, platte Artikel, alles etwas beliebig, grell und mainstreamig. Ich bin fest überzeugt, daß in jedem einzelnen Artikel mehr an Sexismus zu finden ist als in dem natürlich zu Recht gebashten von “Xenia”.

    Was sie Autorin natürlich noch immer nicht zu einer aufgeklärten, reflektierten, guten Person macht, aber immerhin auch bedeutet, daß sie in einem sexualisierten Medium einmal eine lesbische Meinung vertreten darf – so gesehen ein ganz schöner Bruch im Malestream. Eben deshalb ist der Artikel vermutlich auch schön sexistisch und dumm – man darf die Neonleser_innen auch nicht überfordern.

    Ich finde den in hier Auszügen zitierten Brief ehrlich gesagt nicht schlecht, denn er veralbert (?) den Artikel wegen seiner Rollenzuweisungen. (Hab aber auch nur den Auszug gelesen).

    Was ist denn schlimm daran
    – wenn Menschen sich nicht irgendwo als homo lesbisch bi sonstwas einordnen und einvernehmlich miteinander Sex haben?
    – wenn die sich vorher nicht outen und nicht vorher schwören, die Rolle xyz ein Leben lang ununterbrochen zu praktizieren? (Hallo, wir reden von einem onenightstand, da beichtet mensch auch unter Hetreros nicht das ganze Leben)
    – was ist so schlimm daran, wenn man eine Tussi (i.Sinne von Rollenild) aufreisst, und sie ist dann im Bett wie ne Tussi?
    – Wieso freut sich Xenia nicht, dass sie das bekommen hat, was sie doch zuerst so wollte?

    Krass ist der Rat, dass man eine geplante sexuelle Praktik vorher schon mal auf Video einstudieren solle. Huah! Schreckliche Vorstellung. Und wenn alle das befolgen würden, würden alle Menschen das Video-Tutorial-Sex-Einheitsprogramm abspulen, ganz egal was das Gegenüber so macht. Alle praktizieren die Reihenfolge abc und stönen an den Punkten xyz?? AUA.
    Krass auch die Vorstellung, dass man mit Sexarbeit bezahlt und dann bezahlt wird. Nicht ganz unberechtigt, sich von Sex Befriedigung zu erhoffen. Aber selbst für einen onenightstand finde ich die beschriebene Verachtung für die Hetra ganz schön derb.
    Andererseits: Wir lesen Neon und unsere Protagonistin will die männliche Rolle spielen, vielleicht ist das „da“ einfach so, daß man die Menschen mit denen man Sex hat (Haben will?) ganz doll hasst und objektiviert?
    Hach, ich weiss ja auch nicht, der Beitrag is nun schon sehr „work in progress“ geworden und wird auch Nichts anderes mehr, deshalb hör ich auf.

  10. Also ich habe ja schon so scheißoft gehört dass Lesben grundsätzlich Karohemden und Kurzhaarfrisuren tragen – kein Wunder wenn Frauen die etwas femininer unterwegs sind nicht als auf-Frauen-stehend wahrgenommen werden. Das Mantra wird dann auch so lange wiederholt bis eine Frau mit langen Haaren die noch nicht so oft auf Lesbenpartys war als Modelesbe abgestempelt wird.
    Ist mir auch schon passiert. Früher habe ich mich als bisexuell bezeichnet, inzwischen habe ich es aufgegeben mich zu labeln weil ich einfach nicht weiß was ich bin. Nur: Wie soll ich es rauskriegen wenn in der Lesbenszene bi ih ist und alles mit langen Haaren „Modelesbe“ – und damit natürlich unantastbar?
    Zumal diese beknackte Autorin sich ja auch echt nicht fürs Zustimmungskonzept interessiert. Ich würde auch aufs Mädchenklo flüchten wenn mir irgendwer einfach so ungefragt versucht die Zunge in den Hals zu stecken. Das ist einfach nicht meine Art!

    Dankeschön an all die dummen Tussen die meinen dass Bisexuelle es sowieso nicht ernst meinen statt erst mal zu fragen „Und, warst du mit 13 auch unsterblich in eine unerreichbare Frau verliebt?“ Ja, war ich. Ja, tat weh. Und noch viel mehr tut es weh dass ich als ungelabelte Frau ausgeschlossen werde. Totel bliss through strict lesbianism? As true as the fact that the moon is made of cheese.

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