16 Kommentare

  1. Ein linker patriotischer Jurastudent, dem das alles zu politisch gesehen wird und der sich diskriminiert fühlt. Irgendwie hab ich ja schon Mitleid mit dem Menschen, aber vielleicht macht das in seiner Realität ja alles Sinn, weshalb dann die äußere Realität für ihn temporär keinen Sinn macht, oder so.

    Und überhaupt, die armen nichtweißhautfarbigen Menschen. Gerade für die müssten doch Schlandflaggen erlaubt sein… Schließlich ist das voll Integration und so, Koch ist bestimmt auch gerade mächtig stolz auf SpOn…
    (überhaupt, dieser Satz: „Ein Mann mit dunkler Hautfarbe bekommt Ärger – wegen seines Bekenntnisses zu Deutschland. Verkehrte Welt.“ – den muss man sich auf der Zunge zergehen lassen… herrlich, NICHT.)

  2. Lieber No,

    für solche Anlässe nutze bitte meine Email-Adresse, statt die Kommentarfunktion zu missbrauchen. Normalerweise lösche ich sowas. Viele Grüße

  3. …während um die Ecke irgendwelche „Linken“ „Einwanderern“ vorschreiben, wie sie zu Deutschland zu stehen haben, selbst „deutsch“ wie aus dem Bilderbuch. Bin ich froh, dass der schwarzrotgoldene Scheiß jetzt endlich wieder vorbei ist.
    (Über den Spiegel-Artikel hab ich mich aber auch tierisch aufgeregt.)

  4. wenn du dich über den spiegel-artikel aufgeregt hast, verstehe ich nicht, was du mir mit dem davorstehenden satz eigentlich sagen willst.

  5. ich habe mich über den spiegel-artikel aufgeregt, weil er meiner ansicht nach 1. wie du sagst, schwarze gegen linke ausspielt, auf eine ekelhafte weise, die impliziert, schwarze könnten nicht „richtige deutsche“ sein, und 2. darüberhinaus auch aus einer mücke einen elefanten macht (wenn ein schild an der tür steht, dass bestimmte dinge nicht erwünscht sind, dann hält man sich dran, oder man geht. gibt ja wahrlich genug kneipen in neukölln). ich hege sympathien für leute, die solche schilder an die tür hängen, und das schwarz-rot-goldene flaggenmeer behagt auch mir ganz und gar nicht.
    deswegen käme ich aber umgekehrt noch lange nicht auf die idee, es de facto verbieten zu wollen, und auch noch in paternalistischster manier irgendwelchen einwanderern hier vorschreiben zu wollen, wie sie sich als migranten zu deutschland, seinem fußballteam oder sonst irgendwas deutschem zu stellen haben. ich beziehe mich auf die riesenfahne an der sonnenallee.
    ein wenig offtopic: soeben von einem dreimonatigen libanon-aufenthalt zurückgekehrt, kann ich nur sagen, dass a) im gegensatz zu dem, was dort aufgeboten wird (inkl. schrecklichkeiten wie dieser hier: http://www.nowlebanon.com/NewsArticleDetails.aspx?page=1&ID=184184&MID=123&PID=2&FParentID=0&FFParentID=0#comments), die deutschlandbegeisterung hier fast schon mickrig ist (was mir um himmels willen recht ist!), dass es b) ziemlich gute gründe hat, dass ein libanese sich hier durchaus wohl fühlen kann und dass c) die aufforderung, er solle doch eine palästinensische flagge aufhängen, für mich von einer so grundlegenden ahnungslosigkeit und naivität zeugt („du bist doch araber, du musst die doch unterstützen!“), dass ich wirklich wünschte, diese heinis würden ihre an sich lobenswerten antirassistischen energien in sinnvollere projekte umleiten als fahnen zu zerstören.
    das alle zwei jahre ertönende geschrei wegen der fahnen erinnert mich ein bisschen an das kollektive erstaunen, wenn es wieder eine gewalttat mit nazi-hintergrund gibt. die rechten deppen sind ja die ganze zeit da, aber es wird darauf gewartet, dass sie ihre fahnen hissen, um sich über sie aufzuregen, und gleichzeitig alle anderen, die aus verschiedensten anderen gründen (fußball, z.b.?) fahnen raushängen, gleich mit in einen topf zu werfen.
    wie gesagt, ich teile das unbehagen über diesen ganzen fahnenwahn, ich finde nur, es gibt wichtigeres. es wird tatsächlich immer normaler. aber es gibt ja auch ganz andere sachen, die normal sind und mich stören, ich muss mich irgendwie damit arrangieren. und ich finde auch, dass es teilweise groteske formen annimmt (nicht bei obigem vorfall, aber bei dem in der sonnenallee)

  6. Heidrun, danke für die Präzisierung.

    Ich denke, dass Antinationalismus in weiten Teilen der Linken immer eine Rolle spielt, omnipräsent ist, aber zu Nationalevents natürlich nochmal weiteren Drall bekommt. Ist doch fast logisch. Ich fand die Antifa-Aktion(en) bezüglich der Flaggen auch bescheuert, aber Cafés, die sich grundsätzlich gegen Nationalfarben aussprechen, völlig in Ordnung. Die Entscheidung muss letztlich bei den Leuten bleiben, da gebe ich dir recht. Totalitäres Vorgehen, egal aus welcher politisch (un)motivierten Ecke es kommt, lehne ich ab.

  7. eben. weil es ja auch nur an der oberfläche rührt, in diesem fall ja sehr extrem.
    weiter bringt das keinen, auch wenn es natürlich logisch ist, dass man als antinationalist die krise kriegt (wobei konsequenter antinationalismus evtl. ja auch die palästinensische flagge ausschließen müsste, so wie jede andere auch? ich hab diese intellektuellen verrenkungen da nie so ganz verstanden.)
    während so ein simples verbotsschildchen die leute vielleicht (eventuell, man kann ja nie wissen, die hoffnung nicht aufgeben, etc.) ein wenig zum nachdenken bringt. auch wenn es eben leider dem spiegel vorwand für strange artikel ist…

  8. @lantzschi: ich lese hier gerne, viel und meist auch zustimmend-mit-dem-kopf-nickend mit. aber eins will nicht in den selbigen, der dann auch immer mit dem nicken aufhört: was ist denn „totalitäres vorgehen“? gerade wenn man sich mit hegemonie auseinandersetzt, ist doch das problem, dass die vielbeschworene toleranz oft genug selber repressiv wirkt: wenn eine hegemoniale position im diskurs von der marginalisierten „toleranz“ einfordert, dann ist es vielleicht totalitär, aber auch bitter notwendig diese zu verweigern. denn das nachdenken, zu dem man die leute bringen will, muss an den grenzen der aufklärung auch ersteinmal erzwungen werden, oder?
    @heidrun: ich war zuerst richtig fuchsig, als ich den satz „in paternalistischster manier irgendwelchen einwanderern hier vorschreiben zu wollen, wie sie sich als migranten zu deutschland, seinem fußballteam oder sonst irgendwas deutschem zu stellen haben.“ las – einfach weil ich dachte du wiederholst den spiegel schmarren – schließlich ist es gerade paternalistische kackscheiße jemanden von der kritik an der fahnenschwenkerei auszunehmen, weil er migrant ist. dann aber bin ich über die geschichte mit der palästinafahne erschrocken – die ich nicht kannte. nun also: wenn der erste eindruck stimmt, fühl dich kritisiert, wenn du dich damit auf den grenzdebilen vorschlag bezogen hast eine palästinafahne aufzhängen, dann betrachte meinen sermon als gegenstandslos und wenn keins von beidem stimmt: erklärs mir bitte!

  9. @lantzschi: wow, das nenn ich mal kurz gefasst. aber mal im ernst: was „totalitäres vorgehen“ sein soll, hab ich immernoch nicht verstanden. und unabhängig vom „anders sehen“ – vielleicht operieren wir ja auch mit unterschiedlichen begriffen von „zwang“: da wir alle auf und gedeih‘ und verderb‘ unserer gesellschaftlichkeit ausgeliefert sind (und immer sein werden), ist es nicht unumgänglich die einzelne und den einzelnen zur anerkennung bestimmter standards „zu zwingen“ – jemand der sich z.b. in einer rassistischen welterklärung eingerichtet hat, muss ja erst auf die notwendigkeit einer revision seiner position gestoßen werden und sei es nur durch den zwang sich mit „fremden“ in seiner nahwelt zu arrangieren, oder?

  10. ja, das sehe ich wie du. als libanese eine deutsche flagge aufzuhängen, ist aber keine rassistische praxis und demnach sollte diese form von „zwang“ hier nicht gelten. ich finde es totalitär, ihm eine antinationale haltung aufzuzwingen, indem man seine flagge abreißt. totalitär ist für mich ein akt, diverse meinungen zu universalisieren, sie einer einzig gültigen meinung zu unterwerfen. es ist allerdings insgesamt schwieriges thema, immer eine form der abwägung. ich habe da keine endgültige meinung zu.

  11. ich weiß glaube ich nicht 100%ig, worauf du hinauswillst, und ich kann bei der hitze als altes wintertier auch nicht wirklich gut denken, aber ich versuchs trotzdem.
    ich finde es durchaus paternalistisch, irgendjemandem mit gewalt (ich weiß, sachschaden und so, aber gewaltlos ist es trotzdem nicht) erzählen zu wollen, wie er zu irgendeinem land zu stehen hat. zumal mir diese vermischung von fußball und nationalismus, obwohl ich sie gefühlsmäßig verstehen kann, rational nicht so ganz passt. denn sie ist nicht immer da. es ist ja auch nicht so, dass hier nie andere flaggen zu sehen gewesen wären. die libanesische, die nach einer bestimmten lesart für einen hochkorrupten, systematisch rassistischen staat stehen kann (und gleichzeitig für tausend andere, auch positive dinge), flattert auch unbehindert in der pannierstraße herum.
    diese ziemlich komplexe palästina-geschichte mal außen vor (wann „darf“ man gewalttätig nationalistisch sein und wann hört dieses recht auf – eine frage, die imho schwierig zu beantworten ist), da kommen privilegierte weiße deutsche, und erzählen einem, der vor bürgerkrieg, und möglicherweise auch rassismus und armut hierher geflohen ist und trotz aller schwierigkeiten froh und glücklich ist, hier leben zu dürfen, wie er sich zu deutschland zu stellen hat, weil er sich weigert, sich in ihr bild vom unglücklichen benachteiligten migranten zu fügen – und das ist nicht paternalistisch? er (oder sein cousin, das hab ich gerade nicht mehr im kopf) hat auch selber gesagt, dass er nicht der „vorzeigemigrant“ sein möchte, dazu versuchen ihn aber von rechts und von links verschiedene kräfte zu machen.
    „schließlich ist es gerade paternalistische kackscheiße jemanden von der kritik an der fahnenschwenkerei auszunehmen, weil er migrant ist“ – kritik ist was anderes als fahnen abfackeln. fahnen abfackeln ist die methode von jemandem, der sich anders nicht äußern kann. und es ist auch gegenüber weißen deutschen paternalistisch, ihnen rassistische motive bei ihrer fahnenschwenkerei zu unterstellen. es ist die „nazikeule“, die keine meinung zwischen einem selbst und der npd gelten lässt, um es mal flapsig zu formulieren.
    ich wünschte wirklich, es gäbe keinerlei nationalflaggen auf der erde, und ich hege einen intuitiven ekel vor nationalismus, auch weil er mir sehr fremd ist, aber dass es die eine flagge nicht geben darf und alle anderen schon, halte ich für sehr kurz gedacht, echte kritik daran in allen ehren.
    und wenn ich selbst eine kneipe hätte, hätte ich wohl auch so ein schildchen an der tür wie das tristeza. deswegen laufe ich aber nicht rum, und versuche (ohne widerspruch zu dulden!) anderen zu erzählen, dass sie gefälligst genauso zu denken haben, weil es für mich nur schwarz oder weiß gibt. das ist für mich das ultimative klischee vom „deutschen“.

  12. jetzt wohnen wieder zwei seelen in meiner brust: ich würde DIE fahnengeschichte, die hier, also in nichtberlin, wohl nicht zur genüge bekannt ist, gerne außen vor lassen, aber andererseits beziehen sich, aus der genese der diskussion verständlich, die beispiele darauf. ich wollte ja auch nicht den armen kerl als rassisten verunglimpfen, sondern auf einer anderen abstraktionsebene nochmal die zwangfrage stellen. ich probiers einfach nochmal, vielleicht kommt ja was fruchtbares dabei raus.

    @lantzschi: ich glaube, dann finde ich den begriff „totalitär“ schwierig. autoritär trifft es dann doch viel eher, oder? selbst wenn man den unsäglichen totalitarismus-begriff verwenden will, dann bezeichnet der ja auch eher eine polit-soziale verfasstheit als einen standpunkt (zumindest hab ich ahrendt so verstanden).

    @heidrun: jetzt wirds spannend – denn, praktisch scheinen wir einer meinung, aber inhaltlich muss ich dir widersprechen (wie besagt, leaving aside, dass dieser vorfall daneben gewesen zu sein scheint). es geht nicht darum, wie jemand zu einem land steht, sondern wie er sich dazu verhält! in einer aufgeheizten stimmung (und eine solche hat die wm schon produziert), eine libanonfahne abzurupfen wäre grottendumm, weil es von einem rassistischen angriff nicht zu unterscheiden wäre. die deutschlandfahne hingegen wurde ja auch wo ganz anders attackiert – es ist eben nur kein zufall, dass die medien sich an den fällen, wo es keine „biodeutschen“ getroffen hat, so echauffiert haben – ich halte das für einen ganz klaren fall davon, die eigene position an einem dritten zu retten. und ich wäre auch dafür, die aufhänger solcher fahnen etwas ernster zu nehmen: wenn der sponartikeljurastudent sagt, man solle das alles nicht so politisch sehen, fragt man sich ja schon, warum er das bändchen nicht einfach abgenommen hat (rhetorische frage, weil er das tragen nämlich sehr wohl politisch meint, genau wie auch spon, sonst würden sie ja wohl kaum von „patriotismus“ reden). so gesehen hat das „nicht dulden“ der fahne erst den politischen aspekt ans tageslicht gezerrt über den dann nachgedacht werden kann. selbiges könnte auch als argument für fahnenverbrennung gelten (wenn’s nicht verboten wäre ;)): keine fahne tragen stört keine sau und bringt auch nicht zum nachdenken. erst damit konfrontiert damit, dass eine fahne malträtiert wird, zeigt die angepisste betroffenheit, das es hier wohl um mehr als sport und party geht – ohne eine gewisse libidinöse besetzung der nationalsymbole würde deren schändung mich ja wohl kaum zur weißglut bringen.

  13. stimme dir voll und ganz zu, was das künstliche echauffieren der medien angeht und dessen bedeutung in den meisten fällen (und im obigen ganz bestimmt), auch was die angepisste betroffenheit angeht.
    nur, in manchen fällen sind die betroffenen gar nicht so schlimm angepisst (wie anscheinend in dem fall, den ich hier etwas offtopic reingebracht habe, der ja aber zum selben themenkreis gehört.) nur, weil dieser komische jurastudent irgendwas mit patriotismus und auch einiges anderes falsch verstanden hat, heisst das ja im umkehrschluss auch wieder nicht, dass jeder fahnenaufhänger genauso bräsig ist.
    ich hab auch schon von leuten gehört, die sich ihr schwarzrotgoldenes streifchen auf der wange eben abgeputzt haben, um in die kneipe „freies neukölln“ (mit dem gleichen schildchen an der tür) zu gehen. geht ja auch.
    spiegel greift sich ja hier natürlich den alibi-schwarzen raus, das ist ja leicht zu erkennen, der ja dann qua hautfarbe automatisch ein „guter patriot“ sein muss.
    aber das brauchen wir ja nicht weiter auseinanderzupflücken, ich denke, da sind wir uns auch einig.
    interessant und vielsagend ist schon die bloße existenz dieser diskussion, natürlich. insofern hast du natürlich recht, dass der protest diese diskussion erst antreibt;
    es geht dann ja um die formen dieses protestes und ihre implikationen.

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