Die DFB-Elf bei der WM 2010 – Eine Kritik

An Müller lag es nicht. Auch wenn seine quirlige und rotzige Art dem Spiel der DFB-Elf vielleicht hätte ein paar Impulse hätte geben können. Spanien hat verdient das Finale der Fußball-WM der Männer erreicht, auch wenn mich diese Mannschaft mit ihrem statischen Spiel bisher wenig überzeugt hat. Ich gönne ihnen den Weltmeistertitel, halte sie für stärker und reservenreicher als die Niederländer, zumal ihr Mittelfeld eine Weltklasse für sich ist.

Dass das kein Durchmarsch für deutschen Spieler wie in den vorangegangenen Spielen werden sollte, war mir klar. Mit Pedro, Iniesta, Xavi und Alonso stehen da vier Männer, die, was die Offensiv- und Defensivarbeit im Mittelfeld angeht, den jungen und zum Teil unerfahrenen deutschen Spielern haushoch überlegen waren. Schnelle Stellungswechsel, exzellent im Zweikampf, hohe Ballsicherheit und eine Passgenauigkeit, die schon mal die Zunge schnalzen lässt. Villa geht zudem die wichtigen Wege, stellt sich gut zum Ball, läuft sich frei, ein sehr gefährlicher Spieler. Toll.

Insgesamt hatte Spanien wesentlich mehr vom Spiel, preschte mit Ramos weit nach vorn, die DFB-Elf ließ sich ungewohnt weit zurückfallen, die deutschen Spieler hatten Respekt. Kaum einer traute sich was zu, das Spiel nach vorn war gekennzeichnet von Fehlpässen und der Mutlosigkeit, das Spiel an sich zu reißen und der Blick für den freistehenden Spieler fehlte fast gänzlich. Es war insgesamt ein schwaches Spiel der DFB-Elf, die spanischen Gegenspieler hatten sie selten im Griff. Beste deutsche Spieler waren für mich gestern Neuer, Klose und zum Teil Schweinsteiger. Wenn Spanien hätte geschlagen werden können, wäre die Niederlande kein Gegner gewesen, sondern die eigene Angst.

Ich freue mich, dass die DFB-Elf bei dieser WM die beste Mannschaft war, technisch sehr versiert, sehr schnell und sehr offensiv, taktisch klug und die Aufstellung, die Löw für seine Mannschaft wählte, war immer die richtige. Außer gestern vielleicht. Aber vielleicht mangelt es auch hier an Alternativen. Gewiss, diese Mannschaft ist jung, kann noch weiter reifen und sie überzeugte mich wesentlich mehr als bei der WM 2006. Fußball auf hohem Niveau und mit viel Freude am Spiel. Ich frage mich allerdings, was in den nächsten zwei bis vier Jahren werden soll.

Mit Mertesacker und Friedrich sind die zwei besten Innenverteidiger der DFB-Elf bereits sehr alt (Heiko Westermann ist ein Innenverteidiger zu wenig), Klose im Sturm ebenfalls, hier fehlt der Nachwuchs.  Im Sturm überzeugte Cacau bisher überhaupt nicht, im Team von Löw fehlen ihm die Knippser-Qualitäten, die man von ihm so oft bei Stuttgart bewundern konnte. Gomez… ja dieser Gomez. Löw sollte ihn endlich aufgeben und Kießling den Vortritt lassen. Unerklärlich, wie dieser gute und torreicher Stürmer bei dieser WM auf der Bank schmoren durfte.

Podolski, ich mag ihn nicht. Ruft viel zu selten sein eigentliches Können ab, ein guter Einzel- aber kein toller Teamspieler. Macht kaum Laufwege und hat keinen guten Blick. Sein Linksfuß ist super, aber dazu muss er erstmal zum Tor kommen oder sich gut positionieren. Von ihm war ich insgesamt sehr enttäuscht. Sein jugendliches Raufiverhalten kann er langsam mal ablegen, diese Mannschaft funktioniert in ihrer Gesamtheit und nicht weil Einzelne durch Aaah-Aktionen glänzen. Vielleicht im Sturm eher passend, aber dazu müsste Löw umstellen. Marin wäre eine Podolski-Alternative.

Mit Khedira und Özil hat das Team zwei gute Mittelfeldmänner, defensiv und offensiv, die dem Spiel aber noch mehr ihren Stempel aufdrücken könnten. Schweinsteiger ist DER Spieler der deutschen Mannschaft, kapitänwürdig, Lahm sehe ich da nicht. Der hat 2006 noch mit seinen Offensivqualitäten geglänzt, die waren 2010 eher Mangelware. Auch sein Zweikampfverhalten war schon mal besser. Schade.

Und Ballack? Zum Glück hat er dieses Turnier kein Stück gefehlt, auch wenn er mit Friedrich die meiste Erfahrung im Team hat. Außerdem ist er mittlerweile ziemlich alt für einen Fußballspieler, 2014 wird er keine Rolle mehr spielen. Ich habe nicht gesehen, an welcher Stelle er sich hätte gut ins Spiel der Nationalmannschaft hätte einpassen können. Natürlich hat er die taktische und technische Entwicklung seit 2002 in der Nationalmannschaft mitgemacht, doch das Spiel ist mittlerweile zu schnell und offensiv für einen wie Ballack. Wie will er die Mannschaft da führen können?

Trotzdem steht Ballack für das, was neben der Passgenauigkeit der DFB-Elf bei dieser WM gefehlt hat. Abgeklärtheit bei Standards. Die Ecken waren harmlos, die Freistöße ebenso, Distanzschüsse wirkten lächerlich ungefährlich. Da waren Frings und Ballack (und Hitzlsperger) bis dato das Maß aller Dinge. Die Chancen entstanden aus dem Spiel heraus. Das kann mensch löblich finden, ich finde es für internationale Turniere zu wenig.

Spielfreude in allen Ehren, das war wunderschön anzusehen, die hohen Siege völlig gerechtfertigt, doch eine Mannschaft muss den Ball auch streckenweise kontrollieren können, Ruhe reinbringen, wenn es brenzlich wird, Chancen mit gutem Auge herausspielen, das Spiel ohne Ball effektiver werden, und wenn es mal nicht so gut läuft, müssen die Standards für Tore sorgen können und der Abschluss noch treffsicherer werden (Kroos Torchance gestern war mehr Gedöns denn Können). Der Arbeitssieg gegen Ghana wirkte alles andere als gekonnt.

Das steht zwar alles nur in Maßen für modernen, schnellen Fußball, aber auf einen taktierenden, statischen und defensiven Gegner wie Spanien muss sich eine Weltklassemannschaft im Notfall sofort einstellen können. Spanien ließ sich nämlich nicht wie England und Argentinien vom Offensivspiel der Nationalmannschaft überrumpeln, auch weil sie mit „der spanischen Wand“ im Mittelfeld aufwarten konnten.

Ich bin gespannt auf 2012 und 2014, hoffe, dass Löw weiterhin Bundestrainer bleibt und würde mir von den anderen Bundesligavereinen eine bessere Nachwuchsarbeit wünschen. Auch wenn ich Bayern München noch nie gemocht habe, die machen das nämlich super.

3 Kommentare

  1. Wow, du guckst aber genau hin! So könnte ich das nicht. Was ich aber kann, ist aufgrund einer historischen Analyse sagen, wer jetzt Weltmeister wird: historisch betrachtet verliert Holland letztendlich doch in Südafrika. Wie gerade gehabt. Kommt es jedoch dazu, das Spanien am gewinnen ist, wird wie im 80 jährigen Krieg jemand geschickt mit irgendeiner isabella von kastilien verheiratet und schwupps ist Österreich der Sieger. Das fände ich auch fair.

  2. Ich hoffe auch, dass Löw Bundestrainer bleibt. Der BR hat aber heute gemeldet, die Zeichen würden eher auf Abschied stehen. Für die Nationalmannschaft wäre es ein großer Verlust, besonders wenn man sich die nicht vorhandenen Alternativen anschaut.

  3. hihihi! super satire auf den fußballanalysten-nazi-talk dieser tage! ich mich nervt das auch manchmal. schade, dass das für manche zu subtil sein könnte… :)

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