Re:publica, Tag 1

Ich hätte natürlich auch ein Foto von Sascha Lobo posten können, wie er einen wirklich erfrischenden Vortrag hielt, „how to survive a shitstorm“. Wir sind alle Trolle und einige kommen den Lobo auch ab und an besuchen. Sehr witzig, die E-Mails, die er zeigte und was er über seine liebsten Trolle so herausfand.

Aber irgendwie war mir heute nicht nach fotografieren. Und so vielen war irgendwie nicht danach, ihr iPhone, ihre MacBooks und ihre Netbooks und Laptops (für die Uncoolen) herauszukramen, sich an den Körper zu binden und Nerdtransformers zu spielen. Viele saßen einfach nur da und hörten zu. Oder schrieben (!) sich Sachen auf. Mit Zettel und Stift. Es war/ist unfassbar. Und schön.

Obwohl ich leider nicht so viele Veranstaltungen heute besuchen konnte, teile ich Mathias‘ Eindruck: wir sind endlich wer. Es benötigt keine Grabenkämpfe mehr, es ist möglich, eine Web-Veranstaltung zu konzipieren, ohne ständig über DEN Journalismus und DIE Zeitungen zu reden, ohne sich ständig antagonistisch oder anbiedernd oder whatever zu den Mainstreammedien zu definieren, ohne Monetarisierungskram zu fragen, ohne ihn zu beantworten. Endlich. Kann über all das andere geredet werden. Unabhängig von Geld und Gönnern.

Auch Frédéric schreibt einen wunderschönen Artikel über den ersten #rp10-Tag. Zeigt auch: Diversity.  Themen und Menschen sind vielfälig. Längst hängen auf so einer Konferenz keine Nerds und Geeks mehr rum, Technik wird zur Nebensache, es geht um Poesie und Projekte. Und dann merkt man, dass es ganz selbstverständlich ist, da zu sein. Auf dieser Messe/Konferenz/Whatever, wenn man sich für’s Netz begeistern kann und was da so abgeht und wenn man da nicht nur reinschreibt. Schön.

Dennoch: Es gibt sie noch, die alte Garde und sie lesen Tweets vor. Tweets von Leuten, die noch nie über das Netz geredet haben, sondern es einfach benutzen und somit den Begriff neu füllen. Leute, die nicht mal wissen, was jetzt eigentlich diese komische Konferenz ist, wo so viele ihrer Follower abhängen und ihre Timeline mit komischen Hashtags vollspammen. Aber sie lesen auch Tweets von Leuten vor, die mit dem Nerdtum so selbstironisch und liebevoll umgehen, dass man weinen möchte vor Freude, weil man im tiefsten Inneren genauso denkt.

Und ja, natürlich sehe ich im RL (Real Life) genauso aus wie hier im Virtuellen. Ich gehöre nicht zu den aufgedunsenen und fettigen Bloggern und Web2.0-Nerds, die ihre Avatare und Profilbilder bis zur MissWahl photoshoppen. Real Life in Real Time. Fake war gestern! Jau.

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