Einen deutschen Bogen spannen – Kleine Anekdoten aus öffentlichen Diskursen

Foto: Flickr (CC)

Morgen beginnt die Berlinale. Der neue Film von Roman Polanski wird gezeigt, die Darsteller werden da sein. Nur Polanski nicht. Der sitzt mit Fußfessel in seinem Schweizer Anwesen, weil er vor rund 30 Jahren eine 13-Jährige mit Drogen und Alkohol gefügig machte, sie stundenlang missbrauchte, das darauffolgende Verfahren als unzulässig erklärt wurde, Polanski aus den USA flüchtete und vor einiger Zeit entschieden wurde, das Verfahren neu aufzurollen.

Für Polanski setzen sich seit der „Fußfessel“ viele (deutsche) Stars ein und fordern seine Freilassung aus der Untersuchungshaft und drängen auf die Einhaltung der Verjährungsfristen. Medien hierzulande sind sich uneinig über die Verwendung der Begriffe Vergewaltigung, Missbrauch, „zum Sex gedrängt“ sowie über das Bild, das sie von Polanski zeichnen. Es ist auch von Sex, Drugs and Rock’n’Roll die Rede.

Vor wenigen Wochen erfuhr die breite Öffentlichkeit vom jahrelangen Missbrauch in den 70ern und 80ern am Canisius-Kolleg in Berlin.  Auch an anderen jesuitischen Schulen in Hamburg und Baden-Württemberg sollen dieselben Padres sich wieder an Jungen vergangen haben. Der Orden schwieg, die katholische Kirche hielt die Sache unter Verschluss.

Seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle ist eine neuerliche Debatte über die katholische Kirche, das Zölibat, Pädophile und Homosexuelle in Gang gekommen. Eine wichtige Meldung nach wenigen Tagen war, dass noch unklar sei, ob die Verjährungsfrist in diesen Fällen gelte. Man wolle der Sache zügig nachgehen.

In ihren Texten singen Sido, Bushido, Frauenarzt, B-Tight & Co. u.a. von Fotzen und Vergewaltigung und scheiß Schwuchteln.

Sie führen ein bürgerliches Leben, verdienen sehr viel Geld, werden oft zu Talkrunden und in andere Shows eingeladen, sind Lieblinge der Mainstreampresse und setzen sich u.a. für Jugendliche mit Migrationshintergrund in Problembezirken ein.

Peter Scholl-Latours aktuelles Buch „Die Angst des weißen Mannes. Ein Abgesang“ rangiert in der Spiegel-Bestsellerliste auf den vorderen zehn Plätzen. In dem Buch ist u.a. von Rassen, fernen Ländern, exportierten Werten des weißen Mannes wie Demokratie und Menschenrechte (von denen nichts bleiben wird) und hässlichen Inselfrauen die Rede.

Keines der rezensierenden Medien nimmt die Worte Rassismus und Sexismus in den Mund.

„Der Islam“, Minarettverbot, Karikaturen, Terrorismus

Studien finden heraus, dass antisemitische Haltungen in Deutschland zunehmen. Hauptsächlich unter Menschen mit arabischem oder türkischem Hintergrund.

Linksextremismus

Sogenannte Extremismusforscher glauben, dass Deutschland und seine demokratischen Wertvorstellungen vom aufkeimenden „linken Terror“ erodiert werden. Auf Demonstrationen der NPD und rechtsextremen Gruppierungen, bei denen Menschen, Linke, Alternative, Punks, Antifas und Autonome als Gegendemonstranten in Erscheinung treten und u.a. mit Sitzblockaden einen „reibungslosen“ Ablauf der Nazi-Demos verhindern wollen, geht die Polizei gegen diese mit besonderer Härte vor. In Berlin werden 2009 weit über 300 Pkw in Brand gesteckt. Nicht immer handelt es sich um Luxuswagen. Immer handelt es sich um eine linksextremistische Straftat. Die TäterInnen werden trotz intensiver Polizeiarbeit nur selten bis gar nicht ermittelt. Die Berichterstattung über Rechtsextremismus nimmt ab. Rassimus und gruppenbezogene Fremdenfeindlichkeit werden gar nicht thematisiert.

Familienministerin Kristina Köhler richtet am BMFSFJ eine Abteilung ein, die sich um die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Jungen und Männern kümmern soll.

Eine aktuelle Studie des DIW hat ergeben, dass 2,5 Prozent aller Vorstandsmitglieder der 200 größten Unternehmen Deutschlands (ohne Finanzsektor) Frauen sind. Berufstätige Männer verdienen etwa 20 Prozent mehr als berufstätige Frauen (bei gleicher Tätigkeit und Position).

Familienministerin Köhler plädiert weiterhin für die Einführung eines Betreuungsgeldes, das Eltern monatlich gezahlt werden soll, die ihr Kind nicht in eine Kita schicken.

In Deutschland gibt es nach wie vor zu wenige Kita-Plätze. Mehr Frauen als Männer arbeiten in Teilzeit, u.a. nach einer Schwangerschaft. Etwa 20 Prozent der Väter nehmen für etwa zwei Monate so genannte Elternzeit. Mütter bleiben im Durchschnitt sechs bis zwölf Monate in der „Babypause“.

Homosexuelle, die in eingetragener Lebenspartnerschaft („Homo-Ehe“) leben, dürfen nicht zusammen mit ihrem Partner/ihrer Partnerin ein Kind adoptieren. Der Gesetzgeber erlaubt außerdem keine reguläre künstliche Befruchtung. Ein Pflegekind wird einem gleichgeschlechtlichen Paar nur selten zugeteilt.

Ehe und Familie genießen im Grundgesetz besonderen Schutz.

Menschen mit türkisch oder arabisch klingendem Namen haben bei Bewerbungen (ohne Foto) nachweislich weniger Chancen, eine Stelle zu bekommen, als Menschen mit deutschem Namen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) arbeitet seit ihrer Einrichtung 2006 nicht wie im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vorgeschrieben mit NGOs, Verbänden und Projekten zusammen, von denen einzelne namhafte Vertreter im Beirat der ADS sitzen. Seit der Bundestagswahl im September 2009 ist die Leitungsstelle der ADS unbesetzt. Gegen die zunächst feststehende Nachfolgerin, die wie ihre Vorgängerin Martina Köppen keine Erfahrung in der Antidiskriminierungsarbeit vorweisen kann, hatte eine weitere Bewerberin auf den Posten wegen Verstoßes gegen das AGG geklagt. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz kennen etwa 30 Prozent aller deutschen BürgerInnen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist für die Bekanntmachung des  AGG verantwortlich. Staatliche und nichtstaatliche Antidiskriminierungsverbände, die u.a. (rechts-)beratend tätig sind, melden eine steigende Zahl von Diskriminierungsopfern.  Rassismus und rassistische Übergriffe werden nach wie vor von Medien, Staat und Öffentlichkeit unter Rechtsextremismus subsumiert.

65 Kommentare

  1. Ich komme ab und zu an den Punkt, zu denken, dass das die einzige Möglichkeit ist, noch effektiv Menschen dazu zu mobilisieren, ihren Mund auf zu machen. Mal etwas mehr zu denken, sich zu wehren und so. Wenn sie von selbst drauf kommen können, wie krank dieser Zustand ist.
    Vielen Dank fürs Kompilieren.

  2. Schöne Zusammenfassung…aber dieses Binne-I ziehts doch ziemlich runter und wirkt immer sofort wie gewollt aber nicht gekommt. Schade.

  3. Es fällt auch mir schwer, in meiner Betroffenheit etwas anderes als ein herzliches Danke zu schreiben. Wie Johnny sagt:

    Dass die bisher einzigen beiden Kommentare nur das Wort „Danke“ beinhalten, zeugt dabei keineswegs von Faulheit, sondern vom Wissen darum, dass jede Bemerkung über dieses Wort hinaus länger als der eigentliche Text sein müsste.

    Auf den Kommentar von Schaps möchte ich nicht eingehen, der steht ja wohl für sich.

  4. Diese Selbstzufriedenheit geht mir schwer auf die Nerven. Jeder Mensch diskriminiert. Wenn ich euch erzähle, wie gern ich RTL2 schaue, wie oft ich bei McDonalds esse und wie ungern ich meinen Müll trenne, dann drückt ihr mir auch ein Label auf. All die Leute, die beim Lesen dieses Textes eifrig genickt und dann „Danke“ gesagt haben, mögen Menschen nicht wegen ihrer Religion, Hautfarbe oder Herkunft diskriminieren, aber vielleicht für schlechte Rechtschreibung, ihren Filmgeschmack, ihr Wahlverhalten oder für irgendeinen anderen alltäglichen Scheiß, bei dem sie meinen „besser“ zu handeln oder zu denken.
    Und jeder, der meint es träfe auf ihn nicht zu, fährt jetzt mal nach Hellersdorf, umarmt einen Nazi und geht mit ihm nen Döner essen. Nur keine Vorurteile – der macht da sicher gerne mit.

  5. @Olaf dein Kommentar ist völlig am Thema vorbei. Bitte lies doch mal, was Diskriminierung heißt oder nochmal den Text, bevor du mir oder Lesern weiter Selbstzufriedenheit unterstellst oder die oben dargestellten Beispiele mit Müll trennen vergleichst.

  6. @Schnaps: jemand der gendersensible Sprache gar nicht anwendet, weil er sie ohne Argumente scheiße findet, muss mir nichts von können erzählen oder? :) wer sonst nichts am Text zu kritisieren hat, langt zwangsweise immer auf die sprachliche komponente. Lächerlich. Ganz ehrlich. Ansonsten schau doch mal in den anderen Thread, da hab ich dir geantwortet.

  7. Ich unterstelle dir Selbstzufriedenheit nicht aufgrund dieses Textes – sie durchdringt quasi das gesamte Blog.
    Wegen „am Thema vorbei“: ich bezog mich nur auf einen Teil des Textes, der ja an und für sich kein Thema hat, außer dass verschiedene Problemstellungen in einer Gesellschaft verschieden reflektiert werden – trivial.
    Und wo sind bitte deine Quellen? Du schreibst von „Studien“ die irgendwas herausfänden, arabisch klingende Namen die ihren Besitzern schlecht Jobaussichten bescheren würden – sollen jetzt alle empört sein, weil du das sagst?

  8. Erstklassige Idee und Umsetzung, Respekt.

    Aber es geht nicht ohne aber: „Berufstätige Männer verdienen etwa 20 Prozent mehr als berufstätige Frauen (bei gleicher Tätigkeit und Position).“
    OCH NÖ. Das_stimmt_nicht. Ich weiß einfach nicht, wie man das noch sagen soll. Das mehr als ausreichend vorhandene Quellmaterial, das man für die Widerlegung braucht, ist schnell ergoogelt.

    Nuja. Perfekt ist halt nix.

  9. Na dann zeig mir doch mal deine Quellen, David. Ich hab nämlich andere Quellen zur Hand. Du zweifelst an? Dann bist du dran, den Gegenbeweis zu erbringen!

    @olaf: dann geh doch bitte woanders hin, wenn hier nicht so diskutiert wird, wie es dir passt. Ich lege keinen Wert auf deine substanzlosen Troll-Beiträge. Quellen gibt es zu hauf, sie sind Grundlage meiner Zusammenstellung. Ich gebe sie gern weiter. Allerdings nur an Leute, die an einem Austausch interessiert sind und nicht im Grundsatz Diskriminierung in Frage stellen und irgendwas von Empörung faseln.

  10. @schaps: Wie sähe denn ein gekonnter Weg aus, darauf aufmerksam zu machen, dass eine Gruppe Kommentatoren auch Kommentatorinnen beinhaltet?

    Neulich las ich dazu eine schöne Anekdote. In einem Seminar, dass überwiegend von Studentinnen besucht war, sagte die Dozentin bei Ansprachen auch „StudentInnen“ – die Studenten waren mitgemeint, aber man hörte halt das Binnen-I nicht.

    Das Gegenteil von gut ist leider „mitgemeint”.

  11. Erinnert mich seicht an das Entrüstungsniveau der Bild-Zeitung, nur etwas elaborierter und kontextintellektuell verpackt (vulgo: „zwischen den Zeilen und Bezügen“). Da ist alles und nichts drin. Man gefällt sich in der Beobachterpose und dem Anspruch, als Beobachter über den Dingen zu stehen. Das ist dann wohl das, was Ahnungslose heute kritische Haltung nennen und bis zur zynischen Erstarrung vor sich herbeten.

    Wohlgemerkt: Es geht um den Text, nicht um die Autorin.

    Herzlichen Gruß an Olaf Schnitzel, bei der Gelegenheit.

  12. @Christian. Na dann viel Spaß mit Olaf vor der Tür! Da könnt ihr euch selbst beweihräuchern mit den anderen, die nicht lesen können und nicht zuhören wollen.

  13. @Christian, @Olaf:

    Wie muss man drauf sein, um es nicht ablehnenswert zu finden, dass Menschen an Hand ihrer Ethnie, ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihrer sexuellen Neigung bewertet werden?
    Ganz ehrlich, ich verstehe das gar nicht. Gutmenschlichkeit ist doch super, habt euch nicht so (keine Ironie).

  14. Ich finde aber dass es Christian trifft. Ich finde die subtil gemeinte Betroffenheitspose auch nicht passend. Der Inhalt ist zu banal, um die Pose zu rechtfertigen. Banal, weil es jedermann bekannt ist, was dort steht. Natürlich kann man das anprangern, aber dann richtig und ehrlich mit dem Hammer. Dieser Text ist nicht ehrlich.
    Also pack den Hammer aus! Ich meins nur gut.

  15. @Form: gutmenschen sind stets die, die versuchen Ungerechtigkeit und Diskriminierung mit Ausreden zu rechtfertigen. Toleranz den Intoleranten also.

    Ich finde auch, dass mehr Menschen aufstehen sollten und viele tun es bereits. Aber wieso wird das immer von den betroffenen verlangt? Wieso wird Handlungsbedarf immer erst dann gesehen, wenn alles schon passiert ist? Wieso wird nicht von allen Mitgliedern einer Gesellschaft verlangt an einer Nicht-Diskriminierungskultur mitzuarbeiten und nicht nur für die Rechte von Betroffenen einzutreten sondern auch TäterInnen und Motive, Strukturen aufs Schärfste zu verurteilen?

  16. nochmal an alle nörgler, die vielleicht doch lust haben, sich konstruktiv an einer diskussion zu beteiligen: das ist ein text, der fakten, tatsachen, diskurse und debatten über themen zusammen- und gegenüberstellt, die gesellschaftlich relevant sind und von politik, medien, öffentlichkeiten, von hacke bis nacke immer wieder diskutiert werden. nicht mehr und nicht weniger. da dieses blog stets mit meiner meinung gefüllt ist, wollte ich es dieses mal dabei belassen, eine beobachterrolle einzunehmen und das zusammengestellte für sich sprechen zu lassen. wer das banal, subtilbetroffen oder zu wenig „hammer“ findet, den verweise ich gern darauf, die tags unter dem text zu klicken und weiterzulesen. wer das banal, subtilbetroffen oder zu wenig „hammer“ findet, der scheint nicht zu verstehen, wie diese diskurse politiken und gesellschaftliches miteinander beeinflussen, welche menschen davon betroffen sind, welche herrschaftsmechanismen dahinterstehen und in den meisten fällen menschen aus bestimmten mehrheiten ausschließen. dazu bedarf es keiner weiteren kommentierung meinerseits.

    argumentationen über die BILD aufzubauen ist gelinde gesagt einfach nur dämlich und lächerlich, genauso wie argumentationen aufzubauen, die stil und duktus kritisieren. das ist keine inhaltliche auseinandersetzung oder eine auseinandersetzung, die sich auf meine argumentationslinie bezieht. das ist bullshitting.

    nochmal: i’m not here for your education! ich muss euch nicht belehren und ich muss mich nicht erklären. wer anderen menschen themen abspricht, die sie betreffen oder die sie anschneiden, kann gerne gehen und seinen dreck irgendwo anders hinschreiben, das internet hat schließlich platz für alle. ihr versaut mit eurer trollscheiße eine sinnvolle und kritische diskussion und vor allem versaut ihr potenziellen kommentatorInnen die lust am mitdiskutieren.

    wenn ihr themen ansprechen wollt, die euch angehen oder betreffen oder zu denen ihr lust habt, dann schreibt sie auf. wordpress ist einfach zu bedienen, foren sind die spielplätze für alle labertaschen. die technologie ist direkt vor eurer nase. aber bitte verlangt nicht von anderen, wenn ihr selbst nichts vorzuweisen habt im kontext gesellschaftlicher debatten, dass sie das für euch übernehmen.

  17. Kleine Anmerkung: Im BMFSFJ gibt es schon lange eine Gleichstellungsabteilung, und in dieser gibt es schon seit Jahren ein Referat, das sich speziell um Männer kümmert – übrigens lange von zwei Frauen geleitet und nur zu grob einem Fünftel aus Männern bestehend. :-) Das ist also keine Idee der neuen Ministerin.

  18. Sehr wertvolle Zusammenstellung, die für sich spricht.

    Schreib bitte mehr davon. Du brauchst deine Zeit übrigens nicht mit anonymen Kommentatoren verplempern, die nicht diskutieren, sondern nur provozieren wollen.

    Wäre interessant zu sehen, wieviele von denen übrig blieben, wenn du eine Authentifikation z.B. via Facebook-/Google-/Twitteraccount einführen würdest.

  19. @andi: aha. interessant. wusste ich nicht. die gleichstellungsabteilung kenne ich, ja. ich meinte speziell das „männerreferat“. hatte bisher nur gelesen, dass der vorschlag von zensursula noch vor ihrem abtritt an köhler initiiert wurde und jetzt umgesetzt. auch von köhler selbst wurde das so verlautbart. bin verwirrt. selbst wenn du recht hast (woher hast du die info, finde das spannend), ist es ja immerhin ein erklärtes ziel der bundesregierung, wieder explizit männerförderung zu betreiben und damit gleichstellungsmaßnahmen auszubremsen.

    aber worum hat sich dieses referat denn vorher gekümmert? gib mir futter, baby!

    @deef: ich will solche kommentarbarrieren nicht einbauen. vielleicht diese zusätzlich anzubieten, wäre dennoch sinnvoll. aber du hast recht. ich sollte eine konsequentere löschpolitik betreiben.

  20. Der Unterschied ist, dass du deine Kritiker „Vollidioten“ nennst. Menschen, die du nicht kennst. Unter einem Artikel, der sich inhaltlich u.a. mit Diskriminierung auseinandersetzt.

    Nun, damit müssen wir Minderheiten wohl leben. Was uns bleibt, ist ein Lehrstück in Sachen Dialektik.

    Der Respekt, mit dem Du deine Kritiker behandelst, zeigt mir, dass du an „Diskursen“ (Foucault würde sich im Grab umdrehen) nicht interessiert bist. Wachstum geschieht durch Kritik, nicht durch Claqueure. Beifall hält dich nur dort, wo du stehst. Und in deiner Kommentarspalte wird die Luft ganz schön dünn – bei dem ganzen Dampf, der hier abgelassen wird. Aber genug der Meta-Ebene-

    Ist ja eh alles nur Trollscheiße, näch.

  21. @christian: ich bin stets offen für kritik, für solche mit substanz und mit konstruktivem ansatz. du hast davon noch immer nichts gebracht. ich hätte es gern gelesen.

    aggressiv reagieren ist dennoch nicht angebracht, da hast du recht.

  22. Ah. Eins noch.
    Ich bin nicht so der Blog-Kommentar-Leser (vielleicht ist das ja normal), aber warum gibt es denn bitte LeserInnen die Ihren Unmut auf eine so unelegante und unabgebrühte Weise kundtun..?
    Ziemlich unhöflich, wie ich finde.
    So genug Kritikerkritik.
    Peace Out

  23. @armin, weil die diskussion genau den inhalt des postes widerspiegelt. polarisierende themen, von denen menschen aus unterschiedlichen gründen unterschiedlich stark betroffen sind und menschen aus unterschiedlichen gründen das für nichtig erachten. gewürzt mit einer ordentlichen portion emotionalität. was verständlich ist.

  24. Hübsch, wie bei manchen der Beißreflex einsetzt, nur weil man ihnen mal die durchaus öffentlichen Nachrichten einiger Monate zusammenfaßt. Ich weiß nicht, woher das kommt – vielleicht, weil ein verinnerlichtes „Ich will das nicht sehen“ zu einem „Das kann doch gar nicht stimmen“ wird, das sich dann erleichtert in einem „Ha! Das da – das eine da – das stimmt so nicht!“ auskotzt.

    Ich weiß nicht, was so schwer daran ist, die Falschheit der Verhältnisse zu erkennen, die einen doch an jeder Ecke anspringt, und ich neige dazu, alle, die das nicht sehen können, als Idioten anzusehen. Aber wenn ich etwas Falsches „falsch“ nenne, bin ich ja auch nur ein nörgeliger alter Mann …

  25. Respekt das ist sehr lesenswert und in der komprimierten Form ein seltenes Stück „Kritik“….

    Ich vermisse bei dir hin und wieder so eine Art „Lösungsvorschlag“ aber sicherlich ist ein Schritt hin zur Lösung das Aufzeigen der Probleme und das machst du mit zunehmender Qualität.

  26. @pageid: Mit den Lösungsvorschlägen ist das so eine Sache. Eigentlich würde es helfen, Menschen nicht immer bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben, die dann in Vorurteile oder gar Diskriminierung münden. Auch die Politik vernachlässigt dieses ganz einfache Muster menschlichen Zusammenlebens sträflich. Das kann ich grundsätzlich überall und an jeden meiner Texte als Lösungsvorschlag dran tackern. Aber bin ich immer für Lösungsvorschläge zuständig, weil ich etwas aufschreibe, was ich nicht gut finde?

  27. @lantzschi – hehe nein nein – immer eine Lösung „dran tackern“ ist nicht was ich meinte. Dieser Text ist sehr gut ohne eine ausgekommen und hätte sicherlich keinen Zugewinn durch eine solche Ergänzung erfahren. Ich meinte eher dass in der Gesamtheit deiner Bloggerei neben „Kritik“-Posts auch hin und wieder ein „So stelle ich mir meine perfekte Polly Pocket Insel vor.“ Post nicht schaden könnte.

  28. Okay, dann doch zu einem abseitigen Aspekt: Während meiner Zeit an der Uni hieß das weder Studenten noch StudentInnen, sondern Studierende. Aber solche grammatikalischen Hilfskonstruktionen können bei anderen Begriffen leicht ins Abenteuerliche abgleiten.
    Und ja: gute Zusammenstellung. Der Wahnsinn hat Methode.

  29. @pageid wir wollen ja mal realistisch bleiben, nich? ;)

    @drikkes: yeah, gendersensible sprache rulz. studierende ist besser als studentInnen. das binnen-I ist beim sprechen nämlich schlecht zu hören. beim schreiben nutze ich aber binnen-I. ansonsten einfach beide ansprechen, soviel zeit muss sein (gehegemannt bei antje schrupp)

  30. Ich finde den Text einfach nicht besonders entlarvend.
    Der Widerspruch (oder auch die Doppelmoral) ist für mich teilweise gar nicht erkennbar bzw. nicht herausgearbeitet worden.

  31. @lantzschi: Zum Männerreferat: Das Oberthema dazu ist „Rollenwandel“, aber Referatszuschnitte ändern sich bisweilen und finden neue Schwerpunkte. Meine Anmerkung zielte darauf ab, das die Thematisierung der Männerseite keine neue Idee im Ministerium ist. Die Förderung hat auch nichts mit Ausbremsen von Gleichstellung zu tun, sondern soll z.B. dort ansetzen, wo sich bei Jungs Defizite herausstellen, etwa in der Berufswahl (z.B. Heranführung von Jungs an klassische „Frauenberufe“ und damit Beitrag zur Überwindung tradierter Rollenvorstellungen; google als Beispiel mal nach „Neue Wege für Jungs“).

    (Disclaimer: Ich hatte beruflich mal gelegentlichen Kontakt mit diesem Teil des BMFSFJ. Und meinem Eindruck nach kannst du ganz beruhigt sein: Die Frauenförderung wird dort sicher nicht unter den Tisch fallen, egal wer da gerade mal kurz Ministerin ist. ;-D )

  32. Nur eine Frage der Zeit, bis „gehegemannt“ wie „pull a Homer“ auf urbandictionary.com/ steht.

    Aber – wie oben angedeutet – funktioniert das nicht bei allen Worten so reibungslos, aus „Wissenschaftler“ etwa müßte „wissenschaftlich Tätige“ werden, wenn man es nicht zu „Forschende“ kurzschließen will.

  33. @andy, das ist balsam auf die geschundene seele, danke :)

    danke für die hilfreiche info, das wusste ich bisher nicht. im grunde genommen meinte ich, dass mit köhler jetzt explizit das männerreferat nicht mehr auf den abbau von rollenstereotype und gleichstellung/gleichberechtigung abzielt (ergo: männer aktiv in eine gleichstellungspolitik mit einbezieht und gender mainstreaming nicht in der frauenförderung stecken bleibt) sondern jetzt sollen aktiv männer/jungen gefördert werden, weil sie angeblich strukturell benachteiligt werden. dabei sieht die faktenlage ganz anders aus und studien dazu (also zur männerbenachteiligung) sind methodologisch mangelhaft.

    das referat ist ja jetzt auch mit männern besetzt worden, was ja per se nichts schlechtes heißen muss, wenn ich aber so verfolge, welche gender mainstreaming maßnahmen und vorhaben zur gleichberechtigung der geschlechter und zum abbau der rollenstereotype der rot-grünen regierung durch schwarz-rot und jetzt schwarz-gelb wieder ausgebremst oder gänzlich abgeschafft wurden, mache ich mir doch sorgen. und nicht nur mir, sondern auch dem entsprechenden UN-Fachausschuss. wenn du magst, lies doch hier weiter: http://medienelite.de/2010/01/06/ursi-und-krissi-ganz-vorn-mit-dabei/

    ergänzung: faktum ist auch, dass jungen (vor allem jungen mit migrationshintergrund, vor deren besondere lage die bundesregierung die augen verschließt) zwar in der schule schlechter abschneiden, beim eintritt in den beruf dann sukzessive besser chancen und bessere bezahlung genießen. bis zum renteneintritt. junge männer mit migrationshintergrund profitieren von diesem „männlichen vorteil“ leider nicht. also sehe ich das primär nicht als jungenfördermaßnahme, sondern es müsste ein menschenmitmigrationshintergrundförderprogramm sein.

    @drikkes:

    ja natürlich, aber in solchen fällen switche ich einfach auf WissenschaftlerInnen oder Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Gendersensibel sprechen heißt ja nicht, dogmatisch oder in Purzelbäumen sprechen. Ich finde nicht, dass das ein Problem darstellt/darstellen sollte. Zugegeben, es braucht etwas Gewöhnungszeit. Ich habe aber gemerkt, dass es mir leichter fällt in einem Umfeld so zu sprechen, wo das noch andere tun und je mehr es also tun, desto einfacher wird es. Fuck of hegemoniale patriarchale Traditionen. oder so.

  34. Ich will ja gar nicht dagegen anreden, gute Intentionen mit der Praxiskeule relativieren. Doch in meinem Job, wenn es um kurze und knackige (sic!) Formulierungen geht, dann stehe ich oft auf verlorenem Posten.

  35. Daß ich ein Mann bin, kann ich ja kaum verleugnen. Darf ich noch jemanden grüßen? Dann meine Texterkollegin und Büromitinsassin Britta, die in solchen Fragen viel pragmatischer als ich verfährt.

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