Jan Feddersen. Oder: Das Paradebeispiel an Trans*phobie in Homokreisen

Ist das widerlich. Jan Feddersen, taz-Redakteur und schwuler Aktivist macht sich Gedanken über die unzähligen Transsexuellen, die sich einfach umoperieren lassen, weil sie nicht als schwul oder lesbisch gelten wollen. Das einzige Problem, mit denen Trans* also zu kämpfen haben, sei das Begehren. Weil das in unserer Gesellschaft tendenziell der Heteronorm untersteht, sind Trans* findig wie Füchse und wechseln einfach das Geschlecht, na sowas! Anstatt zu ihrer Homosexualität zu stehen, machen die sich qua OP hetero. Diese unsolidarischen Trans*, die sich bei den Heten anbiedern. Geht’s noch bescheuerter?

Dieser Artikel ist so fail, dass eine hier gar nicht weiß, wo sie ansetzen soll. Es besteht Nachholbedarf, aber schleunigst. Zu Trans* und Trans*phobie bitte hier entlang. Für alle, die lieber hören statt lesen wollen, hier geht’s weiter.

Vielleicht sind Begriffe wie heterosexuelle Matrix, Heteronormativität, Trans-Identitäten, Gender-Performance, Geschlecht, Körper, Begehren, zu komplex. Vielleicht ist es gar nicht nötig, vollständig dahinter zu steigen, was das alles tut und macht. Vielleicht ist es auch nicht so wesentlich vollkommen zu verstehen, was Trans* und Trans*phobie ist. Wie sich die Dominante Cis in all dem wiederfindet und reproduziert. Es reicht vielleicht an dieser Stelle auch einfach das: Rede nicht über Dinge, von denen du keine Ahnung hast. Versuche nicht eine Kritik an normativen und gewaltvollen Verhältnissen auf dem Rücken von Betroffenen zu führen. Zeige dich solidarisch mit Betroffenen, auch wenn deren Verhalten und Entscheidungen nicht in dein partikulares Weltbild passen. Akzeptiere und respektiere die Definitionsmacht und Selbstbezeichnungen von Betroffenen.

Der Artikel tut so, als würde er Heteronormativität kritisieren. Als müsste noch einmal darauf hingewiesen werden, dass Körper auch sozial konstruiert sind. Wow! Dafür hat das Soziologiestudium offenbar gereicht. Für Selbstreflexion und respektvollen Umgang mit Betroffenen der heteronormativen Kiste offenbar nicht.

Dass Trans* strukturell gesehen ganz anders dastehen, auch im Alltag, als Homos, das geht nicht in Feddersens Kopf. Dass kein Mensch sich freiwillig, um das „homo“ aus seinem_ihren Sein zu prügeln, der Gewalt von Trans*phobie aussetzt, das versteht er auch nicht. Nein, es ist in seiner Welt auch noch nicht mal möglich, Gender & Begehren voneinander zu trennen. Dass es homosexuelle Trans* gibt? Da verschwendet er offenbar keinen Gedanken dran. „Geschlechtsangleichende“ Operationen sind mittlerweile Routineeingriffe? Ich kann nur den Kopf schütteln über so viel Unwissen über die Gesetzeslage und Lebenssituationen von Trans*.

Solche Artikel wie der von Feddersen machen mich unglaublich wütend. Einerseits, weil sie all meine Vorurteile bestätigen, die ich über die Schwulenbewegung in Deutschland habe bzw. über jene, die sich für ihre Sprecher halten: gut situierte, weiße, Cis-Schnösel, die sich -istischer Rhetoriken bedienen und einen chauvinistischen Habitus verinnerlicht haben, um möglichst nah an die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft ranzureichen. Unkritisch, anti-emanzipatorisch und unglaublich spießig bis konservativ. Andererseits machen mich diese Allianzen mit dem Reaktionären wütend. Einfach mal die eigene Geschichte über Bord geworfen, die eigenen Ausgrenzungen, die eigene erfahrene Gewalt, um dann schön nach unten zu treten. Solidarität war gestern.

Wenn meine Wut verflogen ist, dann habe ich nur Mitleid übrig für Menschen wie Jan Feddersen. Weil sie denken, sie gehörten als deviante Subjekte in einer heteronormativen, rassistischen, sexistischen, ableistischen, etc. Gesellschaft irgendwie dazu. Meinen, sie sonnen sich zusammen mit all den anderen Gewinner_innen auf einer grünen Wiese, es gibt Cocktails, Sahnetorten und alle haben sich lieb. Das ist Herrschaft: Menschen im Glauben zu lassen, sie wären angekommen, Assimilation zum erstrebenswerten Ziel zu machen. Es ist beinahe traurig mit anzusehen, wie sie sich anbiedern und dabei fortwährend auf die da unten spucken, so als warte irgendwo das Schlaraffenland. Die da unten, das sind die, die einfach nicht wollen. Die Opfer, die selbstverschuldet Unmündigen, die Faulen, die Diskurszensuria, die Dauerempörten, Radikalen und Gutmenschen, die einfach ihr Leben nicht selbst in die Hand nehmen, die nie zufrieden sind. Jene, die lieber meckern statt machen. Immer, wenn diese Gedanken durch die Köpfe von Menschen von Feddersen rattern, während sie ihre Entsolidarisierungspamphlete schreiben, die eigentlich einer Unterzeichnung einer Kapitulationserklärung gleichkommen, denke ich mir und grinse dabei:

Du bist eine_r von uns. Du warst es schon immer und wirst es auch weiterhin sein. Und es gibt nichts, was du dagegen tun kannst.

 

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