Safe/r Spaces – Redebeitrag beim Berliner Slutwalk

Disclaimer: Ich hatte für den Slutwalk Berlin einen Redebeitrag zu Safe/r Spaces und herrschaftskritischen Räumen geschrieben, der netterweise zu Beginn von einer Mitorganisatorin vorgetragen wurde. Here we go.

Zu den hartnäckigsten Vergewaltigungsmythen zählt der Irrglaube, sexualisierte Gewalt, Übergriffe und Belästigungen fänden lediglich im öffentlichen Raum statt, Betroffene und Täter_innen seien einander fremd, stünden in keiner persönlichen Beziehung zueinander.

Feminist_innen ist es unter anderem zu verdanken, dass diesem Mythos vor langer Zeit etwas entgegengesetzt wurde – nämlich die Realität: Am häufigsten finden Übergriffe, sexualisierte Gewalt und Belästigungen im persönlichen nahen Umfeld der Betroffenen statt. Täter_in und Betroffene sind einander bekannt, manchmal teilten sie zuvor jahrelang das gleiche Bett.

Doch ein Mythos hält sich ebenfalls sehr hartnäckig: Dass geschützte, emanzipatorische und herrschaftskritische Räume frei von sexualisierter Gewalt und Übergriffen wären, frei von dummen Sprüchen und ekelhaften Belästigungen.

Sogenannte Safe Spaces oder geschützte Räume sollen in erster Linie – wie der Name schon sagt – ein Schutzraum sein. Für Betroffene und alle, die sich frei von Diskriminierungen, Dominanz und Gewalt bewegen wollen.

Der Wunsch, die gesellschaftliche Scheiße wenigstens für eine Weile draußen zu lassen, führt nicht selten dazu, dass damit auch das Bewusstsein für die eigene soziale Positionierung und ihrer Verwobenheit in Herrschaftsstrukturen verloren geht.

Der Glaube, reflektiert genug zu sein, für das, was da draußen schief läuft und jede_r von uns jederzeit umgibt, ist kein_e Garant_in für gewalt- und diskriminierungsfreies Verhalten.

Mackertum, Dominanz, Belästigungen und gewaltvolle sexualisierte Übergriffe gehören nach wie vor zum Alltag, auch in vermeintlich geschützten Räumen, wie jüngste Ereignisse in Berlin uns leider vor Augen führen.

Es gibt keine herrschaftsfreien Räume, es gibt nur solche, die sich kritisch mit Herrschaft auseinander setzen. Dazu gehört, Kritik an der Gesellschaft konsequent auch gegen sich selbst zu richten, Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen und letztlich für den geschützten Raum, den mensch mitgestaltet hat.

Wenn wir Menschen einen Raum bieten für emanzipatorische Politiken, gewaltfreies Handeln und respektvolles Miteinander, haben wir dafür zu sorgen, dass dieser Raum nicht durch Gewalt, Übergriffe und Belästigungen zerstört wird. Wir können diese Verantwortung nicht abgeben an andere, so wie wir nicht unsere Privilegien, die mit unserer sozialen Position verbunden sind, auslöschen können.

Wir müssen sie anerkennen, um kritisch mit ihnen zu arbeiten.

Wir müssen sie da einsetzen, wo sie andere schützen, die von diesen Privilegien nicht profitieren können.

Wir müssen denen eine Stimme geben, die nicht in der Lage sind zu sprechen oder nicht gehört werden.

Wir müssen jene überstimmen, die uns – bewusst oder unbewusst – unsere Räume zerstören wollen: sei es durch sexualisierte Gewalt, Übergriffe, Dominanz oder Diskriminierung,

Wir müssen jene überstimmen, die – bewusst oder unbewusst – ihre Position und ihre Privilegien missbrauchen, um solche Vorfälle zu verharmlosen oder einen kritischen Umgang damit zu verunmöglichen.

Wir müssen jene überstimmen, die Täter_innen schützen, Dominanz und Herrschaft stützen und damit – bewusst oder unbewusst – ein Klima schaffen, das sexualisierte Gewalt, Übergriffe und Diskriminierung legitimiert.

Damit das Schweigen darüber endlich aufhört.

Herrschaftskritische Räume denen, die sie wollen und brauchen! Raus mit all jenen, die Grenzen überschreiten! Definitions- und Handlungsmacht den Betroffenen!

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