Queerness-Fearness

Fotos via bosch_hh on Flickr (CC) and my Macbook camera (CC)

Deef und ich machen einen Podcast. Während der re:publica am Mittwoch. Also genau heut in einer Woche. Deef kennt ihr vielleicht von Axolotl und Strobo. Mich kennt ihr ja schon.

Wir werden über unsere Erfahrungen zwischen Normativität und Queer reden, darüber wie es ist, hetero, lesbischwul zu sein oder eben all das nicht und wieder zurück, wie daten Lesben und warum sind alle männlichen Homos Fickmaschinen? Ist Butch mittlerweile futsch und was ist dran an Gayromeo? Der CSD als Lachnummer und das alltägliche Diskriminierungswölkchen, das immer dann anfängt zu regnen, wenn’s eigentlich doch so schön ist.

Wir haben gestern fast zwei Stunden telefoniert und jeder hat dazu seine eigenen Thesen. Es wird also spannend. Doch in erster Linie dürft ihr Fragen stellen. Hier in die Kommentare, über Twitter, anonym auf Deefs Formspring oder per Mail. Wir werden nicht alle beantworten können und es gibt kein Kriterium, nach dem wir auswählen. Keine Denkschranken also, liebe Freundinnen und Freunde. Zensiert wird später.

9 Kommentare

  1. Mich interessiert vor allem die alltägliche Diskriminierung. Insbesondere die von Leuten, die sich sonst für aufgeschlossen halten. Die Art von Diskriminierung, die sich einschleicht ohne vom Sprecher bemerkt zu werden und sich wie Mundgeruch durch den Tag zieht. Wie sieht sie in der Regel aus? Woher kommt sie? Wie geht man damit um? Ist es möglich beispielsweise seinen Eltern klarzumachen, was das Problem ist und wie sie selbst darauf achten können. (letzteres ist nicht auf meine Eltern bezogen :) )

  2. Spannend, danke für die Frage(n).

    Aber: was ist denn dann nicht-alltägliche Diskriminierung? ;-) Diskriminierungserfahrungen passieren tagtäglich/alltäglich und reichen von merkwürdigen Blicken bishin zu Gewalt. Es gibt also auch keine Regel. Kannst du noch einmal präzisieren, worauf du dich genau beziehst? Oder was du mit den Eltern meinst? Sonst können wir ja den Podcast allein mit sowas füllen und das wollen wir eigentlich nicht.

  3. is ne total persönliche frage: ich stand eigentlich immer auf männer und bin seit nem halben jahr so dermaßen in eine frau verknallt, dass es mich echt umhaut. leider hat sie aber ne freundin.

    ich bin etwas verwirrt jetzt. um rauszukriegen ob ich allgemein meine vorliebe für frauen entdeckt hab oder ob es nur um die eine geht, hab ich auf partys was mit anderen angefangen. das war schön, aber halt auch nur so schön, wie n one night stand sein kann. kein unterschied zu one night stands mit männern. also von der gefühlten intensität her…

    wasn jetzt los mit mir? lesbisch? bi? einfach nur unglücklich verliebt? wie war das bei euch/dir? wusstest du schon immer, dass du auf frauen stehst? nur auf frauen?

    ich hoffe, die frage ist nicht ZU persönlich, da ich mich über eine antwort sehr freuen würde!

  4. @marie: danke für deine spannende auf keinen fall zu persönliche frage. ich fürchte nur, die wird nicht so einfach zu beantworten sein. :)

    @provinzkind: uff. die liebe findet doch immer dich… *schmalz*

  5. „Kannst du noch einmal präzisieren, worauf du dich genau beziehst?“

    Mir geht es um die unbewusste Diskriminierung. Die, die vom Sprecher nicht bemerkt wird. Zum Beispiel, wenn Leute einen Schwarzen mit vereinfachtem Deutsch ansprechen, weil sie davon ausgehen dass sein Deutsch nicht gut ist. Das heißt nicht unbedingt, dass sie ihn für dumm halten o.ä., aber in ihrem Weltbild hat es der Schwarze ja bestimmt schwer mit der Sprache. Das ist diskriminierend, aber vom Sprecher eigentlich nicht so gemeint. Er beruft sich auf seine Klischees. Das ist der Mundgeruch der Diskriminierung, er ist i.d.R. nur von Außenstehenden feststellbar. Und da interessiert mich, wie diese unbewusste Art der Diskriminierung beim Thema Queer aussieht.

    Gewalt gegen die, die „anders“ sind find ich weniger interessant, weil es die immer von denselben Idioten gibt. Die unbewusst vorgenommene Diskriminisierung gibt ein Bild der Gesellschaft wider und erst das Verschwinden der alltäglichen kleinen Herabsetzungen kann echten Fortschritt bedeuten. Sind die Gruppen der Homo-, Bisexuellen einmal gesellschaftlich anerkannt, haben auch Schläger keinen Rückhalt mehr für ihre Taten. Also stellt sich die Frage wie man jemanden darauf aufmerksam machen kann, dass er etwas Diskriminierendes gesagt hat.

    Ist vielleicht etwas zu speziell für das Thema eures Podcasts, aber vielleicht wollt ihr es ja aufgreifen.

  6. @Marie

    Denk doch vielleicht mal drüber nach, ob es denn so unbedingt nötig für dich ist dich in eine feste Kategorie zu stecken.
    Ich weiß selber wie das ist und hab ewig an mir rumüberlegt, was ich denn nun „bin“ oder nicht.
    Ich bin zu dem Schluss gekommen dass ich weder die Hetero- noch die lesbische- noch weniger die Bi-„Szene“ (damit meine ich die Kultur dieser Szene und ihr Auftreten) für mich mag. Blieb noch Queer. Also verwende ich für meine politische Haltung Queer, für meine Sexualität…da brauche ich keine Kategorie.
    Verlieb dich, hab sex, wenns mit jeglichen Geschlechtern funktioniert, wozu brauchst du dann eine Kategorie, die dich wieder aus einer anderen Gruppe ausschließt, wenn du dich festlegst verwendest und zwar meist auf ziemlich schnellem Weg. (das alles ist was anderes, wenn du zb einfach körperlich festgelegt bist, zb keinen mann/keine frau küssen kannst o.a., aber das scheint ja bei dir nicht so zu sein :P)

  7. @joknopp: vielen dank nochmal für deine präzisierung, allerdings bin ich was diese alltagsdiskriminierung angeht, etwas anderer meinung. sie ist nicht nur durch außenstehende erkennbar, meistens auch von den „opfern“ selbst. wenn nicht gleich offenbar, dann doch unterbewusst. es gibt hier psychologische untersuchungen dazu. ebenfalls sensibilisierungstrainings für diskriminierte, um solche mechanismen und formen der diskriminierung besser aufspüren und demnächst gegensteuern zu können.

    ob es nicht so gemeint ist oder nicht, spielt bei einer diskriminierung schlichtweg keine rolle, auch rechtlich gesehen. klischees und stereotypen sind immer zwei der wesentlichen ursachen für diskriminierung, auch bei körperlichen gewaltakten. nazis haben dieselben stereotypen im kopf, wenn sie einen menschen zusammenschlagen wie hans müller aus der zweiten etage, wenn er sich nicht (zu)traut, mit einem schwarzen „ordentliches deutsch“ zu sprechen.
    alltagsdiskriminierung ist auch eine form von gewalt. das so klar voneinander zu trennen, halte ich für nicht so richtig zielführend. diskriminierung ist diskriminierung, egal von wem, egal wie und egal wie gemeint.

    das ist ja das problem, das du auch schon ansprichst. krasse diskriminierungen in form von gewalt werden gesellschaftlich geächtet, aber an randgruppen (wie nazis) ausgelagert, obwohl die gleiche motivation dahinter steckt, sich die diskriminierung nur anders äußert. damit wird diskriminierung zu einem randproblem und die viel häufiger vorkommene diskriminierung im alltag nicht mehr sichtbar und damit akzeptiert.

    aber deef und ich werden gerne darüber sprechen, wie sich das anfühlt, solchen alltäglichen diskriminierung als lesbischwuler mensch ausgesetzt zu sein. da kann ich reichlich aus dem nähkästchen plaudern ;)

  8. Mit „von außen erkennbar“ meinte ich eigentlich alle außer den Sprecher. Natürlich kann das Opfer auch diese Art von Diskriminierung erkennen, da bin ich ganz deiner Meinung.

    ich sehe es auch so, dass es für das Opfer egal ist, ob sich der Täter seiner Diskriminierung bewusst ist oder nicht. Die Trennung zwischen physischer und psychischer Gewalt mache ich aus einem einfachen subjektiven Grund: Die Gewalttätigen hab ich schon abgeschrieben, sich darum Gedanken zu machen ist vergebene Liebesmühe. Beim Rest erhoffe ich mir vielleicht noch die Möglichkeit zum Erkenntnisgewinn. Ist also eher eine pragmatische Trennung.

    Auf Plauderein aus dem Nähkästchen bin ich wirklich gespannt, weil ich keinen Zugriff auf derlei Erfahrungen habe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.