Statt Vergewaltigung: Kachelmann

Das Merkwürdige an der Causa Kachelmann und den Vergewaltigungsvorwürfen ist ja – wieder einmal – das Paradoxon.

Es gibt Berichterstattung über den Fall selbst mit jeder noch so kleinen unwichtigen Detailfrage.

Es gibt Berichterstattung über die Berichterstattung, ob die gerechtfertigt ist, ob man über Kachelmann, der noch nicht rechtskräftig verurteilt ist bzw. für schuldig befunden worden ist, berichten darf. Oder ob man es muss, weil er eine Person von öffentlichem Interesse ist. Oder ob man ihn am Ende, sollte sich seine Unschuldigkeit herausstellen, nicht doch durch entsprechende Berichterstattung bereits demontiert hat wie im Fall Andreas Türck.

Es gibt Berichterstattung über die Berichterstattung über die Berichterstattung. Diese Metaebene. Ob man nicht generell derartige Berichterstattung per Gesetz verbieten sollte, bevor ein rechtskräftiger Beschluss vorliegt.

Zum Teil werden alle diese Ebenen der Berichterstattung in ein und demselben Medium publiziert. Was nicht selten als Heuchelei abgetan wird, finde ich eine dringend notwendige Gradwanderung zur Glaubwürdigkeit eines Mediums. Es ist nämlich nicht DAS Medium, dass da Texte raushaut, sondern ein Medium, für das verschiedene Menschen Texte raushauen. Und jede/r dort angestellte Kraft darf und soll bitte verschiedene Meinungen und Ansichten vertreten dürfen.

Dieses Paradoxon lässt sich für jeden anderen Promi und irgendeine Straftat oder Selbstmord oder sonstige Gewaltakte erneut beispielhaft aufziehen. Warum also noch darüber reden?

Viel interessanter finde ich gerade bei Kachelmann, dass es eben immer nur Kachelmann ist, der im Vordergrund der Berichterstattung steht. Gewiss, das Opfer genießt vollumfänglichen Schutz vor dem Zugriff der Öffentlichkeit, doch warum lese ich ausschließlich Texte über den mutmaßlichen Täter? Fairerweise ist die Berichterstattung bisher nicht besonders tendenziös gegen Kachelmann, leider an einigen Stellen tendenziös für ihn.

Weil er ein Promi ist, wird über ihn berichtet. Aber nur weil er ein Promi ist, widmet ihm die gesamte Medienmaschinerie volle zum Teil wohlmeinende Aufmerksamkeit? Das verstehe ich nicht. Obwohl hier die Unschuldsvermutung ein unveräußerliches Menschenrecht darstellt, ist die Beweislage nahezu erdrückend, um immer wieder darauf herumzureiten. Kachelmann und seine Anwälte konnten die Vorwürfe gegen ihn nicht entkräften, stattdessen wird die Öffentlichkeit abgespeist mit dem typischen Abwehrargument: Rache! Natürlich. Rache einer biestigen Frau, die ihren Ex-Lover zerstört sehen will vor den Augen der Öffentlichkeit. Kachelmann war kein Lover, sondern langjähriger Lebensgefährte, eine Vertrauensperson.

Anhand von Statistiken zu sexualisierter Gewalt lässt sich ablesen, dass die meisten Vergewaltigungen im persönlichen Umfeld und in Beziehungen stattfinden. Eine überwältigende Mehrheit gar gegenüber der Mär vom Vergewaltiger, der Frauen nachts in gruseligen Gegenden auflauert. Vergewaltigungen sind außerdem keine Seltenheit. Sie passieren öfter, als Medien und stereotypes Denken es uns glaubhaft machen wollen. Nicht immer mit der Intention Macht über den Körper mit Gewalt auszuüben, sondern oft sogar „aus Versehen“, im Affekt, mit Alkohol oder Drogen im Spiel. Oft sind sich Menschen erst nach dem ungewollten Sex im klaren, dass das so gar nicht gewollt war. Alles nebensächlich. Es bleibt in nahezu jedem Fall eine Ausnutzung der Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Die Öffentlichkeit täte gut daran, diese Tatsache öfter zu benennen, statt Frauen vor sich selbst schützen zu wollen. Vergewaltigung ist ein solches Tabuthema, dass die Mehrheit der Vergewaltigungen, von denen ich gerade sprach, unsichtbar gemacht und toleriert werden.

Betrachtet man nun die Causa Kachelmann in diesem Kontext, wird schnell klar, welcher Fall wahrscheinlicher ist: Ob seine Ex-Freundin aus Rachegelüsten handelt oder ob Kachelmann sie doch vergewaltigt hat. Dieser Mann sitzt nebenbei erwähnt auch nicht grundlos in Untersuchungshaft, dazu ist ein richterlicher Beschluss nötig, dem wiederum Beweise, Indizien und damit ein erschwerter Verdachtsmoment vorausgeht. Im Fall Kachelmann kommt hinzu, dass er keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat.

Natürlich hat Kachelmann bis zum Richterspruch (oder Geständnis) in der medialen Öffentlichkeit als unschuldig zu gelten, Medien kommt hier eine zentrale Verantwortung bei der Wahrung des Menschenrechts der Unschuldsvermutung zu. Aber ihn deshalb gleich wie einen zu Unrecht Inhaftierten behandeln? Das geht dann wohl doch zu weit.

Stattdessen hätte man sich mit der nacken Nachricht und einer kommentierenden Einordnung in den entsprechenden Kontexten begnügen können, um dann wieder eine Zeit lang zu schweigen, bis das Urteil gefallen ist. Nein, der Fingerzeig auf andere Medien, die das anders machen und die eigene Auflage ist keine Ausrede.

Die aktuelle Berichterstattung des Kachelmann hinter Gittern führt jedenfalls im schlimmsten Falle zu einer Viktimisierung von Vergewaltigungstätern, einer Stigmatisierung der Opfer und ein ums andere Mal verpasster Diskurs um Vergewaltigung.

27 Kommentare

  1. „Dieser Mann sitzt nebenbei erwähnt auch nicht grundlos in Untersuchungshaft, dazu ist ein richterlicher Beschluss nötig, dem wiederum Beweise, Indizien und damit ein erschwerter Verdachtsmoment vorausgeht.“

    Er sitzt in Untersuchungshaft, weil er keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat. Untersuchungshaft ist in dem Fall Pflicht.

    Erst informieren, dann mit dem Finger auf andere zeigen. Das stand übrigends in so ziemlich jedem der Meta-Artikel, über die du schreibst, die du aber offenbar nicht gelesen hast.

    Unschuldsvermutung ist ein Menschenrecht, wie Gleichberechtigung und gilt auch für Männer und sogar mutmaßliche Vergewaltiger, ganz unabhängig von irgendwelchen Wahrscheinlichkeiten, die du anführst.

    Eine vernünftige, differenzierte Berichterstattung, nachdem ein Urteil gefällt wurde, die auch die Opferseite berücksichtig, wäre natürlich schön. Aber genau davon entfernst du dich mit diesem Beitrag und machst den gleichen Meta-Scheiß, über den du schimpfst, nur halt mit Bevorzugung der anderen Seite.

  2. ich schimpfe nicht über den metascheiß, falls du lesen kannst, ich zeige auch nicht dem finger auf andere, falls du lesen kannst. und schon gar nicht zeige ich mit dem finger auf kachelmann, falls du wirklich lesen kannst. hier gehts mal eben nicht um ihn. wahrscheinlich wolltest du das einfach nur so lesen, wie du es eben tatest. macht nichts. aber dann tut dein beitrag hier eben (mal wieder) nichts zur sache.

    danke für den hinweis ganz oben, das hatte ich wohl überlesen, ich werde es ergänzen. und danke für die zurechtweisung, ich habe kachelmann-artikel gelesen. in denen stand beispielsweise, dass es gründe gibt, dass es zu einer festnahme nahm und vorläufige inhaftierung. in denen stand zum beispiel auch, dass er und seine anwälte in der letzten anhörung nicht dazu beitragen konnten, dass er aus der u-haft entlassen wird. komisch. sitzt also wohl nicht nur wegen seinem nicht existenten deutschen wohnsitz *einfach so* in u-haft.

  3. Kachelmann sitzt völlig zu recht in Untersuchungshaft, denn wenn er unschuldig wäre, gäbe es mit Sicherheit auch keine so leicht auffindbaren Indizien! Der sollte meiner Meinung nach bis zum Lebensende darin sitzen, dafür was er gemacht hat!

  4. Der Grund für die Kachelmann-freundliche Berichterstattung ist ja leicht auszumachen: Er sagt, er habe nichts getan, sie sagt er wäre Schuld. Eine/r von beiden lügt also. K. kennt fast jeder aus der Wettervorhersage und diversen Talkshows, er ist beliebt, seine Freundin kennt fast keiner. Leuten, die man nicht kennt, werden leichteren Gewissens beliebig unsoziale Verhaltensweisen unterstellt als Leuten, die man kennt und „mag“. Letztlich der gleiche Mechanismus, der Rassismus gerade in Gebieten mit sehr niedriger Ausländerquote herbeiführt… (gut, in diesem Zusammenhang ist der Vergleich etwas übertrieben, aber die Denkstrukturen sind leider die gleichen). Und es ist ein Armutszeugnis für die Medien, bei denen eigentlich Leute arbeiten sollten, die intelligent genug sind, auf einer Metaebene diesen Mechanismus zu erkennen und gegenzusteuern, insbesondere auch wegen der derzeitigen Beweislage (im Lawblog stand im Zusammenhang zu diesem Fall übrigens, dass ein Wohnsitz in der Schweiz nicht automatisch zu einer Untersuchungshaft geführt hätte – es müssen also schon Beweise vorgelegen haben)
    Aber eine neutrale Berichterstattung ist leider nicht im Interesse der Medien, da sie vermeintlich keine guten Einschaltquoten bringt…

  5. Absolut verabscheuungswürdig übrigens die Kommentare unter dem FAZ-Artikel. Fast alle bemängeln, dass nichts von Gewalt von Frauen gegenüber Männern geschrieben wurde. Und zwar – man höre und staune – „psychische Gewalt“. Die sei nämlich frauentypisch und außerdem ein absolutes Tabu in unserer Gesellschaft.

  6. @provinzkind: über die faz-kommentare unter dem artikel wunderst du dich doch nicht etwa? ;)

    es gibt eine studie des bmfsfj zu gewalt gegen männer. http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=20558.html

    schau dir mal die zahlen und die fragen an. lächerlich fast schon im gegensatz zu gewalt gegen frauen. die forschungsgruppe sagt selbst, dass die studie nicht repräsentativ sein kann aus diversen gründen und widerlegt damit alle merkwürdigen und unwissenschaftlichen studien irgendwelcher männerrechtler. was nicht die spezifischen gewalterfahrungen von männern unter den scheffel stellen soll, aber eine gewalt gegen männer ausgeübt von frauen und noch dazu in paarbeziehung ist so gut wie nicht existent.

    zu der anderen statistik. danke für die zahlen. sind mir bekannt, hier noch mehr datenmaterial und erfahrungsberichte:
    http://maedchenmannschaft.net/vergewaltigt-und-selbst-schuld/
    http://www.washingtoncitypaper.com/blogs/sexist/2010/02/23/rape-analogy-the-walking-in-a-bad-neighborhood-theory/
    http://yesmeansyesblog.wordpress.com/2009/11/12/meet-the-predators/
    http://maedchenmannschaft.net/im-namen-des-volkes/
    http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=120792.html
    http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung4/Pdf-Anlagen/kurzfassung-gewalt-frauen,property=pdf,bereich=bmfsfj,rwb=true.pdf
    http://www.frauen-gegen-gewalt.de/dokumente/index.php?doc_rubrik=111
    http://www.juridicum.su.se/jurweb/europe_rape.pdf
    http://www.gegensexuellegewalt.at/2009/07/04/was-opfer-uber-sich-ergehen-lassen-mussen/

  7. @lantzschi:
    Du stellst es so da, als ob ein „erschwerter Verdachtsmoment“ ein Grund wäre, jemanden vorzuverurteilen. Welcher Art Leuten du damit aus der Seele sprichst, sieht man ja sehr gut an Maria.

    In deinem Kommentar:
    „komisch. sitzt also wohl nicht nur wegen seinem nicht existenten deutschen wohnsitz *einfach so* in u-haft.“
    Es haben schon ganz andere Leute sehr lange Zeit in U-Haft gesessen und waren dann unschuldig. Du sollltest dich noch einmal näher mit unserem Rechtssystem, dem Begriff „*Untersuchungs*haft“ und der Unschuldsvermutung beschäftigen. Interessante Fragen:
    * Für wen gilt die Unschuldsvermutung?
    * Von wann bis wann gilt die Unschuldsvermutung?
    * Gilt die Unschuldsvermutung auch für Vergewaltiger?
    * Gilt die Unschuldsvermutung auch für Prominente?

    Danach können wir weiter reden.

    Jetzt greifst du mich persönlich an und behauptest ich könne nicht lesen. Zitate deines eigenen Textes reichen dir offenbar nicht als Indizien für meine Argumentation?

    Genau das ist mein Problem mir dir: Die Sache, für die du Kämpfst ist Ehrenwert, du bist es nicht. Persönliche Angriffe und Galle spucken helfen weder dir, noch deiner Sache. Wenn du dien Ventil für deine Wut brauchst, mach Kampfsport.

    Hättest du einfach nur darauf hingewiesen, dass die Opferseite von Vergewaltigungen in der aktuellen Berichterstattung trivialisiert wird, das das Leid nicht nachvollziehbar gemacht wird und das die Gesellschaft sensibilisiert werden muss, OHNE dabei einen aktuell beschuldigten Prominenten als Täter hinzustellen, ich hätte dir mit Vergnügen vollumfänglich zugestimmt.

    So aber ist der Artikel unhaltbar und schadt den Opfern und den Unschuldigen gleichermassen. Schade.

  8. @Netzhäuter: Falls du weiterhin hier kommentieren möchtest, würde ich dich bitten, deine wissentliche Falschauslegung meiner Texte, deinen arroganten Ton und Beleidigungen gegen meine Person bleiben zu lassen und konstruktiv an der Diskussion teilzunehmen.

  9. Hallo Lantzschi,
    ich gebe die absolut recht, dass die Berichterstattung in den Medien (insbesondere in den Boulevardmedien) sehr tendenziös ist. Es wurden schon so viele Details über die Frau veröffentlich, dass man kaum noch von Opferschutz sprechen kann. Das Ganze ist leider symptomatisch für die Art und Weise wie mit Opfern von sexueller Gewalt in unserer Gesellschaft umgegangen wird.

    Eigentlich verbieten sich alle Spekulationen. Auch Statistiken helfen im Einzelfall nicht weiter. Wir wissen nun mal nicht was wirklich passiert ist. So oder so wäre es für die Beteiligten besser, wenn sich die Medien in Zurückhaltung geübt hätten.

    Du schreibst Vergewaltigungen passieren auch „aus Versehen“. Ich bin nicht sehr mit dem Diskurs zum Thema vertraut. Aber ich dachte immer, dass die These der“ Vergewaltigung als Missverständnis“ abgelehnt wird. Die These kommt mir auch gefährlich vor, weil sie eine Art Entschuldigung liefert.

    Noch ein Hinweis zu Gewalt gegen Männer. Es ist natürlich
    unangebracht wenn beim Thema Gewalt gegen Frauen immer reflexartig darauf hingewiesen wird Männer seien auch Opfer. Aber männliche Opfer und Täterinnen einfach als quasi nicht existent zu bezeichnen halte ich für voreilig. Fakt ist wohl, dass das Thema wenig untersucht ist. Gerade auch weil es nicht in das klassische Männlichkeitsbild passt Opfer von Gewalt geworden zu sein (vor allem nicht Opfer einer Frau). Ich will aber nicht zu tief in das Thema einsteigen, um nicht vom eigentlichen Artikel abzulenken.

  10. hallo philipp, vielen dank für deine sätze.

    medien haben sich aber nicht in zurückhaltung geübt, die maschinerie ist bereits in vollem gange und sie wird erst aufhören, wenn es zu einer entscheidung gekommen ist. bis dahin ist die diskussion, ob sich blogger oder weitere journalisten in wie auch gearteter form an diesem diskurs beteiligen, obsolet, finde ich. bisher ist die berichterstattung ja relativ okay. relativ wie gesagt. größere ausreißer erwarte ich eigentlich nicht mehr, ganz egal wie der fall ausgeht. traurig eigentlich.

    mit dem ausdruck „aus versehen“ meinte ich nicht vergewaltigung als missverständnis. da gehe ich mit dir völlig d’accord. ich meinte mit diesem ausdruck den fehlenden vorsatz. nicht alle vergewaltigungen passieren völligen bewusstsein von kontrolle, besitz und macht und dem bewussten begehen sexualisierter gewalthandlungen, oftmals ergeben sie sich aus einer zu beginn unverfänglichen situation heraus, die sich durch gewisse konstellationen, körpersprache, kontext verändern und zu einer spirale werden kann. gerade in freundeskreisen bzw. oder personellen beziehungen, in denen das vertrauensverhältnis relativ hoch ist.

    auch bei mann als opfer hab ich mich wohl nicht klar genug ausgedrückt, sorry für das missverständnis. natürlich ist es keinesfalls zu tolerieren, dass dasselbe auch mit männern passiert und dass die täter-perspektive gerade bei frauen unsichtbar gemacht wird. es kommt zu gewalt an männern (sexualisiert und/oder häuslich) allerdings in signifikant geringerer anzahl. hinzu kommt, dass diese opfer-täter-konstellation nicht in die vorherrschenden rollenmuster, -verhalten und -erwartungen von männern UND frauen passt sowie geschlechterordnungen durcheinander bringt. deswegen sind männer bei studien zu diesem thema auch weniger auskunftsbereit und/oder bewerten situationen entsprechend anders als frauen.

    du hast recht, das thema gewalt gegen männer ist sehr unerforscht, weil männer stets als ausübende kraft imaginisiert werden bzw. männer als täter im blickpunkt stehen. die mehrheit der wenigen studien allerdings, die es zu diesem thema gibt, sind tendenziös und unwissenschaftlich, weil bereits vorher klar ist, was diese studien erreichen wollen: die bagatellisierung der gewalt an frauen und keine sichtbarmachung der gewalt gegen männer mit erklärungsmustern und handlungsperspektiven.

  11. @lantzschi
    Es ist interessant, dass du mir genau die Dinge vorwirfst, die du gegen mich einsetzt. Offensichtlich bist du aber auch gar nicht an einer Auseinandersetzung interessiert. Vielleicht ist das hier ja keine Diskussions-Funktion, sondern vielmehr eine Lob-Funktion? Dann hatte ich das leider falsch verstanden.

    Das du auf meine letzten beiden Absätze nicht eingehst, spricht Bände.

    Einen Wunsch hätte ich aber noch: Bitte schreib doch wenigstens meinen Namen richtig. Danke.

  12. ok, neuer versuch @netzhAEuter: zurück zur diskussion, denn an der ist dir offensichtlich ja gelegen…

    bitte jetzt dezidiert, was macht dich glauben, ich könnte kachelmann für einen vergewaltiger halten? wo steht das genau im text? bzw. wie hast du den tenor des textes verstanden?

    auf deine letzten beiden absätze bin ich nicht eingangen, weil sie eben genau der grund waren, warum ich meinen letzten kommentar schrieb.

    vielleicht noch etwas zum grundverständnis, damit wir beide wissen, in welchem feld wir uns hier bewegen… mein blog, meine regeln. dein erster kommentar bewegte sich haarscharf an der trollgrenze, da du offensichtlich den text mit absicht falsch interpretiert (kachelmann als vergewaltiger vs. vergewaltigung als solche in paarbeziehungen) hast und korinthenkackerei, wo gar keine nötig gewesen wäre. frage mich dann, wo dein eigentliches problem liegt, deinen kommentar genau so zu verfassen und dazu in diesem völlig unangemessen ton.

    in u-haft sitzt man nicht nur, weil man keinen wohnsitz in entsprechenden land hat, in u-haft sitzt man auch nicht, weil alle vorwürfe völlig aus der luft gegriffen sind. in u-haft sitzt man, weil die indizien ausreichend sind, dass man da sitzt und weil sich während der u-haft durch untersuchungen herausstellen muss, ob da nicht doch mehr dran ist. sicher gab es schon einige missglückte u-haft-fälle (1. mai), doch wie ich schrieb im text, hatten kachelmann und seine anwälte kein entkräftendes alibi parat. DESWEGEN sitzt er ja jetzt da immernoch.

    damit ist noch lange nicht gesagt, dass kachelmann seine exfreundin vergewaltigt hat (die unschuldsvermutung habe ich ebenfalls hochgehalten), doch der verdacht ist zumindest erst einmal erhärtet. das sind fakten, sowas denke ich mir nicht aus. mir ist nicht daran gelegen, kachelmann hinter gittern zu sehen. mir geht es auch nicht explizit um den fall, sondern um einen verpassten diskurs um sexualisierte gewalt in paarbeziehungen und häusliche gewalt. auch das schrieb ich explizit im text. dass das ein thema ist, was von den medien aufgegriffen werden kann, weil tagesaktuelle medien, wie der name schon sagt, stets aktuelle aufhänger brauchen, ist völlig diskutabel. die faz hat das, wie man am link sehen kann, ganz passabel gelöst.

    und seien wir beide mal ganz ehrlich, hätte ich kachelmann da gar nicht untergebracht, hättest du das auch alles nicht kommentiert, weil du bisher nur themen kommentiert hast, bei denen dir meine herangehensweise nicht gepasst hat.

    btw habe ich zu diesem thema bereits auf medienelite geschrieben ohne direkten bezug zu einer person. ein bisschen rumsuchen, bevor man rumätzt, hilft manchmal schon.

  13. Ich finde es wichtig auch dann die Unschuldsvermutung aufrecht zu erhalten, wenn die Statistik es vermuten lässt das es damit nicht so weit her ist.

    Aber es stimmt, der Diskurs über Vergewaltigung b.z.w. Preventation leidet wenn man den Beschuldigten für unschuldig erklärt.

    Dein Kommentar war für mich ein neue Sichtweise auf die Debatte.

  14. Sie Langweilen mich!

    Nun dachte ich, da ist jemand mal ein bisschen kleverer, kann mit investigativen Journalismus glänzen und recherchiert nach möglichen Hintergründen für diesen Vorfall. Doch entgegen ihrer Kritik ist dieser Blogeintrag leider nur wiederum eine Berichterstattung der Berichterstattung der…

    Nicht nur daß es völlig paradox ist, das ein an und für sich harmloser Mensch solche Schattenseiten haben soll. Da wäre ja nach ihrem Anschein jeder zweite ein potentieller Vergewaltiger?

    Wäre es nicht eher der Fall daß es sich hier um eine gut inszenierte Hetzkampagne handelt um Herrn Kachelmann aus dem Bild der Offentlichkeit zu drängen wie z.B. Frau Kässmann?

    weil wohl Kachelmann wie auch erwiesenermaßen Kässmann vielleicht Engagement für etwas gezeigt haben wo sie sich hätten nicht einmischen hätten sollen?

    …und als ob es nicht reichen würde daß eine Vergewaltigung im Spiel wäre, Jetzt heißt es auch noch er hätte sie mit einem Küchenmesser bedroht: http://www.stern.de/lifestyle/leute/fall-kachelmann-ex-freundin-spricht-von-attacke-mit-kuechenmesser-1554361.html
    (was vom Stern kommt wissen wir seit der Veröffentlichung von Hitlers Tagebüchern, entspricht meist nicht der Wahrheit und solcherlei wäre eher dem Koks schnupfenden Friedmann zuzumuten)

    Stattdessen untestützen sie nach wie vor eine Kampagne die einer Hexenverfolgung gleicht.

    Noch konnte nichteinmal anneähernd die Schuld bewiesen werden schon schreien es alle von den Dächern: SCHULDIG!!!
    Wie arm und heuchlerisch sag ich da nur. „Der der ohne Schuld ist werfe den ersten Stein“.

    Übrigens: Normalerweise muß jemand der seinen Wohnsitz nicht in Deutschland hat lediglich eine Kaution hinterlegen. Warum in diesem Fall gleich U-haft angeordnet wurde und warum sich der Spiegel und die Kripo mit der hier lang geplanten Verhaftung brüskiert ist auch schleierhaft. ( http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,685943,00.html )

    Ungereimtheiten ohne Ende! Da sage mir niemand, daß dies gewaltig nach breit angelegter Medieninszenierung riecht!!

  15. @gähn: ach sie kennen kachelmann persönlich? interessant. deswegen reagieren SIE so emotional und sind völlig BRÜSKIERT, dass er die vorwürfe gegen seine person noch nicth entkräften konnte.

  16. Gerne, danke für deine ausführliche Antwort.

    Meine Meinung dazu ist ambivalent. Auf der einen Seite würde ich mir wünschen, dass aufgrund des Falles ein konstruktiver, öffentlicher Diskus zum Thema sexuelle Gewalt geführt wird. Eben weil die mutmaßliche Tat dem „typischen“ Fall entspricht der kaum öffentlich thematisiert wird. Auf der anderen Seite bin ich unsicher, weil der konkrete Fall immer im Hintergrund des Diskurses mitschwingt und weil ich die Persönlichkeitsrechte beider gewahrt wissen will. Ich hoffe das macht irgendwie Sinn. Letztendlich hast du aber recht, die Maschinerie ist nicht mehr aufzuhalten. Und die Berichterstattung nur dem Boulevard zu überlassen wäre falsch.

    Du erwähnst in deinem Artikel ja, dass das Thema immer noch tabuisiert ist. Die FAZ titelt treffend „Es kann sein, was nicht sein darf“. Auch bei mir selber erlebe ich immer einen gewissen Abwehrreflex. Die Erkenntnis, dass auch Freunde, Familie oder gar ich selbst Täter sein könnten oder werden könnten, ist sehr bitter. Dieser Abwehrreflex führt dann auch dazu die Täter schnell in eine von zwei Kategorien einzuordnen. Entweder der nette Typ, dem die Frau etwas anhängen will oder das unmenschliche Monster. Es ist in gewisser Weise paradox, dass die starke Stigmatisierung der Täter eigentlich einer konstruktiven Diskussion im Weg steht.

  17. @philipp:

    „Es ist in gewisser Weise paradox, dass die starke Stigmatisierung der Täter eigentlich einer konstruktiven Diskussion im Weg steht.“

    wieso? was ist paradox daran?

    sicherlich schwingt das dann immer im diskurs mit, doch dieser kann sowieso nie einheitlich sein. es wird immer solche berichterstattung geben und solche. insofern geht der text der faz zwar einen anderen, guten weg, hat aber kachelmann als aufhänger und perpetuiert damit diesen fall, allerdings weitaus weniger stark, als es die medien tun, die es anders machen. beides wird im besten falle koexistent sein.

  18. Paradox war das falsche Wort. Was ich sagen wollte: Es ist nicht einfach den richtigen Mittelweg zu finden. Eine dämonisierung der Täter ist (aus genannten Gründen) schlecht. Den Tätern aber Verständnis entgegen zu bringen auch.

  19. @lantzschi: Es ist zwar etwas spät, aber ich finde es trotzdem wichtig.

    Das im Artikel angeführte Paradoxon ist keines!

    [
    Soweit ich den Fall verfolgt habe, beruht die Anklage hauptsächlich auf der Zeugenaussage des Opfers sowie der ärztlichen Untersuchung. Für mich ist das keine erdrückende Beweislast, es ist scheinbar noch offen, ob überhaupt ein Prozess stattfinden wird, siehe z.B. im ehemaligen Nachrichtenmagazin
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,686320,00.html
    ]

    Der wichtige Punkt in den Fällen Kachelmann/Türck ist meiner Meinung nach nicht die Stigmatisierung oder Viktimisierung von Opfern bzw. Tätern bei Vergewaltigungen.
    Das Problem ist vielmehr, dass gerade bei diesem Verbrechen die Beweislage generell eher dünn ist (es gibt i.d.R. keine unabhängigen Zeugen, DNA-Spuren nützen auch nichts, da die Personen vorher schon Kontakt hatten usf.) und gleichzeitig dieses Verbrechen einen hohen Grad an Verabscheuungswürdigkeit besitzt.
    Es lässt sich deshalb n i c h t mit anderen Straftaten vergleichen.

    Für einen nicht direkt am Prozess beteiligten Beobachter ist es also unmöglich sich ein angemessenes Urteil zu bilden, was von vielen Medienbeiträgen (auch in diesem Artikel) jedoch suggeriert wird. Gerade die Feststellung, man werde ja nicht ohne Grund in U-Haft genommen, kommt einer Vorverurteilung gleich. Durch die allgemein dünne Beweislage findet alleine schon mit dem Vorwurf der Vergewaltigung eine Rufschädigung statt, deren Rechtmäßigkeit sich erst sehr viel später herausstellt.
    D.h., der Prominentenstatus von Kachelmann ist hier das entscheidende, nicht Opfer- oder Täterrolle. Jedes vor einem gerichtlichen Urteil darüber veröffentlichte Wort ist m.E. eines zuviel. Egal wie neutral man darüber berichtet, es bleibt immer ein fader Beigeschmack erhalten, ob er nun verurteilt wird oder nicht.

    Kurz: Hier wird nicht über den Täter Kachelmann berichtet, sondern über den Prominenten Kachelmann. Das ist typischer Boulevardjournalismus, nicht mehr und nicht weniger. Von dort einen Impuls zu einer ernsthaften Debatte zu erwarten, ist sehr ambitioniert. Den Fall Kachelmann als Aufhänger für eine solche Debatte zu nehmen, ist eine Gratwanderung, da jeder zu Verallgemeinerungen neigt und sich damit ein falsches Bild über den speziellen Fall Kachelmann machen könnte. (vgl. Deine Formulierung „Betracht man […] in diesem Kontext, wird s c h n e l l klar, welcher Fall wahrscheinlicher ist“: Genau solche Formulierungen sind absolut unpassend, niemand darf aufgrund von a l l g e m e i n e n Statistiken über eine spezielle Situation urteilen! Auch wenn im Roulette die Wahrscheinlichkeit bei jedem Wurf 50:50 ist, kann trotzdem 1000mal hintereinander schwarz kommen!)
    btw.: Ich persönlich halte jegliche Berichterstattung, darüber (auch die „pro“ Kachelmann) als insgesamt (eher) rufschädigend für ihn.

    Im Übrigen möchte ich mich Gähn anschließen. Das liegt vor allem daran, dass Deine Grundintention („verpassten diskurs um sexualisierte gewalt in paarbeziehungen und häusliche gewalt“) (für mich) nicht besonders eindeutig formuliert ist.
    Du gehst darauf nur in einem Absatz ein („Anhand von Statistiken …“). Dieser ist eingekeilt von Anti-Kachelmann-Stellungnahmen. Im vorhergehenden Absatz störst Du Dich an den pro Kachelmann eingestellten Medien (trotz angeblich „erdrückender Beweislast“, dazu s.o.), im folgenden Absatz kommt eine (für mich eindeutige) Attacke auf Kachelmann („Betrachtet man […] in diesem Kontext …“) gefolgt von einer (in meiner Lesart) „Pseudoneutralität“ („Natürlich hat K. bis zum Richterspruch […] als unschuldig zu gelten …“). Das hebt sich nicht besonders vom restlichen Mediengeschehen ab.

    so long
    zer0

  20. @zer0: danke für deinen kommentar. ich widerspreche ihm. im folgenden sage ich dir, warum.

    a) einen straftatenvergleich macht hier niemand.

    b) die anklage bzw. u-haft beruht richtigerweise auf aussagen des opfers und ärztlichen untersuchungen. die staatsanwaltschaft sieht nach wie vor dringenden tatverdacht. kachelmann und seine anwälte konnten bisher nichts dafür tun, die vorwürfe zu entkräften. ich weiß nicht, wo das eine dünne beweislage ist. natürlich gibt es in solch einem fall wie kachelmann keine weiteren zeugen. ich finde es nach wie vor bezeichnend, dass erst einmal die integrität der opfer angezweifelt wird, statt die des täters. komischerweise wird trotz unschuldsvermutung solchen fällen sofort nachgegangen. offenbar ist der staat nicht ganz so anfällig wie viele bürger.

    c) da hilft nämlich auch dein rouletteargument nichts, weil im fall von vergewaltigungen die wahrscheinlichkeiten nämlich nicht gleich verteilt sind. die annahme, dass dies so wäre, verurteile ich aufs schärfste, weil sie realitäten negiert und täter viktimisiert. und dass in den wenigsten fällen 1000x hintereinander schwarz kommt bei einer bernoulli-verteilung, solltest du dir denken können.

    d) es spricht momentan vieles gegen kachelmann. nichts für ihn. natürlich, wie ich bereits schrieb, hätte man sich dann die gesamte chose in den medien bis zur urteilsverkündung oder haftentlassung sparen können. stattdessen jedoch dürfen die anwälte kachelmanns ihre verleumdungen gegen das opfer rausposaunen, nur damits mal wieder was zu schreiben gibt. wenn schon medienmaschinerie, dann lieber ambitioniert, so wie die faz es gemacht hat. und selbst ein richterliches urteil kann nicht immer letztgültig die wahrheit beweisen.

    e) wieso darf man nicht bei statistiken über den einzelfall urteilen, wenn da steht jede vierte frau wurde im leben schon einmal opfer sexualisierter gewalt oder 90% aller vergewaltigungen finden im bekanntenkreis statt? hinter statistiken stecken menschen, das sind keine ausgedachten abstrakten zahlengebilde.

    f) ich weiß nicht, ob du die medienberichterstattung seit der festnahme verfolgt hast. da unterscheidet sich mein beitrag schon eher davon. siehe auch d).

    g) auf den promistatus abzustellen, finde ich zu oberflächlich gedacht. natürlich ist das der grund der berichterstattung. dahinter laufen aber die gleichen sexistischen denken ab, wie bei den unzähligen nicht-promifällen ab. genau das macht es notwendig, diese mechanismen aufzuzeigen. bei einer vergewaltigung geht es IMMER um stigmatisierung und viktimisierung, es geht immer um täter/opfer-schemata und es geht immer auch um männer und frauen.

    h) ja, ich halte k. für nicht ganz unschuldig in Haft. da reichen mir statistiken, eine intensive auseinandersetzung mit dem thema vergewaltigung und die beweislast. das ist jedoch unwesentlich, weil es nur ein fall von vielen ist, wo die unter g) aufgezählten schemata immer wieder ablaufen. und das finde ich berichtenswert.

    i) rufschädigend wird letztlich für ihn sein, dass er ein vergewaltiger ist, wenn sich das als tatsache herausstellen sollte und nicht die berichterstattung. stellen sich die vorwürfe als haltlos heraus, kannst du dir sicher sein, dass er sich auf eine erneute positiv-inszenierung seiner person und einer hetzkampagne gegen seine ex freuen darf. ob das in seinem interesse ist, wage ich zu bezweifeln. letztlich aber wird man ihn schon reinwaschen.

  21. Eigentlich dachte ich, dass ich recht eindeutig und überzeugend formuliert habe, ich möchte aber einiges noch deutlicher herausstellen.

    zu a) siehe Deinen Absatz „Dieses Paradoxon …“

    zu b) Im Grunde handelt es sich bei diesem Verbrechen um die Situation Aussage gegen Aussage (körperliche Verletzungen außen vor, die könnten gefaket werden; ich möchte die Verletzungen nicht abwerten, aber sie zählen nicht mehr als die Aussage selbst).
    Das ist m.E. die dünnste mögliche Beweislage, bei deutlich weniger schwerwiegenden Fällen gibt es in diesem Fall fast ausschließlich Freispruch.
    Nenne mir eine dünnere Beweislage.
    Niemand wird so eine Tat ohne Weiteres zugeben, d.h. automatisch, dass alles von der Integrität des Opfers abhängt.

    zu c),e) Statistiken sind Mittelungen über eine Gesamtheit von Fällen. Sie können keinen logischen Schluss auf eine spezielle Situation zulassen.
    Vielleicht ein anderes Beispiel: Ausländer sind in Gefängnissen deutlich überproportional vertreten. Damit dürfen aber Ausländer nicht automatisch verdächtiger sein als Inländer; das wäre rassistisch.

    zu d) Natürlich spricht nichts für ihn. Es ist einfach auch nicht so einfach, in so einer Aussage-gegen-Aussage-Situation zu sagen: „Hey, ihr müsst MIR glauben!“ Für einen außenstehenden Medienkonsumenten ist es daher auch nicht möglich, sich ein Urteil vernünftiges Urteil zu bilden. Deshalb sollte man ihn auch nicht in Versuchung bringen. Und gerade dieser Versuchung erliegst Du. (sry, dass ich mich hier wiederhole)

    zu f),g) Um Stigmatisierung und Viktimisierung geht es wohl immer, da hast Du recht. Meiner Ansicht nach unterscheidet sich Dein Beitrag nur aber um das Vorzeichen, d.h., bei Dir wird der Täter stigmatisiert und das Opfer viktimisiert. Das ist zwar anders, aber nicht besonders innovativ.

    zu h) Genau da bin ich vollkommen anderer Meinung. Auch wenn man sich mit Statistiken auskennt und intensiv mit der Thematik befasst, so sagt das vernachlässigbar wenig über den konkreten Fall aus. Von BeweisLast zu sprechen, ist wie schon oben ausgeführt nach meiner Meinung falsch.
    Und das ist auch der Kern der Unschuldsvermutung: Man kennt zwar ganz viele ähnlich gelagerte Fälle, aber den speziellen Fall gerade nicht. Deine Argumentation hebelt diese Unschuldsvermutung aus.

    zu i) Ich kann mir nicht vorstellen, wie man so etwas reinwaschen kann. Bei jeder Aussage-gegen-Aussage-Situation kann das Gericht am Ende nur entscheiden, wem es mehr glaubt. Es wird nicht den wirklichen Tathergang aufklären können, den kennen nur die beiden Beteiligten.
    Andreas Türcks Karriere z.B. hat trotz Freispruchs einen gewaltigen Knick erlitten.

  22. @zero: sorry für die späte antwort, viel zu tun im moment.

    warum hängt bei aussage gegen aussage alles von der integrität des opfers ab? zumal scheinst du hier nicht zu beachten, dass gerade beim thema vergewaltigung alles auf dem opfer abgeladen wird. (trink nich zu viel, zieh dich züchtiger an, hab dich nicht so, dann sag gleich, was du willst, treib keine spielchen, sei nicht zu nuttig, du hättest es verhindern können, usw.)

    eine dünnere beweislage in dem fall wäre, wenn es keine indizien gäbe. wenn nur die aussage allein da stehen würde, wenn es keine verletzungen geben würde usw. ich finde schon, dass die verletzungen hier etwas zur sache tun und ich kann mich nur nochmal wiederholen: kachelmanns anwälte haben es bisher nicht geschafft, die aussagen des vermeintlichen opfers zu entkräften. das spricht erstmal für die beweislage.

    zu den statistiken: natürlich trifft eine statistik noch keine aussage über den einzelfall. vergleiche hierzu zu „ausländerkriminalität“ anzustellen, finde ich ziemlich an den haaren herbeigezogen, da man das in einem anderen kontext sehen muss und andere mechanismen ablaufen. dort spielt rassismus keine unwesentliche rolle. wenn es aber heißt – und ich wiederhole mich – dass jede vierte frau im leben bereits opfer sexualisierter gewalt wurde und dass weit über 90% aller vergewaltigungen im persönlichen umfeld und in paarbeziehungen stattfinden, dann denke ich mir da einfach meinen teil zu. die fälle, wo frauen ihre partner zu unrecht verdächtigt haben, kannst du an einer hand abzählen, vergewaltigung hingegen ist ein gesellschaftliches phänomen, dass sich nicht einfach mit der aussage „statistiken sagen nichts aus“ wegwischen lässt. was sollen statistiken deiner meinung nach denn sonst tun?

    ich treffe mein urteil nicht einfach so, weil ich gerade lust dazu habe. ich ziehe da alles zu rate, was mir das leben bisher bereit gestellt hat und was mir bauchgefühl und verstand sagen. falsch halte ich es nach wie vor, kachelmann als vergewaltiger zu bezeichnen, obwohl vieles dafür spricht. aber das habe ich nicht getan. vergewaltigung muss endlich ein thema auf der alltagsagenda werden, es darf sich nicht immer hinter dem scheinargument: aber das sind doch diese bösen männer aus dem busch und männer sind doch nicht so, die machen das doch nicht, frauen sind doch auch schuld verstecken.

    falsch, so viele männer sind so und kein opfer trägt die schuld für sexualisierte gewalt. und beide geschlechter stützen dieses klima eben mit diesen scheinargumenten, so dass es scheinbar zu einer gesellschaft dazugehört, frauen zu erniedrigen und den subjektstatus der frau radikal zu zerstören. deswegen sind frauen noch lange nicht die besseren menschen und männer keine triebgesteuerten ungeheuer. man muss das thema endlich ernst nehmen, sexualisierte gewalt ist nicht nur unter schutzbefohlenen ein phänomen.

  23. @ lantzschi: Das wird wohl mein letzter Comment zu diesem Beitrag werden.

    Zuerst: Das mit der Integrität des Opfers meine ich nur in Bezug auf den Wahrheitsgehalt der Aussage. Sämtliche Aussagen der Art „das hättest du verhindern können“ finde auch ich abwegig.

    Meine gesamte Argumentation betraf den speziellen Fall Kachelmann und inwiefern es einem den Prozess nicht direkt Beobachtenden möglich ist, darüber eine Aussage zu treffen. Ich halte es für nicht möglich. Ich fand Deinen Artikel vorverurteilend und daran hat sich nichts geändert.

    Ich habe versucht, meine Argumente deutlich zu machen, Du ebenso, die Meinungsverschiedenheit bleibt wohl bestehen. Ich glaube, die weitere Diskussion würde sich im Kreise drehen.

    so long
    zer0

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