Was das autonom handelnde Subjekt mit Rassismus zu tun hat

Als Weißer Mensch in einer rassistischen Gesellschaft sozialisiert zu werden bedeutet unter anderem, ganz selbstverständlich den Status als einmaliges und unverwechselbares Subjekt zu beanspruchen. Das Konzept des Subjekts als ein vernunftbegabtes und autonom urteils- und handlungsfähiges Individuum geht zurück auf die Aufklärung, die das ‚Subjekt’ als Weiß und männlich entwarf und diesem ‚typisierte Objekte’, die rassisch Geanderten, die sog. NichtWeißen, gegenüber stellte, welche der Vater des deutschen Rassedenkens, Immanuel Kant, ebenso ausführlich wie gewaltvoll klassifizierte (Wollrad 1999, 261-266). Somit ist nicht nur der Anspruch, als Individuum gesehen und behandelt zu werden, historisch unmittelbar mit Weißsein (und Mannsein) verknüpft, sondern ebenso das vermeintliche Naturrecht, „Andere“ zu objektivieren, als Kollektiv zu markieren und abzuwerten.

aus: Eske Wollrad (2007) – Getilgtes Wissen. Überschriebene Spuren. Weiße Subjektivierungen und antirassistische Bildungsarbeit, in Tagungsdokumentation des Fachgesprächs zur „Normalität und Alltäglichkeit des Rassismus“, 39-55 [PDF]