Ausschluss oder Ausgangspunkt? Bündnisse und Fragen an die Lesbenbewegungen in der DDR

Vergangene Woche habe ich in Halle einen Vortrag mit o.g. Titel anlässlich der Tagung „Das Übersehenwerden hat Geschichte. Fachtag zu Lesben in der DDR und in der friedlichen Revolution“ gehalten.

Für alle, die nicht dabei sein konnten oder den Vortrag noch einmal nachlesen wollen: Hier geht es zum Download

Abstract:
Übersehenwerden hat und macht Geschichte. In der Rückschau auf vergangene oder nicht mehr existierende soziale Bewegungen, Veranstaltungen, Projekte oder Gruppen wird häufig nach inhärenten Ausschlüssen gefragt. Wer konnte mitmachen und sich Gehör verschaffen? Wer wurde gesehen, wahrgenommen, anerkannt? Wer durfte öffentlichkeitswirksam sprechen und worüber? Welche Inhalte blieben unthematisiert und welche Auswirkungen hatte dies auf Zusammensetzung der Bewegungen, Gruppen und Akteur_innen? Wer hat und macht Geschichte?

Bedeutsam hierbei ist, dass den Fragen „Warum“ und „Wie“ meistens die Frage nach dem „Wer“ vorausgeht. Statt zunächst die eigenen Organisationen, deren Strukturen, Arbeitsweisen und Themensetzungen zu be_fragen, müssen die Ausgeschlossen häufig erst „entdeckt“ werden. Um im nächsten Schritt darüber zu entscheiden, ob und welche ihrer Anliegen den eigenen „einschlusswürdig genug“ erscheinen. Das Machtgefälle, das diesen Überlegungen zu Grunde liegt und von welcher (machtvollen) Position aus diese Entscheidungsprozesse geschehen, bleibt dabei unhinterfragt.

Ich möchte in meinem Vortrag Formen der Retrospektive und Selbstkritik vorschlagen, die weniger nach möglichen Einschlüssen fragen, sondern mit Veränderungen eigener Bündnispolitiken antworten.

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