Wenn die Welt spricht, ist mir das zu laut.

Kommunikation ist gut. Das muss man jetzt mal so unkommentiert stehen lassen.
Sie bringt die Welt ins Gespräch. Entweder die Welt an sich oder die Welt untereinander. Dass Blogs zwangsweise zu einer verstärkten Kommunikation untereinander mit fremden Menschen gleichen Interesses geführt haben, ist an sich auch keine schlechte Sache. Man kotzt sich seit ein paar Jahren also gegenseitig voll und es macht sogar Spaß.

Was mich aber tierisch nervt ist, wenn gekotzt wird und ich kann mir das nicht mehr abwischen. Weil ich einfach nicht dazu komme, mich sauber zu halten. Immer wieder klebrige Masse im Gesicht. Die mir nicht mal schmeckt. Jetzt könnten Kritiker sagen: “Lantzsch, halt dein Maul, du musst ja nicht.” Jaa, individualisierter Content und so. Selbstbestimmte Mediennutzung und so. Ich weiß schon.

Aber ich bin ein Mensch und ein Mensch kann nicht ewig führerlos umherirren. Schon gar nicht in den unendlichen Weiten des Internetuniversums. Ich gebe es offen und ehrlich zu. Ich brauche einen Führer an der Spitze der Kommunikation. Ich will nicht länger hilflos in der Kotze umherschwimmen. Die Kotze dabei stört mich ja nicht. Aber Kommunikation via Blogs ist mittlerweile wie Werbung. Man konsumiert sie nicht willkürlich, sondern nebenbei. Kommt aber nicht von ihr los, weil sie immer gegenwärtig ist.

Jeden Tag ein neuer Trend. Themen werden aufgegriffen, weil sie da sind und dann irgendwie in eine neue Sabbelform gedrückt. Siehe Spree8. Das einzig wirklich Interessante an dieser Aktion ist der Name. Was sollte es denn bringen, wenn viele Kotzer auf die Toilette gehen, aber nicht miteinander? Was bringt es mir zu wissen, dass jetzt grad einer zu einer Konferenz geht? Kommunikation der Kommunikation wegen? Ich brauche Information! Input. Ohne Input kein sinnvoller Output. Ohne Input keine Meinung. Ohne Meinung oder Information wird der Input zum Wegput. Put Put.

Dass man das Ganze dann noch schön als Livefeed auf seine Seite packen kann, ist lediglich ein technisches Gimmick, aber doch keine Kommunikation im eigentlichen Sinne. “Ja, damit zeigen die Unterstützung. Und dass die auch dagegen sind.” Brüder im Geiste, quasi. Pff. Ich bin mit vielen anderen ZUSAMMEN DAGEGEN. Toll. Die Mitte wütet jetzt im Internet oder wie? Für mich ist das Verbrauch von Kommunikation zum Fahnehochhalten der super Kommunikationsmöglichkeiten des Web2.0.

Als ob das nicht schon reichen würde, gibt’s auch noch so einen Schwachsinn wie Twitter. Sogar Spree8 kann nochmal betwittert werden. User generated content als Müllfabrik für Worte. Nur ohne Recycling zur nutzvollen Wiederverwendung. Ein Kotzberg, der immer größer wird. Darunter begraben liegt der eigentliche Informationswert. Mein eigentlicher Input, den ich brauche oder mir zumindest erhoffe, wenn ich Medien konsumiere. Um auch diesen Post aus der Metaebene emporzuheben und nicht wieder nur über das Gekotze zu kotzen, gibt es zur Verdeutlichung meiner Gesamtaussage eine selbstgebastelte Infografik am aktuellen Beispiel:

g8.jpg

Hauptthema ist G8. Die farbigen Linien kennzeichnen, welche Gruppe welches Medium zur Agenda hat. Die etwas andersfarbigen Ellipsen kennzeichnen das Kommunikationsvolumen. Die x-Achse unten wie sich der Informationsgehalt verbreiten sollte (im Idealfall von wenig zu viel).  Das Wort “Informationsgehalt” unter der x-Achse bezeichnet also nicht eben diese, sondern ist lediglich die Verbreitungsrichtung des Informationsgehaltes. Der graue Strich steht für die Höhe des Informationsgehaltes.

Klar und deutlich geht also hervor: Selbstreferenz und Referenz zum nächsthöheren Medium (oder auch Kommunikator in dem Falle) bestimmt das “Was?” in der Kommunikation. Kommunikator / Medium bestimmt das “Wie” und mit seinem Kommunikationsvolumen das “Wieviel?”. Je höher also das Kommunikationsvolumen, je geringer der Informationsgehalt. Je höher die Zahl der Agendasetter / Medien / Kommunikatoren, desto höher Kommunikationsvolumen, desto geringer Informationsgehalt. Je höher die Zahl der Agendasetter / Medien / Kommunikatoren, desto höher Kommunikationsvolumen, desto höher die Selbstreferenz über das Kommunizierte.

Ein bisschen schwer verständlich? Ok, dann so:
Je länger die Longtail und je größer die Kommunikation, desto weniger eigentliche Information wird kommuniziert bzw. transportiert. Kommunikation als Selbstzweck quasi.

Und das so laut, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht.

2 thoughts on “Wenn die Welt spricht, ist mir das zu laut.”

  1. die Grafik ist irgendwie zu groß und ragt bei mir in deine sidebar rein.
    ansonsten muss ich zugeben, mich mit dem ganzen g8 gemehre noch nicht auseinandergesetzt zu haben. mit der ganzen blogodingsbums sowieso nicht. aber die gehen mir ja bekanntermaßen sowieso alle am a… vorbei.

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