Unterdrückung ist Sache der Unterdrückten

Für die Aufklärung über Homophobie sind Schwule zuständig, für jene über Rassismus PoC, und um Islamophobie zu beseitigen, bedarf es permanenter Aktivität von Muslimen. Bei feministischen Themen müssen Frauen ran. Das ist kein Thema für Männer.

Sie haben zudem die Aufgabe, Leute irgendwo „abzuholen“ und sanftmütig in therapeutischer Haltung, geduldig Andere darüber aufzuklären, wie diese selbst ticken. Weil Homophobie, Rassismus und dergleichen ja auch gar kein mehrheitsgesellschaftliches Problem sind, sondern das der Minderheiten.

Minderheitenvertreter sind auch dazu da, ggf. Trost zu spenden, wenn dann doch mal daneben gehauen wurde. Weil das ja alles nicht so gemeint war. Jede Redaktion braucht zu diesem Zweck einen Redaktionsschwulen und und einen Redaktionsschwarzen und eine Redaktionsfrau, die sind dann für schwule, schwarze und Frauen-Themen zuständig. Gnädig lauscht man ihnen. Manchmal. Und wendet sich dann dem Allgemeinen zu.

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Für die Definition dessen, was Rassismus, Homophobie usw. IST, wo Benachteiligungen vorliegen, wo Stereotype sich formulieren, ist hingegen die Mehrheitsgesellschaft zuständig, nicht die betroffene Gruppe. Jeglicher Verstoß gegen diese Regel wird mit Empörung geahndet. Und der Verweis auf solche Strukturen ist grundsätzlich stigmatisierend, weil wir doch alle gleich sind.

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Ein Recht auf Verletztsein haben ausschließlich jene, die von einer Minderheit der Diskriminierung gescholten werden. Denen hat Mitgefühl zu gelten. Das ist das Schlimmste, was einem in Deutschland passieren kann. Die Artikulation des Verletztseins und Kritik von Minderheiten ist a priori instrumentell, um sich moralische Überlegenheit zu verschaffen. Entsprechend hat jeder von Minderheiten Kritisierte zunächst einmal die Aufgabe, die eigenen Privillegien und die eigene Machtposition abzusichern und die Kritik als unzulässig auszuweisen.

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Ergänzend ist alles, was man nicht auf Anhieb versteht, kein Grund zum Nachdenken, sondern als Geschwurbel zu stigmatisieren, das nichts anderem als dem intellektuellen Schwanzvergleich dient. Wissens- und Erfahrungsvorsprünge sind als solche verwerflich, weil sie ausschließlich genutzt werden, um Diskurshoheit zu erzielen. Mit Kompetenz oder dem Anliegen, etwas zu erläutern, was vielleicht anderen noch nicht klar ist, hat das grundsätzlich gar nichts zu tun, deshalb kann man da auch nix lernen.

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