Posted on Sep 8, 2008

Der mainstreamisierte Individualismus

“ZEIT-Journalist Jens Jessen hat über unsere Jugend geschrieben. Seine Zustandsbeschreibung über den unmutigen Teen und Twen, der verlernt hat aufzubegehren, ist nicht neu, dennoch Wirklichkeit. Einen Schuldigen findet Jessen allerdings nicht. Aber genau das wäre jetzt angebracht, um der Tristesse zu entkommen.” zoomer.de
Jessens Artikel müsste mittlerweile bekannt sein. Die Antwort von Zeit-Campus-Chef Hartung – ein schlechter Witz. Öko- und Globalisierungsschnösel als neue Revoluzzer? Tzz. Wenn man Hartungs Biografie kennt, kommt man sich ein bisschen verarscht vor.

Ich finde, dass der Gesichtspunkt, den ich für zoomer.de (oben verlinkt) zu Jessens Sichtweise der “Jugend ohne Charakter” fand, doch dann besser passt. Nicht, weil ich überheblich bin, sondern, weil Denise dasselbe beobachtet.

Posted on Aug 5, 2008

Antispießer sind die wahren Spießer.

Ein kleines Gimmick für den vorherigen Post und eine bis dato einmalige Sache hier auf medienelite.de folgt jetzt. Nachstehend findet ihr einen Artikel von mir, der demnächst veröffentlicht werden soll in seiner Rohfassung. Wild zusammenklamüsert aus stundenlangem Gebrainstorme nach einer These (siehe Überschrift). Ihr dürft gern diskutieren, kritisieren, verbessern, anstreichen, whatever. Feel free. PS: Der Aufruf für den Videodreh gilt übrigens immer noch.

Spießig ist, wer ein Anti ist

KonservativPutzfimmel, Häkeldecken, Schrebergarten: Der grausigen Lebenseinstellung unserer Eltern wollen wir um Himmels Willen nie nacheifern. Deswegen wollen wir mit aller Macht alles anders machen. Dabei merken wir nicht, wie das Wegrennen in die entgegen gesetzte Richtung irgendwann in einer Sackgasse der Intoleranz des Andersseins endet. Wie kindisch. Denn spießig sein bedeutet mehr als nur einen Gartenzwerg zu besitzen.

Vor einem Jahr erst herrschte die Debatte über das Spießertum in allen deutschen Medien. Jens Jessen von der ZEIT propagierte nach der U-Bahnschlägerei den Angriff auf piefige Rentner. Danach schrieben sich die Medienjournalisten an ihm selbst und seiner provokanten These die Finger wund. Später freuten sich die Feuilletons über das pamphlet-artige Ausschmücken einer eigentlich nur netten Kaffeeklatsch-Debatte. Doch eines wurde deutlich: Der Begriff Spießer ist längst überholt.

Versteht man unter Spießer gemeinhin einen bornierten Gartenzwerg- und Plastikblumenfetischisten oder kurz gesagt: einen Deutschen, ist doch die allgemeine Begriffsbezeichnung viel passender: „Als Spießbürger oder Spießer bezeichnet man abwertend eine Person, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen, Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung, Komfortismus und starkem Bedürfnis nach Sicherheit auszeichnet.“ Diese Erklärung schließt weder trashige 90er-Jahre-Wohnzimmer-Accessoires mit ein noch die nächste Tupperparty. Das sind vielleicht bildhafte Begleiterscheinungen einer Spießerrandgruppe, mehr aber auch nicht.

Was viel deutlicher wird: Spießer ist, wer sich dem gesellschaftlichen Mainstream angliedert, sich darin wohlfühlt und auf seinen Ansichten gluckt wie eine Henne beim Eierlegen. Auch das muss nicht per se heißen, dass alle Spießer konservative Werte vertreten. Denn wer sagt, dass der gesellschaftliche Mainstream immer noch bei anno 1950 feststeckt? Zeitgeiste sind dynamische Strömungen. In unserer heutigen Leistungsgesellschaft gliedert sich gerade die heranwachsende Generation in vermeintliche Traditionelle und in die Antiliga, die da – ob aus Trotz oder Faulheit – nicht mitspielen will. Aber wer ist jetzt hier eigentlich der Spießer?

Während die eine Seite nach den Werten streben, die im gesellschaftlichen Konsens für das glücklich sein wichtig erscheinen – Familie, Karriere, Stabilität und Gesundheit – entwickelt sich die andere Seite zur personifizierten Antiautorität. Dazu gehört, dass man sich möglichst politisch-links gibt, den Kapitalismus verurteilt, mit Freunden im Park sitzt, ab und zu einen kifft und über den Werteverfall der Gesellschaft diskutiert. Dazu gehört, möglichst nicht den konservativen Wertvorstellungen des Mainstreams zu entsprechen.

Doch ist es nicht genauso konservativ diesen Gegenpol bilden zu wollen? Mit Begrifflichkeiten zu argumentieren, deren Definition eher Auslegungssache als status quo ist? Die geistige Unbeweglichkeit, die einen Spießer ausmacht, manifestiert sich genau mit diesen Schubladen, in die er andere gerne steckt und sich selbst damit auch. Im Grunde genommen ist es zweitrangig, ob jemand seine Kissen mit dem berüchtigten Handkantenschlag versieht oder lieber bei Sonnenschein und Becks eine neue Weltordnung denkt. Entscheidend ist das Befreien der eigenen Denkweise von ewiggestrigen Klischees. Denn das ist wirklich spießig.

Posted on Aug 5, 2008

Spießer gesucht!

Hey ihr Lieben,

suche Spießer (mit oder ohne Partner), die sich in ihrer Hütte oder in ihrem spießigen Leben filmen lassen. Oder Anti-Spießer, die dasselbe gern tun wollen. Ganz easy, locker vom Hocker, ja keine Zwänge oder Ängste.

Drehtermin kann variabel gewählt werden, sollte aber bis Ende nächster Woche passieren.

Also wer kann mir jemanden empfehlen oder gar sich selbst? Das Material wird natürlich öffentlich sein, also kommen auch die Rampensäue auf ihre Kosten!

Einfach nen Kommentar schreiben oder mir ne Mail (siehe Impressum) mit euren Kontaktdaten und/oder wie wir weiter verfahren wollen. Vorzugsweise sollten diejenigen aus Berlin oder Umland kommen.