Posted on Sep 17, 2009

Enterhaken an der falschen Stelle gedrückt

Bereits zum dritten Mal zeigt sich die Piratenpartei politisch naiv und dümmlich pragmatisch, was den rechten Rand betrifft. Das Netz empört sich zu Recht und es hagelt Kritik im Minutentakt über Twitter oder Blogs.

Dieser Kritik entgegnen die Piraten sofort mit vermeintlichen – jedoch hochgradig peinlichen – Totschlagargumenten “Man wird doch wohl mal dürfen”, “Man muss doch mit denen reden”, “Wir unterwerfen uns nicht der Meinungsdiktatur” “Piraten stehen weder links noch rechts, sondern machen sich gemein mit einer Sache” oder “Vielleicht kriegen wir ja ein paare rechte Wähler weg vom rechten Rand”. Dass sich die Argumentation teilweise widerspricht – geschenkt. Was viel verwerflicher ist – die Ignoranz der Partei gegenüber eigenen eklatanten Fehlern.

Zu den Argumenten…

1. “Man wird doch wohl mal dürfen”

Klar. Wer verspürt manchmal nicht die Lust mit dem braunen Pack einen gemütlichen Plausch abzuhalten? Natürlich ohne riskante Themen anzuschneiden. Herr X. aus M., für den die Islamisierung Europas das Ende des Abendlandes bedeutet, kann mir sicher auch mein Notebook reparieren oder mir den abgepackten Rindergulasch von Rewe für nur 2,99€ empfehlen, während wir uns beim Müll runtertragen zufällig über den Weg laufen.

2. “Man muss doch mit denen reden”

Klar. Wer verspürt manchmal nicht die Lust mit dem braunen Pack einen gemütlichen Plausch abzuhalten? Natürlich ohne riskante Themen anzuschneiden. Herr X. aus M., für den die Islamisierung Europas das Ende des Abendlandes bedeutet, kann mir sicher auch mein Notebook reparieren oder mir den abgepackten Rindergulasch von Rewe für nur 2,99€ empfehlen, während wir uns beim Müll runtertragen zufällig über den Weg laufen.

3. “Wir unterwerfen uns nicht der Meinungsdiktatur”

Klar. Alles was nicht nach dem piratischen Sinne diskutiert wird, ist natürlich reine Diktatur, Zensur, Beschneidung, Krieg gegen die Demokratie, etc. pp. ohne inhaltliche Auseinandersetzung. Das haben die Piraten doch gar nicht nötig. Mit ihrer Deutungshoheit über digitale Themen. Der Herr da hinten hat eine Wortmeldung?! Ja? Bitte! Achso! Das Argument mit Gutmenschentum und typisch deutscher Political Correctness hatten wir noch nicht. Danke sehr. Vielen Dank, dass Sie an diesem demokratischen Prozess der MeinungsfindungWortergreifung teilgenommen haben.

4. “Piraten stehen weder links noch rechts, sondern machen sich gemein mit einer Sache”

Löblich. Brüderlich reicht man sich die Hand im Kampf gegen Zensursula, und äääh… Zensursula. Die wird nach Kinderpornos auch vor faschistischen Inhalten und Volksverhetzung keinen Halt machen, die olle Schrapnelle. Nieder mit ihr! Breitet eure Arme aus und heißt die neuen Schafe herzlich willkommen in der ersten unpolitischen Partei Deutschlands, die Anspruch auf ein paar Sitze im Bundestag erhebt, um nicht mehr im verborgenen Kämmerlein oder im nächsten Straßencafé ihr W-LAN bemühen zu müssen. Übrigens: W-LAN für alle!

5. “Vielleicht kriegen wir ja ein paare rechte Wähler weg vom rechten Rand”

Herr X. aus M, der mir neulich dieses fantastische Rindergulasch-Rezept an die Tür gehängt hat, erzählte mir gestern beim Müll runterbringen, dass er jetzt Mitglied in der Piratenpartei ist. Findet er voll dufte – das Wort “cool” sei ja nur ein Indiz für den fortschreitende Amerikanisierung des deutschen Sprachraumes und bedeute damit das Ende des Abendlandes -, dass er jetzt endlich seine politische Heimat gefunden hat. Dort kann er die Notebooks von allen reparieren, natürlich arbeitet er unter einer CC-Lizenz, ist doch klar, und hat monatlich 1 GB Datenvolumen für umme auf dem Piratenserver für seine Hitler-Bilder, NPD-Parteitagsmitschnitte und Leni-Riefenstahl-Videos frei. Die er folgerichtig zum kostenlosen Download für alle Parteimitglieder freigibt. “Die Nachfrage nach Steinigungsvideos aus arabischen Ländern ist allerdings am größten”, erklärte er mir mit leuchtenden Augen. Die Piraten machten sich schließlich gemein mit der Sache, alles Unrecht auf der Welt lückenlos zu dokumentieren. “Manchmal, da sitzen wir abends bei Bier und Bytes zusammen und flanieren über den Islam und Moscheenbau in Deutschland. Bald – so nehmen wir uns dann immer vor – wollen wir mal so ein Papier einbringen in den Bundestag. Natürlich für alle – natürlich mit CC-Lizenz.” Als wir uns verabschiedeten, rief er mir noch hinterher, dass er ganz stolz darauf sei, dass die Junge Freiheit das Papier schon veröffentlicht hätte. Daraufhin sei der Artikel 300 Mal geretweeted worden – pro Stunde. “Das Internet – die tollste Erfindung der Welt”, schalmeite es, bevor meine Tür ins Schloss fiel.

Foto: PaGn (CC)