Posted on Okt 19, 2010

Feministische Verhüllungen

Andrea Rödig hat vergangenen Freitag im Freitag einen sehr differenzierten Beitrag zur Burka-Debatte veröffentlicht. Darin erläutert sie die polarisierenden feministischen Diskurse rund um die weibliche Verschleierung der Muslime inklusive Religionskritik/antimuslimischer Rassismus. Wer sich also zu feministischen Standpunkten hinsichtlich dieser Themen informieren möchte, bekommt hier einen ersten Überblick.

Rödig skizziert wunderbar das Dilemma, welches in beiden Positionen steckt, warum beide der Realität nur zu einem gewissen Teil nahe kommen, Lebenswirklichkeit vieler Muslima ignorieren oder subsumieren unter ihre eigentliche Botschaft. Beide Positionen scheinen unvereinbar und geboren zum Dissens. Einen Mittelweg? Für Rödig sähe er so aus: “Wer es schafft, entgegengesetzte Regime gleichzeitig zu verprellen, ist – feministisch gesehen – auf der richtigen Seite.” Eine feministische Position müsste sich also gegen die Instrumentalisierung und fremdbestimmte Zurichtung des weiblichen Körpers durch verschiedene Akteur_innen aussprechen und zwar zeitgleich.

Wünschenswert. Dazu wäre es jedoch zunächst wichtig, die vielen unterschiedlichen feministischen Positionen zu vereinen, Potenziale verschiedener Strömungen anzuerkennen und in neue Politiken zu überführen. Bevor wir allerdings damit beginnen, hören wir mal auf, Orientalismus fortzuschreiben, wie leider auch Rödig, wenn sie zaghaft formuliert: “Es kann durchaus sein, dass im arabischen Raum ein Widerstand gegen jede Form von Verschleierung die einzig richtige feministische Option wäre. Für Europa ist das – bis auf weiteres – nicht angemessen”.

Theoretische Fundierung gibt es bei Birgit Rommelspacher, die die feministische Debatte um Muslima und Islam kritisch hinterfragt (Download als PDF).

Posted on Aug 31, 2010

Über kritische Bemerkungen zum Judentum

Vor zwei Tagen setzte Frank Rieger obigen Tweet ab und versah seine Äußerung mit einem Link zu diesem Artikel. Inhalt des Artikels ist folgender: Ein Mann singt vor Männern und Frauen und bekommt dafür als Strafe 39 Peitschenhiebe. Woran denken Sie, wenn sie das lesen? Sicher nicht sofort an das Judentum und bestimmt fällt Ihnen auch nicht gleich an, weshalb sich der Sänger inkorrekt verhalten hätte. Eine orthodoxe Auslegung des Judentums trennt in vielen gesellschaftlichen und privaten Bereichen nach Geschlecht. Zuwiderhandlungen stehen offenbar unter Strafe, wie uns dieser Artikel nahe legt. Soweit.

Wie der abgebildete Tweet zeigt, retweeteten 13 Twitterer diesen Tweet (mit Frank Rieger’s Äußerung) über die Retweet-Funktion von Twitter.com (OMG dieser Satz!). Weiterhin gab es noch andere Formen der Retweets mittels “RT @frank_rieger” und “via @frank_rieger”. Der Artikel selbst wurde bereits über 2000 Mal auf Facebook gepostet und fast 300 Mal auf Twitter verbreitet. Wie oft er angeklickt und gelesen wurde, kann ich hier nicht nachvollziehen, aber das soll uns auch nicht weiter interessieren.

Während also deutschsprachige Twitterer Riegers Äußerung über “Wüstenreligionen” kommentarlos übernahmen, setzte @doktordab ein paar eigene Worte ein: “Nicht nur Taliban peitschen Sünder. Auch in Israel kann man wegen Singens bestraft werden” Fefe übernahm den Artikel in seinen Blog und schrieb folgende Worte dazu: “39 Peitschenhiebe für einen Sänger, weil er vor Männern und Frauen vorgetragen hat. Saudi Arabien? Iran? Nein, Israel!” Warum ich das erwähne, erzähle ich gleich.

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