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Wir waren wandern – im Oberlausitzer Bergland
Wir waren grillen – bei Omma im Garten
Wir waren radeln – 30 Kilometer durchs sonnendurchflutete Land.
Wir waren dekadent – in Radebeul auf Schloss Wackerbarth. Begehrtes Ausflugsziel, mit Weingut, Weinberg und gutem Wein. Elbtaler Weine sind im Trend. Sollte man nicht verpassen.
Ich war plauschen – mit meinen langjährigen und geliebten Freunden bei Lagerfeuer, einem Gläschen zu viel und herzerwärmender Melancholie.
Ich kann nicht ohne. Berlin ist mein Zuhause. Diese Stadt repräsentiert, was ich bin und wie ich denke. Dennoch male ich mir ab und an aus, wie es wäre, für einen Monat oder auch zwei oder auch drei zurückzugehen und all das nachzuholen, wozu in den vergangenen vier Jahren keine Zeit oder Gelegenheit blieb. Noch immer kenne ich jede Straße, jeden Winkel und nehme jede Veränderung in Hoyerswerda und Umgebung genau wahr.
Ich liebe den Blick hinaus nach dem Aufwachen. Ich liebe den Gang nach draußen auf die Straße. Und ich liebe die kleinen Cafés, in denen man stets dieselben Leute antrifft. Trotzdem gestalte ich mein Leben in der Großstadt, unvorstellbar erscheint mir alles andere. Sobald ich in Berlin ankomme, fällt die Last der Vergangenheit von mir ab. Ich lechze nach der City, weg mit den Erinnerungen, weg mit der schweren Melancholie, die doch so schön ist. Rein ins Chaos, in die Verdrängung.
Neulich meinte eine Bekannte: “Irgendwie zieht das Leben so an mir vorbei. Alles geht so schnell. Was mache ich eigentlich die ganze Zeit?” “Ja, du genießt passiv, anstatt aktiv zu gestalten”, erwiderte ich mit einem Grinsen im Gesicht. In der Großstadt muss man das auch nicht. Hier gestaltet sich alles um einen herum. Jeden Tag neu. Und mit einer kleinen Handbewegung zieht man das wiederum ein Stück an sich heran.
In der Heimat ist das nicht so. Passivität bedeutet dort Abstumpfen. Umso schöner, ein paar Mal im Jahr aufzutauchen, fast im Stress alles abzuarbeiten und sich dann von den Eltern fragen lassen: “Sag mal. Ist das nicht ungewohnt für dich? Wenn du hier so im Grünen sitzt und alles ruhig ist? In Berlin ist es doch so laut.”
Es wundert mich nicht mal, dass ich mit “Nein” antworte.
Aber das ist, glaube ich, der Lauf der Dinge. Der macht mich süchtig.


