Posted on Mai 30, 2008

Glückspragmatismus.

Gestern war wieder so ein Tag. Ein Tag, der perfekt war. Dabei war er es gar nicht.

Manche Tage sind gewöhnlich. Die meisten eigentlich. Alltag, Beruf oder beides in einem. Ein bisschen Freizeit, schönes Wetter, Berlin. Also ein ganz gewöhnliches Ding.

Nach meiner Spätschicht befand ich mich auf einmal auf Berlin. Ja richtig. Auf Berlin. Auf einer Dachterrasse in der Torstraße (die wo die ganzen BC von Angelina Jolie wohnen /insideroff). Vor mir der Sternenhimmel, das Berliner Verlagsgebäude, das Park-Inn- oder Forumhotel, der Alex (so nenn ich den Fernsehturm seit je her). Direkt vor und doch unter mir. Bier, Zigaretten, tolle Menschen und die Frage: Darf Ostberlin noch so heißen?

Ich frage mich manchmal, wie das so gekommen ist mit mir. Dass ich jetzt in Berlin bin, diesen Text schreibe und arbeiten darf. Warum mir das früher so anders vorkommt und warum ich glücklich bin.

Auf dem Weg zur Tram, oh vergessen … auf dem schnellen Weg zur Tram fragte ich mich, warum ich gerade versuchte, gefühlte 20 Taxis anzuhalten. Warum mir das egal war, dass ich für meinen Nachhauseweg mehr als Monatsticket bezahlen will. Dekadenz oder Berliner Alltag? Ich fuhr letztlich doch mit der Tram heim und steckte mir Kopfhörer in die Ohren. Ich kenne das Lied nicht. Trotzdem weine ich. Und freue mich doch, dass es keine Melancholie ist.

Das Leben ist schön -

Posted on Mrz 9, 2008

Ich werde erwachsen.

Ich werde erwachsen.

Nein falsch.

Das Erwachsensein zwingt sich mir auf.

Nein falsch.

Das Erwachsenwerden klopft an.  So ist es richtig. Ich sitze gerade in meiner kleinen Lichtenberger Hütte, starre auf den blinkenden Fernsehturm und versuche irgendwo in den dunkel-beleuchteten Weiten der Stadt Stadtteile auszumachen. Das ist mein “Lieblings-ich bin allein, keiner ruft an, auf StudiVZ gibts keine neuen Pinnwandeinträge, Satt bin ich auch, Fernseher hab ich sowieso keinen, mir ist allgemein langweilig”-Spiel. Dann starre ich immer so raus, rauche nebenbei eine, lass’ mit Absicht die Musik aus, weil die immer meine Gedankengänge so komisch beeinflusst.

Und wenn ich so “Stadtteile anhand geografischen Halbwissens und Verdichtung urbaner Sakralbauten finden” spiele, dann denke ich. In letzter Zeit geschieht das relativ häufig, da ich relativ häufig allein bin.

Ich denke über Arbeit nach, weil ich es noch nicht geschafft habe, Arbeit und Freizeit gedanklich voneinander zu trennen. Ich denke über meine Vergangenheit nach, weil ich es noch nicht geschafft habe, Vergangenheit und Gegenwart gedanklich voneinander zu trennen. Ich denke über meine Freunde nach, weil ich es noch nicht geschafft habe, meine Freizeit und meine Freunde in ein adäquates Zeit-Lust-Kontinuum zu pressen. Ich denke über meine Wohnung nach, weil ich es noch nicht geschafft habe, über meine Einrichtung nachzudenken. Da geht noch was, denke ich mir immer und meine doch eigentlich alle Bereiche, die mich und mein Dasein im Hier und Heute ausmachen. Mit allem bin ich irgendwie ein bisschen unzufrieden. Dann komm ich mir immer so erbärmlich vor, weil ich Schubladen so verabscheue und es selbst nicht auf die Reihe bekomme, mein Leben NICHT nicht in verschiedenste stecken zu wollen. Der Ordnung halber.

Ich fahrelaufe durch Berlin und finde mich noch erbärmlicher, weil ich GENAU JETZT in die Zielgruppe der NEON passe. Eine schwere Identitätskrise hat mich erfasst, das zu sagen wäre reichlich übertrieben. Vielleicht so ein bisschen. Also auch nur ein bisschen schlimm. Trotzdem egozentrisch genug sich damit zu befassen. Trotzdem halbwegs abgeklärt, um zu wissen, dass das nur das Erwachsenwerden ist und das Erwachsensein draußen vor der Tür steht und sich gegen diese stemmt, während ich mich auf der anderen Seite dagegenstemme.

PS: Bitte meldet euch doch bei mir. Ich will nicht allein sein, wenn das Erwachsensein doch stärker ist. :-)