Erste Lese und zweiter Eindruck.

Nachdem Denise und ich gestern bei der Ersten Lese den angeblichen Größen der deutschen Blogosphäre beiwohnen durften, hier nun ein kleiner Review nach einer Nacht drüber schlafen, wie Herr Niggemeier so gut empfahl (Think before you post und so :)

Ihm kann ich mich nicht ganz so anschließen, zumal mal an der Technik nu nicht krümelkackrig sein muss, was interessieren mich Schallwellen, wenn MCWinkel eh nuschelt?
Dass das WLAN zwar nicht funktioniert hat..ok…aber: na und? Nur weil es BLOGlesung heißt, muss man die technische Komponente nicht überbewerten. Außerdem, Freundchen, ich hab sogar 10€ bezahlt, ok? Also, still jetzt.

Das Ambiente war nett, das Wetter tat sein übriges, die Schnittchen waren lecker und der geschrotete Pfeffer und die Safranfäden auf den Gurkensticks konnten sich sehen lassen. Mich überraschte nicht, dass alle nach der re:publica sowieso dicke Freunde waren und so ging das Beweihräuchern unter Lobo, Welding, Niggemeier & Co. auch gleich weiter. Mercedes Bunz war zu Gast. Der Rest war stilecht ganz bohème. Was jetzt unbeflecktes Publikum war, außer uns zwei ist schwer zu sagen. Alle kannten sich und so war klar, dass Kritiker wohl nur schwer zu finden seien. Alles Mitte-Lemuren dachten wir uns. Ganz weit weg. Auch im Geiste.

So denn es ging mit 1h Verspätung los. Lobo machte den Moderator und das sehr viel gespieltem Stil. Lustig wars.
Nacheinander traten auf: Bandini von Neue Bodenständigkeit mit seltsamen Frauengeschichten, 500Beine von der Spreeblick-Kolchose berichtete über seine gescheiterte Existenz als Autor (geilo), Nils Bokelberg war schon mal KitKatClub.Nackte Mädchen.betrunken. Auch schön., Roman Libbertz ja…krachte seinen Text runter, der vor Insidern nur so überquoll und alle lachten. Außer wir. (Jetzt wissen wir endlich wie sich der FB Maschinenbau zur Mediennacht fühlt), Rose war ganz depressiv, die willkommene Abwechslung zu den vielen Lachern, MC Winkel redete von Stecherwettbewerben zu Jugendzeiten. Alle feierten ihn. Ich fand es bedingt lustig. Seine Art vorzutragen gefiel mir allerdings. Sehr trocken. Dr. Snow redete von Freundinnen aus Männersicht. Der Saal zerriss sich. Die kennen den, bestimmt. Nett. Mehr nicht. Kitesurfingunfälle. Nun ja. Geschmackssache. Dann kam Niggemeier. Las einen Text von Malte, der auch nicht lustig war, weil die Pointe keine war. Aber vielleicht kam es auf die auch gar nicht an. Und dann las Niggemeier einen Text von sich. Den ich jetzt hier mal hotlinken muss, weil er so gut war. Weil er so beschreibend war über das Angiften unter Bloggern. Weil er auch mal selbstreflektierend war. Weil er recht hatte. Und weil er das sonst eher selten tut. Seine letzten Versuche beim Alphonso waren dagegen nämlich kläglich.
Zu guter letzt und wahrscheinlich der „Realste“ unter der ganzen Truppe war Daniel Erk vom Hitlerblog, der nicht las, sondern seine Arbeit vorstellte und die Unterschiede deutlich machte zwischen Symbolik des Dritten Reiches, wie wir es heute deuten und wie eingeschossen wir auf Symbolik und überhaupt nicht mehr auf den Hintergrund sind. Da fielen Promis auf Auszüge aus „Mein Kampf“ rein, als man ihnen einen fiktiven Professorenstuhl zu einem fiktiven Fach anbot, da gibt es Leute, die bezeichnen einfach alles als Nazi. Und dann sollte man über Hitler lachen. Weil er einfach pop ist. So wie der Papst. Erfrischend. Neue gute Ansichten. Sehr gut recherchiert, der Vortrag vom Zeigen der Symbolik strafbar. Auch das wieder lustig. Und: Hitler gehört zur Familie.
Was wir bei „Sein oder Nichtsein“ (Film) beim Literatur und Film noch gut fanden, kann heute vor Empörung kaum noch produziert, gezeigt, geschrieben etc. werden. Daniel Erk macht es trotzdem. Super.

Mathias Richel, Head of Neue Bodenständigkeit, war am Ende ganz bescheiden und bedankte sich nur lieb. Sagen wollte er nichts. Schade.

Eine Bloglesung..soso. Ãœber die Qualität der Texte kann man streiten. Mit einer „echten“ Lesung haben die wenig gemeinsam. Aber unterhaltsam und mal eine Erfahrung wert.
Mathias hat noch einmal ein paar Texte der Autoren zusammengestellt. Links hab ich mir mal erspart, sind doch die meisten eh bekannte Gesichter, ansonsten hilft Technorati weiter ;)

22 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Es ist vorbei.

  2. Da hast du Recht, heut Nacht hab ich wirklich ein paar Krümel gekackt. Aber son bisschen Atmosphäre wäre ja auch schön gewesen, die ist mir leider völlig abgegangen, deswegen war ich dann ein bisschen bzw. eigentlich eher ziemlich angepisst.

  3. Nope, die kannten mich nicht. Einige von denen dachten sogar das ein Weblog irgendwas neues von WEB.de ist wo man seine Emails abholt und so.

    Schön dass Du da warst!

    [Disclaimer: ich bin ja übrigens saugerne nett]

  4. „Einige von denen dachten sogar das ein Weblog irgendwas neues von WEB.de ist wo man seine Emails abholt und so“

    ich hoffe, das sind witze :)

  5. Witze? Dann erwähne ich jetzt mal besser nicht, dass ich auch gefragt wurde wie man denn das Wort „Blog“ buchstabieren würde, sonst mache ich mich ja komplett unglaubwürdig!

  6. So, da gibt es unterschiedliche Meinungen wies war. Sind aber schon interessante Texte dabei, gerade Stefan Niggemeier mit den Kleinkriegen unter Bloggern. Das haben wir ja auch in der Mittweidospäre stimmts ;-)

  7. Der Text war wohl auch nicht so lesungstauglich. Aber so richtig weiß man das leider immer erst hinterher. Und eine Pointe hatte der tatsächlich nicht. Die waren im Text versteckt.

  8. @lantzschi: Naja, was mir optisch vor allem aufstieß, war das völlige Fehlen einer Lichtstimmung. Die Ikea-Lampe konnte das leider auch nicht mehr retten und die Leselampe hat einen Schnitt aus Licht ins Gesicht jeden Lesers gezaubert. Dann wäre eine Location gut gewesen, die eine Bar innerhalb des Zuschauerraums aufweist. Ich hatte wirklich eher das Gefühl, auf einer Konferenz zu sein als bei einer Lesung.

    Ja, über die Stelle mit der Erdung kann wohl nicht jeder lachen… Über Maltes Text musste ich von allen Texten, die ich vorher schon konnte, am meisten lachen. Und nicht alle haben den MC gefeiert.

  9. Auf wie vielen Lesungen warst du schon Armin? Wirklich es gibt nichts, aber auch nichts schlimmeres, störenderes und einer Lesung unzuträglicheres, als ein Bar im Innenraum.
    Wenn es diese gibt, wird diese von einem verantwortungsvollem Veranstalter während der Lesung auch geschlossen.

    Barhockerlesungen sind andere. Auch schön. Aber anders. Und das sollte keine sein.

  10. Mathias, ich weiß nicht, irgendwas zwischen zehn und fünfzehn? Allerdings noch nie auf ner Bloglesung, das muss ich dazu sagen. Die meisten waren in Theatern oder Buchhandlungen, einige aber auch in Bars. Und natürlich wird die Bar geschlossen. Aber sie ist eben da. Und sorgt für Atmosphäre. Ich will keine Raufasertapetenwände anglotzen müssen.

  11. Pingback: MC Winkels weBlog » Blog Archive » Eine Lesereise durch Deutschland

  12. @Dr. Sno*: das glaub ich dir nicht :D da hab ich ja meine Mitte-Lemuren ganz schön überschätzt, hey!

    @armin: hey, es war das erste mal für die NB. Nu komm mal wieder runter. Das was du kritisierst ist ein bisschen übertrieben. Kann schon sein, dass diese nicht mit deinen vielen anderen Lesungen mithalten konnte, aber mir scheint ja, als würde mehr als die bloße Kritik an der Atmo/Technik/zeugs dahinterstecken.

  13. @lantzschi: ob da aus mitte so viele da waren? das besagte damenkränzchen war, soweit ich weiss, aus mannheim(?!?) und nur zu besuch in berlin. ehrenrettung quasi.

  14. mensch. ich bin entzückt, wie schnell schubladen kaputt gehen können und neue wieder da sind, denn: in mannheim, da geb ich dir recht, da kennen sie keine blocks oder wie man das nennt.

  15. Nö, eigentlich steckt da nix anderes hinter. Es ist ein bisschen so, wie wenn ein freudig erregtes Hündchen einen Tritt statt Futter bekommt. Nur habe ich eben noch ein wenig gekläfft, statt mich jaulend in meine Hütte zurückzuziehen (was ich nun tun werde).

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