Posted on Jun 29, 2010

Posted on Jun 10, 2010

Sarrazin – der “In- und Auswendig”-Rassist

Einwanderer bekämen zudem mehr Kinder als Deutsche, sagte Sarrazin. Es gebe “eine unterschiedliche Vermehrung von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Intelligenz”, sagte der frühere Finanzsenator Berlins.

Schon wieder äußert sich der Sarassist. Ich bin für eine Petition. Dringend. Und Spiegel Online sollte man gleich mit vom Tellerrand fegen, weil sie die offen-rassistischen Äußerungen dieses Widerlings so unkommentiert abdrucken – und als “provokant” einstufen.

Noch ein schöner Fehler der Redaktion (Hervorhebung von mir): “Ein von der SPD-Basis gegen ihn angestrengtes Parteiausschlussverfahren wegen parteischädigenden Verhaltens und Rassismus gegen Ausländer wurde im März dieses Jahres eingestellt.”

Fragen Sie sich auch, was “Rassismus gegen Ausländer” sein soll? Hat er Menschen aus Schweden, Spanien oder Guatemala rassistisch beleidigt? Wenn dann doch bitte Rassismus gegen Inländer, denn der Sarrassist hat sich gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund gewandt, die meisten von ihnen sind (leider!) Deutsche oder besitzen (leider!) die deutsche Staatsangehörigkeit. Nix mit Ausländer. Der Teil der Zuwanderer ohne deutsche Staatsangehörigkeit sind allerdings nicht irgendwelche Ausländer, sondern Menschen aus der Türkei, dem Nahen und Mittleren Osten und Afrika. Der Sarrassist benennt sie deutlich.

Also: Rassismus in Reinform, liebe SpOn-Redakteure, nichts, was man davon mit irgendwelchen kruden Unterscheidungen abstrahieren müsste.

Am beschämendsten allerdings die weiß-deutsche Mehrheitsgesellschaft im Publikum: “Einige der Zuhörer reagierten laut dpa mit einem Schmunzeln, erkennbare Unmutsäußerungen gab es nicht.” Sollen wir gegen die vielleicht auch eine Petition machen? Dafür müsste SpOn dann aber wirklich einen neuen Rassismusbegriff erfinden.

PS: Sascha Lobo macht schon die ersten Anstrengungen gegen diese “Person”.

Posted on Jun 8, 2010

Check (7)

Leute, es ist Zeit für Parks. Aber keine Zeit zum Durchatmen. Ich bin momentan völlig eingespannt in Uni und als Gastschreiberin für das Missy-Magazine-Blog. Deshalb ist hier erstmal nicht viel von mir zu erwarten. Das einzige, womit ich dienen kann, ist ausreichend Lesestoff für nette Stunden im Grünen.

- in der FAZ geht es um die Unterschiede zwischen Mann und Frau anhand ihrer Gehirne. Anders, als von der FAZ zu erwarten wäre, äußerst kritisch. Viele naturwissenschaftliche Theorien ranken sich um die sexuelle Differenz – von Wahrheit und Objektivität kann nicht die Rede sein. Fakt ist allerdings, dass es sich bei allen Forschungen um Geschlechterfragen nie um eindeutige und unwiderruflich falsifizierbare Ergebnisse handeln kann. Weil Forscher_innen selbst nicht frei von Vorannahmen über Geschlecht sein können (Sozialisation) und diese in ihre Praxis mit einbringen. Das ist okay, solange nicht Objektivität sondern Selbstkritik postuliert wird.

- HartzIV-Empfänger_innen müssen mit drastischen Kürzungen in den kommenden Jahren rechnen. Die Bundesregierung zeigt ihr wahres Gesicht. Ich freue mich auf die nächste Bundestagswahl. Auswirkungen und Hintergründe für die Betroffenenen gibt es bei Antje Schrupp (sowieso generelle Leseempfehlung) und dem Genderblog.

- Felix Neumann beleuchtet in einem Post das Zusammenspiel von Gender und Bloggen. In einem anderen spricht er sich gegen Biologismen in politischer Praxis aus.

- Der aktuelle Titel des SZ-Magazins beschäftigt sich mit Feminismus. DEM (!) Feminismus. Natürlich ist dieser schuld an der Bitchyness aller (!) Frauen.

- Im Guardian geht es um den neuen Film von Michael Winterbottom “The Killer inside me”. Problematisch sieht die Autorin des Textes die Zunahme von Gewalt gegen Frauen im Kino und TV. Schon immer war sie Teil stilistischer Argumentationen von Filmemacher_innen,  allerdings erreicht der Tenor “Gewalt macht Liebe” im Winterbottom-Streifen eine neue Qualität.

- Ebenfalls im Guardian zu lesen: Eine Fundamental-Kritik am neuen “Sex and the City”-Film. Was in der Serie als feministischer Ansatz, Empowerment von Frauen und neues weibliches Selbstbewusstsein durchging, wandele sich nun zu einem völlig oberflächlichen klischeebehafteten alten Rollenverständnis. Ich habe beide Filme nicht gesehen und auch nicht vor, sie mir anzuschauen. Der Autorin des Textes haben sie nämlich die Serie versaut und darauf habe ich keine Lust.

- In Wales ist die Kampagne “One Step Too Far” gestartet und soll Geschlechter für Sexismus sensibilisieren. Sehenswert!

Posted on Mai 18, 2010

Atombomben und das Völkerrecht.

Die Frage, ob Rassismus dabei eine Rolle spielte, wird oft negativ mit dem irreführenden Hinweis beantwortet, dass die Bombe auch auf Deutschland abgeworfen worden wäre, wenn sie vor Kriegsende verfügbar gewesen wäre. Dieses Argument geht darüber hinweg, dass die Japaner während des ganzen Krieges in den amerikanischen Medien als Untermenschen und Ungeziefer dargestellt wurden. Es geht darüber hinweg, dass Präsident Truman ein bekennender Rassist war. («Für mich sind alle Menschen gleich, wenn sie ehrlich und anständig und keine Chinesen oder N [gekürzt] sind.») Es geht darüber hinweg, dass die Amerikaner mit einer nach Rassen getrennten Armee gegen die Japaner kämpften und dass unter den Schwarzen wegen ihrer Diskriminierung in Amerika während des Krieges eine so starke projapanische Bewegung entstand, dass die militärische Führung das Vertrauen in schwarze Truppen verlor. Es geht darüber hinweg, dass japanischstämmige Amerikaner während des Krieges interniert wurden, deutschstämmige aber nicht. Schliesslich geht es darüber hinweg, dass Rassismus die Basis des britischen Empires war.

Im europäischen Zusammenhang ist Rassismus so stark mit dem Völkermord an den Juden assoziiert, dass man seine gnadenlose Schärfe auf beiden Seiten der asiatischen und pazifischen Kriegsschauplätze übersieht. Rassismus war eine Konstante des Kolonialismus und der Politik jener Zeit. Die Frage ist also nicht, ob der europäische Feind von der Atombombe verschont geblieben wäre, noch ob Rassismus das Motiv für die Vernichtung der beiden japanischen Städte war. Die Frage ist, ob Rassismus ein Element war, das in die fatale Entscheidung mit einfloss. Sie lässt sich nicht verneinen.

Dieser Artikel ist fast fünf Jahre alt. Er hat mich zum Nachdenken angeregt.

Posted on Mai 10, 2010