Posted on Nov 12, 2009

Schnee im Latino-Land

Eines der vielen guten Dinge an meinem Studium ist, dass wir uns untereinander oft austauschen über Klischees und Rollen. Manchmal machen wir das in der Uni, weil die Dozentin uns zu Selbstfindungstrips anleitet. Reflektion als Pflicht sozusagen. Dann reden wir in geselliger Runde über schwarz/weiß, Mann/Frau, deutsch/nichtdeutsch, Kultur/Natur – Dichotomien-Bingo und jeder darf was erzählen.

Nach den Seminaren laufen wir mit Kippe in der Hand zur U3 und erzählen weiter. Witzig, wieviele “In Your Face”-Situationen es dabei schon gab.

Ich: “Ey redet doch mal deutsch. Ich versteh euch nicht.” [sic!]

(Kolumbianerin, Mexikanerin, Spanierin und Bolivianerin unterbrechen kichernd ihr Gespräch.)

Kolumbianerin: “Ja ok. Wenn die doofen Deutschen dabei sind, machen wir mal eine Ausnahme.”

(Jetzt kichert keiner mehr, denn wir lachen schon.)

Die doofen Deutschen haben nämlich neulich der Kolumbianerin ganz aufgeregt deutschen Schnee gezeigt. Weil sie sowas ja noch nie gesehen hat. Die doofen Deutschen wollten nämlich vor einer ganzen Weile der Mexikanerin den Unterschied zwischen warmen und kaltem Wasser erklären. Weil sie sowas ja noch nie gefühlt hat. Außerdem denken die doofen Deutschen, dass diese Latinos sowieso alle koksen. Die Plantagen hat schließlich jeder vor der Haustür. Außerdem denken die doofen Deutschen, dass diese Latinos den ganzen Tag Samba tanzen. Baströckchen hat schließlich jeder im Schrank. Und außerdem denken die doofen Deutschen manchmal, dass die Mexikanerin auch eine Türkin sein könnte. Ist ja schließlich auch so eine komische hellbraune Hautfarbe.

Tatsächlich haben nicht nur die doofen Deutschen das Hautfarben-Problem. In Mittel- und Südamerika ist der “Weißheitsgrad” ausschlaggebend für Macht und Stand. Und während sich Mexikaner eher wie der kleine arme Bruder der USA fühlen, sind die Südamerikaner ganz Südamerikaner. So sagen es meine Kommis. Subjektive Eindrücke aus Nationen, in denen die meisten doofen Deutschen noch keinen Fuß reingesetzt haben. Diese Latinos essen ja schließlich nur scharf. Verträgt der Magen des doofen Deutschen nämlich nicht so gut.

Posted on Nov 11, 2009

Brüder im Geiste

Mexikanerin: “Wo wohnst du eigentlich, Nadine?”

Ich: “Platte.”

Kolumbianerin: “Wo?”

Ich (überlegt kurz): “Sozialistischer Planbau.”

Beide: “aaaah.”

Mexikanerin: “Ich kenne ‘Platte’ nur von dieser Scheibe, wo alte Musik drauf ist.”

Posted on Okt 26, 2009

(Zwei)geschlecht(lichkeit) – biologisch fundiert oder sozial konstruiert?

[edit: Dies ist eine überarbeitete Fassung des Original-Textes vom 24.10.2009]

Geschlechter sind verschieden. Dieser Satz ist zu einem unumstößlichen Faktum unserer Gesellschaft geworden. Doch Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtern, sowie Unterschiede in den Geschlechtertypen werden bis heute negiert, mehr noch: Eigenschaften des männlichen Geschlechts werden über die des weiblichen Geschlechts gestellt.

Begründet wird die Dichotomie der Geschlechter, die Zuschreibung von Kategorien und Eigenschaften für beide, sowie die Hierarchisierung dieser Zuschreibungen mit naturwissenschaftlichen Befunden und scheinbar natürlichen Gegebenheiten.
Doch Kategorien wurden zu Stereotypen, Stereotypen zu Rollenbildern, die durch Sozialisierung in die Gesellschaft implementiert wurden. Mittlerweile wird die Gesellschaft bestimmt durch ein binäres Geschlechterschema, das Abweichungen als Ausnahme deklariert und/oder diese Abweichungen versucht, wieder im Binären zu subsumieren. Der Normativitätsdruck hinter diesem sich immer wiederholenden Vorgang lässt nur selten eine kritische Hinterfragung zu. Heute bedeutetet für einen Großteil der Gesellschaft das biologische Geschlecht (sex) gleichsam das soziale Geschlecht (gender).

Dabei stützt sich diese Gleichsetzung auf fragwürdige Annahmen. Judith Butler beschreibt in „Gender Trouble“ naturwissenschaftliche Untersuchungen zur Feststellung des anatomischen Geschlechts als kulturell verzerrten Vorgang. [1] Noch vor den Studien wurden die Testpersonen anhand ihrer äußeren Geschlechtsmerkmale den binären Geschlechtsdimensionen zugeordnet, ohne zu wissen, ob es sich tatsächlich um „echte“ Frauen oder Männer handelte. Und wollte man nicht gerade das in den folgenden Untersuchungen herausfinden?
Wie sich herausstellte, hatten die als „Frauen“ kategorisierten Testpersonen keine Eizellenproduktion und die „Männer“ keine Samenzellenproduktion. Es bestand eine „Inkohärenz der Bestandteile für die eindeutige Bestimmung des anatomischen Geschlechts“, so Butler, die das Forscherteam wissentlich ignorierte. Trotzdem fanden die Forscher um Page 1987 das sogenannte Mastergen, das angeblich das anatomische Geschlecht eindeutig bestimme. Obwohl dieses DNA-Stück auf beiden Chromosomenkonstellationen (XX und XY) vorhanden ist, wertet Page es als jeweils aktiv und passiv und ordnet ihm gleichzeitig die Eigenschaften „männlich“ für aktiv und „weiblich“ für passiv zu. Das Mastergen ist also eine Ursache dafür, dass eine biologische Weiblichkeit nicht mehr als die An- oder Abwesenheit der biologischen Männlichkeit darstellt.

Butler will sich jedoch keineswegs darauf festlegen, dass eine einwandfreie anatomische Bestimmung des biologischen Geschlechts unmöglich sei, sie zeigt mit diesem Beispiel lediglich auf, dass sich die Naturwissenschaft durch kulturelle Annahmen über Mann/Frau selbst Grenzen setzt. Der Objektivitätsmythos der Naturwissenschaften bewahrte diese lange vor einer grundlegenden Kritik in Methodik und Theoriebildung. Auch Sigrid Schmitz stellt fest, dass gesellschaftlich-kulturelle Geschlechterverhältnisse häufig die Grundlage für den wissenschaftlichen Betrieb bilden. [2] Oft stehe die Befundlage konträr zur wissenschaftlichen Faktenlage.

Kultur, Sozialisation und Normen leiten sich also keineswegs aus der Biologie ab. Es gilt daher, diese Annahmen und Ableitungen, die aus einer vermeintlich biologisch Perspektive begründet werden und unser Gesellschaftsbild hinsichtlich Geschlechterstereotypen prägen, zu vermeiden und zu dekonstruieren. Wer sich dem normativen Druck der Geschlechterpolarität verwehrt, individuelle Erfahrung mit und über Geschlechter kritisch reflektiert, wird feststellen, dass die Unterschiede innerhalb eines Geschlechts viel größer sind – beispielsweise in Alter, soziale Herkunft, sexuelle Orientierung, Ethnie, Karriere, geografische Zugehörigkeit – als zwischen den Geschlechtern.

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[1] vgl. Butler 2009, 159-165
[2] vgl. Schmitz 2009, 179f.


Literaturnachweis

Butler, Judith (2009): Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt a.M.

Schmitz, Sigrid (2009): Gender und Diversity treffen auf Naturwissenschaften und Technik, in: Andresen, Sünne/Mechthild Koreuber/Dorothea Lüdke (Hrsg.): Gender und Diversity: Albtraum oder Traumpaar? Wiesbaden: 175-190


Posted on Sep 7, 2009

Gerade beim Aufräumen gefunden.

Ich miste gerade mein Blog aus. Und lösche sogar Einträge, man stelle sich vor. Natürlich nicht wegen möglicher Fremdschäm-Gefahr sondern wegen Belanglosigkeit.

Eine Sache wollte ich euch nicht vorenthalten: Eine Zitatesammlung meiner rumänischen Medientheorie-Dozentin. Damals™, als ich noch in Mittweida Medienmanagement studierte. Sehr zynisch und vor allen Dingen: political incorrect. Also die Dozentin, nicht das Studium. Das war scheiße.

Ich bin Ausländerin und mache dumme Witze.

Posted on Sep 20, 2008

Wege.

Ich habe mich seit meinen 1,5 Jahren in Berlin oft gefragt, was der Rest so macht. Ja diese ganzen sozialen Netzwerke und Blogs, die sollen ja eigentlich helfen diese Frage zu beantworten, aber irgendwie befriedigt mich das nicht. Ich brauche klare Antworten.

Wo sind die 04er und 05er (übrigens die letzten coolen Jahrgänge, bevor Platz wurde für die karrieregeilen Medienstudis, aber dazu später mehr.)??? Habt ihr Jobs? Macht ihr Praktika? Wo seid ihr untergekommen? Wo lebt ihr? Kann man das nicht in ein neues Netzprojekt quetschen. So quasi, ein kleines Netzwerk aus Kompetenzen? Leute, die man bei Gelegenheit anrufen kann? Synergien? Ich würde das schön finden. Gerade, wo man sich ja kennt. Ideen? Lust?