Posted on Feb 19, 2010

Konflikttraining, Tag 1

Mir bewusst zu werden, dass ich einen Konflikt jahrelang falsch verhandelt habe, das dann wieder Konsequenzen nach sich zog, die ich nie wollte, ist hart. Konflikte und Menschen gehen zu lassen, gar etwas zu verzeihen, was eigentlich unüberwindbar, unverzeihlich ist, keine Hassgefühle mehr in sich zu tragen, sich selbst und vor allem anderen gegenüber und … ja … ein Stück weit sich selbst zu vergeben … das ist doppelt hart.

Immerhin steht diese Erkenntnis am Anfang. Um den Rest kümmer ich später. Jetzt habe ich keine Zeit. Und keine Lust.

Dafür haue ich ne Runde The Cure in die Waagschale. Mein absoluter Lieblingssong einer meiner Lieblingsbands.

Posted on Feb 18, 2010

Eine lesbische Frage

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Lesbians, Gays, Gabis, Grrrls, Geeks, Nerds, Friends, Homos, Transen, Draqs, Fags, Dykes, Heteros, Butches, Femmes, Tomboys, Queers, Intersex, Trans*, Asex, Teddys, Rubbers, Blubbers und Schrubbers! To whom it may concern!

Sieht so eines Lesbe aus? Entscheiden Sie selbst!

Seit mittlerweile fünf Jahren bin ich out. Nicht immer war ich darüber proud. Mittlerweile schon, ganz entspannt und manchmal auch auf lesbian riot gebürstet. Homo-Krawalle gab’s in Berlin leider noch nicht. Ich wäre ganz vorn im pinken Block. Pink? Och nö, ich hasse pink. Blau ist meine Lieblingsfarbe. So still und tief – wie Liebe unter Frauen eben. Oh, bin ich jemandem zu nahe getreten? Verzeihung. Mein Empfinden, deine Schuld!

Was mich seit meinem Wechsel vom Cumming zum Coming Out beschäftigt, ist die Frage nach der Szene. Gibt es eine Homo- respektive homo(sic!)gene Lesbenszene? Wenn ja, wie sieht sie aus? Wer ist drin? Wer nicht? Und warum das alles?

Um diese Frage besser beantworten zu können, zog ich Anfang 2007 nach Berlin. Ich steppte seitdem durch diverse Homo- und Lesbianpartys, lernte sie alle kennen. War sogar fast mal richtig drin in dieser kleinen Berliner Lesbenszene, die jede Woche die gleichen Clubs besucht und auf den immer gleichen Partys die immer gleichen Frauen knallen. Kennst du eine, kennst du alle. Jede mit jeder. Alle schon mal vom Kuchen probiert. Zwischendurch ne Line Koks, drei Bier zu viel und auf den Schreck ein SchnäppSchen. Schnäppchen-Lesben inklusive. Die alles entscheidende Frage: Wer hat mit der DJane gefickt und kommt deshalb für umme in den Schuppen? Und warum sind hier eigentlich so viele Heten? Ist London ein Vorbild? Bin ich stylisch? Mag ich coole Mucke? Lasse ich mich heute so gehen, dass ich trotzdem wirke, als wäre ich in jeder Situation selbtstbeherrscht-egozentrisch genug? Dekadenz!

Richtig. Die lesbische Szene brüllt die Dekadenz von den Dächern. Das Klischee als Ghettoblaster und die Oberflächlichkeit als Streetstyle. Und mittendrin der Mob der Heteronormativität. Lesben definieren sich noch immer über Heterosexuelle. Entweder um sich ihnen und ihren Privilegien anzunäheren oder sich von ihnen abzugrenzen. Radikal? Nein! Bieder? schon eher. Noch immer höre ich Parolen wie: “Wir sind so anders, wir sind so geil!” Wir ficken alle, weil wir gerne ficken. Da is gar nichts anders, du Vollidiotin. Höchstens deine strunzdumme Ignoranz.

Es werden neue Partnerinnen nicht akzeptiert, weil sie zu weiblich aussehen. Dass sich die lauteste der Ablehnerinnen alle fünf Minuten den Lidstrich nachzieht – geschenkt.

Es werden (lesbische) Freundinnen müde belächelt, die statt einer neuen Partnerin jetzt einen Mann an der Seite haben. Dass die müdeste der Lächlerinnen ständig davon redet, sich endlich einen Mann nehmen zu müssen, weil die ja eh viel unkomplizierter sind – geschenkt. Das Lesben-Magazin L-Mag spricht von Neo-Heteras…öööhm…joa. Und sonst so?

Es werden Beziehungen und Affären von anderen Lesben nach vorn, hinten und wieder zurück durchdekliniert, seziert, zerpflückt und mit Häme bestückt. Dass die eifrigsten Seziererinnen ihren Beziehungsstatus statt ihren Schlüpfer wechseln – geschenkt.

Es wird rumgeheult, dass keine neue Frau das Licht der Welt erblickt, um die vereinsamte alte Dame zu beglücken. Dass die einsamste von allen seit gefühlten 80 Jahren ihrer Ex hinterherhechelt – geschenkt. Dass das Hauptgesprächsthema beim lesbischen Date die Ex ist – geschenkt.

Täglich baden wir uns in unserem lesbischen Dasein, täglich stellen wir fest: Eigentlich sollten wir Bücher darüber schreiben, wie sich Lesben am besten pathologisieren lassen. Diese geisteskranken, liebestrunkenen Stuten.

Aber gibt es ein Wir? Ich sehe keins. Was ich täglich sehe, sind lesbische Fragen.

Posted on Feb 16, 2010

Frau X. und die Verzweiflung

“Und dann hab ich vor lauter Verzweiflung die ganze Schokobons-Tüte aufgegessen.”

Posted on Feb 12, 2010

Don’t feed the Ignorance

Ich laufe durch die Straßen. Zwei kleine Jungen laufen an mir vorbei und brüllen Lesben sind geil. Ich sage nichts. Ich lache etwas.

Ich laufe durch die Straßen. Ein Mann starrt mich an, noch mehr meine Freundin. Ich sage nichts. Ich lache nicht.

Ich laufe durch die Straßen. Wir werden von zwei Männern angehalten und um Sex gebeten. Ich sage etwas. Im Nachhinein war nicht gut, was ich gesagt habe.

Ich laufe durch die Straßen. Autos fahren vorbei und hupen. Ich drehe mich um. Ich kann nichts sagen.

Ich laufe durch die Straßen. Jemand brüllt “Scheiß Lesben”. Ich sage nichts.

Ich sitze in der S-Bahn. Eine Gruppe junger Männer entdeckt uns zum Glück erst, als sie schon ausgestiegen sind. Sie kleben an den Scheiben, machen obszöne Gesten und treten gegen die Fenster. Ich kann nichts sagen. Meine Freundin hat Angst. Ich auch.

Ich ignoriere all diese Dinge im Alltag und weiß genau, dass sie immer wieder passieren werden. Ich versuche abzuwiegeln, nicht zu verurteilen. Ich versuche andere Positionen einzunehmen, um zu verstehen. Ich leugne ab und an meine Homosexualität, wenn ich der Meinung bin, das Klima dafür sei nicht gegeben. Ich leuge mit all diesen Verhaltensweisen: Mich selbst.

Mit diesem Blog habe ich die Möglichkeit tagebuchartig oder eingebettet in andere Kontexte diese Vorgänge zu verarbeiten. Die Wut, die ich in mir trage zu kanalisieren, in schriftlicher Form. Ich bin nicht sehr spontan, ich kann nicht gut sprechen. Dieses Blog ist meine Art zu sprechen.

Ich mag Menschen nicht, die versuchen, mir diese Form der Kommunikation zu verbieten oder mir Hinweise geben, ich solle weniger emotional sein. Weniger emotional in den Themen, die mich betreffen und meistens nicht sie. Wie die Menschen, die meine Identität zum Kotzen finden, üben auch diese Menschen eine Macht aus. Macht darüber zu erlangen, was und wie ich es sage. Definitionsmacht. Definitionsmacht, der ich allein schon deshalb unterworfen bin, dass ich lesbisch bin. Definitionsmacht per jure. Defintionsmacht per Öffentlichkeit. Und stets soll ich ignorieren, dass all das auf mich einprasselt. Ich versuche auszuweichen. Mit Argumenten oder ohne Meinung, ganz zurückgezogen. Es macht keinen Unterschied. Ich halte den Mund und ignoriere. Es macht keinen Unterschied. Ich fühle mich beschissen.

Manchmal wird aus dem beschissenen Gefühl ein wütendes. Ja ich bin wütend. Wütend darüber, dass ich mich oft nicht wehre, dass ich es passieren lasse und dass es Menschen gibt, die mich einschränken wollen in meinem Selbst, in meinem Handeln.

Manchmal stehe ich auf und wehre mich. Ganz entschieden. Weil ich es nicht mehr aushalte.

Dieses Blog ist eine der wenigen Räume, die ich für mich habe. Ein Raum, der es Menschen schwer macht, mich einzuschränken, weil sie mich nicht sehen, weil sie mich nicht kennen. Nur das, was ich schreibe. Es reicht trotzdem, sie zu ermutigen, mir diesen spärlich und mit viel Liebe gepflegten Raum zu entreißen. Allein durch ihre Stimme. Das macht mich noch wütender. Ich will es mir nicht wegnehmen lassen und niemandem überlassen außer mir selbst.

Hier ist ein Raum, in dem ich als Autorin ein Privileg genieße. In dem ich fühlen kann, wie es sein muss, stets solche zu genießen. Es fühlt sich gut an. Dieses gute Gefühl hat in den Augen einiger kein Recht zu existieren.

Als Privilegienbesitzerin habe ich deshalb die Macht, diesen Menschen ihre Bleiberecht in diesem Raum zu entziehen. Oder mich zu wehren, weil ich so wütend bin. Ich muss nicht ruhig bleiben. Ich will nicht mehr ignorieren, was mich einschränkt. Ich will entschieden dagegen vorgehen. Ich ignoriere schon genug.

Posted on Feb 7, 2010

Frau X. und das iPhone

“Dit is keen Internet mehr, dit issn Gameboy”

“Kann ich noch einmal spielen? Bitte!”

“Twitter aufm Handy zu benutzen is wahrscheinlich och viel sinnvoller, wa?”

“Soll ich mich auch mal bei Twitter anmelden?”

“Oah, das is voll cool!”

“Kennzeichnest du auch, wenn du mich zitierst? Also nicht, dass du das als deine Sprüche ausgibst”