Posted on Jul 3, 2009

Half-One-Way-Ticket.

Ich lese schon ganz lange keine Blogs mehr. Nur sporadisch. Aus Langeweile. Oder wenn mich jemand mit der Nase ins Wort steckt. Nicht, weil ich mich diesem Internetz aus kulturpessimistischen Gründen verweigere. Einfach, weil ich nicht mehr kann.

Das Zeitalter der Informationsüberflutung und dem “Join us in Death”-Prinzip funktioniert bei mir nicht mehr. Ab jetzt ist es wohl endgültig so. Ich lese auch nur noch vereinzelt Status-Meldungen auf Facebook oder die Tweets meiner Follower. Lange Texte von Medien schon mal gar nicht. Höchstens Gedrucktes, was nach Magazin ausschaut. Ich kann sogar nicht mal mehr ordentliche Texte verfassen, was man an mindestens 4 von 5 Blogposts merkt.

Die Blogroll da rechts unten ist eigentlich auch vollkommen überflüssig. Wer hat sowas erfunden? Wer klickt das? Ich jedenfalls nicht. Alles doof mit dem Internetz. Ich bin für den Rückzug ins private stille Kämmerlein. Völlig abgestumpft. Da muss man erstmal wieder Kraft tanken. Viel Kraft, damit man die Geduld aufbringt, aus dem ganzen wirren Zeugs dieses Internets mal nachhaltige Information/Unterhaltung/Kommunikation zu schöpfen. In den vergangenen vier Jahren habe ich nicht mehr getan, als ein Goldgräber zu sein. Und was die als Ertrag bezeichnen…naja lassen wir das. Das Internet ist noch nicht fertig, es ist nicht mal im entferntesten das, was es sein könnte. Und in diesem rohen Zustand, in dieser Wüste von Bla hab ich keine Lust mehr mich aufzuhalten. Ich möchte kein Empfänger mehr sein.

Demnächst werde ich mich wieder intensiver um mein Baby medienelite.de kümmern. Meine Stammleser wissen, wie liebe- und aufopferungsvoll ich hier sein kann, mit mir, mit dem Inhalt und mit den Lesern. Ab und zu lese ich 3,4 Blogs von engen Freunden. Twitter und Facebook werden mich auch weiterhin begleiten, mehr als meine eigenen Tweets und die replies darauf werden mich aber nicht interessieren. Es sei denn, es sind enge Freunde und Kollegen.

Mein Engagement gilt nach wie vor Solokarpfen, für das ich bisher gern mehr Zeit gehabt hätte. Wenn alles gut geht, studiere ich im Herbst. Master in Gender & Diversity Kompetenz oder Medienwissenschaft. Beides in Berlin. Dann werde ich endlich wieder meinen Kopf anstrengen können, für neue Reize und Ideen empfänglich sein, Kreativität zurückgeben und mich zusätzlich in einem spannenden sozialen Umfeld bewegen.

Bis dahin genieße ich den Sommer.

Foto: Spuz (CC)

Posted on Jun 24, 2009

Muss die Mutti wieder erklären

Heute stellte ich auf Facebook und Twitter folgende Frage.

Die Antworten darauf waren zum Teil sehr haarsträubend,  naiv-niedlich oder einfach nur witzig. Ganz im Gegenteil wie dazu in der Redaktion diskutiert wurde.  Ergebnis mit  inhaltlich nicht ganz sauberen Passagen sieht man hier.

Zunächst einmal ist es tatsächlich so, dass unsere queeren Freunde Deutschlands (also LGBT+alles andere) im Gleichheitsartikel des Grundgesetzes, genauer gesagt Paragraph III, Absatz 3 folgenden Zusatz wünschen: “sexuellen Identität”. Die größten Gay-Prides Deutschlands (Hamburg, Köln, Berlin) haben sich diese Forderung 2009 zur Hauptaufgabe gemacht. Es ist mittlerweile nicht mehr so unwahrscheinlich, dass dieser Zusatz in naher Zukunft auch den Weg ins Grundgesetz finden wird. Doch warum will man das?

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Posted on Mai 20, 2009

Daumen drücken

“we’ve all been raised in a sexist, racist, transphobic, heteronormative society, and gues what, that affects our behaviour.” (Jess McCabe)

[via]

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Posted on Apr 21, 2009

Heterosexistische Alltäglichkeiten

Heterosexismus beschreibt die oft subtile gesellschaftliche Neigung und das ideologische System, jede Form von Identität, Verhalten, Beziehung oder Gemeinschaft, welche nicht eindeutig der auf Heterosexualität basierenden sozialen Norm entspricht zu verleugnen, verunglimpfen und stigmatisieren. Er ist zu verstehen als eine auf Heteronormativität gründende und nicht hinterfragte gesellschaftliche Setzung heterosexueller Lebensentwürfe und -weisen, als die sexuelle “Normalität”, die z. B. die schwule und lesbische Existenz als Randerscheinung oder weniger “natürliches” Phänomen, als bloße “sexuelle Vorliebe” abhandelt. Der Begriff Heterosexismus verweist eher auf Arroganz oder Chauvinismus als Ursache des ablehnenden Verhaltens (als auf Homophobie – Anmerkung von mir).

Lange habe ich nach einem Begriff gesucht, der eine Überschrift bilden könnte für die vielen Situationen, der ich mich als Lesbe (dafür sollte es langsam mal einen neuen Begriff geben – allerdings bezeichnend, dass ich ihn negativ wahrnehme) ausgesetzt sehe. Ich halte mich hier ganz absichtlich davon fern, Heterosexismus einer bestimmten Personengruppe zuzuordnen. Heterosexismus ist unabhängig von Geschlecht, Sexualität und (sozialer) Herkunft. Und weil das so ist, werde ich in den kommen Worten und vielleicht auch demnächst fortführend ein paar Beobachtungen notieren:

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Posted on Feb 19, 2009

Ich bin OpenSource

Ich liebe das Internet. Das Internet liebt mich. Es hat in mir den perfekten Netzmenschen gefunden. Und den perfekten Netzmenschen aus mir gemacht. Kein altkluger Early Adopter, der schon alles gesehen hat, sondern ein ganz natürliches Ding bin ich. An und mit dem Netz gewachsen. Wir zwei gehen in Personalunion.

Alles fing 1998 an, meine prepubertäre Phase. Ja in diesem Jahr war/durfte man noch prepubertär sein, heute würde man zum Außenseiter degradiert. Zuerst waren es nur Emails. Danach kam Uboot. Ihr erinnert euch noch? Dieser Vorgänger der modernen Community, mit eigener Profilseite, eigenen imaginären Freunden und Chaträumen, die kleine Mädchenherzen höher schlagen ließen. Mein erster Internetfreund ließ nicht lange auf sich warten. Ich glaube, er hieß Sven, war 17 Jahre alt und kam aus Niedersachsen. Er sah niedlich aus. Als er mit mir per Mail schluss machte, war ich traurig. Über Uboot lernte ich sogar eine Freundin kennen. Sie hieß Dörte, war evangelisch und kam aus Magdeburg. Wir switchten irgendwann auf Briefe um und diskutieren mit 14, 15 über Darwin. Als Dörte mich das erste Mal im realen Leben besuchte, kam es zum großen Knall – sie war mir zu orthodox, ich ihr zu hibbelig. Oder sowas. Sie fuhr bereits vor Ende unser geplanten gemeinsamen Woche zurück nach Magdeburg. Danach dissten wir uns über Uboot – ich lästerte über ihre Hertha-Fan-Attitüde, sie über meine Limp Bizkit-Fan-Attitüde. Was ein Spaß.

Ich trieb regelmäßig die Telekomrechnungen meiner Eltern in die Höhe und sie damit in den Wahnsinn. Ich war netzsüchtig und süchtig nach Downloads von Napster und Kazaa. Auf meine Placebo-Bootleg-Sammlung waren alle scharf. 2001 baute ich meine erste Homepage – www.musik-ist-religion-genug.de (Die Domain ist mittlerweile stillgelegt). Dort versammelte ich mit dem hässlichsten HTML-Layout seit Anbeginn von Vereinsseiten (und noch viel kitschigeren DHTML-Spielereien) meine Freunde mit eigenem Profil und Gästebuch. Außerdem richtete ich eine eigene Angelina-Jolie-Fanseite ein. Später diskutierten wir unseren pubertären Musikfaschismus in einem Forum, das auf der Seite gehostet war.

2004 begann ich mein Studium. Print war mein neues Affiliate – bis mir einfiel, dass ich den Großteil meiner Kommilitonen richtig scheiße fand und über sie lästern musste. Schnell war die perfekte Plattform gefunden. Ein Blogger-Account. Das Blog existiert noch heute, weil ich die Inhalte nicht auf dieses Blog importieren wollte. Den Hass auf meine Kommilitonen auch nicht. Denn die hatte ich mittlerweile lieb gewonnen. Man kann ja schließlich auch reden.

Als alle 2005 auf den StudiVZ-Hype aufsprangen wehrte ich mich vehement mit dem Argument Coolness. Dasselbe passierte mit Twitter und Facebook. Heute habe ich bei allen drei Diensten einen Account. Ich bin nicht cool. Ich bin Mitläufer. Als Mitläufer entdeckt man schnell die Vorzüge dieser Internetdienste (sic!) – Vernetzung, Kommunikation, Permeabilität. Auf diesen Accounts und den anderen Dingern adde ich jeden, den ich kenne und möchte. Denn den Kulturpessimisten kann man damit prima die Häme aus dem Gesicht blasen.

Für Lantzschi gilt: Person = Person = Real Life = Netzwelt. Ich brauche nichts Internes oder Exklusives. Ich brauche lediglich eine zum realen Leben passende Corporate Identity im Netz. Das ist Geschmackssache. Vor zukünftigen Arbeitgebern oder Personalern oder Kollegen oder Trollen habe ich keine Scheu. That’s me here. Ich darf privat und beruflich zugleich sein im Netz.  Wer allerdings zum anonymen Hulk avanciert, der hat Probleme mit seiner Selbstwahrnehmung. Und wer den Unterschied zwischen Hulk und mir nicht sieht, mit dem will ich sowieso nicht.

Ganz langsam ahne ich, was diese CI über die Jahre hinweg mit sich gebracht hat – Ich verändere mich, durch das hier, mit dem hier. Ich kann Impulse setzen, gesetzt bekommen, ich kann sie verändern, ich kann sie weiterentwickeln, ich kann sie einsetzen, ich kann sie nach draußen tragen und wieder zurück. Das Internet muss keine zweite Spielwiese mehr sein. Meine Person ist OpenSource geworden. Und ich bestimme die Vergabe meiner API-Keys.