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	<title>Medienelite &#187; Saftpresse</title>
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		<title>Nice Guy. Oder wie das Patriarchat unsere Beziehungs- und Begehrensformen einschränkt</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 11:05:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Saftpresse]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Friendzone]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Nice Guy]]></category>
		<category><![CDATA[Pick-Up]]></category>

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		<description><![CDATA[Was mich an Nice Guy, Friendzone und Pick-Up extrem nervt (neben der patriarchalen Anspruchshaltung, eine Frau* habe irgendwie die Bedürfnisse eines Typen zu befriedigen - wie auch immer sich diese Bedürfnisse artikulieren), ist der heterosexistische und androzentrische Gehalt an der Sache.

Offenbar kommt es vielen Typen nicht in den Sinn, dass es Menschen gibt, die ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was mich an Nice Guy, Friendzone und Pick-Up extrem nervt (neben der <a href="http://puzzlestuecke.wordpress.com/2012/01/11/nein-heist-nein-oder-friend-zone-my-ass/" target="_blank">patriarchalen Anspruchshaltung</a>, eine Frau* habe irgendwie die Bedürfnisse eines Typen zu befriedigen &#8211; wie auch immer sich diese Bedürfnisse artikulieren), ist der heterosexistische und androzentrische Gehalt an der Sache.</p>
<p>Offenbar kommt es vielen Typen nicht in den Sinn, dass es Menschen gibt, die einfach wenig mit Typen anfangen können, sie nicht begehren, sexuell attraktiv finden oder sonst wie mit ihnen sozial interagieren wollen. Das mag verschiedene Gründe haben (Gewalterfahrungen, Formulierung eigener autonomer Sexualität &#8211; Bisexualität, Asexualität, Homosexualität, Unlust, lieber Masturbation statt Körperlichkeit mit einem Typen) und diese werden einfach negiert. Stattdessen liegt der Fokus auf dem armen Mann, der keine Frau abbekommt.</p>
<p>Die meisten Menschen kennen das Gefühl, einen anderen Menschen zu begehren (muss ja nicht immer sexuell sein) und dieses Begehren nicht erwidert zu bekommen. Ich habe in meiner Jugendzeit ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich habe mich schlecht und ungeliebt gefühlt, ich wurde depressiv (mag sicherlich auch mit anderen Faktoren zusammengehangen haben), zog mich zurück, ich entwickelte Hass und Wut (manchmal sogar Aggressionen) gegen die Person, die mich nicht wollte und stattdessen lieber mit diesem Vollpfosten durch die Gegend zog, der sie zudem schlecht behandelte. Ich wurde sogar von diesen Vollpfosten verspottet. Ich kenne also die Gedanken- und Gefühlswelt eines &#8220;Nice Guys&#8221;, obwohl ich eine Frau bin. Für viele der Macker, Sexisten und Machos unter den sogenannten Nice Guys mag das vielleicht nicht vorstellbar sein. Dass es außer ihrer egozentrischen und selbstverliebten Perspektive noch andere Erfahrungswelten gibt. </p>
<p>Ich denke, dass wir durch diese Erfahrungen lernen (können), wie sich partnerschaftliche, romantische Beziehungen, Liebe und Sex, Freund_innenschaften artikulieren können und dass zu einer erfüllten Beziehung zu einem oder mehreren Menschen (egal wie diese aussiehen) noch mehr gehört als Befriedigung eigener Bedürfnisse. Diese Erfahrungen sind kostbar, denn sie machen uns zu sozialen Wesen (selbst, wenn wir uns selbst als &#8220;beziehungsunfähig&#8221;, &#8220;asozial&#8221; oder &#8220;inkompetent&#8221; labeln).</p>
<p>Ich habe gelernt, dass ich keinen Anspruch auf andere Menschen habe. Niemand gehört (zu) mir. Ich kann nur nett sein, mich selbst lieben. Solange ich das für andere tue, für potenzielle Interaktionen, solange funktioniert das nicht. Ich muss nicht mal mich selbst besonders mögen oder mit meiner Person zufrieden sein, um für andere als liebens- und begehrenswert zu gelten. Ich muss einfach ich sein. Und wer nicht damit klarkommt, ja c&#8217;est la vie. Es ist traurig, dass sowas überhaupt nicht zur Debatte steht, wenn Typen ihre Anspruchshaltung so völlig ungeniert formulieren wie beim Nice-Guy-Phänomen. Als ob eine Freundschaft zu einer Frau irgendetwas minderwertiges darstellt als Liebe oder Beziehung oder Sex. Als ob Freundschaft nicht auch Zärtlichkeiten beinhalten könnte, nicht auch eine Form der Liebe oder der Beziehung ist.</p>
<p>Aber das finde ich nur heraus, kann ich nur mit (der) anderen Person/en erfahren, wenn ich mich auf sie einlasse und ihre Bedürfnisse und Grenzen zu jeder Zeit zu schätzen weiß. Komischerweise &#8211; anders als viele meinen &#8211; macht das nicht Flirten oder Anzüglichkeiten, kleine liebevoll gemeinte Chauvisprüche überflüssig. Ich kann dennoch daneben liegen oder Grenzen übertreten, aber dann kann ich das akzeptieren, mich entschuldigen und fertig. Während für Typen immer die Rechtfertigung eines &#8220;triebgesteuerten&#8221; Wesens gilt, besitzen Frauen* dieses Rechtfertigungsmuster nicht. Sie besitzen im Kontext von Nice Guy oder Friendzoning überhaupt keine eigenständige Sexualität, kein autonomes Begehrensreservoir, keine Entscheidungsfreiheit. Entweder sie nehmen den Typen, oder sie sind gefühlslose Bitches, die sich von irgendwelchen dahergelaufenen Machos durchficken lassen, statt den Nice Guy mit offenen Armen (oder Beinen?) zu empfangen. Kurz gesagt: Ihnen wird der Subjektstatus abgesprochen.</p>
<p>Viele meiner Freundinnen klagten schon ihr Leid, dass sie mal wieder einen netten Mann getroffen haben, mit dem sie sich hätten tatsächlich eine tolle Freundschaft vorstellen können, nur &#8220;leider&#8221; wollte der was anderes als Freundschaft. &#8220;Kann man als Frau nicht mal mit nem Mann befreundet sein? Ist das so schwer?&#8221;. Ich antwortete immer mit: &#8220;Ja.&#8221; Das paradoxe an der Sache ist ja, dass auch Männer Menschen sind und daher accountable für ihr Handeln. Diese Gesellschaft macht, dass wir nicht mehr unterscheiden können, ob wir jetzt als Typ diese Frau sexuell begehren müssen, weil wir das so gelernt haben oder ob wir sie einfach als Menschen toll und attraktiv finden. Freier Wille? I don&#8217;t know. </p>
<p>Viel trauriger daran ist, dass auch Frauen in dieser Gesellschaft daher eingeschränkt werden: Nämlich immer darauf zu achten haben, dass sie niemandes Gefühle verletzen und stattdessen lieber seine Avancen nett umschiffen oder lächeln (Don&#8217;t forget to smile!!), sich unwohl fühlen müssen, weil er ja sonst verletzt sein könnte. Vielleicht zu einem Mann wirklich schwerer Beziehungen aufbauen können, weil &#8220;er sonst denken könnte, dass&#8221;. Schon mal drüber nachgedacht, lieber Nice Guy? Dass es hier nicht nur um deine, sondern auch um die Gefühle und Einschränkungen deiner Gegenüber geht? </p>
<p>Ich lebe mittlerweile in meiner vierten längeren Beziehung, bin seit sieben Jahren out und hatte trotzdem in all den Jahren Probleme damit, meine Gefühle für andere Personen offen zu artikulieren. Entweder, weil ich zu schüchtern war oder nicht wollte, das meine Gegenüber denkt, ich würde sie irgendwie sexuell begehren. Ich wollte keine Freundinnenschaft zerbrochen wissen. Körperliche Nähe, Zuneigung und Zärtlichkeiten zeigen und gezeigt bekommen von anderen Frauen bereitet mir noch immer Unbehagen. Wahrscheinlich, weil ich in einer Gesellschaft sozialisiert bin, wo sowas gleich mit Anspruchshaltung und Pflichterfüllung verknüpft wird. </p>
<p>Erst langsam lerne ich, dass eine romantische (Zweier-)Beziehung nicht an Sex geknüpft sein muss, dass Freund_innenschaften mehr sein können als nur &#8220;sich zu mögen&#8221; oder &#8220;gut zu verstehen&#8221; und dass Zuneigung in erster Linie eine Form von Wertschätzung der Person ist und nicht ihres Aussehens/ihrer Ausstrahlung. Die Grenzen sind fließend und jeder Mensch bestimmt sie anders. Natürlich ist das komplizierter als das sexistische wie funktionalistische Pick-Up. Natürlich ist das komplizierter als &#8220;Friendzoning&#8221;. Natürlich gibt es in dem Sinne keine &#8220;Nice Guy vs. Arschloch&#8221;-Bipolarität. Deal with it!</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=3065&amp;md5=5ae9694760fec1e23fdec4d1da4296ce" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Rückzug ins Private</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 23:31:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Saftpresse]]></category>

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		<description><![CDATA[Disclaimer: Der folgende Post ist unglaublich selbstreferenziell mit ein paar Querverweisen auf Beobachtungen außerhalb der Selbstreferenzialität. Wer nicht auf sowas steht, möge hier bitte aufhören zu lesen.

Oder auch: Warum mir die antifeministische Gesellschaft das öffentliche Twittern abgewöhnt. 

Ich habe genug von Post-Privacy. Ich habe nun zwei Twitter-Accounts. Meinen ursprünglichen Account @lantzschi habe ich nun ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Disclaimer: Der folgende Post ist unglaublich selbstreferenziell mit ein paar Querverweisen auf Beobachtungen außerhalb der Selbstreferenzialität. Wer nicht auf sowas steht, möge hier bitte aufhören zu lesen.</em></p>
<p><strong>Oder auch: Warum mir die antifeministische Gesellschaft das öffentliche Twittern abgewöhnt. </strong></p>
<p>Ich habe genug von Post-Privacy. Ich habe nun zwei Twitter-Accounts. Meinen ursprünglichen Account @lantzschi habe ich nun &#8220;offizieller&#8221; gemacht, alle alten Tweets (immerhin so um die 18.000 in drei Jahren) gelöscht. Zum Glück muss mensch sowas heutzutage nicht mehr händisch erledigen. Über diesen neuen, alten Account <a href="http://twitter.com/nlantzsch" target="_blank">@nlantzsch</a> werden nun feministische Infos geshared und Diskussionen geführt, Fragen gestellt und ggf. beantwortet, die lohnen, auf Twitter öffentlich geshared, geführt, gestellt und beantwortet zu werden.</p>
<p>Für den ganzen Privatkram, Rants, Wutfeminismus, NSFW, Kuschelfeminismus, Hasenfußtweets und kontextlose Kontextbenötigentweets gibt es den protected account <a href="http://twitter.com/lantzschi" target="_blank">@lantzschi</a>. </p>
<p>Ich hätte es natürlich auch einfach haben können und meine Tweets auf meinem alten Account protecten können. Warum also dieser Aufwand und der Verlust von 18.000 Tweets? Auf das Letzteres lässt sich schneller antworten: Die Twittersuche ist der pure Hass. Kein Mensch findet dort, wonach er_sie sucht. Google hilft meistens auch nicht. Ich habe auch noch nie in meinen alten Tweets rumgekramt. Ich hänge nicht an meinen Tweets. Ich hänge lediglich an meinen Followern und allen, die sich für Feminismus interessieren.</p>
<p>Und deshalb sehe ich es überhaupt nicht ein, einen Account zu bespielen, der nicht für alle einsehbar ist. Weil mir das wichtig ist, habe ich alte Tweets gelöscht und ne Privatparty nebenan eröffnet.</p>
<p>Es ist ganz schön, Dinge ins Netz zu schreiben und viel gelesen zu werden. Es ist schön Lob, Kritik und Feedback auf die eigene Arbeit zu bekommen. Der zunehmende Bekanntheitsgrad von diversen Feminist_innen im Netz hat allerdings nicht nur schöne Seiten. Es wird unsafe. Ich habe jetzt mindestens 4 Shitstorms, die sich an meiner Person abarbeiteten, miterlebt. Ich bekomme beschissene EMails von Trollen, Mackern und Sexisten, die der Meinung sind, dass mich das interessiert, was sie schreiben. Ich bekomme beschissene Tweets von Trollen, Mackern und Sexisten, die der Meinung sind, dass mich das interessiert, was sie schreiben. Ich werde öffentlich auf &#8220;Meinungen über meine Person&#8221; hingewiesen, auch von Leuten, die ich schätze und gerne mag und die mir wahrscheinlich nur Hinweise geben wollen. Ich möchte das nicht mehr. Es laugt aus, es verletzt, es lenkt mich von schönen Dingen des Lebens ab. </p>
<p>Ich konnte kaum mehr twittern, ohne lähmende, triggernde oder kackscheiße Diskussionen an der Backe zu haben von Trollen, Mackern, Sexisten (anderen *Ismus bitte hier dazudenken) und Kackscheiße-Kommentierer_innen. Ohne, dass sich Menschen in Diskussionen einschalteten, zu denen sie nicht gefragt wurden, nur um Derailing zu betreiben. Manchmal diskutiert mensch ja Sachen aus auf Twitter. Das geht mit 140 Zeichen mal mehr, mal weniger gut. Sowas passiert dann mehr oder weniger öffentlich, womit ich auch die meiste Zeit gut leben konnte, denn Kommentare unter Blogs sind ja auch z.T. öffentlich. Ich meine hier auch nicht Diskussionen unter Gleichgesinnten, wenn da mehrere Leute zum gleichen Thema Gedanken und Kritik äußern, halte ich das meistens für sehr sinnvoll. Bin immer inspiriert und lerne dazu. Ich rede von Dreck und Angriffen, von: &#8220;Ich hake mich jetzt nur ein, um dir meine Uninformiertheit auf&#8217;s Auge zu drücken. Ich habe meine Meinung eh schon fertig, finde deine scheiße und das sollst du hiermit wissen. Ich tarne das manchmal mit Erklärbär_inwantedfragen oder Rechtfertigungsforderungen&#8221;.</p>
<p>Den &#8220;Mein_e zukünftige_r Chef_in googlet mich, OMG!&#8221;-Grund kann ich für mich ausschließen, ich habe mich vor Jahren von dieser idealistischen Vorstellung verabschiedet, mensch könne sein Leben im Netz irgendwie privat führen. Alles ist googlebar und was es nicht ist, wird von ominösen Einrichtungen gespeichert und wenn nötig, weitergegeben. Ich finde diesen Fakt scheiße, er sorgt u.a. dafür, dass das Netz nach wie vor eine relativ homogene Suppe ist und Menschen von Repressionen betroffen. Ich kann es mir leisten, relativ öffentlich im Netz aufzutreten, ich werde und muss nie in solchen Branchen tätig sein, wo es heikel werden könnte, wenn Chef_innen und Kolleg_innen (oder andere komische Leute) meine Gedanken lesen oder mal ein Foto finden. Und interessant für den Verfassungsschutz bin ich momentan auch noch nicht.</p>
<p>Wovor ich mich allerdings halbwegs schützen kann, ist die Übergriffigkeit und Grenzüberschreitung von Privatpersonen. Deshalb mein Zweitaccount, wo sich Gleichgesinnte und Freund_innen einfinden. Mein Eindruck ist: der Ton wird rauer im Netz. Nicht, dass er das nicht schon immer gewesen wäre, doch mit der zunehmenden Einflussnahme von Feminist_innen, die sich auch im Netz rumtreiben, steigt die Gegenwehr. Wenn mensch die vielen Feminist_innen, die halbwegs präsent im Netz rumschwirren, als irgendwie geartete Bewegung, Gemeinde (trotz der vielen inhaltlichen Differenzen) begreift, dann beobachte ich, dass von außen versucht wird, diese zu vereinnahmen. Gemäß dem Motto: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen, müssen die &#8220;harmloseren&#8221; als Erklärbär_innen herhalten (ob sie wollen oder nicht), die radikaleren werden offen angefeindet. Dann kommt das Teile-und-Herrsche-Prinzip hinzu und schwupps richtet sich das dann auch gegen die eigene Peergroup. Das hat immerhin den Vorteil, dass mensch dann weiß, wie es um die Machbarkeit von einigen Allianzen und feministische Solidarität bestellt ist.</p>
<p>Die self defined Maskulisten machen mir keine Angst. Das sind arme Würstchen, deren liebstes Hobby es ist, einen Google Alert auf &#8220;Feminismus&#8221; zu legen und alles zu dokumentieren und zu kommentieren, was irgendwie damit zusammenhängt. Außerdem keine sonderlich einflussreiche politische Gruppierung, weil sie sehr nah am rechten Rand fischt. Viel gefährlicher (und nerviger) sind all jene, die noch nicht gecheckt haben, dass es sowas wie soziale Ungleichheit gibt und beißreflexartig auf alles raufspringen, was mit Gesellschaftskritik zu tun hat. Oder jene, deren Antifeminismus auch dann noch aus allen Poren trieft, wenn sie sich schon als kritisch begreifen. </p>
<p>Da ich meine Twittertätigkeit nicht als Feminism101 oder für alles und jede_n nachvollziehbar handhaben will und keine Lust mehr habe auf Mansplaining oder das Wissen, dass ich von Leuten gestalked werde, die Feminismus im Netz als Horde/Diskurspolizei/Bedrohung/Interessant, lass uns da mal drüber reden-Grundsatzdebatte begreifen, gibt es ab jetzt Privataudienz für ausgewähltes Publikum. Ich kann nicht verhindern, dass im Netz Kackscheiße durch die Gegend fliegt oder Shitstorms aufziehen von Zeit und Zeit. Ich kann mir aber ein lauschiges Plätzchen einrichten und diese Menschen von Informationen fernhalten, mit denen sie offensichtlich sowieso nichts anfangen können.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=3033&amp;md5=0797fb538de11e330c8ede7ec15e0f80" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Feministische Partner_innenwahl</title>
		<link>http://medienelite.de/2011/12/04/feministische-partner_innenwahl/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 22:34:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Poesie]]></category>
		<category><![CDATA[Saftpresse]]></category>

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		<description><![CDATA[Dear non-feminist-identified or pro-feminist people having (a) feminist friend/s or partner/s,

you have the most wonderful person/people on earth on your side. They will always appreciate you, support you, give you advice in tricky situations. They will love you for what you are and most of the time they will not try to put you ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dear non-feminist-identified or pro-feminist people having (a) feminist friend/s or partner/s,</p>
<p>you have the most wonderful person/people on earth on your side. They will always appreciate you, support you, give you advice in tricky situations. They will love you for what you are and most of the time they will not try to put you in a box. They will not criticize you in order to make you a better person or for their own ego but to make a better world with you together.</p>
<p>Feminists are feminists for some or one reason. Feminism is not a issue and not up for debate, it&#8217;s a life-altering view on society. It shatters minds, it changes lifes, it moves people, it&#8217;s an all or nothing thing. You have to deal with that. Most feminists will not change their minds because you are angry with yourself failing to be _the_ perfect feminist ally and blame it on them. </p>
<p>Listen carefully and try to learn, there&#8217;s absolutely nothing you can lose within these relation- or friendships. To ask for loyalty and solidarity in situations you make a fool out of yourself and put your privileged ass over your friends&#8217; or partners&#8217; core values in life is definitely a bad idea.<br />
And no, you are not getting a cookie for showing solidarity and loyalty in situations they ask for.</p>
<p>Feminists are not the enemies, it&#8217;s you and your own ego. And your thinking to make your feminist partner/friend a person you are comfortable with. </p>
<p>This is not about you, this is not about them, it&#8217;s just about showing respect for the person you love.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=3020&amp;md5=4de4c771adb7cfa0d2901720cef249ec" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Malestream und queer-/feministischer Aktivismus &#8211; Vortrag in Gießen</title>
		<link>http://medienelite.de/2011/11/22/malestream-und-queer-feministischer-aktivismus-vortrag-in-giesen/</link>
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		<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 21:33:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Saftpresse]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern habe ich im Rahmen der queeren Ringvorlesung in Gießen einen Vortrag gehalten, der ebenfalls gefilmt wurde. Das Video ist noch nicht online, daher gibt es zunächst erstmal nur meine Präsentation zum Anschauen und Download.

Sind wir nicht alle  Schlampen? (function() { var scribd = document.createElement("script"); scribd.type = "text/javascript"; scribd.async = true; scribd.src = ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern habe ich im Rahmen der <a href="http://queer.blogsport.de/2011/11/12/12-11-2011-einladung-zu-vortrag-von-nadine-lantzsch/" target="_blank">queeren Ringvorlesung in Gießen</a> einen Vortrag gehalten, der ebenfalls gefilmt wurde. Das Video ist noch nicht online, daher gibt es zunächst erstmal nur meine Präsentation zum Anschauen und Download.</p>
<p><a title="View Sind wir nicht alle  Schlampen?  on Scribd" href="http://www.scribd.com/doc/73509886/Sind-wir-nicht-alle-Schlampen" style="margin: 12px auto 6px auto; font-family: Helvetica,Arial,Sans-serif; font-style: normal; font-variant: normal; font-weight: normal; font-size: 14px; line-height: normal; font-size-adjust: none; font-stretch: normal; -x-system-font: none; display: block; text-decoration: underline;">Sind wir nicht alle  Schlampen? </a><iframe class="scribd_iframe_embed" src="http://www.scribd.com/embeds/73509886/content?start_page=1&#038;view_mode=slideshow&#038;access_key=key-25y44pjzqcinbyeehje9" data-auto-height="true" data-aspect-ratio="1.33333333333333" scrolling="no" id="doc_27544" width="100%" height="500" frameborder="0"></iframe><script type="text/javascript">(function() { var scribd = document.createElement("script"); scribd.type = "text/javascript"; scribd.async = true; scribd.src = "http://www.scribd.com/javascripts/embed_code/inject.js"; var s = document.getElementsByTagName("script")[0]; s.parentNode.insertBefore(scribd, s); })();</script></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=3006&amp;md5=3a41202564ae9a369db86e69b122595c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Von bornierten und reflektierten Hinterteilen</title>
		<link>http://medienelite.de/2011/11/08/von-bornierten-und-reflektierten-hinterteilen/</link>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 17:54:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Saftpresse]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismuskritik]]></category>

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		<description><![CDATA[In diesen ganzen Debatten um Emanzipation und Herrschaftskritik kommt immer wieder die Frage auf: wie wird mensch das? Wie geht das? Anhand einer kleinen biografischen Erzählung ein Vorschlag. Ich mach die Kommentare wieder auf, weil ich einen Austausch mit euch ermöglichen will, was eure Anknüpfungspunkte für Feminismus, Antirassismus, Antisexismus, Kapitalismuskritik usw. waren. Was euch ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In diesen ganzen Debatten um Emanzipation und Herrschaftskritik kommt immer wieder die Frage auf: wie wird mensch das? Wie geht das? Anhand einer kleinen biografischen Erzählung ein Vorschlag. Ich mach die Kommentare wieder auf, weil ich einen Austausch mit euch ermöglichen will, was eure Anknüpfungspunkte für Feminismus, Antirassismus, Antisexismus, Kapitalismuskritik usw. waren. Was euch politisiert hat, wie ihr euch weiter entwickelt habt, usw. Please feel free to share&#8230;</p>
<p>Als ich vor etwa zwei Jahren schon etwas länger in feministischen Auseinandersetzungen um Intersektionalität eingelesen war, wurde mir klar: Rassismus ist genauso wichtig sich anzuschauen, das hängt alles irgendwie zusammen mit Klassismus, Sexismus, Bodism, Ableism und dem ganzen Quark, der uns immer wieder das Leben schwer macht. Rassismus ist scheiße und muss bekämpft werden, ich wühlte mich durch Texte und erarbeitete mir genau diesen Stand. Heute weiß ich, das ist der zweite Schritt vor dem ersten.</p>
<p>In dieser Phase meiner Aneignung herrschaftskritischen Wissens postete eine Freundin von mir, nennen wir sie im Folgenden P., ein <a href="http://www.tagesschau.de/inland/rassismusinterview100.html" target="_blank">Interview mit Noah Sow</a> auf Facebook. Beim Lesen dachte ich so: &#8220;Meine Fresse, arroganter Mist, der arme Interviewer&#8221; &#8211; Typisches Abwehrverhalten gegen die Weigerung immer allen alles erklären zu müssen. Gegen diese konsumistische Erwartungshaltung. Unbedarft und naiv (und ignorant) rotzte ich P. gleich als erste Kommentatorin genau diesen Satz unter den verlinkten Beitrag. Es dauerte keine zwei Minuten und der nächste Kommentator reagierte mit: &#8220;White Supremacy!!&#8221; P. versuchte zu schlichten, doch es half nix, im Minutentakt prasselten die Kommentare ein, was ich mir denn anmaße und überhaupt und sowieso, andere versuchten zu erklären, was jetzt gerade vor sich ging, ich stellte keine Fragen, sondern wertete und mutmaßte fröhlich vor mich hin, geschockt ob der sehr direkten Reaktionen auf meinen &#8220;harmlosen&#8221; Kommentar. Was die anderen versuchten mir deutlich zu machen (oder mit Rants mein herrschaftliches Denken zu sanktionieren), las ich zwar, verstand ich auch, aber&#8230;</p>
<p>Am nächsten Tag unterhielt ich mich mit P. über das, was passiert war und wollte wieder intervenieren, das Wort behalten, mich rechtfertigen &#8220;Ich hab doch nur&#8230;&#8221;. Sie beendete das Gespräch mit: &#8220;Es geht darum, dass ihr weißen einfach mal zuhört&#8221;. Dann sprach sie, über ihre Arbeit, über ihre Erfahrungen und ich hörte zu. Dieses Mal wirklich. Meine Sichtweisen spielten keine Rolle. Das war eine ziemlich einschneidende Erfahrung für mich, denn sonst war das mit dem Zuhören immer gekoppelt an Menschen, denen ich zuzuhören hatte, weil sie sich Definitionsmacht über meine Erfahrungen als lesbische Frau erlaubten.</p>
<p>Oft wird angenommen, der Unterschied zwischen Unterdrücker_in und Unterdrückter_m verlaufe entlang einer Wissensachse. Part A weiß es einfach noch nicht besser und ihm_ihr müsse das nötige Wissen eingeflößt werden und dann klappt das schon mit dem Antirassismus. <a href="http://medienelite.de/2011/03/15/macht-und-vermittlung/" title="Macht und Vermittlung." target="_blank">So einfach ist</a> <a href="http://www.iheartdigitallife.de/keine-baren-auf-dem-ponyhof/" target="_blank">das jedoch nicht</a>.</p>
<p>Herrschaftskritik ist in erster Linie keine Sache von Wissensvorsprung, sondern von Bewusstsein. Und dieses kommt mit Interesse, Interesse am Anderen, am Unbekannten, am Nichtselbstverständlichen, an anderen Wertvorstellungen und Welterklärungen. Das Bewusstsein besteht darin, dieses Interesse gekoppelt zu wissen an sich selbst. Was macht das alles mit mir? Wie hängt das mit mir zusammen? Warum interessiere ich mich für das, aber nicht für jenes? Was passiert mit meinem Selbstverständlichen, wenn ich anfange, dem Interesse nachzugehen?</p>
<p>Ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was es heißt, unterdrückt, marginalisiert und ausgeschlossen zu sein, ist der Schlüssel zu herrschaftskritischem Denken. Ich muss dafür nicht selbst unterdrückt sein oder kann in anderer Form unterdrückt sein (bspw. durch Sexismus). Für dieses Bewusstsein muss ich nicht studieren. Ich muss keine Gesellschaftstheorien lesen. Ich muss zuhören können, ich muss mich selbst zurücknehmen und das Andere neben mir akzeptieren und wertschätzen können. Dem Interesse nachzugehen, heißt auf andere Marginalisierte zuzugehen, doch sie nicht zu überfallen mit meinen Auffassungen.</p>
<p>Was noch viel wichtiger ist: Ich muss lernen, loszulassen. Von Altbekanntem, von meinen Stützpfeilern, mich auf Unsicherheiten, die diese Prozesse mit sich bringen, einzulassen. Ansonsten bleibt da nur Abwehr, Verweigerung, Schuldgefühl, Narzissmus, Borniertheit. Und das selbstverständliche Annehmen von: Erklär&#8217;s mir, aber, ob du Recht hast, bestimme ich. Ich muss einsehen, dass ich für all das selbst verantwortlich bin, niemand sonst. Keine_r hat das Recht, von anderen zu verlangen, der_die Lehrer_in zu spielen. Weil, wie eingangs gesagt, es nicht nur darum geht, Wissenslücken zu füllen.</p>
<p>Fehler passieren, gerade am Anfang und immer wieder mittendrin. Sie hören nie auf. Ich muss damit umgehen können und nur ich. Niemand sonst. </p>
<p>P. war immer kritisch mit mir, verzog das Gesicht, wenn ich Mist erzählte, sagte mir ins Gesicht, wenn aus einem Dialog mein Monolog wurde. Was maßte ich mir schon an, ihr zu erzählen, was Rassismus sei? Das weiß sie doch wohl am besten. Ich wollte mich doch nur austauschen&#8230; Oder nicht?</p>
<p>Ich begriff irgendwann, dass sie nicht meine Lehrerin ist, sondern die Hand an meinem Kopf mit der Nasenspitze in der Suppe. Den Teller musste ich allein auslöffeln. Ich las mich durch Blogs, klickte auf Links und bestellte irgendwann ein paar Bücher zum Thema. Darunter auch das von Noah Sow. Schon auf den ersten Seiten entlarvte sie mich als Rassistin. Ich lachte hysterisch, später auch Tränen, manchmal war ich ganz entsetzt, ich verschlang das Buch in Stunden. </p>
<p>So ein Bewusstsein entwickelt sich langsam und ist auch dann noch am Entwickeln, wenn mensch sich bereits Wissen angeeignet hat. Ich verfolgte Diskussionen unter Antira-Blogs, scannte Argumentationsführungen. Das Gute ist, das ist alles für lau. Das Netz ist voll von diesen Bewusstseins- und Wissenskatalysatoren, dass es schon fast zur Obszession wird, sich mit Texten vollzustopfen. Nur selten quillt es zu den Ohren raus.</p>
<p>Diese Unsicherheit hört nie auf, ich hab gelernt, mich damit wohl zu fühlen. Erst ziemlich spät traute ich mich, mit Rassismuskritik zu argumentieren, mensch will ja auf Augenhöhe diskutieren und das Argument nach vielen Seiten abgeklopft wissen. Bis heute passiert es mir, dass ich Menschen auf der Straße vor meinem geistigen Auge fremdmarkiere, mit Stereotypen belege, mich unwohl fühle, wenn die Mehrzahl der Menschen um mich herum nicht weiß sind. Entweder aus Angst vor konstruierter Gefahr oder aus Angst, etwas falsch zu machen. Das ist mein Problem. Diesem Gefühl versuche ich nicht nachzugeben, sondern gleich &#8216;nen Schalter umzulegen, das sichtbar zu machen und wenn möglich, erstmal im Innern zu dekonstruieren. Ohne Schuldgefühle, denn die sind da überhaupt nicht förderlich. Meistens klappt das. </p>
<p>Herrschaftskritik bedeutet ungewohntes Terrain zu betreten, auf waberndem Boden zu laufen, keinen Halt zu finden. Herrschaftskritik bedeutet, sich von sicher geglaubten Wahrheiten zu emanzipieren, ganz selbstständig, ohne Beifall dafür zu erwarten. Herrschaftskritik bedeutet herrschaftskritisch zu sein. Auch mit sich selbst. Jederzeit.</p>
<p>Dass ich P. hatte, die den Impuls setzte, war gut für mich. Für Herrschaftskritik braucht es aber keine P., irgendwann wird sich dein bornierter Arsch schon in eine Diskussion oder in einen Raum setzen, der er nicht gewachsen ist, in dem er keinen Stuhl findet und dann liegt es an dir, daraus was zu machen. Oder eben nicht. Aus Zweitem wird auch kein Nachteil erwachsen. Einfach, weil das Unbewusstsein ja überall und jederzeit sein kann. </p>
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		<item>
		<title>Aneignung und Subversion.</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Oct 2011 02:23:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Saftpresse]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe schon seit langer Zeit diese Textfetzen im Kopf. Eigentlich wollte ich etwas zu politischen Selbstbezeichnungen schreiben. Und warum ich nicht der Meinung bin, dass die jede_r für sich selbst benutzen sollte, wie es ihm_ihr beliebt. Heute gab mir eine Diskussion bei Luise Pusch (Triggerwarnung, transphobe Kackscheiße und tumbes Queerbashing) und ein wütender ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe schon seit langer Zeit diese Textfetzen im Kopf. Eigentlich wollte ich etwas zu politischen Selbstbezeichnungen schreiben. Und warum ich nicht der Meinung bin, dass die jede_r für sich selbst benutzen sollte, wie es ihm_ihr beliebt. Heute gab mir eine <a href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/comments/brauchen-wir-den-unterstrich-feministische-linguistik-und-queer-theory-teil/P25/" target="_blank">Diskussion bei Luise Pusch</a> (Triggerwarnung, transphobe Kackscheiße und tumbes Queerbashing) und ein <a href="http://twitter.com/#!/tutnurso/status/128853031134572544" target="_blank">wütender Einwurf</a> zu denken, ob ich den Text überhaupt schreiben kann, ohne andere zu verletzen. Ich müsste, damit der Text verständlich ist, zunächst mal weiter ausholen und dann würde ich möglicherweise Dinge schreiben, die auf einen ziemlich privilegierten Standpunkt meinerseits schließen lassen, was wiederum meine Dominanz unterstreicht, mich in diesem Kontext überhaupt äußern zu können. Allerdings will dieser Text, den ich im Kopf habe, genau das aufbrechen oder zumindest transparent machen und selbstkritisch sein. </p>
<p>Ich habe mir überlegt, dass ich den Text deshalb für Diskussionen öffnen werde. Allerdings nicht für jene Leute, die Solidarität mit Identität gleichsetzen oder Herrschaftshierarchien aufbauen wollen. Und für alle, die kein herrschaftskritisches Grundverständnis besitzen, ist sowieso an der Eingangstür Schluss. Ich würde mich über eine konstruktive, kritische Diskussion sehr freuen, über eure Gedanken zum Thema, das für mich sehr biografisch besetzt ist, viele Verletzungen mit sich trägt, aber auch viel Wut darüber, dass ich es (noch) nicht besser hinbekomme. Vielleicht könnten wir das Ganze auch in die Breite ziehen und ihr schreibt eigene Blogeinträge&#8230; Okay, los geht&#8217;s.</p>
<p><span id="more-2942"></span></p>
<p>Für die meisten Menschen, die noch recht neu in der Geschlechterthematik und im Feminismus sind, ist eines der Aufreger schlechthin, dass es verschiedene Rollenmodelle für Männer und Frauen gibt. Es wird gemeinhin anerkannt, dass diese Rollenzuweisungen einengend sind und Frauen wie Männer an der freien Entfaltung ihrer selbst hindert. Dann ploppen so Beiträge hoch bei Twitter, Facebook, in Diskussionen oder Blogs, wie ungerecht doch dieses &#8220;Blau-Rosa&#8221;-Schema sei und mensch dies abschaffen oder zumindest pluralisieren müsste. Was dann folgt, sind herzzereißende Bekenntnisse zum Feminismus. Feministin hier, Feminist da. Ein Himmel voller Fäuste. Zeitgleich wird dieses neue Denken dann auf das ganz persönliche Umfeld übertragen und stolz von Missionierungsansätzen berichtet. Der Sohn darf nun mit Rock zur Schule, die Tochter wird im Fußballverein angemeldet oder ein Technikbausatz für sie gekauft. Geheiratet wird ohne Übernahme des Nachnamens des Ehegatten, Kindererziehung geschieht paritätisch und Werbung ist eh total sexistisch. Weiter geht es dann mit der Kritik an männerdominierten Räumen im Kontext Erwerbsarbeit und Karriere, gläsernen Decken, ungleicher Bezahlung, usw. Schuld an diesen Ungerechtigkeiten haben Geschlechterstereotype, die in Rollenmodellen münden, die sich wiederum institutionalisiert haben. FeministIn ist also, wer weiß, was Stereotype sind. </p>
<p>Als Lesbe habe ich mit dieser Sicht auf Geschlecht so meine Probleme, sind meine Lebensrealität und meine Erfahrungen gar nicht mitgedacht. Ich weiß aus meiner Kindheit, dass ich mich schon sehr früh gegen Kleider und Röcke gewehrt habe, die ich dank Mutters Strenge trotzdem sehr lange tragen musste. Ich sah stets aus wie ein Junge, der in Röcke und Kleider gesteckt wurde. Nicht weil ich wie ein Junge aussah, sondern weil die Röcke und Kleider mich zu einem machten. </p>
<p>Ich musste ernsthaft darüber diskutieren, dass ich zum Abiball kein Kleid tragen will. Ich war permanenter Zurichtung meiner Eltern ausgesetzt, ich hatte ein Mädchen nach ihren Vorstellungen zu sein. &#8220;Wie du läufst&#8230;&#8221; &#8211; &#8220;Sitz gerade&#8221; &#8211; &#8220;Das ziehst du nicht an!&#8221; &#8211; &#8220;Warum gehst du nicht raus und machst, was die anderen in deinem Alter tun?&#8221; Ich flüchtete oft in Musik, Filme oder ins Internet. Das waren meine ersten Berührungspunkte mit anderen Vorstellungen von Liebe, Sexualität, Männlichkeiten, Weiblichkeiten. Ich fand anziehend, was nicht der Norm entsprach. Ich hatte keine Sprache dafür, keinen Begriff, keine Erklärung, dachte nicht weiter darüber nach, weil das meine Normalität war.</p>
<p>Als sich meine Schulzeit dem Ende neigte, war ich an dem Punkt, mich endlich für mich selbst zu interessieren. Ich wurde ein bisschen eitel, dachte öfter über Mädchen nach, verliebte mich unglücklich und setzte mich damit auseinander. Mein erster Freund zog mich dann komplett ins leichtsinnige Leben, ich genoss alles und musste mich nicht rechtfertigen. In der Schule fingen allmählich die Leute an zu tuscheln. Am letzten Schultag bekam ich vor einer Gruppe von 20, 30 Leuten die Frage gestellt, ob ich lesbisch sei. Ich negierte und antwortete, ich sei bi. Vielleicht würde ich nach &#8220;objektiven&#8221; Kriterien als &#8220;bi&#8221; gelten, weil ich schon gerne einen Schwanz gelutscht habe, eine glückliche Hetenbeziehung führte und es auch wieder tun würde (also nur das mit dem Schwänze lutschen), aber ich sehe das anders. </p>
<p>Weil wir in einer heteronormativen Welt leben, würde ich mit der Selbstbezeichnung Bi leichter durch&#8217;s Leben kommen, aber ich denke, dass ich einfach andere Erfahrungen gemacht habe als Bisexuelle. Mal abgesehen davon, dass ich den Begriff für mich nicht passend finde. Ich habe mich da nie zugehörig gefühlt und dementsprechend nichts dafür getan, eine bisexuelle Identität auszubilden oder mich der bisexuellen Sozialisation hinzugeben. Ergo wäre es ziemlich anmaßend, mir nun Bi an die Stirn zu heften nach meinen sieben Jahren als Lesbe.</p>
<p>Als ich meinen ersten Freund  für meine erste Freundin verließ und meine Eltern mit der frohen Botschaft vertraut machte, war da nichts als eisige Stille, die ein paar Jahre anhielt. In den ersten Momenten meines Coming Outs wurde mir auf einmal sehr deutlich bewusst, was 19 Jahre zuvor passiert war. Der Versuch, aus mir ein Mädchen zu machen, war vollends vergebens &#8211; in den Augen meiner Eltern. Ich weiß nicht, ob sie heute noch enttäuscht darüber sind, in den vielen Jahren, die seit meinem Coming Out vergangen sind, ließen sie mich das jedoch immer wieder spüren. Ich wurde von ihnen als Frau verworfen. Ich passte nicht in ihr Weltbild, ich füllte mein mir qua Geburt zugewiesenes Geschlecht und die Rolle nicht aus. Wenn ich an den Wochenenden während meines ersten Studiums weinend nach Hause fuhr, weil die Familie meiner ersten Freundin der homophobeste Scheißhaufen unter der Sonne ist, erntete ich von meinen Eltern keine Solidarität, kein In-den-Arm-nehmen, sondern ein verächtliches Grinsen oder Schweigen. </p>
<p>Diese Form der Ablehnung, die Ignoranz gegenüber meinen inneren Kämpfen mit meiner Sexualität, mit dem, wen ich begehrte, meinem Geschlecht, führte dazu, dass ich mit Anfang 20 alles in Frage stellte. Ich verwarf für mich kurzzeitig selbst die Kategorie Frau, versuchte auf eine ziemlich lächerliche Art Butch zu sein, manchmal hatte ich gar kein Geschlecht, wollte nicht wie eine Frau aussehen, wollte nicht mit männlich konnotierten Adjektiven belegt werden, wollte keine Form von Männlichkeit für andere sichtbar werden lassen. Es war zum Heulen. Eine Freundin, der es ähnlich erging wie mir &#8211; und wir ähneln uns bis heute &#8211; fing gerade mit ihrem Studium in Soziale Arbeit an und brachte mich auf den Trichter, mir das mit dem Geschlecht mal genauer anzusehen. </p>
<p>Licht am Ende des Tunnels. Auf meine Eltern konnte ich nicht setzen, die verloren sich in tiefer Trauer über ihr verworfenes Subjekt, aber ich war frisch verliebt. Wieder eine Frau, dieses Mal eine, die dem &#8220;weiblichen Schönheitsideal&#8221; gefährlich nahe kommt. Nicht nur in meinen Augen leider. Ich erfuhr das erste Mal, was Heterosexismus ist und wie sich Femme-Feindlichkeit und Biphobie in Lesbenkontexten äußert, wo sonst auch &#8220;Männerlesben&#8221; als unzumutbar galten. Ich durfte also nicht nur Arbeit an mir, sondern auch an meiner Freundin leisten, die &#8211; vorher noch keine nicht-heterosexuelle Beziehung geführt &#8211; über so viel Ablehnung und Zuschreibung schockiert war. Uff.</p>
<p>Ich hatte nach wie vor keine Worte, keine Begriffe, keine Definitionen und Erklärungen für all das, was Geschlecht so auslösen kann, ich musste mir behelfen, indem ich mich verstärkt auf &#8220;lesbisch sein&#8221; bezog und den Begriff Frau weiter zurückdrängte. Meiner Freundin redete ich daraufhin regelmäßig einen Keks an die Backe, sich endlich zu ihrem Lesbisch-Sein zu bekennen, sich mit mir solidarisch zu zeigen und weder die Vorurteile innerhalb von Lesbenkontexten weiter zu befeuern, noch Schwänze in die Höhe schnellen zu lassen. </p>
<p>Bis heute hat sie diese Selbstbezeichnung nie für sich gebraucht, auch weil sie später von Heteros als Lesbe permanent fremdmarkiert wurde, weil sie mit mir zusammen war. </p>
<p>Mittlerweile habe ich mein Lesbisch-Sein weiter internalisiert und zunehmend politisiert. Wenn ich als Frau adressiert werde, schmeichelt mir das nur bedingt, ich kann mit dem Begriff für mich nichts anfangen. Meine Identität bleibt von meinem biologischen Geschlecht unberührt. Allerdings ist das nicht ausreichend, um mich als Trans* zu begreifen, auch dafür fehlen mir die Erfahrungen als Transgender, meine zwischenzeitlichen inneren Kämpfe lösten in mir nicht das Gefühl aus, mich identitätskritisch auf mein biologisches Geschlecht oder meine Weiblichkeit zu beziehen. Ich denke, ich werde in keine Situation kommen, in der das der Fall sein wird, ich möchte auch nicht darüber nachdenken. Nicht nur, weil ich keinen solchen Anrufungen und Zuschreibungen (mehr) ausgesetzt bin, Stichwort Cis-Privileg, sondern auch, weil sich diese Frage mir nie gestellt hat, Stichwort Cis-Privileg. Ich lasse Trans* da, wo es gut aufgehoben ist, nämlich bei denen, die es betrifft.</p>
<p>Ähnlich ergeht es mir mit Butch und Femme oder gender-/queeren Identitätskonzepten. Das alles sind keine fancy Begriffe oder Modeerscheinungen, sondern dahinter stehen Menschen mit ernsten Absichten, die es ernstzunehmen gilt. Weil ich das tun möchte, belasse ich es bei Lesbe. Das heißt nicht, dass ich damit nicht konfrontiert werden möchte, ganz im Gegenteil. Ich bin auf vielen Gebieten unwissend, möchte zuhören und dazu lernen, es wäre dem eher hinderlich, wenn ich mich qua Privilegien dazu setze und selbst spreche, obwohl mir die Erfahrungen und Hintergründe fehlen. Was ich mitnehmen kann, sind unglaublich viel Wissen und tolle Menschen, mit denen oder deren Kämpfen ich mich jederzeit solidarisch zeige, wenn ich es gerade nicht wieder selbst vermassel, weil ich meine Privilegien auskosten/auskotzen muss.</p>
<p>Die Frau kommt nur in meiner feministischen Politik vor und als Bezeichnung für alle, die so bezeichnet werden möchten. Klar, ich wurde als Frau sozialisiert und die Subjektivierungsversuche waren auch nicht ohne, so dass ich mich immer direkt angesprochen fühle, wenn es um Sexismus und Frauenfeindlichkeit geht, aber das muss ja identitätspolitisch erstmal nichts heißen. </p>
<p>Bei den feministischen Erstversuchen ganz oben frage ich mich immer, ob das Zurschaustellen einer wie auch immer gearteten kritischen Geschlechterpolitik am eigenen Kind wirklich mit Verstehen einhergeht, was es bedeutet nicht Cis und hetero gleichzeitig zu sein. Oder jemals die zweigeschlechtliche Binärlogik und deren Wirkungsweisen hinterfragt zu haben (oder beliebig übergehen zu können). Ob nicht doch der Wunsch besteht, auf das Kind soweit Einfluss zu üben, dass es sich trotz allem Genderbender noch innerhalb der Geschlechternormen und heterosexuellen Matrix befinden sollte. Wirklich progressiv und radikal sind Klamottentausch, Krawatte, Lippenstift, Moustache und lackierte Fingernägel in der heutigen Zeit schließlich nicht mehr. Ob konsensualer, selbstbestimmter, geiler Sex und glückliche paritätische Paarbildung und andere Beziehungsformen wirklich feministische Praxen sind, ergibt sich auch nicht aus ihrem Dasein allein. Stereotype sind flexibel und jederzeit veränderbar, ohne Veränderungen zu bewirken. Stereotype waren nie mein Problem. </p>
<p>Ist das Haben-Wollen von Verwehrtem feministisch? Klar geht es um Rückeroberung von Definitionsmacht und Räumen, um Selbstbestimmung.</p>
<p>Doch wie ist es um die produktive, emanzipative Kraft der eigenen Position und Positionierung bestellt? Es ist auch eine Frage der Authentizität. Nur: Wer ist die Instanz, die darüber bestimmt? &#8220;<a href="http://metalust.wordpress.com/2011/10/25/die-macht-kommt-von-unten/" target="_blank">Da gewinnen eh immer die Normalen</a>&#8220;. </p>
<p>Aneignung ist noch keine Subversion. </p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=2942&amp;md5=2f1c4d5078b23d865ab019f79c0b5123" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Mein Unbehagen mit dem Weißsein</title>
		<link>http://medienelite.de/2011/10/19/mein-unbehagen-mit-dem-weissein/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Oct 2011 22:51:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Saftpresse]]></category>
		<category><![CDATA[Critical Whiteness]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismuskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Weißsein]]></category>

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		<description><![CDATA[Im vergangenen Jahr war ich an der HU in Berlin auf einer Veranstaltung, auf der Philosophin Isabell Lorey und Rassismusforscherin Urmila Goel sich mit Privilegien und Hegemonie im Kontext Weißsein auseinandersetzten. Beide bekundeten ihren Argwohn mit Selbstpositionierungen von Weißen im universitären Kontext und Critical Whiteness. Hier sei angemerkt, dass die HU in den Gender ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im vergangenen Jahr war ich an der HU in Berlin auf einer Veranstaltung, auf der Philosophin Isabell Lorey und Rassismusforscherin Urmila Goel sich mit Privilegien und Hegemonie im Kontext Weißsein auseinandersetzten. Beide bekundeten ihren Argwohn mit Selbstpositionierungen von Weißen im universitären Kontext und Critical Whiteness. Hier sei angemerkt, dass die HU in den Gender Studies viel zu Critical Whiteness anbietet und in den Seminaren oft eine Selbstpositionierung sowie eine kritische Auseinandersetzung damit von den Studierenden verlangt. Auch in schriftlichen Ausarbeitungen.</p>
<p><a href="http://andersdeutsch.blogger.de/">Urmila Goels</a> Punkt war der, dass sich die Selbstpositionierung der Studierenden häufig nicht in den Inhalten der Texte wiederfindet. Somit die Markierung von Weißsein oft zu &#8220;Ich hab das jetzt mal genannt und damit kann meine Arbeit als kritisch gelten&#8221; verkommt. Isabell Loreys Ausführungen waren abstrakter und enorm komplex. Heruntergebrochen problematisierte sie die Rezentrierung einer dominanten Kategorie im Kontext einer Forschung, die sich als kritisch (gegen Dominanz) begreift und doch in den Rahmenbedingungen einer rassistischen Gesellschaft funktioniert. Oft gleiche die Auseinandersetzung mit Weißsein von Weißen einem Ablasshandel, ja einem Freispruch von rassistischer Dominanz. Eine Dominanz, die kaum durchbrochen werden kann, die durch Weiße repräsentiert wird, durch die Wissenschaft als solche und der damit einhergehenden Wissensproduktion. Kurz gesagt: Wir müssen uns immer fragen: Wo befinden wir uns im sozialen Gefüge, wie ist es strukturiert, wer kann sprechen worüber und wie internalisiere ich meine Position so in meinen Gedanken, dass sie mir dabei hilft, kritisch zu bleiben, Partikularwissen sichtbar zu machen, sich gegen Universalismus zu wehren, wo es Hegemonien herstellt und reproduziert, die machtvoll und nicht herrschaftskritisch wirken. Das Publikum der Veranstaltung war in der Mehrzahl weiß. Was schon viel aussagt, wie ich finde.<br />
[Texte von Isabell Lorey zum Thema: <a href="http://eipcp.net/transversal/0806/lorey/de">1</a>, <a href="http://translate.eipcp.net/strands/03/lorey-strands01de#redir">2</a>]</p>
<p>Vor einer Weile war ich in Berlin auf der Buchvorstellung von &#8220;<a href="http://www.unrast-verlag.de/unrast,2,350,20.html">Wie Rassismus aus Wörtern spricht &#8211; Koloniale (K)Erben im Wissensarchiv deutsche Sprache</a>&#8220;. Es wurden Kapitel vorgelesen. Noah Sow und <a href="http://jamesknopf.blogspot.com/">Philipp Khabo Köpsell</a> begeisterten das mehrheitlich weiße Publikum mit ihren satirischen Beiträgen, in denen sie sich über Weiße und ihren Entdecker_innengeist lustig machten. Um das lustig zu finden, muss sich mensch schon in irgendeiner Form kritisch mit Rassismus und Weißsein beschäftigt haben. Trotzdem war mir unwohl, dass so viele Weiße über etwas lachten, was für Nicht-Weiße Herrschaft und Gewalt bedeutet. Ich lachte auch an einigen Stellen, aber hatte dabei das Gefühl einer Externalisierung. &#8220;Heißt das jetzt, dass ich nicht mehr rassistisch bin, weil ich darüber lachen kann?&#8221;, dachte ich mir.</p>
<p>Das Problem lichtete sich mir etwas, als ich in den oben verlinkten Texten von Lorey las. Das Ding ist das Weiß<em>sein</em>, eine Rekurrierung auf eine Identität. Ich <em>bin</em> weiß. Allerdings: Ich werde mich davon auch nicht lösen können, weil meine Hautfarbe zu jedem Zeitpunkt eine gewichtige Rolle spielt. Sie ist immer erkennbar, ich kann mich nicht aus meinem Körper lösen und was dieser Körper repräsentiert &#8211; Strukturen, Sprechpositionen, Machtverhältnisse. Ich schrieb dazu neulich schon <a href="http://medienelite.de/2011/08/25/slutwalks-und-solidaritat/">in Sachen Geschlecht</a>, glaube aber, dass das ein bisschen anders gelagert ist, weil wir unser Geschlecht bis zu einem gewissen Grad veruneindeutigen können. Was jedoch bleibt, ist unser Sozialisiertsein in einem Geschlechtskörper bis zu einem gewissen Zeitpunkt und den damit verbundenen Anrufungen, denen dieser Geschlechtskörper ausgesetzt ist/war. Das macht etwas mit uns, ob und wie weit wir uns davon loslösen können, ist eine Frage kritischer (Selbst)Praxis.</p>
<p>Doch zurück zum Weißsein. Das kann ich nicht veruneindeutigen. Ich kann mich nicht schwarz anmalen, denn das sogenannte <em>Black Facing</em> ist kolonialrassistisch markiert. Ich komme als Weiße zur Welt und werde es immer bleiben. Mein rassifizierter Körper (in dem Fall rassifiziert, weil weiß die antipode Norm zu Schwarz ist, von der aus rassifizierte nichtweiße Subjekt konstruiert und untergeordnet wird) ist mein Leben lang Anrufungen ausgesetzt. Was ich tun kann, ist mich zu markieren. Mein Sprechen deutlich zu machen als ein weißes Sprechen. Doch wie entkomme ich der Falle des Essentialismus? Ich bin keine Freundin von Differenzartikulationen, solange sie dazu dienen, irgendetwas festzuschreiben, was doch nur wieder ausgrenzt, Dominanz fortschreibt und Emanzipation verhindert und dennoch: Ich kann es nicht verändern. Ich kann mich nicht lossagen, auch wenn ich mich kritisch positioniere, handele, rassismuskritisch Politik mache. In einer rassistischen Welt ist mein Körper Differenz- und Dominanzartikulation zugleich. Wenn ich mich mit Critical Whiteness beschäftige, dann weil ich&#8217;s kann, nicht, weil ich muss. Weil dieses Wissen für mich produziert wurde (von Schwarzen und Weißen), auf das ich jederzeit zurückgreifen kann, ich in (nahezu) jedem (auch kritischen) Raum mit dem Sprechen (nicht nur) über Critical Whiteness gehört werde, sogar anerkannt werde. Weil mir meine <a href="http://www.amptoons.com/blog/files/mcintosh.html">weißen Privilegien</a> locker durch&#8217;s Leben helfen. Immer. Überall. Mich von diesen Privilegien lossagen zu wollen, ist auch ein Privileg. Weil ich mir gar nicht vorstellen kann, wie es ist, ohne diese Privilegien zu leben. Könnte ich es, würde ich es mit Sicherheit nicht wollen.</p>
<p><strong>Ein Dilemma, dieses Weißsein? Sehr wohl.</strong></p>
<p>Was also tun? Ich habe für mich entschieden, dass ich weniger über &#8220;weißkritische&#8221; Satire lachen werde, egal ob von Schwarzen oder Weißen vorgetragen, egal, ob der Raum, in dem ich mich befinde, weiß dominiert ist. Ich werde schneller akzeptieren (lernen müssen), wenn People of Color und Schwarze nicht mit mir zusammenarbeiten wollen. Ich werde nicht/weniger mit meinem kritischen Wissen rumprahlen (egal, ob die Räume weiß dominiert sind oder nicht), öfter und mehr Texte über Rassismuskritik und Critical Whiteness lesen, öfter rassismuskritisch intervenieren, beim Zitieren verstärkt darauf achten, dass People of Color und Schwarze angemessen repräsentiert sind. Einfach weil ich&#8217;s kann. Ich kann meine Dominanz rassismuskritisch nutzen, aber ich muss mich nicht selbst dafür nutzen. Die Frage, die ich mir immer wieder stellen muss, ist also die: Wann dient Rassismuskritk und Critical Whiteness nur meiner weißen Eigen(re)produktion oder der Sichtbarmachung subalterner Stimmen?</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=2918&amp;md5=8e37dc6787d84a9e1ac84cccf3d298cb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Deutschland, Verdrängungsland.</title>
		<link>http://medienelite.de/2011/09/12/deutschland-verdraengungsland/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Sep 2011 12:49:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Hoyerswerda]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn sich in der nächsten Woche die rassistischen Pogrome in Hoyerswerda zum 20. Mal jähren, ist das für mich als gebürtige Hoyerswerdaerin eine Woche wie jede andere. Ich habe 19 Jahre in dieser Stadt gelebt, bin dort zur Schule gegangen. Meine Eltern und meine Oma leben noch immer dort. 

Hoyerswerda, bereits mehrfach porträtiert als ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn sich in der nächsten Woche die rassistischen Pogrome in Hoyerswerda zum 20. Mal jähren, ist das für mich als gebürtige Hoyerswerdaerin eine Woche wie jede andere. Ich habe 19 Jahre in dieser Stadt gelebt, bin dort zur Schule gegangen. Meine Eltern und meine Oma leben noch immer dort. </p>
<p>Hoyerswerda, bereits mehrfach porträtiert als die ostdeutsche Stadt mit dem größten Bevölkerungsschwund (von ehemals knapp 80.000 binnen 20 Jahren auf etwa 30.000), der höchsten Arbeitslosigkeit (ca. 25 Prozent) und einem Durchschnittsalter der dort lebenden Bevölkerung von über 50, ist für mich bei jedem Besuch Sinnbild meiner Vergangenheit. Meiner ostdeutschen &#8220;Identität&#8221;. Egal, wo in Ostdeutschland ich mich bewege, Hoyerswerda ist allgegenwärtig. Die Plattenbauten, die sozialen Schichten, die Vereinsamung und die kleinen Funken Kreativität. </p>
<p>Umgeben von reichlich Braunkohlegebieten war Hoyerswerda mal die Vorzeigestadt des ostdeutschen Realsozialismus. Schnell wachsend, florierend, systemtreu. Oma schuftete wie ihr Ehemann in der Kokserei Schwarze Pumpe 15km entfernt, mein Vater arbeitet noch immer in dem Kraftwerk und wartet die Pumpen. Meine gesamte Familie (allesamt anhältinisch-brandenburgisch-nordsächsisch-schlesisch) verdingte sich ihren Lebensunterhalt in solchen Primär- und Sekundärsektoren. Ein anderer Teil meiner Familie machte sich bei der NVA das Leben schön. Welche und in welchem Umfang wir Kontakte in die Systemriege pflegten, weiß ich nicht. Akten gibt es wohl die ein oder andere, aber die will niemand zu Gesicht bekommen.</p>
<p>Kurzum: Schlecht ging es uns objektiv betrachtet nicht. Die Inneneinsichten sehen etwas anders aus. Gebiete des Ostens, die nicht in Grenznähe lagen (wie Hoyerswerda) waren weitgehend uninteressant. Sie funktionierten. Mehr nicht. Die Leute standen in Lohn und Brot. Reich waren zwar die wenigsten, aber es reichte, einen Trabant, Mossi oder Lada zu fahren, einen Urlaubsplatz an der Ostsee zu ergattern und einen Schwarz-Weiß-Fernseher zu besitzen. Doch die Urlaubsplätze waren rar und teuer, die Autos auch, das Fernsehprogramm langweilig, Kulturangebote gab es viel zu wenige. Die Lausitzhalle in Hoyerswerda (ehemals Haus der Berg- und Energiearbeiter) trägt noch heute ein hübsches sozialistisches, übergroßes Arbeitermosaik.</p>
<p>Obwohl es den Leuten an wenig mangelte, mangelte es vielen an Sinn und Beschäftigung außerhalb der Erwerbsarbeit. In den 70er Jahren war Hoyerswerda laut der Schriftstellerin Brigitte Reimann die Stadt mit der höchsten Selbstmordrate in ganz Ostdeutschland. Auch nach der &#8220;Wende&#8221; brachten sich viele um oder starben an den Spätfolgen übermäßigen Alkoholkonsums. Die Arbeitslosigkeit schoss in die Höhe, öffentliche Gelder wurden zusammengekürzt, regionale Firmen durch die Treuhand in den Bankrott geführt und die PDS-Regierung der Stadt hatte bei einer CDU-geführten (Sachsen ist ein evangelisch-konservatives Drecksloch, aber ganz schön) nichts zu melden. </p>
<p>Obwohl das Label &#8220;Blütestadt&#8221; zu DDR-Zeiten ein sehr brüchiges, marodes und dekadentes Label war für diese rote Arbeitereinöde, die nichts zu bieten hatte außer Goldkrone in der Eckkneipe, sobald die Schicht im Schacht vorbei war, war es nach 1990 noch viel weniger passend. In diese Zeit fielen der Rechtsruck und die Pogrome. Angeheizt von der konservativ-nationalistischen Politik und Rhetorik der BRD seit Regierungsbeginn von Helmut Kohl, fühlten sich alle bestätigt und bestärkt in ihrem rassistischen Gedankengut. Asylanten und Vertragsarbeiter sollten endlich weg, um den Abschwung nicht weiter zu forcieren. </p>
<p>Wenn Kapitalismus und Rassismus zusammenfallen, hat das immer fatale Folgen, nicht nur Anfang der 90er Jahre. Rassistische Gastarbeiterpolitik, das Vorzeigemodell des Wirtschaftswunders der BRD in den 60er Jahren, Relikt der Kolonialzeit Deutschlands, gehört zu den dunkleren Kapiteln der Nachkriegsgeschichte. Unaufgearbeitet. Allgemeinwissen zum Thema: Null. Obwohl doch heute angeblich alle Deutschen mit den Folgen davon zu kämpfen haben. Integration und so. Wer hier wirklich mit den Folgen deutscher Politik, Verdrängungsarbeit und imperialistischer, weißer Überlegenheitsansprüche zu kämpfen hat, bleibt unbeleuchtet.</p>
<p>Rassismus und Kapitalismus: Die Anderen als Konjunkturpuffer. Das war der Katalysator für die rassistischen Übergriffe, die eine Woche lang in Hoyerswerda ungesühnt, unsanktioniert und bejubelt von Hoyerswerdaern ihren Lauf nehmen konnten. Doch, wollen wir dem Kapitalismus nicht zu viel Ehre zuteil werden lassen. Rassismus bahnt sich seinen Weg auch durch sozialistische bzw. nicht-kapitalistische Gesellschaften. Ich sprach von Katalysator. Ich sprach noch nicht von rassistischen Strukturen, Vorurteilen, Bildern, die lange, bevor Marx in die Windeln kackte, bereits virulent waren. Die sich bis heute durchziehen. Und von all dem Stumpfsinn, den das dröge rote System mit sich brachte. Übrigens kein schlechteres als das der BRD. Nur anders organisiert. Gleich sind beide in ihrem Konstruieren eines Post-Nazi-Deutschlands, das nach &#8217;45 alles anders machen wollte. Und wieder wurde Einigkeit heraufbeschworen, die so für das Territorium, auf dem sich die deutschen Grenzen heute so langschlängeln, nie bestanden hat. Volkstum, Deutschtum, deutsche Nation, Reich &#8211; Konstrukte für die Einheit. Das Volk ohne Schuld, das Volk ohne Verantwortung, das Volk der Opfer.</p>
<p>Der Stumpfsinn und die Apathie, die wohl sein mussten nach den Nazis. Zu den Nürnberger Prozessen konnte man sich noch aufraffen, dann hieß es bald: Schluss mit der Fremdbestimmung und selbst wieder anpacken bei der gleichen Unterdrückung und Gewalt. Nur wie sich zu tarnen und zu rechtfertigen, das wussten nun auf einmal alle ziemlich gut. </p>
<p>Den Vertragsarbeiten im Osten ging es finanziell relativ gut. Das Valuta war immerhin so attraktiv, dass sich &#8220;deutsche&#8221; Frauen privat prostituierten, um vielleicht doch an den ein oder anderen kleinen schwer erreichbaren Reichtum zu kommen. Die Vertragsarbeiter im Osten waren gut organisiert. Sie traten in Gruppen auf, lieferten sich Straßenkämpfe mit den &#8220;Einheimischen&#8221;, Treibjagden durch den Wald, Prügeleien, Selbstjustiz. Alle miteinander und alle gegeneinander. Die Bevölkerung war auf sich selbst angewiesen und sich selbst überlassen. Tauschhandel. Und wer in der Brigade nicht mitsoff (Alkohol gab es für alle Kohlekumpels für lau) und sich in der Pause an Gruppenorgien beteiligte, wurde gnadenlos gemobbt. Die Brigadeführer waren korrupte Schweine, die sich jedes Jahr eine Gehaltserhöhung gönnten. In der NVA sah es wohl nicht anders aus. Das sind jedenfalls Geschichten, die mir mein Vater erzählt. </p>
<p>Und dann ist es 1991 und die Verdrängung setzt erneut ein. Ich durfte eine Woche nicht raus zum Spielen, weil wir zwei Blöcke weiter wohnten. Meine Eltern behaupten bis heute, die Nazis seien von außerhalb mit Bussen in die Stadt gefahren worden. Es ist nur ein Teil der Wahrheit. Wissen wir doch spätestens durch Filmaufnamen, dass Bürger_innen mitwarfen, mitpöbelten &#8211; zusammen mit Nazis aus der näheren Umgebung und Hoyerswerda, während die Polizei danebenstand und alles beobachtete. Es war ja auch noch nie anders gewesen.</p>
<p>1991 war nichts Unvorhergesehenes, Hoyerswerda kein Einzelfall. Noch Jahre danach marschierten Nazis durch Hoyerswerda und Umgebung. Nazis finden alle doof. Aber in vielen Dingen sind wir uns doch einig. Zum Glück haben wir immer einen Ort zur Hand, in den wir alles hinein-externalisieren können. Nazi-Deutschland, Nazis, die da. </p>
<p>Zwei meiner Cousins waren lange in der rechten Szene unterwegs. Einer wurde verurteilt, weil er daneben stand und zusah, als seine Kumpels einen Obdachlosen tot prügelten, stark alkoholisiert. Sein jüngerer Halbbruder schaffte den Ausstieg ohne Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Hoyerswerda ist bis heute eine &#8220;national befreite Zone&#8221;. Alles verdrängt.</p>
<p><a href="http://pogrom91.tumblr.com/">Initiative Pogrom91</a></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=2886&amp;md5=a65a170ce0e1fe18c0492405bb92c19f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Temporär hassen und langfristig dagegen sein.</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jul 2011 16:25:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als ich heute morgen von Facebook geweckt wurde, scrollte ich wie üblich durch meine Timeline und erblickte diesen Artikel hier: Ein alter Mann beschwert sich über Gleichberechtigung und lässt kein sexistisches, heteronormatives und chauvinistisches Fettnäpfchen aus. Gewürzt mit etwas Antifeminismus und fertig haben wir das, was wir seit mehreren Jahren jeden Tag in der ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich heute morgen von Facebook geweckt wurde, scrollte ich wie üblich durch meine Timeline und erblickte <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1494320/" target="_blank">diesen Artikel</a> hier: Ein alter Mann beschwert sich über Gleichberechtigung und lässt kein sexistisches, heteronormatives und chauvinistisches Fettnäpfchen aus. Gewürzt mit etwas Antifeminismus und fertig haben wir das, was wir seit mehreren Jahren jeden Tag in der Zeitung lesen dürfen. Mal mit anderen Inhalten, aber letztendlich auf denselben Stützpfeilern der Scheiße. Allein der Teaser reicht zu lesen, um zu wissen, dass mensch hier nicht viel Niveau erwarten kann oder lieber gleich bekannte Maskulisten-Seiten ansurft. Trotzdem wird der Artikel angepriesen von einem Mann, den ich eigentlich für relativ schlau hielt. Nun ja, dass er letztens die Facebook-FDP-Fanseite geliked hat, hätte mich eigentlich stutzig machen müssen. Wie dem auch sei..</p>
<p>An dieser kleinen Unannehmlichkeit am Morgen fiel mir auf, dass ich in Zeiten von Kachelstrauß und Polassange fast täglich über Artikel stolpere, in denen sich Männer über die Emanzipation beschweren, Frauen nicht mit Emanzen verglichen werden wollen oder Victim-Blaming betreiben und überhaupt solle doch am besten der ganze Mist bleiben so wie er ist. Gemischt mit dem Mist, der eigentlich schon längst der Vergangenheit angehören sollte. Ergo: Es weht ein konservativerer, reaktionärerer Wind durch&#8217;s Land als noch vor ein paar Jahren. Die aktuellen Vergewaltigungsfälle werden medial begleitet von Geschlechterstereotypen und Verharmlosungen sexistischer Verhältnisse. Was ja am Ende, glaubt mensch an die Macht von Sprache, Texten und Diskursen u.a. dazu führt, dass Wichser wie Strauss-Kahn <a href="http://maedchenmannschaft.net/fall-strauss-kahn-schwere-anschuldigungen-gegen-den-staatsanwalt/" target="_blank">trotz relativ eindeutiger Beweislage</a> wohl am Ende freigesprochen werden. Begründet wird das dann gern mit dem <a href="http://maedchenmannschaft.net/fall-kachelmann-vergewaltigung-ist-mit-objektivitat-nicht-beizukommen/" target="_blank">Rechtsstaatlichkeitsprinzip</a>, der Aufklärung und all dem Rotz, der von weißen europäischen Männern in mächtigen Positionen erfunden wurde, um ihren Besitzstand zu wahren und universale Menschenrechte für ihren eigenen Vorteil zu instrumentalisieren.</p>
<p>Dass selbstverständlich nicht nur weiße europäische Männer oder die Prinzipien <a href="http://www.genderwiki.de/index.php/M%C3%A4nnlichkeit#Das_System_hegemonialer_M.C3.A4nnlichkeit" target="_blank">hegemoniale Männlichkeit</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Androzentrismus" target="_blank">Androzentrismus</a> die Verantwortung für die Lage tragen, sollte klar sein. Gesellschaftliche Ordnungsprinzipien sind vielfältig und miteinander verwoben, nicht alle Ungleichheit lässt sich über Patriarchat erklären, schon gar nicht über Schuldzuweisungen an Individuen.</p>
<p>Ungleichheit systemisch zu analysieren und zu kritisieren, statt über Interaktion zwischen Individuen, die lediglich eine Ausformung des Systems ist, braucht lange. Langwierige Denkprozesse, Reflexionsprozesse, Selbstkritik und permanente Selbsthinterfragung und Abgleichen mit der Wirklichkeit. Es braucht bestimmtes Wissen, dass leider teilweise so exklusiv in akademischen Kontexten versteckt ist. Wenn es frei zugänglich wäre, wäre es trotzdem oft unverständlich und verstörend. Verstörend, weil es eben Fundamentales in uns auslöst, unsere Welt zum Wanken bringt. Schließlich will sich keine_r schlecht fühlen. Selbst dann, wenn es für alle verständlich wäre, beispielhaft und alltagsnah, kollidiert es mit unserem Alltagswissen, das produziert wurde, um Ungleichheiten zu naturalisieren, zu verharmlosen und einzuflechten in unser tägliches Sein und Werden. Nicht zuletzt ist eine Ideologie, die Welt zu erklären und zu kritisieren, die anderen Ideologien gegenüber steht. Nur eben nicht so beliebt ist.</p>
<p><span id="more-2814"></span></p>
<p>Ich glaube nicht, dass das Schwierigste ist, anderen zu erklären, was beispielsweise Sexismus ist, wie er verankert ist und was seine historischen Entstehungsbedingungen sind. Das Schwierigste ist, anderen zu erklären, dass Sexismus scheiße ist. Und zwar für alle. Dass Vergewaltigungsprozesse, in dem ein Strauss-Kahn involviert ist, ganz persönliche Komponenten und Auswirkungen hat.</p>
<p>Als ich kleiner war, verbrachte ich meine Wochenenden oft damit, mit meinen Eltern Filme zu schauen. Ich war jung und unbedarft. Worte wie Sexismus und Feminismus kamen in meinem Wortschatz nicht vor, ich hatte sie auch noch nie zuvor gehört. Merkwürdigerweise spürte ich, wenn Filmszenen unangenehm waren. Ich spürte, noch bevor sich eine Vergewaltigungsszene ereignete, dass jetzt irgendwas passiert mit dieser Frau. Noch bevor er gewaltvoll über sie herfiel, wusste ich, dass sie jetzt von ihm vergewaltigt wird. Ich kannte sexualisierte Gewalt nicht aus meinem Umfeld, nur aus Filmen und trotzdem war die Situation diese Filmszene sich anbahnen und dann anschauen zu müssen, für mich unerträglich. Ich hielt mir dann die Augen zu, ging aus dem Raum (und täuschte einen Toilettengang vor) und wartete so lange bis die Geräusche eine andere Szene vermuten ließen.</p>
<p>Später versuchte ich bei Filmen, die mit Darstellungen sexualisierter Gewalt glänzten, die Reaktionen meiner Mitschauenden zu beobachten. Ekel, Angst, tiefstes Unwohlsein. Allerdings nur bei Frauen. Meine Mutter sah sich irgendwann solche Filme nicht mehr an, bei denen sie sicher sein konnte, solche Szenen waren enthalten, meine Freundinnen hielten sich die Augen zu oder fingen an zu zittern. Bei meinem Vater oder Freunden: keine Reaktion. Ich weiß nicht, ob sie mit solchen Darstellungen kein Problem hatten, das normal fanden oder ihr Unwohlsein aus bestimmten Gründen nicht nach außen trugen. Was ich bis heute sicher weiß, ist, dass ich keine Erklärungen, kein Feminismus und keine Theorien brauchte, um solche Szenen abzulehnen und mit persönlicher Betroffenheit zu verbinden.</p>
<p>Ich erinnere mich noch gut an diese Situationen, weil sie zeigen, dass trotz der Alltäglichkeit und scheinbaren Normalität sexualisierter Gewalt keine komplette Apathie eingesetzt hat. Obwohl uns oft erzählt wird, Frauen seien selbst schuld an dem Unrecht, was ihnen angetan wird oder sollten trotz allem ihrem Peiniger doch nicht das Leben schwer machen, sind wir (oder die meisten) nicht völlig verblödet und glauben diesen frauenfeindlichen Dreck von vorn bis hinten. Ein gewisser Widerstand bleibt. Der lediglich öfter angeteasert werden müsste durch mehr Kritik, würde sie durch all die Klagelieder der jammerlappenden Privilegienpimmel durchdringen. (die bei weitem nichts zu jammern haben mit ihren Feuilletonistenbiografien, schicken Wohnungen, dicken Autos, Kindern und ner Frau, die daheim auf die Schrankwand aufpasst, während er mit seinen Kumpels nach dem zehnten Herrengedeck über feuchte Muschis und seine unfähige Kollegin sinniert)</p>
<p>Nicht-konsensualer Sex oder sexuelle Handlungen galten für mich lange Zeit als normal. Ich hatte selbst schon solchen &#8211; mit Männern und Frauen. Es ist in vielen Fällen eine total subtile Angelegenheit, die auch für mich im Nachhinein nicht als schlimm gilt &#8211; wider besseren Wissens. Weil ich damals nicht in der Lage war, bestimmte Dinge zu dekodieren, empfand ich entsprechende Situationen nicht als gewaltvoll oder sah in ihnen keine Ausformungen bestimmter gesellschaftlicher Verhältnisse. Dass ich das heute anders sehe und anders lebe, ist schön, aber lässt mich nicht mit Abscheu auf mein früheres Sexualleben schauen. Ich sehe es als persönlichen Reifeprozess, der mich dahin gebracht hat, heute freier und befreiter mit Menschen intim zu sein.</p>
<p>Das gilt nicht für alle. Das zu wissen, macht mich an anderen Stellen unfrei. Ich bin unfähig geworden, bestimmte Dinge zu ignorieren. Solche Artikel wie oben früh morgens in meiner Timeline vorzufinden, triggert mich ungemein. Ich werde wütend, traurig, böse. Ich denke mir dann: &#8220;Valerie Solanas hatte Recht. Die Welt ist scheiße. Und Männer machen sie ein bisschen scheißer.&#8221; Dann verlasse ich das Haus, gehe meinen alltäglichen Erledigungen nach und schreibe gedanklich an einem Text. Ein Text, der mir unglaublich viel abverlangt, weil ich ständig versucht bin, Schuldige auszumachen, anzuklagen und Strauss-Kahn die Eier abzuschneiden. Habe zum Glück immer die passenden Theorien zur Hand, um das abzuschwächen und anders zu erklären. Dann bin ich etwas stolz auf mich, dass ich es doch geschafft habe, diese unbändige Wut auf das System nicht allein auf seine Ausformungen zu übertragen. Just in diesem Moment läuft eine Männergruppe an mir vorbei und meint, mich anmachen zu können, weil ich zwei Brüste habe. In solchen Augenblicken habe ich endlich verstanden, was Ironie bedeutet und vergesse fast meine gute Gender Studies Stube.</p>
<p>Diese Vorkommnisse zu kritisieren, macht die Sache nicht besser, hat mensch doch gleich ein paar Besserwissende am Arsch kleben, die meinen das sei doch nicht schlimm oder ich könne froh sein, &#8220;angeflirtet&#8221; zu werden. Oder die antifeministische Keule wird rausgeholt und ich stehe als hysterische Kuh da. Dann schließe ich kurz die Augen, genieße die Ruhe und höre das Patriarchat atmen.</p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=2814&amp;md5=a796abdd4b30aae6fdaf8227b4696099" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Lantzschi goes public.</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 09:58:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die simpelste feministische Forderung ist bekanntlich, den Frauenanteil in männlichen Netzwerken zu erhöhen und damit festgefahrene Strukturen aufzubrechen, neue Perspektiven zuzulassen. Ob das am Ende "bessere" Ergebnisse gibt oder wirklich systemverändernd ist, steht auf einem anderen Blatt.

Nach wie vor ist das Internet männlich dominiert und strukturiert, werden Stimmen von Frauen nicht wahrgenommen oder absichtlich ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die simpelste feministische Forderung ist bekanntlich, den Frauenanteil in männlichen Netzwerken zu erhöhen und damit festgefahrene Strukturen aufzubrechen, neue Perspektiven zuzulassen. Ob das am Ende &#8220;bessere&#8221; Ergebnisse gibt oder wirklich systemverändernd ist, steht auf einem anderen Blatt.</p>
<p>Nach wie vor ist das Internet männlich dominiert und strukturiert, werden Stimmen von Frauen nicht wahrgenommen oder absichtlich ignoriert. Wenn es darum geht, diesen Missstand zu erklären, finden sich häufig Muster wie &#8220;Selbst schuld&#8221;, denn das Internet &#8220;sei doch so partizipativ und basisdemokratisch&#8221;. Bullshit, wissen wir doch spätestens seit den in den vergangenen zwei bis drei Jahren geführten Diskussionen um Sexismus, Geschlechterstereotype und den Old Boys Networks, dass dem mitnichten so ist. Mehr noch, vergrößert Mensch den Fokus von Geschlecht auf andere soziale Kategorien, sieht das deutschsprachige, sich politisch begreifende Internet noch trauriger und eindimensional aus. Homogenität macht bekanntlich keine Politik für alle, sondern für wenige. Elitenbildung im Netz ist nicht weniger ein Abklatsch aus dem sogenannten &#8220;Offline-Leben&#8221;. Eine Ebene weiter oben angesetzt, wäre auch kritisch zu betrachten, wer bzw. welche Gruppen überhaupt Zugang zum Netz haben und wer uns dieses wunderbare neue politische Instrument, called Internet, zur Verfügung stellt, samt Hardware, Server und Software. Hier offenbart sich wohl der größte Graben und spiegeln sich globale Machtverhältnisse.</p>
<p>Denn die Facebook- und Twitter-Revolutionen, diese Mitmach-Politik, von denen hierzulande seit der &#8220;Grünen Revolution&#8221; im Iran so euphorisch gesprochen wird, entsteht auf dem Rücken von vielen zugunsten einiger privilegierter Menschen, zu denen logischerweise auch Frauen gehören. Dass wir rund um die Uhr an Politik teilhaben können, uns vernetzen, kommunizieren und theoretisieren und überlegen, wie das Netz dieser egalitäre Raum bleiben kann ohne staatliche Zugriffe, übersieht, dass wir schon längst Teil einer dominanten und dominierenden Sphäre sind, die andere ausschließt und ausbeutet.</p>
<p>Dabei wären das Netz und die neuen Kommunikationsformen und -techniken noch viel machtvoller, würde versucht, diese Ausschlüsse aufzubrechen oder zumindest nicht weiter fortzuführen. Der wohl schmerzloseste Beginn wäre eine Debatte darüber, ob unsere Theoretisierungsversuche eines transnationalen Wissen- und Machtraumes auch wirklich alle einbezieht, welche Stimmen in der Diskussion darüber bisher außen vor bleiben.</p>
<p>Die re:publica in diesem Jahr soll die Möglichkeit sein, <a href="http://re-publica.de/11/blog/panel/herrschaft-der-informatik/" target="_blank">um erste Denkanstöße zu geben</a>, die hoffentlich nicht nach drei Tagen Konferenz wieder versandet. Kommt vorbei und diskutiert mit uns!</p>
<p>Desweiteren und nach wie vor wichtig: Präsenz zeigen. Auch, wenn es weh tut. Für die Schmerzlinderung haben wir wenigstens ordentlich Vodka im Gepäck. Nachdem sich im vergangenen Jahr die Flirtkultur auf Twitter breit gemacht hat, die uns neben der aufreibenden Diskursarbeit Balsam für die Seele bereit stellt, ist es an der Zeit, <a href="http://re-publica.de/11/blog/panel/what%E2%80%99s-happening-love/" target="_blank">Twitter als Singlebörse zu institutionalisieren</a>. Deshalb werden drei junge Frauen (inklusive mir) in den Friedrichstadtpalast laden, um aus dem Nähkästchen zu plaudern und plaudern zu lassen. Wer die Herz- und Vodkaexzesse nicht im Palast selbst verfolgen kann, der_die kann (wahrscheinlich) im Livestream <a href="http://re-publica.de/11/blog/2011/03/23/der-livestream-w%C3%A4hrend-der-republica-2011/" target="_blank">auf der Seite selbst</a> mitflittern und zuprosten. Wir freuen uns auf euch.</p>
<p><em>[Disclosure: Ich bin wahnsinnig aufgeregt. Soli-Bärchen bitte in die Kommentare posten]</em></p>
<p class="wp-flattr-button"></p> <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=2728&amp;md5=d79e35e6e9741c8df9c1678e00d4dcee" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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