Flucht aus Dionysos
Draußen:
Fernsehen. Deine Lieblingsserie. Gleich zwei Staffeln in einer Woche. Hoffentlich gibt es bald zwei neue.
Internet. Deine Lieblingsblogs. Gleich 30 im Feedreader. Hoffentlich gibt es bald neue kreative Köpfe.
Reden. Mit deinen Freunden stundenlang über dieselben Themen. Hoffentlich gibt es bald neue Freunde.
Drinnen:
Ich habe eine neue Liebe. Der alten bin ich überdrüssig geworden. Die neue war so anziehend. Wehrlos. Fest. Die Medusa sieht mich an. Erstarrt. Wehrlos. Eine feste wabernde Masse. Die Schwere hebt mich hoch. Oben und unten. Ich bin entzwei. Oben ist die Luft dünn. Unten bekomme ich keine. Erstickungsgefahr. Ich inhaliere alles ein, was ich kriegen kann. Von ihrem Gift. Es tut gut. Betäubt. Abhängig.
Ich frage mich, warum ich nicht von ihr ablassen kann. Wenigstens in Freiheit leben, auch wenn es gefährlich sein mag. Nicht mehr mit diesem kleinen schnurrenden Kätzchen schlafen, in der ein großer gefräßiger Löwe wohnt, dessen Beute andere fangen. Ich bin wütend. Auf sie. Auf mich. Denn meine Arie ist längst verstummt.
Aufbrechen. Ja…Losgehen…Einfach weitergehen…weiter und weiter…einen Schritt vor den anderen. Nicht zurück. Da kommt eine Tür. Ich muss sie erreichen. Muss. Muss. Muss. Sie hält mich fest. Ich hasse meine Liebe. Ich hasse mich. Ihr Fieber, ihr Gift, ihre Leidenschaft…alles. Muss. Muss. Muss. Die Tür kommt näher. Nicht mehr weit. Sie klemmt. Ich lehne mich dagegen. Ein Spalt. Es zieht. Kalte Luft. Schneidend. Aber immerhin: Sauerstoff. Ich inhaliere alles, was ich kriegen kann. Muss. Muss. Muss. Es beginnt zu wachsen in mir.
Hinaus: