Posted on Feb 14, 2007

Battle #8: Hassliebe Lethargie

Flucht aus Dionysos

Draußen:
Fernsehen. Deine Lieblingsserie. Gleich zwei Staffeln in einer Woche. Hoffentlich gibt es bald zwei neue.
Internet. Deine Lieblingsblogs. Gleich 30 im Feedreader. Hoffentlich gibt es bald neue kreative Köpfe.
Reden. Mit deinen Freunden stundenlang über dieselben Themen. Hoffentlich gibt es bald neue Freunde.

Drinnen:
Ich habe eine neue Liebe. Der alten bin ich überdrüssig geworden. Die neue war so anziehend. Wehrlos. Fest. Die Medusa sieht mich an. Erstarrt. Wehrlos. Eine feste wabernde Masse. Die Schwere hebt mich hoch. Oben und unten. Ich bin entzwei. Oben ist die Luft dünn. Unten bekomme ich keine. Erstickungsgefahr. Ich inhaliere alles ein, was ich kriegen kann. Von ihrem Gift. Es tut gut. Betäubt. Abhängig.

Ich frage mich, warum ich nicht von ihr ablassen kann. Wenigstens in Freiheit leben, auch wenn es gefährlich sein mag. Nicht mehr mit diesem kleinen schnurrenden Kätzchen schlafen, in der ein großer gefräßiger Löwe wohnt, dessen Beute andere fangen. Ich bin wütend. Auf sie. Auf mich. Denn meine Arie ist längst verstummt.
Aufbrechen. Ja…Losgehen…Einfach weitergehen…weiter und weiter…einen Schritt vor den anderen. Nicht zurück. Da kommt eine Tür. Ich muss sie erreichen. Muss. Muss. Muss. Sie hält mich fest. Ich hasse meine Liebe. Ich hasse mich. Ihr Fieber, ihr Gift, ihre Leidenschaft…alles. Muss. Muss. Muss. Die Tür kommt näher. Nicht mehr weit. Sie klemmt. Ich lehne mich dagegen. Ein Spalt. Es zieht. Kalte Luft. Schneidend. Aber immerhin: Sauerstoff. Ich inhaliere alles, was ich kriegen kann. Muss. Muss. Muss. Es beginnt zu wachsen in mir.

Hinaus:

Posted on Feb 4, 2007

Battle #7: Die allgegenwärtige Rechtfertigungsmentalität

Im freien Fall – Eine Anekdote in 5 Akten

1. Akt: Unverständnis und Schubladendenken
Ich vermute ja, dass mein Gegenüber mich einfach nicht versteht. Würde er mich verstehen, dann müsste ich mir keine veränderte Version meines Rechtfertigungsobjekts ausdenken. Eigentlich ist doch das nichts anderes als das zu Rechtfertigende so zu euphemisieren, dass das Rechtgefertigte am Ende dem Rechtfertigungsfordernden in eine Schublade passt, die er kennt und akzeptiert.
Da wir Menschen ja angeblich so unterschiedlich sind, müsste jeder seine eigenen Schubladen haben. Und jede Schublade verlangt eine eigene Rechtfertigung. Wie viele Rechtfertigungen gibt es dann von: „Ich muss noch mal auf die Toilette, bevor der Film anfängt!“ oder „Ich lerne erst drei Tage vor einer Prüfung!“

2. Akt: Hilfe für das Unvermeidliche
Warum nicht schon mal jemand auf die Idee gekommen ist, Schubladen und Rechtfertigungen zu kategorisieren, sozial einzuordnen und einen Ratgeber daraus zu basteln:

„Die passende Rechtfertigung für jede Alltagssituation“

„Rechtfertigungen im Berufsleben – Mit wenigen Worten zum beliebten Geschäftsführer“

„Rechtfertigung 2.0 – Ausreden gehen neue Wege“

Dann hätten wir keine Probleme auf banale Antworten und unangenehme Nachfragen zu antworten. Denn rausreden aus den Rechtfertigungen kann man sich nicht. Weil wir sonst nicht verstanden werden. Und verstanden werden will jeder. Auch wenn man sich für seine Artikulation eine völlig neue Wahrheit und Kausalität zusammenklamüsern muss.

3. Akt: Ich bin blöd!
Durch das Unverständnis meines Gegenübers an meiner Meinung entsteht ein leichter Hauch der „von oben herab-Mentalität“. Was dem anderen nicht in die Schublade passt ist doof. Wer so was sagt auch. Sich dann noch zu rechtfertigen verlangt vom Rechtfertigenden sehr viel Mut zu sehr wenig Stolz. Aber Stolz ist ja sowieso eine ganz doofe Eigenschaft am Menschen.

4. Akt: Soziale Verantwortung
Weil ich niemanden verletzten will, rechtfertige ich mich. Niemand soll vor den Kopf gestoßen werden. Das ist toll, das ist menschlich. Nach einer hitzigen Diskussion fühle ich mich wie neugeboren. Meine Meinung ist halbwegs durchgedrückt, auch wenn ich mich am Ende dafür sogar entschuldigen musste. Aber ich hab’s durchgezogen. Der gute Wille zählt. Völlig frei und doch vorbei.

5. Akt: Determination als Ende der Fahnenstange
Die Rechtfertigung hat einen unglaublich langen Rattenschwanz. Nackt und borstig. Unschuldig, dennoch kratzt’s im Hals.
Warum ist der Gegenüber jetzt trotzdem sauer auf mich? Ich versteh das nicht, ich hab’s doch so gut erklärt. Darf ich denn so nicht handeln? Ist das falsch? Vielleicht sollte ich mir das alles noch mal gut überlegen. Kann sein, dass er doch Recht hat…

Ja stimmt, ich lag falsch. Genau, so wird’s gewesen sein. Warum ich da nicht gleich drauf gekommen bin. Das muss er mir jetzt aber noch mal genau erklären, wie er das gemeint hat mit dem „Verschwinde aus meinem Leben!“

Posted on Jan 25, 2007

Battle #6: Die Le(e)hre des Kategorischen Imperativs – Warum Kant im 21. Jahrhundert (nicht) wiederkommt.

Metamorphose.

Ich weiß ja nicht, ob Kant jemals gelebt hat. Oder ob er nur als Pseudonym für ne ganz arme Wurst aus dem 18. Jh. verwendet wird. Oder ob er der Notenständer von Bach war oder der Federhalter von Lessing.

Ich weiß nicht, ob Kant nur im Geiste des damals unmündigen Mobs Bestand hatte, das eigentlich zu klug und gleichzeitig zu dumm war für eine Wende und man sich mit pseudophilosophischen Floskeln lange Zeit der wahren Realitäten und Konsequenzen wehrte. Nehmen wir Kant einfach mal als Sinnbild für eine neue Zeit – damals versteht sich. Ob er nun gelebt hat, sei dahin gestellt. Grimms Märchen mögen ja auch viele.

Aufklärung ist doch nichts weiter als dass mir jemand ins Gesicht brüllt, was für ein Untermensch ich bin. Aber das weiß ich doch spätestens nach der dritten Wiederholung meines Hauptschulabschlusses?! Oder bin ich da schon zu blöd, um das mitzukriegen? Muss es mir erst gesagt werden? Arm.

Mal angenommen dieser Kant hat Recht. Dann müsste es ja so sein: Ich blöd, weil ich es nicht anders möchte. Kant intelligent, weil er anders ist und sagt mir jetzt, so und so läuft der Hase. Hm…

…

Hör ich dann auf so einen Penner? Unter meinen gegebenen völlig primitiven Voraussetzungen? Komm ich überhaupt drauf, dass der, der mich da eines besseren belehren will, ne total arrogante Sau ist? Ja ja, jetzt kommt die zeitgenössische Bourgeoisie mit: Der war doch in der falschen Zeit geboren!!

Glaubt mir, wenn er jetzt noch leben würde, würde ich ihn treffen und sagen: Du bist nicht in der richtigen Zeit gestorben.

Dabei reden ja viele von: das 21.Jh. – die Aufklärung kommt zurück! Hä? What the fuck? Würde denn jetzt jemand auf diesen Chauvi hören? Der will mir was von Licht, Kategorischen Imperativ und Unmündigkeit erzählen? Mir? In einer Zeit, wo ich sage, der Hase läuft so und so? Das glaubt ihr? Ihr seid doch primitiv. Unmündig. Selbst verschuldet.

Geht raus in die Sonne.

Posted on Jan 15, 2007

Battle #5: Geplatzte Träume

Irgendwann…

…merkt man, dass es die wahre Liebe doch nicht gibt.
…sieht man, dass nichts für immer ist.
…denkt man, dass es nie wieder so wird, wie es einmal war.

…weiß man, dass längst tot geglaubte Dinge wiederkehren.