Posted on Dez 7, 2010

Die Bedeutung des Mannes 2010

Disclaimer: Am 5. Dezember 2006 schrieb ich Kleinstprosa über Heterobeziehungen. Gendersubversiv oder reflektiert würde ich das heute nicht mehr nennen. Aber manchmal denke ich noch immer, dass Männer heutzutage dieselben Erfüllungsansprüche und Erwartungen mit sich tragen. Frauen ebenso. Draußen, im Mainstream. Ich nannte den Text damals “Die Bedeutung des Mannes 2010″. Und ab.

Er hat nur noch einen Kopf für sie. Er schenkt ihr seinen Geist, widmet seine Seele der zwischenmenschlichen Abhängigkeit.
Seine Freunde hat er schon lange nicht mehr gesehen. Sie beschweren sich ständig, dass er keine Zeit mehr für sie hat. Aber ihm ist das egal. Sie ist wichtig. Sonst nichts.
So lange hat er um sie gekämpft. Er schickte ihr versteckte Botschaften, die ihre Sinne beeinflussen sollten. Er versuchte es mit reden. Er warf alle seine männlichen Tugenden über Bord. Er war ihr zu perfekt.
Nun ist er ihr nicht perfekt genug.
Er könnte männlicher sein.

Posted on Nov 9, 2010

Kristina Schröder: Der Antifeminismus-Song

Ich habe es ja verkündet, nachfolgend die Lyrics zu Kristinas neuestem Hit. Besonderes Schmankerl: Ein Wink zu den süßen Pro-Stuttgart21-Pennern. Im Anschluss ein Video zur Interpretations- und Intonationsgrundlage. Ich suche noch begeisterte Mitstreiter_innen, die mit mir zusammen das Lied alsbald performen wollen. Am besten im Frühling, da is eh T-Time (Titten raus)!

schwierig oh oh oh oh oh, ich ahne es…

feminismus hat probleme, weil ein großteil dieser szene,
nicht drauf klarkommen will,
dass frauen nun mal männer auch begehren.
sie wollen ihnen verwehren ihre liebe auch zu leben,
dieser track will was bewegen,
bin dafür und nicht dagegen.

das ist pro schröder,
feminismus kann nichts dafür,
die gesellschaft verschloss schon lang diese tür.
denn eine frau gilt als frau, wenn das verlangen, was sie spürt,
sich dominant verhält,
niemals einen chauvinisten berührt.

die norm geht noch weiter,
betrifft sogar kleider,
die moves und die sprache,
frau darf niemals scheitern,
sonst heißt es gleich,
bist du tussi oder was.
der bitterste zweifel an cool und an krass.

das gibt’s nicht nur im rock,
das gibt’s auch mit krawatte,
in allen schichten,
im einzel,
vor allem in der masse.
die managerin, die putze,
an der tür und am tor,
guck’, die emanzen brüllen als schwestern im chor.

doch auch in der mitte,
links oder im frauenhaus,
gibt es sture feministinnen und diese hoffen drauf,
dass niemand merkt, wie fragil sie sind
und deshalb leicht dekonstruierbar sind.

alle diese pfeifen scheinen zu meinen,
der phallus sei böse und ihnen zu eigen.
mädels macht den kopf an,
wenn ihr echte frauen seid,
seid ihr cool mit mir,
alles andere ist scheiß.

[refrain]
pro schröder
und die zeit ist reif,
pro schröder,
das ist keine leichtigkeit,
wie kann man nur hassen,
dass männer regieren,
die normalität wünscht sich endlich frieden.
[/refrain]

und dann hör ich sie jammern,
es sei noch nicht alles gut.
frauenförderung, gender mainstreaming,
hey, das reicht doch zu.
2005 kam von der leyen,
aber die hartnäckigkeit lässt mich speien.

die idee von der ordnung zwischen männer und frauen
trieft zu sehr von fortschritt,
um drauf länger zu bauen.
frauen sind wichtig und alles,
doch die ein oder anderen bergen auch fallen.
welcher kann man vertrauen,
welche will nur das geld,
mancher mann hätt’ sie zu recht am liebsten kaltgestellt.
woher wollen sie wissen,
wie ein mann sie richtig vögelt,
wenn sie doch alles so sehr ekelt.

und ganz nebenbei,
es gibt auch noch alltag, ramadan, kopftuch oder sozialen kahlschlag.
stellt euch vor, konservative sind genauso nett und doof
wie alle andern auch, das is einfach so.
alle wollen respekt und toleranz für sich,
aber das gilt irgendwie für konservative nicht.
wenn es feminismus wirklich gibt,
dann liebt er alle männer,
wenn es feminismus wirklich gibt,
dann sieht er keine grenzen.

[refrain 2x]

erzähl mir nichts von schwarzer,
die frau ist ne verkrampfte alte lesbe
und engagiert männercaust leugner.
als emanze jagt sie männer
und führte das matriarchat wieder ein.
glaub nicht den feminazis,
und wenn, dann tu’ ihn unten rein.

gib den faschistinnen kontra,
änder dein vokabular,
du spielst ihnen auch schon mit
nur verbalem männerhass zu.

warst du mal echt verliebt
und dachtest es sei große liebe,
da gibt es heterosexuell einfach keine unterschiede.
nur mehr probleme
und die liebe nach außen zu tragen,
wird immernoch bezeichnet als unterdrückung vor sich her zu tragen.
ein cumshot impliziert die grenzüberschreitung
innerhalb der gesellschaft,
in einer welt unter zeitdruck.

das ist wie genesis,
ein hoch auf adam und eva.
hier gehts nicht um eva und ulla
und auch nicht um adam und peter.

das ist nicht nur religiös,
sondern auch genetisch bedingt.
das sind der sex und die liebe,
lass uns von vorne beginnen.

[refrain 2x]

Posted on Jan 5, 2010

Macht.

Ich laufe die Straße entlang. Ich finde den Hauseingang nicht.

Ich sehe die beiden aus dem Augenwinkel. Sie unterhalten sich. Ich kehre um. Hier war es nicht.

Auf einmal steht er hinter mir und ruft seinen Freund herbei. Er zeigt auf mich. Ich spüre es.

Ich starre auf mein Handy. Ein Gefühl von Panik. Unheilvoll. Ganz plötzlich. Ich laufe los. Langsam. Er kommt mir hinterher.

Ich überlege, ob ich rennen soll. Zu weit. Könnte mir jemand helfen? Niemand da. Wo ist nur der Hauseingang?

Er ist hinter mir. Rennen zwecklos.

Ich bleibe stehen.

Er bleibt stehen.

Ich drehe mich um.

Er bleibt stehen. Und grinst.

Verwirrung spricht aus seinen Augen.

Wut und Abscheu aus meinen.

Seine Mundwinkel kräuseln sich.

Er bleibt stehen.

Ich drehe mich um und gehe weiter. Er ruft mir hinterher. Er bleibt stehen. Ich gehe in den Hauseingang. Er bleibt stehen. Ich mache die Tür zu. Mein Herz bleibt stehen.

Posted on Dez 15, 2009

Blindes Vertrauen

Zuerst verstand ich nicht ganz.

Ihr vor Blick schrie vor Entsetzen.

Hinter ihren Augen bildete sich die Dunkelheit.

Ich drehte mich um und rannte los.

Ohne zurück zu blicken.

Ohne zu atmen.

Posted on Nov 2, 2009

Knapp vorbei.

Es fängt ja meist ganz harmlos an. Man trifft sich das erste Mal, lernt sich kennen und ist schon ein wenig verknallt. Ganz harmlos also.

Zunächst redet man sich noch ein, mangels Alternativen und wegen Einsamkeit. Kommt und geht wie das schlechte Wetter.

Nach ein paar Treffen heißt es dann schon: “Ja, warum eigentlich nicht?” Zuversicht mischt sich mit verstohlenen Blicken. Der erste Kuss ist nah, etc. pp. Das ganze Pipapo. Nettes Vorgeplänkel, das Beste kommt nicht zum Schluss, denn es passiert hier und jetzt. Toll. Weitermachen.

Die Zeit der notdürftigen Kommunikation bricht an, sonst ist nur das Bett der Dreh- und Angelpunkt. Das ist nicht mal schlimm. Das muss so, das bindet einander. Hormone flattern hoch und runter. So geht das eine Weile.

Die Phase der Konsolidierung setzt ein: Kräfte tanken durch Liebe. Jo. Das Leben kann so schön sein, nicht wahr? Ich hätte gern die Ringe da hinten. Genau die da. Ja die sind hübsch.

Regen. Ein Stuhl. Eine Person. Stinkt nach Einsamkeit. Ätzend. Wortkarge. Momente. Fast. so. lang. wie. die. Ewigkeit.

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass nach Regen auch Niesel folgen kann? Verletzte Seele trifft auf halbherzige Unbekümmertheit. Hat sich schon mal intensiver angefühlt.

Bittersüße Erinnerungen an die ersten Schritte. Man könnte fast meinen, es läge Melancholie in der Luft. Tränen? Och nö.

Nun jetzt doch noch mal aufgestanden. Fenster auf, ordentliches Stoßlüften. Es geht straff auf’s Tor zu. Zwischendurch ein paar Doppelpässe. Wie süß.
Kann man hier auch nachschenken? Nein? Und warum ist der Ball eigentlich nicht im Tor? Darf ich’s nochmal sehen? Nein, dieser Fernseher hat keine Repeat-Taste.

Verpasste Chance nennt man das.

[Disclaimer: Ich sollte mehr schreiben, ohne es gleich zu veröffentlichen. Dann hätte ich nämlich diesen Text vom Juli 2008 auch schneller wiedergefunden als nur durch einen zufälligen, gelangweilten Klick in den "Dokumente"-Ordner]