new writings. new weapons.

meine texte sind angriffe.

angriffe auf die selbstverständlichkeiten anderer.

angriffe auf die ignoranz und doppelmoral,
mit der diese selbstverständlichkeiten vorgetragen und legitimiert werden.

meine texte setzen sich zur wehr.

gegen die gewaltvolle herausschreibung von leben, positionen, geschichten und kämpfen
aus dem, was übrig bleibt,
wenn feministische politik be_deutet wird.

meine texte kämpfen sich den weg frei.

heraus aus der alltäglichen gewalt und zurichtung
mit der ich, meine freund_innen und verbündeten täglich konfrontiert werden.

in einen denkraum, der möglichkeiten schafft
sich ein gutes leben vorzustellen.

meine texte sind waffen,
mit denen dieser denkraum verteidigt wird.

neu, weil nichts von all dem wirklich vorhersehbar wäre.
neu, weil ideen, perspektiven und denkweisen sich permanent verändern sollten.

um nicht selbst zu etwas oder zu einer person zu werden, gegen das oder die freund_innen und verbündete ihre waffen richten müssten,
um über_leben zu können.

waffen sind über_leben_snotwendig.

wer etwas anderes behauptet, verwehrt sich der unbedingtheit von emanzipation.

in militanz steckt tanz.
tanzen ist befreiung.

waffen können alles sein.
pistolen
messer
texte
fotos
küsse
umarmungen
bewegungen.

weg von.
hin zu.

oder den moment festhaltend.

der moment, in dem der kampf ums über_leben gewonnen wurde.

wenigstens für diesen moment.

empowerment.

Feministische Partner_innenwahl

Dear non-feminist-identified or pro-feminist people having (a) feminist friend/s or partner/s,

you have the most wonderful person/people on earth on your side. They will always appreciate you, support you, give you advice in tricky situations. They will love you for what you are and most of the time they will not try to put you in a box. They will not criticize you in order to make you a better person or for their own ego but to make a better world with you together.

Feminists are feminists for some or one reason. Feminism is not a issue and not up for debate, it’s a life-altering view on society. It shatters minds, it changes lifes, it moves people, it’s an all or nothing thing. You have to deal with that. Most feminists will not change their minds because you are angry with yourself failing to be _the_ perfect feminist ally and blame it on them.

Listen carefully and try to learn, there’s absolutely nothing you can lose within these relation- or friendships. To ask for loyalty and solidarity in situations you make a fool out of yourself and put your privileged ass over your friends‘ or partners‘ core values in life is definitely a bad idea.
And no, you are not getting a cookie for showing solidarity and loyalty in situations they ask for.

Feminists are not the enemies, it’s you and your own ego. And your thinking to make your feminist partner/friend a person you are comfortable with.

This is not about you, this is not about them, it’s just about showing respect for the person you love.

Slutwalks und Solidarität

Du gehst auf die Straße. In Solidarität. Vermeintlich. Denn im Grunde demonstrierst du für dich. Eigentlich.

„Männer werden auch Opfer von Gewalt.“ – „Ich gehe für Männerrechte auf die Straße.“

Wofür nochmal oder wogegen?

Für dein Recht dir im Chefsessel den Arsch breitzusitzen? Für dein Recht auf der Straße zu glotzen, zu belästigen, andere als öffentliches Gut zu betrachten? Für dein Recht auf beschissene Witze über „Weiberärsche, dicke Titten und die Fotzen, die sich zieren?“ Für dein Recht, dich zu allem äußern zu dürfen, stets gehört zu werden? Für dein Recht, in allen Bereichen als Experte zu gelten? Für dein Recht auf bare Münze? Was sind denn Männerrechte? Dass du dich nachts frei bewegen kannst, ohne einen Griff zwischen die Beine fürchten zu müssen? Dass du nie auf dein Getränk achten musst? Kennst du das, mit den Augen ausgezogen zu werden? Hat sich vor dir schon mal jemand einen runtergeholt und dabei ein ekelhaftes Grinsen aufgesetzt? Hat dich dein Chef schon mal gefragt, ob du planst schwanger zu werden oder wie es mit Kindern aussieht? Weißt du, zu welchem Zeitpunkt Brad Pitt keine „Jungfrau“ mehr war?

Männerrecht ist, nicht hinterfragt zu werden. In deinem Sein. In deiner Position. Allzeit bereit, immer bereit. Deine Triebe als Legitimation für dein Verhalten. Kommt dir nicht komisch vor, was die anderen da so quatschen, wenn sie dein Handeln versuchen zu rechtfertigen? Ich dachte immer, Männer seien die rationaleren Wesen von uns beiden!?

Ständig muss ich mir deine Weltformeln reinziehen. Erklärst mir meinen Feminismus, lässt dir aber von anderen nichts sagen. Möchtest unmarkiert bleiben, nicht fremddefiniert sein, nicht pauschal mit Urteilen belegt. Gehörst ja nicht zu denen. Verletzt bist du dann. Willkommen in meiner Welt.

Vielleicht sollten wir uns zusammenschließen. Gibt da ja auch so coole, unterstützende Theorien. Vielleicht machen Weiblichkeit und Männlichkeit auch gar keinen Sinn. weg damit. Solidarisch gegen dieses Heterodingsda und Zwangszweierlei. Dichotomien my ass. Ja, da sind wir uns einig. Gemeinsam feminismusst es sich auch viel besser.

Queer, hab ich gelernt, ist das neue schwarz. Viel inklusiver. Macht. Sinn. Frauen. Wer braucht die denn? Lassen sich eh nicht kategorisieren die Menschen. Ausschlüsse waren gestern. Ach du auch? Naja, sieh an. Schick, wie wir zwei hier so rumqueeren und vor uns hinqueeren und alles durchqueeren. So viele nette Leute.

Auf dem Nachhauseweg holt sich ein Typ neben mir einen runter. In der Bahn werde ich angestarrt, ich vergewissere mich, ob ich mir nicht doch zwischenzeitlich diese Sexyness übergezogen habe. Stilettos vielleicht? – Nö. Alles wie immer. Ich steige aus und: Pfeifen. Immer dieses Pfeifen. „Lesben!!! geil!!!“ – Ja denk ich mir auch manchmal. Sag ich aber nicht so laut.

Paradox – ich kann mich noch nicht mal selbst ausreichend bezeichnen und bekomme von anderen ständig Identitätsmarker auf den Hintern geklebt. Bin ich laut, heißt es Mannsweib, Emanze, Butch, Schlampe, Fotze, Bitch. Bin ich leise, bin ich Wichsobjekt von und zu Jedermann. Ganz vornehm eigentlich und irgendwie postmodern. Dieses zwischen den Identitäten hin und her wechseln.

Wollen wir mal tauschen?

Kompensation suchen. Theorien auffressen. Alles erklären können. Mit Weltformeln jonglieren, um deine endlich in den Müll werfen. Und dabei immer differenzieren. Ganz wichtig. Nicht dieses Universalismusding fortsetzen. Fortwährend reflektieren. Sich, andere, sich Anderem und anderen öffnen, sich Neuem zugänglich machen. Beine breit für die Unangreifbarkeit.

Boah, wie anstrengend auf Dauer. Bloß nicht nach draußen gehen. Keine Frischluft. Die ist verpestet mit all dem -Ismus. Atmen wir die gleiche Luft?

Diese Wut immer, diese unglaubliche Wut. Da sitzt eine hinter ihren Büchern und denkt sich das Hirn blutig. Wie könnte, wenn man wollte? Und ginge dies nicht noch irgendwie anders? Du musst das und jenes bedenken. Ja muss ich. Ding Dong! Ach, da war ja noch was. Die Realität. Vielleicht ein Gläschen gefällig? Im Abgang: Beigeschmack.

Und dann steh ich da. Mitten auf der Straße. Nackt. Und werde angestarrt. Immer dieses Starren. Und die Bücher gleiten mir aus den Händen. Macht. Keinen Sinn. Du bist nicht ich. Niemals. Das kannst du queeren, wie du willst.

Ein Mann ist ein Mann ist ein Mann. Was du sein willst und was du bist, sind zwei unterschiedliche Dinge. Du bist die Struktur, von der du profitierst. Du bist die Schublade, in die du geworfen wirst. Das kannst du queeren, wie du willst.

Absicht? Nein.

Will nur sagen: Deine Solidarität hilft mir nicht. Hilft mir nicht bei Blicken, Worten, Taten. Hilft mir nicht aus Strukturen auszubrechen, hilft mir nicht die richtigen Worte zu finden, denn Widerrede und Dominanz sind allgegenwärtig. Auch deine.

Was vielleicht hilft: Sich mal kurz sein lassen. Um die Zeit finden, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Ruhe, etwas mehr Gelassenheit, Wut in Kraft umwandeln. Sich mit sich selbst beschäftigen. Mit den eigenen Dominanzen, Privilegien, Bildern, die uns umgeben, Rollen, die uns vorgelebt und Schranken, die uns auferlegt werden. Wir können nicht für andere sprechen, auch wenn wir das „über“ schon längst vergessen haben. Der Solidarität wegen.

Männer sind auch nur Menschen.

Geh‘ nicht für Menschen auf die Straße. Die gibt es nicht. Das kannst du queeren wie du willst.

Was ich jetzt tun gedenke? Meine Bücher rauskramen und mich in Widersprüchen, Differenzen und Differenziertem verlieren. Mich in Widersprüche, Differenzen und Differenziertes verlieben. Draußen hält man es ja kaum aus.

Das Intime ist nicht sicher.

Seit zwei Jahren scheine ich gefunden zu haben, wonach ich lange suchte. So etwas wie eine Aufgabe. Bestimmung wäre vielleicht übertrieben…naja gut vielleicht doch nicht. Seit zwei Jahren war ich nie so oft unglücklich, unruhig, unzufrieden und traurig. Das Wort Weltschmerz bezog ich vorher nur auf meinen persönlichen Radius. Jetzt weiß ich, was es bedeutet traurig darüber zu sein, ohnmächtig zu sein. In einer ohnmächtigen Welt zu leben.

Ich bin nicht selten frustriert. Darüber, dass mir meine Plätze geraubt werden, dass ich ich in der Öffentlichkeit Angst haben muss, dass ich vielleicht mein Leben nicht so führen kann, wie ich es mir wünsche. Dass es vielen ähnlich geht wie mir. Manchmal bin ich neidisch und fühle mich unfrei. Manchmal wünsche ich mir zurück, was ich glaube, nicht mehr zu besitzen. Unbeschwertheit. Sich in die Sonne zu setzen, eine Zigarette zu drehen, die Beine in den Schneidersitz zu falten und etwas Schönes zu denken. Etwas, das nicht politisiert werden kann. Gedanken, die mir gehören und in keine Theorie passen. Etwas, das sich nicht erklären lässt.

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Phantomherz.

Als ich es ausgesprochen hatte, war da nichts als Stille. Mein Herz schlug laut und heftig. Bumm. Bumm-Bumm. Tage und Wochen vergingen und ich hörte nichts weiter als dieses Herz. Das Herz, das nicht mehr meins war. Ein Phantomherz. Der Rest waren Splitter. Sie durchbohrten meine Adern, meine Haut, meine Knochen, das Hochprozentige spülte sie in jeden Winkel meines Körpers.

Sie fanden keinen Halt, keine Stelle, an der ich sie hätte aufsammeln und zu den anderen Resten legen können. Wie kleine Muscheln. In die kleine Schatulle. In der meine Vergangenheit lagert. Lose, kleinteilig, wirr, aber an einem Ort. Gut verschlossen, nicht in Erwartung betrachtet und befühlt zu werden. Sicher vor den Augen anderer, ihren fragenden Blicken, verständnislosen Gesten und hohlen Phrasen.

Wenn ich sie zu greifen versuchte, sog das Wasser sie zurück ins offene Meer und spülte sie später dort an, wo ich sie nicht sehen konnte. Der Sand, der übrig blieb, gerann zwischen meinen Fingern. Das Salz. Brennende Augen. Verpasste Chancen. Bumm. Bumm-Bumm. Endlos schien das Meer in seiner Dunkelheit und dumpf der Klang der Wellen, die sich über mir ergossen.

Tick. Tick-Tack. Ist Ewigkeit Gefühl oder Zustand? Ein Phantomherz kann nicht antworten.