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	<title>Medienelite &#187; Entsaftet</title>
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		<title>Wie wollen wir im Netz füreinander Verantwortung tragen?</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Feb 2012 12:30:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Zitrusfrüchte]]></category>
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		<description><![CDATA[Seit geraumer Zeit beschäftigt mich der Gedanke, welche Strategien und Praxen es für Räume des Netzes (Chats, Foren, Mailinglisten, Twitter, Facebook, Blogs, etc.) gibt, die mit den dort stattfindenden sexualisierten Übergriffen, Formen verbaler Gewalt, Stalking, Mobbing, *istische Beleidigungen, Hate Speech &#8211; einen sensiblen und verantwortungsbewussten Umgang finden, welcher die Bedürfnisse von Betroffenen und potentiell Betroffenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit geraumer Zeit beschäftigt mich der Gedanke, welche Strategien und Praxen es für Räume des Netzes (Chats, Foren, Mailinglisten, Twitter, Facebook, Blogs, etc.) gibt, die mit den dort stattfindenden sexualisierten Übergriffen, Formen verbaler Gewalt, Stalking, Mobbing, *istische Beleidigungen, Hate Speech &#8211; einen sensiblen und verantwortungsbewussten Umgang finden, welcher die Bedürfnisse von Betroffenen und potentiell Betroffenen in den Vordergrund stellt. <a class="simple-footnote" title="Vor einigen Monaten flammte mal kurzzeitig eine Debatte um &#8220;Internetethik&#8221; auf, die auf meine Fragen/Gedanken nur bedingt eine Antwort wusste und sich eher mit &#8220;universaleren&#8221; Fragen um Moral und Kommunikation auseinandersetzte." id="return-note-3206-1" href="#note-3206-1"><sup>1</sup></a></p>
<p>Es ist auffällig und ich schrieb das ja <a title="Rückzug ins Private" href="http://medienelite.de/2011/12/13/ruckzug-ins-private/" target="_blank">schon mal</a>, dass feministische Gedanken zumindest im Netz eine höhere Reichweite besitzen (können) als noch vor ein paar Jahren. Die &#8220;feministische Netzgemeinde&#8221; wächst stetig, einzelne Personen gewinnen mehr Einfluss, mensch macht sich halt so Gedanken, warum da eine_r jetzt so emanzipatorisches Zeug ins Netz pustet, schließt sich vielleicht an, lehnt es ab, braucht noch ein paar Minuten länger zum Nachdenken. Die Vernetzung untereinander ist fester und stärker (so zumindest mein Eindruck), mensch trifft sich auch außerhalb des Internets gelegentlich, ein paar Freund_innenschaften sind auch entstanden.</p>
<p>Die &#8220;feministische Netzgemeinde&#8221; (im Folgenden &#8220;wir&#8221; &#8211; jede_r darf sich hier angesprochen fühlen, die_der meint sich angesprochen zu fühlen) ist sehr heterogen, vielleicht nicht unbedingt von ihren sozialen Positionen her (was definitiv schon etwas aussagt, aber jetzt hier nicht Thema sein soll), allerdings von ihren theoretisch-praktischen. Alle erdenklichen Feminismen sind vertreten, mal mehr, mal weniger diskursiv wirkmächtig, aber es gibt sie. Und je nach dem, welche Position eine_r vertritt, erntet sie_er dafür Zustimmung, Kritik, Ablehnung bishin zur Anfeindung. Das ist jetzt einigen von uns z.T. mehrfach passiert, mensch steht diese Phasen der Hasswellen irgendwie durch, macht das mit sich allein aus oder redet mit Freund_innen drüber, mit anderen Feminist_innen (offline wie online) und danach ebbt das ab. Was zurückbleibt ist ein bisweilen merkwürdiger Bekanntheitsgrad, Außenstehende bilden sich dann ihre Meinungen und mit dieser vorgefertigten wird daraufhin jeder neu geschriebene Text gelesen und kritisiert. Das ist erstmal ein &#8220;normaler&#8221; Vorgang, den ich nicht weiter kritikwürdig finde, ich fasse das mal unter Hermeneutik ;)</p>
<p>Nervig bis übergriffig wird es allerdings, wenn mensch für jeden Furz von der Seite angeblökt wird von irgendwelchen &#8220;Kritiker_innen&#8221;, ständig der eigene Name in den wüstesten Zusammenhängen auftaucht, @replies auf Twitter eintrudeln, Mails kommen, in denen die eigene Fickbarkeit analysiert wird ohne mit der Wimper zu zucken, als sei es das Normalste der Welt, fremden Leuten EMails zu schreiben und über ihre Person und ihre Sexualität wild in den Raum zu fantasieren, heterosexistische Sprüche abzulassen, Grenzen zu überschreiten. Kann mensch die Maskulisten recht einfach im Netz verorten, die sich ja eher selbst zum Gespött machen mit ihren abstrusen Thesen, die Vergewaltigungsandrohungen per Mail irgendwann überlesen werden (dickes Fell ftw!), sind es gerade die &#8220;Kritiker_innen&#8221;, die mir in diesem Zusammenhang etwas Sorge bereiten. Es ist eigentlich nur eine Frage des Wann, nicht des Ob, mensch wieder zur Zielschiebe antifeministischer und übergriffiger, hämischer und *istischer Ausgüsse über die eigene Person wird.</p>
<p>Offenbar fühlen sich genügend Menschen in irgendeiner Form durch die Äußerungen einiger Feminist_innen derart bedroht und belästigt, dass sie keine Gelegenheit ungenutzt lassen, um im Geheimen oder auch ganz öffentlich für alle einsehbar ihre Verbalattacken loszulassen. Don&#8217;t feed the trolls heißt es ja bekanntlich und wer mich kennt, weiß, dass ich von dieser beschissenen Anweisung wenig halte, verlagert sie die Verantwortung zu den Betroffenen.</p>
<p>Besonders tricky werden diese ständigen Attacken durch die Eigentümlichkeit des Netzes besonders kurze Kommunikationswege zur Verfügung zu stellen, so dass mensch über maximal 10 Ecken sofort zur ersten und zur letzten Ecke gelangt, manchmal sind die Ecken auch Bekanntschaften, Kumpels, Freund_innen. Im Netz kennt mensch sich, ohne sich dafür jemals in real getroffen haben zu müssen. Und, das darf bei allen Personenfragen nicht außen vor gelassen werden, es sind nicht immer ad hominem Geschichten, die eine_r im Netz kalte Schauer über den Rücken jagen oder das Triggerpotenzial in die Höhe schnellen lassen, sondern oft auch (egal ob unbedarft-naiv oder gewollt) Äußerungen zu Themen, mit denen sich (nicht nur) Feminist_innen seit Jahrzehnten und -hunderten beschäftigen. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Geschichte auf Twitter als ein bekannter Netzmann damit prahlte, sich ein T-Shirt drucken zu lassen, auf dem sinngemäß stehen sollte, dass er ein Vergewaltigungsapologet sei (und stolz drauf). Anlass war ein relativ polarisierender Text über Äußerungen und Einstellungen, die eine rape culture befördern (können). Der Text richtete sich ausschließlich an ein &#8220;männlich&#8221; gedachtes Publikum aus Sicht einer &#8220;weiblich sozialisierten&#8221; Person. Nun, einige Aussagen darin fand ich auch eher schwierig, ist aber Frage der feministischen Perspektive und kein Grund für irgendwen sich über reale Phänomene wie rape culture und Betroffene lustig zu machen in Form eines aufmerksamkeitsheischenden Tweets, der oft zitiert wurde und viel Zustimmung fand.</p>
<p>Mir ist es schleierhaft, warum sich Personen mit Dingen auseinandersetzen, die sie ablehnen und lächerlich finden, von denen sie auch keine Ahnung haben und sich auch nicht näher damit beschäftigen möchten (in Form von vorsichtigem, interessiertem Nachfragen oder selbstständiger Wissensaneignung). Wahrscheinlich weil es im Rahmen von vermachteten Diskursen (wo klar ist, welche Sprecher_innenposition das Privileg der Definitionsmacht besitzt) ein einfaches ist, bestimmte Hegemonien zu pflegen ohne dafür auch nur ansatzweise Kritik oder Sanktion zu erfahren. Im Gegenteil: Es klatscht Beifall, male (oder antifeminist) bonding galore, ist Anlass für persönliche Attacken oder schlicht Selbstvergewisserung und Machtdemonstration.</p>
<p>Das war jetzt mal so ein Querschnitt durch meine tägliche Erfahrungswelt im Netz, aber auch jener Erfahrungswelten von anderen Feminist_innen, die sich jetzt irgendwie mitgemeint fühlen oder selbiges erlebt haben. Nur mal so, um das Problem aufzureißen, von dem ich mir eine intensivere Bearbeitung wünsche, weil das Netz unser Raum genauso ist.</p>
<p>Denn den Umgang mit diesem Problem erlebe ich bisher so, dass zu solchen Fällen meistens geschwiegen wird. Klar gibt es auch Diskussionen, Widerspruch, bei heftigen Attacken auch mal nen bösen Kommentar und ggf. ein Twitter-Unfollow oder Block (auch bei Facebook), selten aber wirklich selten Blogeinträge, wo das Ganze noch einmal analysiert und kritisiert wird, eine breite Solidarisierung gegen die Kackscheiße gefordert wird. Wenn die Personen, die davon erfahren, nicht selbst betroffen sind oder sich als auch als Betroffene sehen, &#8211; nothing -. Das kann verschiedene Gründe haben und deshalb ist das jetzt nicht wertend gemeint, sondern deskriptiv.</p>
<p>&#8220;Interessant&#8221; wird es an der Stelle, wo die Person, die Kackscheiße produziert /produziert hat/, sich im gleichen sozialen Umfeld bewegt, wie die betroffene Person. Es also wie oben bereits angesprochen Verbindungspunkte gibt. Mensch ist also als Betroffene_r gezwungen, dieser Person (in der antisexistischen Arbeit wird er_sie &#8220;Täter&#8221; genannt) Eintritt in den Raum zu gewähren, in dem sich die_der Betroffene auch aufhält. Besonders bitter ist diese Tatsache dann, wenn die Verbindungsperson(en) sich als Feminist_innen verstehen, die eigentlich für solche Dinge sensibilisiert sind/sein sollten. Noch bitterer, wenn sich diese &#8220;Beziehungsdynamiken&#8221; dann auch noch in die offline-Welt verlagern und mensch nicht mehr bestimmte Veranstaltungen besuchen kann oder diverse Räume meidet, weil sich dort Menschen aufhalten, mit dem mensch keine Atemluft teilen kann oder will.</p>
<p>Auf Kritiken an diesem &#8220;Zulassen&#8221;, dieser Konfliktvermeidung (die eigentlich eine Konfliktintensivierung ist für Betroffene) wird oft mit Abwehrverhalten reagiert: &#8220;Was hat denn das mit mir zu tun? Warum sprichst du mich jetzt an? Was soll ich denn da machen? Ich kenne Person XY nur flüchtig. Person XY ist mein_e Freund_in. Das musst du schon selbst regeln, wenn es dich stört. Der_die hat halt (bitte hier Bezeichnung irgendeiner pathologisierten Verhaltensweise einsetzen) und deshalb ist er_sie so. Nimm&#8217;s nicht so schwer. Ach naja, ich kenne Person XY nicht anders. Das macht er_sie mit allen. Ignorier&#8217;s halt. &#8230; &#8230;&#8221; All diese Antworten sagen: Ich will mich damit nicht auseinandersetzen, deine Perspektive ist mir nicht so wichtig. In Einzelfällen kam es auch schon zu Victim Blaming oder Solidarisierung mit der attackierenden Person. Das gehört (zum Glück) zu den Ausnahmen. Was das schlussendlich bedeutet, auch dafür hat die antisexistische Praxis einen ziemlich eindeutigen Begriff: Täterschutz.</p>
<p>In der antisexistischen Arbeit gibt es für den Umgang mit solchen Vorfällen zwei (mir bisher bekannte) Konzepte: Definitionsmacht (Defma) und Community Accountability (CA). Während das erste Konzept konkrete Handlungsleitfäden im Umgang mit Betroffenen und Tätern bereithält, uneingeschränkt die Wünsche der Betroffenen in den Vordergrund stellt und wenn nötig den Täter konsequent aus Räumen verbannt und/oder den Kontakt abbricht, liegt bei CA auch (aber nicht nur) ein Fokus auf Präventivarbeit, um solche Vorfälle zu vermeiden. Defma soll auch sensibilisieren und Aufklärungsarbeit leisten, muss aber nicht mit Täterarbeit einhergehen, sondern das Hauptaugenmerk liegt auf der Betroffenenperspektive. CA ist also umfassender angelegt, meiner Interpretation nach. Das soll allerdings keine Hierarchisierung der Konzepte sein.</p>
<p>Ich frage mich nun, inwiefern diese Konzepte auch auf Räume des Netzes anwendbar sein können, auf ihre spezifischen Grenzen, Eigenschaften, Kommunikationswege und Beziehungsdynamiken. Würde das Defma-Konzept 1:1 übertragen werden, müssten die Betroffenen entscheiden, was sie sich wünschen von anderen, von den attackierenden Personen, ggf. wären auch hier eine radikale Meidung entsprechender Personen oder konsequente Ausschlüsse (den solidarisierende Personen mittragen und vor anderen auch vertreten) die Folge. Mindestens, und das wäre bei beiden Konzepten der Fall, wäre so eine offene Diskussion (ohne Infragestellung, Rechtfertigung der Betroffenen) möglich über den Umgang mit solchen Personen und Vorfällen. Konsequenzen und Gefühlslagen könnten in einem wertschätzenden Klima besprochen werden, ohne Perspektiven von Betroffenen zu negieren. Öffentlichkeitswirksamer Solidarisierungen und Aktionen gegen diese Formen der Gewalt wären ebenso möglich. Auch hätten andere Betroffene die Möglichkeit sich zurückzuziehen und bei diesen Aktionen nicht mitzuwirken, da sie Triggerpotenzial beinhalten, aber ein Rückzug aus Täterschutzgründen wäre nicht mehr tolerierbar.</p>
<p>Nachfolgend findet ihr ein paar wertvolle Links zum Einlesen in die beiden Konzepte, die <a href="http://www.yori-gagarim.com/" target="_blank">Yori Gagarim</a> vor einiger Zeit mal zusammengetragen hat, danke hierfür. Ich möchte mit euch in Austausch darüber treten, was ihr für Ideen/Links/Texte habt, für gangbar haltet, euch wünschen würdet, ihr könnt natürlich auch eure Erfahrungen mit Gewalt oder mit den Konzepten (gern auch anonym) <a href="http://medienelite.de/impressum/" target="_blank">per Mail an mich</a> oder in die Kommentare schreiben. Ich werde äußerst streng moderieren, so dass sich hier keine Leute tummeln können, die hier nichts zu suchen haben. Super fände ich auch, ihre schreibt eigene Blogposts zum Thema (schickt mir ggf. den Link, wenn ihr nicht wollt, dass das an die große Glocke gehängt wird), damit sich nicht alles auf das Blog hier konzentriert und mehr Menschen davon erfahren. Danke.</p>
<p><a href="http://www.incite-national.org/index.php?s=114" target="_blank">http://www.incite-national.org/index.php?s=114</a></p>
<p><a href="http://www.phillyspissed.net/node/36" target="_blank">http://www.phillyspissed.net/node/36</a></p>
<p><a href="http://www.transformativejustice.eu/wp-content/uploads/2010/11/Taking-Risks.-CARA.pdf" target="_blank">http://www.transformativejustice.eu/wp-content/uploads/2010/11/Taking-Risks.-CARA.pdf</a></p>
<p><a href="http://incite-national.org/media/docs/0985_revolution-starts-at-home.pdf" target="_blank">http://incite-national.org/media/docs/0985_revolution-starts-at-home.pdf</a></p>
<p><a href="http://defma.blogsport.de/" target="_blank">http://defma.blogsport.de/</a></p>
<p><a href="http://asbb.blogsport.de/2008/07/24/queering-intimate-violence-antisexistische-praxis-gegen-gewalt-im-queeren-kontext/" target="_blank">http://asbb.blogsport.de/2008/07/24/queering-intimate-violence-antisexistische-praxis-gegen-gewalt-im-queeren-kontext/</a></p>
<p><a href="http://www.transformativejustice.eu/?p=437" target="_blank">http://www.transformativejustice.eu/?p=437</a></p>
<p><a href="http://asbb.blogsport.de/2008/03/23/when-my-anger-starts-to-cry/" target="_blank">http://asbb.blogsport.de/2008/03/23/when-my-anger-starts-to-cry/</a></p>
<p><a href="http://transformation.blogsport.de/" target="_blank">http://transformation.blogsport.de/</a></p>
<p><a href="http://transformation.blogsport.de/" target="_blank">http://www.phillyspissed.net/node/18</a></p>
<p><a href="http://www.phillyspissed.net/node/10" target="_blank">http://www.phillyspissed.net/node/10</a></p>
<p><a href="http://www.jpberlin.de/antifa-pankow/defmacht/" target="_blank">http://www.jpberlin.de/antifa-pankow/defmacht/</a></p>
<div class="simple-footnotes"><p class="notes">Notes:</p><ol><li id="note-3206-1">Vor einigen Monaten flammte mal kurzzeitig eine Debatte um &#8220;Internetethik&#8221; auf, die auf meine Fragen/Gedanken nur bedingt eine Antwort wusste und sich eher mit &#8220;universaleren&#8221; Fragen um Moral und Kommunikation auseinandersetzte. <a href="#return-note-3206-1">&#8617;</a></li></ol></div> <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=3206&amp;md5=a9da302eac600707fcd1e40249ff5f4c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Antwort der ZEIT</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 09:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entsaftet]]></category>
		<category><![CDATA[Zitrusfrüchte]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein_e Redakteur_in der ZEIT schrieb mir gestern eine E-Mail auf meine Kritik am rassistischen Sprachgebrauch in einem ihrer Artikel über Rassismus mit der freundlichen Bitte, das zu ergänzen, was ich hiermit tue. &#8212; Liebe Nadine Lantzsch, Ich arbeite bei der Zeit und Fabian Dannenberg ist ein guter Freund von mir. Zusammen haben wir die Idee [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein_e Redakteur_in der ZEIT schrieb mir gestern eine E-Mail auf <a href="http://medienelite.de/2012/01/23/rassismuskritik-in-den-medien-die-zeit-und-das-n-wort/" target="_blank">meine Kritik am rassistischen Sprachgebrauch in einem ihrer Artikel</a> über Rassismus mit der freundlichen Bitte, das zu ergänzen, was ich hiermit tue.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Liebe Nadine Lantzsch,</p>
<p>Ich arbeite bei der Zeit und Fabian Dannenberg ist ein guter Freund von mir. Zusammen haben wir die Idee fuer den Artikel entworfen, und ich habe ihn bis zur Produktion betreut. Ich bin nicht weiss.</p>
<p>Fabian und ich haben Wort fuer Wort abgesprochen, was in der Ueberschrift, der Unterzeile und der Bildunterschrift steht. Die Zeile fand er &#8220;genau richtig&#8221;, weil sie den rassistischen Hass klar und abscheulich widerspiegelt.</p>
<p>Der Post auf Medienelite basiert also auf zwei Annahmen, die nicht stimmen. Mir ist es wichtig, das zu korrigieren und Fabians Artikel zu verteidigen. Ich waere Dir daher dankbar, wenn Du die Fehler korrigieren oder meine Antwort als Kommentar darunter stellen koenntest.</p>
<p>Viele Gruesse,</p>
<p>Khue Pham</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Zur Transparenz: Es ist also in diesem Fall so, dass Worte wie &#8220;N.&#8221; in der Überschrift sowie &#8220;Rassenhass&#8221; in der URL, die ich in meinem Artikel kritisierte, offenbar mit dem Autor abgesprochen waren.</p>
<p>Das ist natürlich zu begrüßen, also die Absprache. <strong>Dieser Teil meiner Kritik ist demnach nicht zutreffend.</strong></p>
<p>Auch wenn hier von Betroffenen bestimmt wurde, was wie genannt wird, impliziert die Verwendung von &#8220;Rassenhass&#8221; ohne Anführungszeichen und ohne weitere Kontextualisierung, es gäbe so etwas wie &#8220;Menschenrassen&#8221;, die aufgrund ihrer &#8220;Rassenzugehörigkeit&#8221; diskriminiert werden.</p>
<p>Die Verwendung von N. im Artikel kann natürlich ein Trigger für Betroffene darstellen, genauso wie in der Überschrift, aber sie sind immerhin eindeutig als Zitate gekennzeichnet, wo klar ist, dass N. keine Selbstbezeichnung oder korrekte Bezeichnung darstellt. Im N-Wort drückt sich natürlich erstmal, wie Redakteur_in und Autor ebenfalls meinen, Rassismus aus. Die Verwendung des N-Wortes ist _immer_ rassistisch. Es gibt keine Ausnahme. Ich finde, dass der Artikel das gut illustriert. In der Überschrift kulminiert also das, was der Autor in seinem Artikel beschreibt.<strong> Ich sehe ein, dass das ein gutes Argument für die Verwendung im konkreten Fall ist. </strong></p>
<p>Als eine, die in Sachen Herrschaftskritik auch auf Sprache achtet, finde ich es trotzdem unglücklich, dieses Wort in die Überschrift zu packen. Da die hiesige Gesellschaft weder aware in Sachen Rassismus ist, noch kritisch mit Rassismus umgeht, kein antirassistisches Wissen zum Alltagswissen gehört, trägt die Verwendung des N-Wortes (vor allem so plakativ in der Überschrift) zur Normalisierung bei. Das N-Wort wird nach wie vor benutzt, um Schwarze zu beleidigen oder über Schwarze Menschen zu sprechen, auch wenn dahinter die Absicht steht, mit der Verwendung zu illustrieren, dass hier gerade über Rassismus/rassistische Beleidigung gesprochen wird.</p>
<p>Da weiße die Definitionsmacht darüber besitzen, wie über Rassismus gesprochen wird, bricht die Verwendung mit dieser Definitionsmacht leider nicht.  <a class="simple-footnote" title="Weshalb ich das Wort nicht mehr ausgesprochen/ausgeschrieben verwende &#8211; egal, mit wem und in welchem Kontext ich spreche/schreibe." id="return-note-3171-1" href="#note-3171-1"><sup>1</sup></a> Will sagen, dass auch weiße dann die Verwendung des N-Wortes für legitim halten, wenn sie Rassismus kritisieren wollen. Da ihnen die Entscheidung darüber nicht zusteht, finde ich Sprachpolizei immer gut, um ihnen diese Sprache &#8220;wegzunehmen&#8221; oder zumindest mit Abkürzungen wie &#8220;N-Wort&#8221;  oder &#8220;N.&#8221; zu arbeiten, um anzuzeigen, dass hier ein Problem mit dem Sprachgebrauch besteht und Betroffene nicht weiter zu verletzen / zu triggern.</p>
<p>Ich freue mich sehr über diese E-Mail, da Feedback zu Kritik an Artikeln in Massenmedien selten ist. Und weil <a href="http://blog.derbraunemob.info/wp-content/uploads/2012/02/Rede_Integrationsgipfel_2012.pdf" target="_blank">mit dieser Tatsache</a> an der einen oder anderen Stelle doch mal gebrochen wird.</p>
<p>Wer sich mit rassistischem Sprachgebrauch auseinandersetzen will, dem_der sei &#8220;<a href="http://www.unrast-verlag.de/unrast,2,46,13.html" target="_blank">Afrika und die deutsche Sprache</a>&#8221; und &#8220;<a href="http://victoriarobinson.de/wp-content/uploads/Inhaltsverzeichnis-und-Geleitwort.pdf" target="_blank">Wie Rassismus aus Wörtern spricht</a>&#8221; als Einstiegsliteratur empfohlen. &#8220;<a href="http://glareanverlag.wordpress.com/2010/08/04/hornscheidt_rassismus-auf-gut-deutsch_brandes-apsel_rezension_glarean-magazin/" target="_blank">Rassismus auf gut Deutsch</a>&#8221; ist empfehlenswer für alle, die die anderen Bücher schon kennen bzw. einen akademischeren/sprachwissenschaftlicheren Zugang wollen.</p>
<div class="simple-footnotes"><p class="notes">Notes:</p><ol><li id="note-3171-1">Weshalb ich das Wort nicht mehr ausgesprochen/ausgeschrieben verwende &#8211; egal, mit wem und in welchem Kontext ich spreche/schreibe. <a href="#return-note-3171-1">&#8617;</a></li></ol></div> <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=3171&amp;md5=4b9e93ef851a2f7d7448289014cf8d66" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Rassismuskritik in den Medien: Die ZEIT und das N-Wort.</title>
		<link>http://medienelite.de/2012/01/23/rassismuskritik-in-den-medien-die-zeit-und-das-n-wort/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 16:21:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entsaftet]]></category>
		<category><![CDATA[Zitrusfrüchte]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist beachtlich, welch hohe Wellen die rassistische Praxis am Schlosspark-Theater in Berlin in den Medien schlägt. Seit Bekanntwerden des keineswegs Einzelfalles am Theater häufen sich Beiträge zu Alltagsrassismus, Rassismuskritik und Rassismuserfahrungen von Schwarzen, Afrodeutschen, People of Color und den &#8220;Migrationsanderen&#8221; in Deutschland, selbst das europäische Ausland berichtet. Nach wie vor ist es wichtig, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist beachtlich, welch hohe Wellen die <a title="Deutsche “Qualitätsmedien” und rassismuskritische Berichterstattung" href="http://medienelite.de/2012/01/10/deutsche-qualitatsmedien-und-rassismuskritische-berichterstattung/" target="_blank">rassistische Praxis am Schlosspark-Theater</a> in Berlin in den Medien schlägt. Seit Bekanntwerden des keineswegs Einzelfalles am Theater häufen sich Beiträge zu Alltagsrassismus, Rassismuskritik und Rassismuserfahrungen von Schwarzen, Afrodeutschen, People of Color und den &#8220;Migrationsanderen&#8221; in Deutschland, selbst das europäische Ausland berichtet.</p>
<p>Nach wie vor ist es wichtig, die Sprache genauer unter die Lupe zu nehmen, mit der das geschieht. Aufgefallen ist mir die Seite 3 in der ZEIT, in der der <a href="http://www.zeit.de/2012/04/P-Rassenhass/komplettansicht" target="_blank">Fabian Dannenberg von seinen Erfahrungen</a> berichtet. Die Gewalt, die ihm widerfahren ist und widerfährt, äußert sich auch in der Sprache, mit der er konfrontiert wird. Häufig ist im Artikel das N-Wort zu lesen.</p>
<p>Der Artikel von Fabian ist ein Gastbeitrag. Gastbeiträge folgen häufig auf Anfragen des entsprechenden Mediums. Gängige Praxis: Autor_innen liefern den Volltext ohne Überschrift und Schlagwörter. Redakteur_innen des Mediums, die den Artikel betreuen und/oder das Lektorat liefern den Rest. Es ist eher unüblich, die Überschrift noch einmal mit dem_der Autor_in abzuklären. Als Überschrift prangt &#8220;Was willst du hier, N.?&#8221;, Schlagwort der ZEIT ist &#8220;Rassenhass&#8221; (siehe URL), ein_e wohl etwas hellerer Kolleg_in hat im Artikel für ZEIT Online in der Stichzeile &#8220;Rassismus&#8221; geschrieben (über der Überschrift). Ich frage mich, was das soll&#8230;</p>
<p>Die Überschrift ist ein Zitat aus Fabians Text. Offenbar ist/sind sich die/_der zuständigen Redakteur_innen bewusst, dass N. ein rassistisches Schmähwort ist. Trotzdem schreiben sie es ausgeschrieben in die Überschrift. Auch wenn von Rassismus Betroffene dieses Wort in aller Deutlichkeit benutzen, steht es Weißen nicht zu, dieses Wort wieder und wieder zu annektieren. Auch wenn das N-Wort eine weiße Erfindung früherer Kolonialherren ist, steht es Weißen nicht zu, dieses Wort wieder und wieder zu annektieren. Für mich sagt diese Überschrift aus, dass die ZEIT sich vielleicht nicht darüber im Klaren zu sein scheint, welche triggernde und verletzende Wirkung dieses Wort auslösen kann bei Betroffenen oder sie stellen sich einfach keine_n nicht-weiße_n Leser_in vor. Vielleicht ist ihnen die aufmerksamkeitsheischende Wirkung des N-Wortes wichtiger als der sensible Umgang mit Sprache, ich weiß es nicht. Ich kann nur vermuten. Was soll diese Überschrift bei diesem Inhalt? Ist es nicht möglich, eine ebenfalls drastische Überschrift für den drastischen Inhalt zu finden, die ohne rassistisches Sprachvokabular auskommt?</p>
<p>Zum Label &#8220;Rassenhass&#8221;. Ich hatte kurz den Gedanken an Apartheidsregime. Rassismus ist kein Äquivalent für &#8220;Rassenhass&#8221;. Es gibt keine &#8220;Menschenrassen&#8221;. Das ist ein biologistisches Konstrukt, das in der Zeit der Aufklärung eingeführt wurde, um Hierarchien entlang einer biologistischen Achse zu rechtfertigen. Schwarz und Weiß sind politische Begriffe und keine &#8220;Beschreibungen&#8221; phänotypischer Merkmale, keine Hautfarben-Farben und keine Einteilungskategorien von &#8220;Menschenrassen&#8221;.</p>
<p>Der Artikel von Fabian spricht für sich. Rassismus ist Normalzustand, Realität für viele, die in der BRD leben. Rassismus ist Gewalt. Die sich u.a. durch und mittels Sprache äußert. Weiße besitzen Definitionsmacht über Rassismus und rassistische Sprache. Es ist zynisch, Fabians Text mit solch einer Überschrift und solch einem Label zu versehen, die sinnbildhaft für das stehen, was nach wie vor existent ist. Sprache bildet Gesellschaft ab. In diesem Fall die rassistische, dekonstruierbar ist das allerdings nur für geschulte/sensibilisierte Menschen. Und selbst, wenn alle diese Konstruktionen als solche erkennen würden, obliegt es nicht den Weißen darüber zu entscheiden, ob das &#8220;trotzdem okay&#8221; ist.</p>
<p>Ich würde mir wünschen, wenn in Zukunft solche wenigen, von der weißdeutschen Mehrheitsgesellschaft autorisierten subalternen Stimmen wie die von Fabian Dannenberg wenigstens konsequent beachtet werden würden und nicht erneut mit Rassismen belegt. Der Gebrauch von rassistischer Sprache trägt zur Normalisierung dessen bei und er gibt Weißen das Signal, dass es okay ist, Wörter wie N. zu benutzen, solange die &#8220;gute Absicht&#8221;(TM) dahinter steht.</p>
<p>Wenn über Herrschaft gesprochen wird, ist es wichtig zu beachten: Wer redet wie über wen in welchem Kontext? Zwangsläufig schreiben/sprechen nicht ausschließlich Betroffene über Herrschaft. Es wäre natürlich sinnvoll, allerdings ist das alles etwas komplexer als bloße Zugehörigkeit zu Kollektiven, als Identität. Herrschaft betrifft auch diejenigen, die keine Gewalt erfahren. Wenn Weiße ausschließlich über Weißsein und Verantwortung schreiben, Schwarze ausschließlich über Rassismus und Empowerment, dann haben wir wenig aufgebrochen von diesem aufteilenden und Entitäten schaffenden Prinzip, das Herrschaft innewohnt. Gerade weil dieses Prinzip so allgegenwärtig ist und ständig am Werk, sollte der sensible Umgang mit Sprache zu den ersten Schritten bei der Analyse von gesellschaftlichen Zuständen gehören. Herrschaftskritik ist nicht zuletzt eine Frage der Konsequenz. Zur Konsequenz zählt auch, sich als dominante Gruppe endlich von Herrschaftssprache zu befreien, auch wenn diese irgendwann mal von irgendeiner politischen/wissenschaftlichen Autorität zur &#8220;Abbildung&#8221; und Analyse geschaffen wurde. Das bedeutet auch, Definitionsmacht darüber abzugeben, wie über Herrschaft gesprochen wird. Das heißt auch, Worte wie Fremd(enfeindlichkeit), &#8220;Rasse(nhass)&#8221; und N. endlich aus dem Vokabular zu streichen, Ausländer(feindlichkeit) nur dann zu benutzen, wenn Ausländer_innen gemeint sind und sich auch da mal zu überlegen, für wen der Begriff &#8220;Ausländer&#8221; eigentlich gilt und für wen nicht, wer in diesem Land Bürger_innenrechte erhält unter welchen Bedingungen. Nationalismus ist eine Komponente im rassistischen System, nicht die ausschließliche. Aber dazu vielleicht an anderer Stelle mehr.</p>
<p><strong>UPDATE: Die ZEIT hat auf diesen Artikel <a href="http://medienelite.de/2012/02/02/antwort-der-zeit/">geantwortet</a>.</strong></p>
 <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=3070&amp;md5=52999e02cd1dea60d01a91dc481e101d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Deutsche &#8220;Qualitätsmedien&#8221; und rassismuskritische Berichterstattung</title>
		<link>http://medienelite.de/2012/01/10/deutsche-qualitatsmedien-und-rassismuskritische-berichterstattung/</link>
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		<pubDate>Tue, 10 Jan 2012 12:57:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entsaftet]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die rassistische Inszenierung von &#8220;Ich bin nicht Rappaport&#8221; am Schlosspark-Theater in Berlin schafft es nun auch besprechend in die Medien. Wie eigentlich zu erwarten war, werden die Kritiker_innen nur kurz zitiert, das ganze dann als &#8220;Rassismus-Vorwurf&#8221; interpretiert oder Kritik im Konjunktiv formuliert. So als wäre Rassismus Interpretationssache und debattierbar. Viel Raum hingegen bekommen die lächerlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die rassistische Inszenierung von &#8220;Ich bin nicht Rappaport&#8221; am Schlosspark-Theater in Berlin schafft es nun auch <a href="http://www.google.de/search?sourceid=chrome&#038;ie=UTF-8&#038;q=rappaport#pq=rappaport&#038;hl=de&#038;ds=n&#038;cp=25&#038;gs_id=1v&#038;xhr=t&#038;q=%22ich+bin+nicht+rappaport%22&#038;pf=p&#038;sclient=psy-ab&#038;safe=off&#038;tbm=nws&#038;source=hp&#038;pbx=1&#038;oq=%22ich+bin+nicht+rappaport%22&#038;aq=f&#038;aqi=&#038;aql=&#038;gs_sm=&#038;gs_upl=&#038;bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_cp.,cf.osb&#038;fp=8b271bc5779631cc&#038;biw=1280&#038;bih=679" target="_blank">besprechend in die Medien</a>. Wie eigentlich zu erwarten war, werden die Kritiker_innen nur kurz zitiert, das ganze dann als &#8220;Rassismus-Vorwurf&#8221; interpretiert oder Kritik im Konjunktiv formuliert. So als wäre Rassismus Interpretationssache und debattierbar. Viel Raum hingegen bekommen die lächerlichen Rechtfertigungen von Dieter Hallervorden, Theaterleitung, Regisseur, usw. Ein weiteres rhetorisches Mittel in der Berichterstattung ist die Ausblendung rassistischer Kontinuität nicht nur im deutschen Kulturbetrieb, indem Kritik an rassistischen Inszenierungen nicht in einen größeren Kontext eingebettet wird. Die Darstellung der Kritik wird verkürzt auf: &#8220;Damals im 19. Jh. gab es diese Minstrel-Darstellungen, dazwischen nix und heute wieder mal eine, die aber&#8230; naja&#8230; nicht rassistisch ist&#8221; Was an sich schon faktisch falsch ist und außerdem verkennt, dass es nicht nur die Minstrel-Darstellungen sind, sondern ebenfalls rassistische Strukturen und Kontinuitäten, Rassismus sozusagen Historizität aufweist, sich u.a. in der Einstellungspraxis an deutschen Kulturbetrieben niederschlägt. Dass mensch das Journalist_in nicht weiß, geschenkt. Denn auch im Journalismus sitzen mehrheitlich weiße, die schreiben. Rassismuskritisches Wissen in der BRD existiert zwar, aber es wird ignoriert und negiert. Rassismus&#8221;kritik&#8221; in Deutschland heißt: Nazis doof finden, sich für den Holocaust zu schämen, Antisemitismus mit &#8220;Hitler fand Juden doof, nicht wir heute&#8221; zurückweisen, Antisemitismus für (den &#8220;einzigen&#8221;) Rassismus halten und Rassismus als historische Gewordenheit und Kontinuität zu leugnen. Kaum ein_e Journalist_in macht sich die Mühe, die vielfachen Lernangebote in Anspruch zu nehmen, die eigene Sprachwahl kritisch zu prüfen oder sich Kritik wirklich durchzulesen. </p>
<p>Deutlich wird: Weiße besitzen die Definitionsmacht über Rassismus. Weiße wollen nicht über Rassismus sprechen, sie wollen rassistisch sein, egal, was Betroffene dazu meinen. Ob in Polizeimeldungen die Herkunft der Täter_innen unverhohlen zum Hauptfakt erklärt wird, egal ob der Pressekodex sagt, dass diese nur in der Berichterstattung auftauchen darf, wenn sie für die Tat von Relevanz ist (was in den allermeisten Fällen nicht der Fall ist), ob für rassistische Übergriffe noch immer die Worte &#8220;fremdenfeindlich&#8221; und &#8220;ausländerfeindlich&#8221; benutzt werden, weil mensch es sich überhaupt nicht vorstellen kann, dass Menschen in diesem Land leben (seit Jahrzehnten oder schon immer), die weder &#8220;fremd&#8221; noch &#8220;Ausländer&#8221; sind (Ausländer_innen sind formal solche ohne deutsche Staatsbürgerschaft), wenn jeder rassistische Übergriff immer zugleich als rechtsextrem gelabelt wird, als seien die einzigen Rassist_innen in diesem Land Nazis&#8230; Wenn für Schwarze, Afrodeutsche, People of Color (oder Deutsche, hey&#8230; es gibt sie tatsächlich) die Bezeichnungen: &#8220;Afrikaner&#8221;, &#8220;Schwarzafrikaner&#8221;, &#8220;Farbiger&#8221;, &#8220;Dunkelhäutiger&#8221; benutzt werden, ohne sich die Mühe zu machen, die Herkunft der Person oder schlicht die Person ohne rassistische Markierungspraxis vorzustellen&#8230; wenn die weiße Norm stets unmarkiert bleibt (weiße Deutsche, Weiße_r, weißer Deutscher mit/ohne Migrationshintergrund), obwohl sie bei rassistischen Übergriffen ein wesentlicher Fakt ist&#8230; Wenn immernoch davon ausgegangen wird, dass es sich bei weiß und Schwarz um Hautfarben-Farben handelt und nicht um Bezeichnungen, die einerseits gesellschaftliche Ordnungsmuster sind und andererseits politisch korrekte Begriffe für die jeweilige Gruppe. Wenn Antirassismus als &#8220;Gutmenschentum&#8221; diffamiert wird. Protest gegen Rassismus oder white supremacy als unprofessionell, nicht journalistisch arbeitend, zu emotional, nicht objektiv abgeschmetttert wird. (Ich spreche aus eigener Erfahrung. Unter anderem ein Grund, warum ich nicht mehr als Redakteurin in deutschen &#8220;Qualitätsmedien&#8221; tätig bin). Wenn Rassismus ein Schimpfwort oder ein &#8220;böses&#8221; Wort ist, ein Vorwurf, eine Meinung und kein gesellschaftlicher Fakt. </p>
<p>Ich ärgere mich über all das, weil sich Journalismus häufig als vierte Gewalt im Staat begreift, als meinungsbildend, als gesellschaftsabbildend, als kritisch. Bis auf letzteres trifft auch all das zu. Denn der Staat handelt rassistisch, die Gesellschaft handelt rassistisch und ist rassistisch strukturiert, die herrschende Meinung sagt: Es gibt keinen Rassismus in diesem Land. Nur rassismuskritisch, da hört es bei den meisten dann auf. </p>
<p>Wenn es hart auf hart kommt, wird Rassismuskritik in Beleidigung und Hetze von weißen gegen weiße Antiras umgewandelt, Schwarze Aktivist_innen und deren Stimmen kommen dann nicht mehr vor. Es könnte alles nicht zynischer sein.</p>
<p>Infos für Journalist_innen (auch zum aktuellen Fall):<br />
<a href="http://www.derbraunemob.de/deutsch/index.htm" target="_blank">http://www.derbraunemob.de/deutsch/index.htm</a> &#8211; rassismuskritische Media Watch Organisation<br />
<a href="https://www.facebook.com/SchlussMitBlackface" target="_blank">https://www.facebook.com/SchlussMitBlackface</a> &#8211; Kritik&#038;Abbildung der derzeitigen Berichterstattung<br />
<a href="http://riotmango.de/rassismus-ist-kein-kuenstlerisches-stilmittel" target="_blank">http://riotmango.de/rassismus-ist-kein-kuenstlerisches-stilmittel/</a> &#8211; Zusammenfassung der aktuellen Debatte mit hilfreichen Links<br />
<a href="http://maedchenmannschaft.net/unglaublich-aber-auch-2012-sind-rassistische-traditionen-noch-rassistisch/" target="_blank">http://maedchenmannschaft.net/unglaublich-aber-auch-2012-sind-rassistische-traditionen-noch-rassistisch/</a> -Ebenfalls Zusammenfassung der Debatte mit hilfreichen Links </p>
<p>Organisierung für Aktivist_innen:<br />
<a href="https://www.facebook.com/groups/207108692717136/" target="_blank">https://www.facebook.com/groups/207108692717136/</a> &#8211; Dort findet ihr auch die Mailadresse für eine Mailingliste, die <a href="http://about.me/sharonotoo" target="_blank">Sharon Dodua Otoo</a> initiiert hat.</p>
<p><iframe width="560" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/jZiZO6SWahY" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
 <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=3061&amp;md5=e780a485029f2f99a1e28b5385d92295" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Aktion Libero &#8211; Fast an die Wurzel</title>
		<link>http://medienelite.de/2011/11/16/aktion-libero-fast-an-die-wurzel/</link>
		<comments>http://medienelite.de/2011/11/16/aktion-libero-fast-an-die-wurzel/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 13:15:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entsaftet]]></category>
		<category><![CDATA[Zitrusfrüchte]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Homophobie]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit Interesse verfolge ich die erstmal sehr lobenswerte Aktion Libero, an denen viele viele Blogs teilnehmen, um sich gegen Homophobie im Fußball auszusprechen. Schaue ich mir die Seite genauer ein, stoßen mir viele Dinge auf: - UnterstützerInnen: Theo Zwanziger, der sich nach wie vor schützend vor die homophoben Ausfälle der DFB-Elf (samt Trainer und Management [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Interesse verfolge ich die erstmal sehr lobenswerte <a href="http://www.aktion-libero.de/" target="_blank">Aktion Libero</a>, an denen viele viele Blogs teilnehmen, um sich gegen Homophobie im Fußball auszusprechen. </p>
<p>Schaue ich mir die Seite genauer ein, stoßen mir viele Dinge auf:</p>
<p>- UnterstützerInnen: Theo Zwanziger, der sich nach wie vor schützend vor die homophoben Ausfälle der DFB-Elf (samt Trainer und Management stellt) und es SpielerInnen rät, sich nicht zu outen. Maria Furthwängler, die wesentlichen Anteil an einer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tatort:_Mord_in_der_ersten_Liga" target="_blank">homophoben Tatortfolge</a> hatte (wurde mir zu getragen &#8211; schaue Tatort nie), Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die seit Jahren völlig untätig ist. Nicht gerade Vorzeigefiguren. Positiv hervorzuheben ist die Arbeit von Tanja Walther-Ahrens. </p>
<p>- Unterscheidung zwische Fußball und Frauenfußball. Erstmal geht es um schwule Männer. In der linken Spalte darf mensch sich dann auch mit Lesben auseinander setzen. Wer jetzt kommt mit, aber Fußball wird doch viel häufiger von Männern gespielt oder Frauenfußball sei was anderes, gibt sich mit dem sexistischen Normalzustand im Fußball zufrieden und hinterfragt keine Ursachen. Sagen wir so, für Lesben gelten im Fußball andere Umstände als für Schwule, <a href="http://missy-magazine.de/2010/06/14/homophobie-im-fusball-alles-eine-frage-von-geschlechterinszenierungen/" target="_blank">ich hatte da mal was drüber gepinselt</a>, aber die Ursachen sind die gleichen.</p>
<p>- Thema Toleranz. Natürlich ist es wichtig, auf Probleme hinzuweisen. Und Homophobie ist neben Rassismus und Sexismus im Fußball ein wirklich sehr großes (und nicht nur da). Homophobie gehört der Kampf angesagt, doch ich glaube und weiß auch aus eigener Erfahrung, dass es wenig bringt, Toleranz einzufordern. Das hat schnell zur Folge, dass mensch das Andere zwar neben sich akzeptiert, es aber immernoch als anders betrachtet. Schnell gesellen sich auch vermeintliche Denkverbote hinzu. &#8220;Jetzt darf ich schwul nicht mehr als Schimpfwort benutzen&#8221;, ohne zu wissen, warum das Wort &#8220;schwul&#8221; außerhalb der Benutzung als Selbstbezeichnung problematisch ist. Oder das Ding von &#8220;Ich hab ja nichts gegen Homos, aber&#8230;&#8221;, &#8220;Ist zwar jetzt schwulenfeindlich, aber ich find&#8217;s witzig, denn ich hab ja nichts gegen Schwule&#8221;.<br />
Auf der Seite von Aktion Libero wird zwar gesagt, Sexualität darf keine Rolle spielen, doch das tut es. Auch mit Toleranz. Wenn ich auf Twitter Sprüche lese wie: &#8220;Es interessiert mich nicht, mit wem du vögelst, solange du gut kickst&#8221;, wird eines deutlich: Solange du die Leistung bringst, die ich von dir erwarte, darfst du dir meiner Homofreundlichkeit gewiss sein. Vielen Dank für das paternalistische Zugeständnis. Neben der sehr problematischen Verknüpfung mit Leistungsprinzipien, die eben auch genau im Fußball eine sehr schmerzliche Erfahrung für alle darstellt, die aus verschiedenen Gründen nicht die Spielleistung zeigen können und dann als Mutti, Weichling oder Schwuchtel gelten, finde ich merkwürdig, dass gar nicht an der Norm gekratzt wird: Heterosexualität und bestimmte Männlichkeitsvorstellungen. </p>
<p>Eine sehr gewichtige Ursache von Homophobie ist nämlich, dass diese beiden Dinge als Norm gesetzt werden, von der aus das Abweichende konstruiert und herabgesetzt wird. Wer schwul ist, gilt als unmännlich, wer nicht bestimmte Vorstellungen von Männlichkeit (Kraft, Stärke, Ausdauer, Härte, etc.) erfüllt, gilt als schwul. Schwul = scheiße. Toleranz einzufordern bedeutet nicht, diesen Vorgang sichtbar und kritisierbar zu machen. Es gibt Stimmen, die sagen, das sei überfordernd. Neben der klassistischen Implikation hinter dieser Aussage, nämlich Fußballfans und -spielerInnen als dumm und proletarisch hinzustellen, die angeblich nicht im Stande seien, diese eigentlich sehr einfach funktionierende Konstruktionsarbeit zu erkennen und deshalb lieber mit Toleranzforderungen zu konfrontieren, verkennt auch, dass sich Homophobie durch alle gesellschaftlichen Schichten zieht. Auch durch jene, in der sich reiche Supermacker wie Zwanziger aufhalten oder das sogenannte Bildungsbürgertum.<br />
Dann gibt es Stimmen, die sagen, Toleranzforderungen seien der erste Schritt, dann könne mensch auch das andere ansprechen. Sehe ich anders. Denn: Wie oft denn bitte noch? Seit wievielen Jahrzehnten gibt es Forderungen nach mehr Toleranz? Wie viel hat sich seitdem verbessert? Nicht viel. Zu sagen: Du musst tolerant sein und darfst deswegen &#8220;schwul&#8221; nicht mehr als Schimpfwort verwenden, ändert nichts im Denken der Menschen, dass schwule Fußballer eben eine Abweichung darstellen, bei der ich mir als Hete aussuchen kann, ob ich das toleriere oder nicht (bei entsprechender Leistung wohlgemerkt).</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Was könnte mensch also tun? Verwirrung stiften. Indem da nicht steht auf dem Eingangsfoto: Schwul/lesbisch, rund und grün, sondern hetero, rund und grün. Und dann die Leutchens mit ihrer Verwirrung abholen: &#8220;Sie dachten, hier ginge es eigentlich um Homos? Wieso eigentlich?&#8221; usw.</p>
<p>Noch am Rande: Die teilnehmenden Blogs <a href="http://metalust.wordpress.com/2011/11/16/aktion-libero/" target="_blank">finden für sich Themen</a>, wie sie mit der Aktion Libero umgehen, die Aktionsseite selbst, bleibt in der oft wiederholten Regenbogen-Toleranz-Ecke stehen, die nebenbei auch mal wieder Frauen* unsichtbar macht. Schade eigentlich.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>edit: gerade las ich noch eine andere Kritik an der Aktion, die auf das Symbol eingeht. Ich zitiere hier mal frech eine Konversation zwischen <a href="http://twitter.com/tutnurso" target="_blank">@tutnurso</a> und <a href="http://twitter.com/Voegelchen" target="_blank">@Voegelchen</a> >> &#8220;schonmal auf das symbol von @AktionLibero geachtet? bildsprache = voll daneben. vermittelt &#8220;schwul&#8221;, sei das &#8220;schwarz&#8221; auf dem rasen. #fail&#8221; &#8211; &#8220;oder das schwarze Schaf auf der Wiese&#8230;&#8221; &#8211; &#8220;anscheinend keine sensibilität für rassistisch aufgeladene symbolik. ein pinker punkt, hätte es doch auch getan&#8230;&#8221; &#8211; &#8220;&#8230;und dann wäre trotzdem noch was zum thema weiß-sein als unhinterfragte kategorie anzumerken. grmpf.&#8221;</p>
 <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=3000&amp;md5=1d34a693068ab82b88451a6861a5d626" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>Trans*plaining</title>
		<link>http://medienelite.de/2011/10/25/transplaining/</link>
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		<pubDate>Mon, 24 Oct 2011 23:27:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entsaftet]]></category>

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		<description><![CDATA[Sehr einfühlsame, witzige, überraschende und lehrreiche Doku über Trans*männer und ihre Lebensrealitäten. Danke für dieses tolle Stück Film!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr einfühlsame, witzige, überraschende und lehrreiche Doku über Trans*männer und ihre Lebensrealitäten. Danke für dieses <a href="http://videos.arte.tv/de/videos/meine_seele_hat_kein_geschlecht-4208734.html" target="_blank">tolle Stück Film</a>!</p>
<p><object classid="clsid:D27CDB6E-AE6D-11cf-96B8-444553540000" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=10,0,0,0" id="playerArte" allowScriptAccess="always" width="580" height="380" ><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="quality" value="high"></param><param name="movie" value="http://videos.arte.tv/videoplayer.swf?admin=false&#038;autoPlay=true&#038;localizedPathUrl=http%3A%2F%2Fvideos%2Earte%2Etv%2Fcae%2Fstatic%2Fflash%2Fplayer%2F&#038;mode=prod&#038;configFileUrl=http%3A%2F%2Fvideos%2Earte%2Etv%2Fcae%2Fstatic%2Fflash%2Fplayer%2Fconfig%2Exml&#038;videoId=4208734&#038;lang=de&#038;videorefFileUrl=http%3A%2F%2Fvideos%2Earte%2Etv%2Fde%2Fdo%5Fdelegate%2Fvideos%2Fmeine%5Fseele%5Fhat%5Fkein%5Fgeschlecht%2D4208734%2Cview%2CasPlayerXml%2Exml&#038;embed=true&#038;autoPlay=false"><embed src="http://videos.arte.tv/videoplayer.swf?admin=false&#038;autoPlay=true&#038;localizedPathUrl=http%3A%2F%2Fvideos%2Earte%2Etv%2Fcae%2Fstatic%2Fflash%2Fplayer%2F&#038;mode=prod&#038;configFileUrl=http%3A%2F%2Fvideos%2Earte%2Etv%2Fcae%2Fstatic%2Fflash%2Fplayer%2Fconfig%2Exml&#038;videoId=4208734&#038;lang=de&#038;videorefFileUrl=http%3A%2F%2Fvideos%2Earte%2Etv%2Fde%2Fdo%5Fdelegate%2Fvideos%2Fmeine%5Fseele%5Fhat%5Fkein%5Fgeschlecht%2D4208734%2Cview%2CasPlayerXml%2Exml&#038;embed=true&#038;autoPlay=false" width="580" height="380" allowFullScreen="true" name="playerArte" quality="high" allowScriptAccess="always" pluginspage="http://www.macromedia.com/go/getflashplayer" type="application/x-shockwave-flash"></embed></param></object></p>
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		<title>Parteiausschluss.</title>
		<link>http://medienelite.de/2011/09/20/parteiausschluss/</link>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 09:40:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Zitrusfrüchte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausschlüsse]]></category>
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		<category><![CDATA[Parteienpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Ach, der Angele schon wieder. Ich hatte mich ja einst schon über seine Borniertheit beschwert, die offenbar dann zum Vorschein kommt, wenn andere darauf aufmerksam machen, dass es sowas wie wirkmächtige gesellschaftliche Ungleichheiten gibt. Nun darf mensch im Freitag seine neueste Einlassung zur Piratenpartei bewundern. White Trash nennt er das gute Stück und weist darauf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ach, der Angele schon wieder.</p>
<p>Ich hatte mich ja einst schon <a href="http://medienelite.de/2011/06/28/repliken-auf-antirassistisches-wissen/">über seine Borniertheit beschwert</a>, die offenbar dann zum Vorschein kommt, wenn andere darauf aufmerksam machen, dass es sowas wie wirkmächtige gesellschaftliche Ungleichheiten gibt. Nun darf mensch im Freitag <a href="http://www.freitag.de/community/blogs/michael-angele/white-trash----piratenpartei-ohne-migranten">seine neueste Einlassung zur Piratenpartei</a> bewundern. White Trash nennt er das gute Stück und weist darauf hin, dass bei den Piraten nur weiße Männer drin hocken &#8211; ganz wie bei der NPD. WTF? werden sich da einige fragen und den Vergleich mit allen Parteien fordern. <a href="http://www.migazin.de/2011/06/30/migranten-in-stadtraeten-linke-gruene-union-fdp/">Da sieht es nämlich nicht viel besser aus</a>.</p>
<p>Wie Antje Schrupp erst kürzlich <a href="http://antjeschrupp.com/2011/09/19/die-etablierten-parteien-die-piraten-und-die-frauen/">wieder zurecht angemerkt hat</a>, ist Parteienpolitik ein durch und durch gegendertes (ergänzend: rassifiziertes, heteronormatives) Feld, nämlich insofern, dass dort nach wie vor nach dem &#8220;euromale white hetero&#8221; Standard gearbeitet wird. Die Parteien haben sich zwar im Laufe ihres Bestehens für Frauen (und andere Normabweichler_innen) geöffnet &#8211; weil&#8217;s ja anders kaum zu vertreten wäre, wie so ein Männerverein ein ganzes Land repräsentieren sollte &#8211; doch die Grundprobleme, nämlich die Normen und Kulturen in diesen Parteien, sind die gleichen. </p>
<p>Nun wäre ich sicherlich in der Pflicht, mal auf die Programme zu schauen. Ich kenne die nicht en detail, eher so im Überblick, was zumindest reicht, um eine Einschätzung zu geben: Die Themen sprechen unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen an (oder eben auch nicht). Leider wählt mensch neben attraktiveren Dingen auch immer die Katze im Sack. Emanzipative Politik ist auf Parteienebene immer an Bedingungen geknüpft, die mensch dann doch nicht unbedingt mitkaufen würde, aber ja muss, wenn mensch sich dafür interessiert, eine Partei zu wählen. Eine dezidiert queer/feministische, herrschaftskritische und antirassistische Programmatik findet sich in keiner Partei. Nicht mal in den Nischen der Kleinsten. Meist dienen solche Themen als Feigenblätter, um sich für bestimmte Zielgruppen attraktiv zu machen.</p>
<p>Denn wäre dem nicht so, würden das keine Feigenblätter und leisen Töne sein, ja dann würden die Parteien ja ganz anders aussehen, hinsichtlich ihrer Normen und Strukturen. Klar, gehören Grüne und Linke zu den progressiveren, aber die müssen sich nun auch nicht auf die Schulter klopfen. Parteienpolitik ist was für weiße Männer mit ausreichend Bildungsniveau. Parteienpolitik ist ein privilegiertes Feld. Parteienpolitik funktioniert wie ein <a href="http://www.migazin.de/2011/08/25/kaum-auslander-in-den-chefetagen-deutscher-unternehmen/">Unternehmen</a>. Die gleichen Strukturen, Werte und Normen, die sich an einer weiß-männlichen Erwerbs- und Lebensbiografie ausrichten. Wer rein möchte, darf natürlich rein, aber hat sich unter diesen Standard zu assimilieren, denn gleich sind wir ja alle und diskriminiert wird sicherlich &#8220;keiner&#8221;. Und wer nicht rein will, der_die ist eben politikverdrossen. Ganz einfache Rechnung. </p>
<p>Und wer sich über den Status Quo beschwert, der muss eben erstmal rein in die weiß-männliche Grotte und selbst was verändern, weil diskriminierende Strukturen eben von einzelnen Individuen, die ganz unten in der Hierarchie stehen, verändert werden müssen und nicht von der gesamten Organisation mit all ihren Mitgliedern. Mensch muss sich auffressen und all seiner politischen Kraft berauben lassen, kann da unten mal ein bisschen vor sich hin Diversity machen, während der Rest weiter in aller Seelenruhe mit soziopolitischen Scheuklappen arbeitet. </p>
<p>Und wenn du erst mal dem Tokenism-Effekt zum Opfer gefallen bist so als Frau/Migrant_in/Normabweichler_in, darfst du neben all deiner niedlichen Strukturmurkelei auch gleich noch die Themen bearbeiten, auf die sonst niemand Lust hat (weil Privilegien eben bedeuten, dass mensch sich Themen zur Bearbeitung aussuchen kann, die &#8220;er&#8221; für wichtig hält) und die so wunderbar zu deiner angedichteten &#8220;Kultur&#8221; als Frau/Migrant_in/Normabweichler_in passen. Weil Feminismus und Antirassismus doch bitte die bearbeiten sollen, die es direkt betrifft, nicht jene, die davon profitieren. Die Ergebnisse deiner Arbeit kann sich dann die ganze Partei als Gesamtleistung anheften, weil gleich sind wir ja alle und diskriminiert wird sicherlich &#8220;keiner&#8221;. Da achten wir schon drauf, dass es die &#8220;euromale white hetero&#8221; Standardangehörigen ja nicht schlechter haben.</p>
<p>So verfährt auch Michael Angele, wenn er sich das Wissen, das ihm laut eigener Aussage zu borniert erscheint, mal selbst zu eigen macht, um sich mit Hilfe einer Partei gleich mal ein bisschen progressiv zu fühlen. Progressiv bedeutet in vielen Fällen leider nicht &#8220;mit Wissen glänzen&#8221;, denn sonst würde er nicht behaupten, &#8220;wie homogen unsere ach so toleranten, so liberalen &#8216;künstlerisch-kulturellen Milieus&#8217; sind&#8221; (zu denen er sich wahrscheinlich auch selbst rechnet, wenn er nicht gerade &#8216;progressive&#8217; Artikel für den Freitag schreibt). </p>
<p>Denn Herr Angele, so viel Differenzierungsarbeit muss schon sein, es sind die &#8216;künstlerisch-kulturellen Milieus&#8217;, zu denen sicherlich keine einzige Partei gehört, in denen Menschen, die nicht zur Norm passen (wollen), noch die meisten Entfaltungsmöglichkeiten haben. Aber wenn mensch nur in starren &#8220;euromale white hetero&#8221; Standard-Institutionen denkt, kommt mensch da auch nicht drauf. Ich empfehle die kulturwissenschaftlichen Einlassungen von People of Color zu diesem Thema. Fangen wir mit <a href="http://www.eipcp.net/bio/steyerl">Hito Steyerl</a> an.</p>
<p>Vielleicht wäre es eh sinnvoll, sich mal eingängig mit denen zu beschäftigen, die angeblich überall mitmachen dürfen. Vielleicht würde mensch dann endlich bemerken, wie kleinteilig, selbstreferenziell und homogen die eigene Politik, das eigene Denken ist. Wenn dem nicht wieder die Privilegien einen Riegel vorschieben.</p>
 <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=2893&amp;md5=332a4f5062f17f5be018605774649de3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Manosphere, Udo Vetter und die Aufklärung.</title>
		<link>http://medienelite.de/2011/07/13/manosphere-udo-vetter-und-die-aufklaerung/</link>
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		<pubDate>Wed, 13 Jul 2011 08:39:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entsaftet]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein letzter Artikel war Anlass für Blogosphären-Liebling Udo Vetter einen eigenen Artikel zu veröffentlichen. Laut diesem Artikel bin ich nur deshalb nicht durchgeknallt, weil ich eine journalistische Ausbildung habe, möchte im Mittelalter leben, den Willkürstaat einführen und die Menschenrechte abschaffen. Nun, spannend, was alles so in Artikel hineingelesen werden kann. Ich gebe zu, meine Kritik [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein letzter Artikel war Anlass für Blogosphären-Liebling Udo Vetter <a href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2011/07/12/der-rotz-der-unser-leben-lebenswert-macht/">einen eigenen Artikel</a> zu veröffentlichen. Laut diesem Artikel bin ich nur deshalb nicht durchgeknallt, weil ich eine journalistische Ausbildung habe, möchte im Mittelalter leben, den Willkürstaat einführen und die Menschenrechte abschaffen.</p>
<p>Nun, spannend, was alles so in Artikel hineingelesen werden kann. Ich gebe zu, meine Kritik an der Aufklärung, war etwas kurz gefasst, zu polemisch, um allgemein verständlich und nachvollziehbar zu sein. Es sind ja bereits ganze Bücher darüber verfasst worden, warum die Aufklärung zuvor durch Gott legitimierte Ungleichheiten in der Gesellschaft lediglich intellektualisiert umcodiert hat. Kant war ein Rassist, der Schriften über Menschenrassen und die &#8220;wilden Ureinwohner&#8221; verfasst hat. Schriften über Weiße als &#8220;überlegene Menschen&#8221;, die Vorläufer vom Herrenrassenmodell. Das sind Tatsachen. Dass die französische Revolution und der Kampf der Bürgerlichen um Demokratie zunächst einmal nur die Rechte von Männern absicherte, ist auch Tatsache. Das &#8220;allgemeine&#8221; Wahlrecht bedeutete das Wahlrecht für Männer, das feministische Bewegungen erst für Frauen erkämpfen mussten. Dass Rassismus eine Legitimationsgrundlage ist, die von den Erben der Aufklärung erfunden und institutionalisiert werden musste, um koloniale Eroberungen trotz Gültigkeit universaler Menschenrechte zu rechtfertigen, das sind ebenfalls Tatsachen. Tatsachen, die zum Allgemeinwissen gehören. Sollten. Auch zu dem von Udo Vetter.</p>
<p>Dass Recht durch Gesellschaft geformt wird, die von Machtverhältnissen durchzogen ist, ist ebenfalls unumstritten. Für Udo Vetter ist Gesellschaft aber offenbar genauso ein abstrakter Begriff wie Rechtsstaat und Willkürstaat, die er gegenüberstellt und die im Text als einziges Argument gegen meine Strukturkritik dienen. Mich verwundert das, ist Vetter doch Jurist. Hier hätte ich mir gewünscht, die Argumentation ginge tiefer, wie es <a href="http://mindinprogress.wordpress.com/2011/06/03/in-dubio-pro-media-oder-was-eine-diskussion-uber-den-kachelmann-prozess-sonst-noch-so-spiegelt/">hier</a> und <a href="http://maedchenmannschaft.net/wie-sich-vergewaltigungsverharmlosung-in-den-gerichten-wiederfindet/#comment-41187">hier</a> passiert ist. </p>
<p>Als Strafverteidiger muss Vetter ja nicht die Prozeduren in der Verfolgung von Sexualdelikten kennen, er muss sich auch nicht mit der <a href="http://maedchenmannschaft.net/wie-sich-vergewaltigungsverharmlosung-in-den-gerichten-wiederfindet/">Kritik daran</a> auseinandersetzen, wenn es nicht das Feld ist, auf dem er arbeitet. </p>
<p>Und natürlich weiß ein Udo Vetter das auch, denn zur Kritik und zur Strafverfolung von Sexualdelikten selbst erfahren wir in seinem Artikel nichts. Auch mit dem oben zitierten Allgemeinwissen hält er hinterm Berg: Aufklärung und Rechtsstaatlichkeit sind unumstößliche Wahrheiten und Errungenschaften der westlichen Hemisphäre. Natürlich hat die Aufklärung auch was Gutes gebracht: Dass es Menschen wie Udo Vetter im hiesigen System blendend geht, weshalb es auch eine Unverfrorenheit darstellt, wenn seine Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt werden. Und dass solche uninformierten und selbstgefälligen Artikel auf Kosten anderer, die Sexismus, Beleidigungen und reaktionäres Gewäsch (gepaart mit reichlich Islamophobie) in Hülle und Fülle generieren, durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist.</p>
<p>Der Rotz, der Ihr Leben lebenswert macht, Herr Vetter.</p>
<p>edit: ich muss mich korrigieren. <a href="https://www.haufe.de/recht/newsDetails?newsID=1309957243.08">Offenbar hat sich Udo Vetter schon mit Vergewaltigungsprozessen beschäftigt</a>. Angeklagte haben also vor Gericht weniger Macht als Ankläger_innen, die Richter_innen glauben immer dem mutmaßlichen Opfer und es sei besser Schuldige freizusprechen, als Unschuldige in den Knast zu schicken. Diese Aussagen hätte ich gern im Kontext &#8220;Realität&#8221; gespiegelt. Weiterführende Links oben und im <a href="http://medienelite.de/2011/07/06/temporar-hassen-und-langfristig-dagegen-sein/">Ursprungstext</a>.</p>
 <p><a href="http://medienelite.de/?flattrss_redirect&amp;id=2822&amp;md5=f31e8375c4b66a76301187defa56762c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://medienelite.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Repliken auf antirassistisches Wissen. Eine Replik.</title>
		<link>http://medienelite.de/2011/06/28/repliken-auf-antirassistisches-wissen/</link>
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		<pubDate>Tue, 28 Jun 2011 10:39:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entsaftet]]></category>
		<category><![CDATA[Zitrusfrüchte]]></category>
		<category><![CDATA[Migrationshintergrund]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Deniz Utlu, Mitautor des Buches &#8220;Wie Rassismus aus Wörtern spricht &#8211; (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache&#8220;, hat seinen darin enthaltenen Beitrag über &#8220;Migrationshintergrund&#8221; gekürzt im Freitag veröffentlicht. Er weist darauf hin, wie sehr dieses Wort in Semantik und Verwendung Rassismus reproduziert und Rassifizierung befördert. Zur Genealogie des Begriffes empfehle ich unkommentiert noch einmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Deniz Utlu, Mitautor des Buches &#8220;<a href="http://www.unrast-verlag.de/unrast,2,350,20.html" target="_blank">Wie Rassismus aus Wörtern spricht &#8211; (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache</a>&#8220;, hat seinen darin enthaltenen Beitrag über &#8220;Migrationshintergrund&#8221; gekürzt im Freitag veröffentlicht. Er weist darauf hin, wie sehr dieses Wort in Semantik und Verwendung <a href="http://www.freitag.de/kultur/1125-haupts-chliche-nebensache" target="_blank">Rassismus reproduziert und Rassifizierung befördert</a>. Zur Genealogie des Begriffes empfehle ich unkommentiert noch einmal den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Migrationshintergrund" target="_blank">Wikipedia-Eintrag</a> dazu.</p>
<p><a href="http://www.freitag.de/community/blogs/michael-angele/cem-oezdemir-und-der-migrationshintergrund--replik-auf-deniz-utlu" target="_blank">Nun erschien heute im Freitag eine Replik auf Utlus Beitrag.</a> Eine sehr bezeichnende Replik, auf die ich an dieser Stelle etwas genauer eingehen will.</p>
<p><span id="more-2808"></span></p>
<p>Beginnen wir beim <strong>Autor</strong> selbst: Michael Angele, weißer Mehrheitsdeutscher (wäre dies nicht zutreffend, hätte Angele evtl. nicht diesen Text geschrieben und/oder auf seinen &#8220;Migrationshintergrund&#8221; hingewiesen, später mehr), Kulturredaktion Der Freitag, cis-männlich, ich schätze 35-45 Jahre alt.</p>
<p>Der Text beginnt mit der <strong>Überschrift</strong> &#8220;Cem Özdemir und der Migrationshintergrund&#8221;. Cem Özdemir ist Bundesvorsitzender der Grünen, hat einen nicht-deutsch klingenden Namen und wird in eine Zeile gepackt mit dem Wort, das Utlu aus oben genannten Gründen für problematisch hält. Nuff said.</p>
<p>Im Text ist <strong>kein Verweis auf den Text von Utlu</strong>, umgekehrt aber in Utlus Text ein Verweis auf den von Angele. Nun könnte mensch hier Nachlässigkeit unterstellen, ich glaube nicht an Zufälle, das tut aber nichts zur Sache. Fest steht, dass mensch nach Utlus Originaltext selbst suchen muss und hier nicht gleichwertig zwei Beiträge zu einem Thema nebeneinander stehen.</p>
<p>Angele beginnt seinen Text mit einer Zustimmung zu Utlus Hauptaussage, endet dann mit dem Satz, &#8220;Migrationshintergrund&#8221; sei ein <strong>Werkzeug der politischen Korrektheit</strong>. Wir wissen alle, wie dieser Begriff besetzt ist und welche Milleus ihn verwenden um Antidiskriminierungsarbeit (in welcher Form auch immer) zu diskreditieren. Meistens wird er auch verwendet, um sich darüber zu beschweren, nicht mehr diskriminieren zu dürfen.</p>
<p>Weiter geht es dann mit einem <strong>ausführlichen Bashing der mittlerweile epistemischen Begriffscollage &#8220;Konstrukt des Anderen&#8221;</strong>.</p>
<blockquote><p>Heerscharen von sich progressiv dünkenden Studenten der Soziologie, Philosophie, Ethnologie usf. wurden damit verblendet. Ich kann es nicht mehr hören. Einerseits ist es eine Binse, dass &#8220;der Andere&#8221; ein Konstrukt ist, also schlicht von selbst nicht vorkommt, andererseits ist der Begriff bestens geeignet, dumm zu machen. Erfahrungen auszublenden, Wahrnehmungen zu leugnen, Differenzen zu unterschlagen.</p></blockquote>
<p>Dieses Zitat ist aus mehreren Gründen sehr interessant: Angele besetzt diesen Begriff mit durchgehend negativen Konnotationen, obwohl er ganz offensichtlich nicht weiß, woher er stammt, in welchen Zusammenhängen &#8220;die Anderen&#8221; und &#8220;Konstruktionen&#8221; verwendet werden. Menschen, die die abendländische Philosophie kritisieren, das Weltmachtstreben des globalen Westens oder Rassismus kritisieren, wollen also &#8220;dumm machen&#8221;, sind &#8220;verblendet&#8221;, werfen mit &#8220;Binsenweisheiten&#8221; um sich. Angele meint also, das Wissen kritischer Wissen(schaft)sfelder sei bereits in den Alltag gedrungen, Utlu würde &#8220;uns&#8221; nichts neues erzählen. Ha, jeden Tag treffe ich lauter Antirassist_innen an. Ist das nicht toll?</p>
<p>Mit dem letzten Satz hat Angele sogar recht, allerdings hat er den Zusatz: &#8220;des weißen Subjekts&#8221; vergessen. Wer_welche mit der epistemischen Begriffscollage &#8220;Konstruktion des Anderen&#8221; keine negativen Eigenschaften verbindet und sich in bestimmten kritischen Wissensfeldern verortet, weist die universal gesetzte weiße Sicht auf die Dinge (die nicht erst mit der Aufklärung hegemonial wurde) zunächst von sich und kehrt den Blick um. Ich möchte hierbei nochmal an die soziale Positionierung von Angele erinnern.</p>
<p>Dann fährt Angele fort mit einem Beispiel aus seinem Leben. <strong>Individualisierte Argumentationen</strong> sind immer sehr en vogue, wenn versucht wird, kritisches Wissen als nichtig hinzustellen. Außerdem: Erfahrungen von weißen Männern um die 40 sind sowieso total wichtig und allgemeingültig (Hatte ich schon das hegemoniale weiße Subjekt (das meistens männlich war/ist) erwähnt?). Eine Fußballmannschaft, die aus &#8220;Ur-Deutschen&#8221; (Zitat Angele) und den Anderen besteht:</p>
<blockquote><p>Es gibt zwei große Blöcke: Ur-Deutsche und Türken, daneben Polen, Albaner, Slowaken, Schweizer. Man müsste natürlich zu jedem dieser Bezeichnungen Anführungszeichen setzten, denn der eine Türke hat einen deutschen Pass und der andere ist eigentlich ein Kurde. Usf. Aber bitte, machen wir es nicht zu kompliziert an dieser Stelle.</p></blockquote>
<p>Immer so kompliziert alle richtig zu benennen. Ich leide förmlich mit. <strong>Dichotomien-Bingo und Negierung von Selbstbezeichnungen</strong> ist deshalb so charming und selbstverständlich, weil Angele als Mitglied einer rassifizierenden und rassistischen Mehrheitsgesellschaft nie gezwungen wurde &#8220;das Andere&#8221; korrekt zu benennen, geschweige denn sich Wissen darüber anzueignen. Sanktionierung von simplifizierenden Darstellungen fand nie statt. Die Definitionsmacht liegt bei ihm/seiner sozialen Gruppe.</p>
<p>Der nächste Teil beschäftigt sich weiter mit den Beobachtungen Angeles, wie Türken und &#8220;Ur-Deutsche&#8221; Fußball spielen. Was &#8220;Ur-Deutsch&#8221; ist, erfahren wir übrigens nicht. Nur, dass die Türken irgendwie so und so spielen und dass Cem Özdemir ein grottiger Kicker ist. In diesem Zitat offenbart sich Angeles gesamte <strong>Unkenntnis der Thematik und das Universal-Setzen seiner eigenen Beobachtungen</strong>:</p>
<blockquote><p>Unabhängig davon, ob man diese Auffälligkeit nun den Genen meiner Mitspieler oder ihrer Sozialisation zuschreibt, ist das kein &#8220;Konstrukt&#8221; (oder doch nur in einem sehr, sehr allgemeinen und somit unnützen Sinn). Es ist eine Tatsache.</p></blockquote>
<p><strong>Biologismus und Sozialisationstheorien</strong> sind ein bisschen langweilig. Davon mal ganz abgesehen, hat Angele überhaupt nicht verstanden was mit &#8220;Konstruktion des Anderen&#8221; gemeint ist (ich wiederhole mich). Zu dem, was Angele als &#8220;Tatsachen&#8221; definiert sage ich mal so viel: Er kommt nicht auf die Idee, dass sein Blick verzerrt ist, von Ungleichheiten, die unseren Alltag durchziehen, die wir uns antrainiert haben, von rassistischem Wissen, das uns eingeschrieben ist und erst diese Beobachtungen ermöglicht. Er ist halt ein weißer Mann, Mitte 40 (ohne Migrationshintergrund, denn den gibt es für weiße Mehrheitsdeutsche natürlich nicht.), er muss das auch nicht wissen.</p>
<p>Was will uns Angele also mit seinem Text sagen? Dass er es okay findet, Rassifizierungen durch Sprache voranzutreiben, statt diese Dichotomie zwischen dem unsichtbaren Wir und dem rassifizierten Anderen zu kritisieren und nach seiner Auflösung zu streben. Dass Deniz Utlu ein &#8220;pseudosoziologischer Keulenschwinger&#8221; ist, der ihm und seiner Gruppe der weißen Mehrheitsdeutschen das Leben schwer machen will. Angele kann aufatmen. Er hat dazu beigetragen, dass das noch ein bisschen dauert.</p>
<p><strong>Ergänzung</strong>: Da ich bei soviel Borniertheit und Demonstration weißer Überlegenheit gern mal polemisch werde &#8211; Angeles Text ist eine Beleidigung. Weil er es nicht schafft, sich argumentativ auf der gleichen Ebene wie Utlu zu bewegen, geschweige denn den Ursprungstext nachvollziehen will. Die Zustimmung eingangs ist lediglich ein rhetorischer Kniff für diplomatische Wertschätzung, ein Pappmaché, das verbergen soll, was danach kommt: Mit Alltagswissen und uninformierter Kritik auf  die Destillation eines Wissensvorrats zu antworten, mit denen sich Menschen wie Angele nicht beschäftigen müssen.</p>
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		<title>Warum Migrant_innen rassistisch sein dürfen. Aber nicht zu viel.</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Jun 2011 08:54:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>lantzschi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entsaftet]]></category>
		<category><![CDATA[Zitrusfrüchte]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[White Supremacy]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute morgen las ich diesen Artikel von Katrin Schuster, die sich berechtigterweise über die rassistischen wie klassistischen/sozial- und wohlstandschauvinistischen Biases im Artikel von Mariam Lau in der Zeit echauffiert. Da es ja zur Zeit wieder in Mode ist, über Frauen und ihr Tun zu urteilen (statt sich mit Systemfragen zu beschäftigen) und das Wort Macht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute morgen las ich diesen <a href="http://www.katrinschuster.de/2011/06/16/ich-mach-mir-die-welt-widdewidde-wie-sie-mir-gefallt/" target="_blank">Artikel von Katrin Schuster</a>, die sich berechtigterweise über die rassistischen wie klassistischen/sozial- und wohlstandschauvinistischen Biases im Artikel von Mariam Lau in der Zeit echauffiert.</p>
<p>Da es ja zur Zeit wieder in Mode ist, über Frauen und ihr Tun zu urteilen (statt sich mit Systemfragen zu beschäftigen) und das Wort Macht wieder ungünstige Konnotationen bekommt, passt auch der Artikel von Mariam Lau ganz gut rein. Mariam Lau findet sich selbst so emanzipiert, dass sie gleichzeitig über Germany&#8217;s Next Top Model Models lästern darf und ihrer Tochter großmännisch(!) das Gucken dieser Daily Soap erlaubt. Models in GNTM sind dumm, Unterschicht und/oder haben Migrationshintergrund. Ein bisschen Sarrazin darf neben Frauenbashing also nirgendwo fehlen.</p>
<p>Nun verwundert es wenig, dass die Mainstreampresse mit backlashigen Artikeln glänzt, die Rolle von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mariam_Lau">Mariam Lau</a> muss in dieser Debatte allerdings auch unterstrichen werden. Mariam Lau ist Tochter eines Iraners. Tochter einer sozial privilegierten Familie. Ich lernte Miriam Lau vergangenen Herbst beim Genderkongress der Bundeszentrale für politische Bildung kennen. Sie moderierte dort das Panel &#8220;Gender in der Migrationsgesellschaft&#8221;. Mit ihr auf dem Podium saß u.a. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lamya_Kaddor">Lamya Kaddor</a>, die kürzlich das Buch &#8220;Muslimisch, weiblich, deutsch. Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam&#8221; herausbrachte. Auffällig ist hierbei für alle, die den letztjährigen Sarrazin-Rausch mitbekommen haben, wie sehr migrantische Stimmen im vergangenen Jahr gepusht wurden. Müsste mensch eigentlich gut heißen. So ein kritisches Gegending zum neuen Volksrassisten. Wir erinnern uns vielleicht auch an das &#8220;<a href="http://www.zeit.de/2011/10/Manifest-gegen-Sarrazin">Manifest der Vielen</a>&#8221; unter Herausgeberinnenschaft von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hilal_Sezgin">Hilal Sezgin</a>.  Ich empfehle, die Links wirklich zu klicken und auf sich wirken zu lassen.</p>
<p><span id="more-2804"></span></p>
<p>Ich schrieb &#8220;Pushen&#8221; absichtlich im Passiv, denn es dürfte nichts neues sein, dass Migrant_innen hierzulande von der Mehrheitsgesellschaft autorisiert werden müssen, bevor sie sich zu stimmgewaltig zu Wort melden dürfen. Hinzu kommt, dass es bestimmte Stimmen sind. Stimmen, die vermeintlich kritisch gegen Rassismus argumentieren, aber sich doch immer wieder so positionieren müssen, dass sie nicht weh tun. Ergo: &#8220;Rassismus ist voll doof, aber manches kommt halt nicht von ungefähr. Ich muss auch gleich dazu sagen, dass ich nicht eine_r von denen bin, die ihr rassistisch markiert und ausgrenzt&#8221;.</p>
<p>Die sogenannten VIP-Migrant_innen (der Begriff stammt nicht von mir, sondern aus dem rassismuskritischen und postkolonialen Diskurs) sind allesamt Gewinner_innen eines rassistischen Systems. Ausnahmen. Privilegiert durch ihre Schichtzugehörigkeit und weil ihre Herkunft zwar irgendwie bedrohlich für weiße Deutsche, aber eben durch höhere Stellungen in anderen sozialen Positionen doch auch okay ist. Leute, die es durch individuelle Leistung zu was gebracht haben. Vorzeigebeispiele der Rassist_innen, die meinen, so etwas wie Strukturen gäbe es nicht. Mensch müsste sich nur anstrengen. Wer unten bleibt, ist selbst schuld. Und eben Migrant_innen, die sich nicht grundsätzlich einem rassistischen Diskurs widersetzen, sondern in ihm agieren und sich einpassen, kritisch zu offensichtlichen Wichsvorlagen wie Sarrazin und halbkritisch zu Pseudoislamkritiker_inenn wie Ates, Hirsli Ali und Kelek, aber immerhin auch mehrheitsgesellschaftlich toleriert.</p>
<p>Diese eher multikultifreundlichen und reformerischen Perspektiven sind in ihrer (positiven) Wirkmächtigkeit nicht zu unterschätzen, aber es ist nun mal leider so, dass Stimmen, die sich außerhalb dessen bewegen, gar nicht gehört oder diskreditiert werden. Stimmen, die darauf hinweisen, dass auch ein systemischer Rassismus das Prinzip &#8220;Teile und Herrsche&#8221; installiert hat, das Rassifizierte aufspaltet in Menschen, die &#8220;passen&#8221; (von engl. to pass, was in etwa bestehen und durchkommen heißt) und Menschen die weniger oder gar nicht passen, sondern marginalisiert bleiben. Eine Hierarchisierung der Anderen sozusagen.</p>
<p>Beim Panel &#8220;Gender in der Migrationsgesellschaft&#8221; war Lau, obwohl sie eigentlich moderierend tätig sein sollte, immer dabei, kritischere Standpunkte als ihre abzuwerten und Frauen wie Kaddor beizupflichten. Während Kaddor liberal und individualistisch argumentierte, war Laus Position offensichtlich eine konservativere, die die &#8220;kritische Mehrheitsgesellschaft&#8221; repräsentierte. Immer sticheln, immer piesacken, durchzogen von rassistischen und sozialchauvinistischen Biases. Das nervte sogar das mehrheitlich weiße Publikum (allerdings waren die meisten hier dem akademischen, rassismussensiblen und/oder kritisch linken bis linksradikalen Spektrum zuzuordnen), das sie irgendwann für ihr dominantes Auftreten sanktionierte.</p>
<p>Was Menschen wie Sezgin, Lau, Kaddor, etc. tun ist nichts weiter als der Mehrheitsgesellschaft nach dem Mund zu reden. Nicht, weil sie Rassismus beipflichten, sondern weil sie mit ihren Argumenten einen rassistischen Diskurs stützen, über den sie niemals werden selbstständig bestimmen können. Einen Diskurs, der die Menschen in Gruppe 1 und Gruppe 2 aufteilt, in Wir und die Anderen. Die Anderen sind in der Rechtfertigungsposition, die Mitglieder des &#8220;Wir&#8221; bilden die Normalität ab, die unhinterfragt und meist unsichtbar vor sich hin rassifizieren kann. Zugehörigkeiten zu Gruppe 1 und Gruppe 2 müssen immer wieder bestätigt, (re)aktualisiert, abgelehnt und mit Leben gefüllt werden. Wer_welche woanders in privilegierter Stellung ist, kann sich glücklich schätzen, dass von ihm_ihr weniger Positionierungsarbeit abverlangt wird als anderen. Deswegen hat mensch dann auch Zeit und Ressourcen Bücher über Multikulti und Islam zu pinseln, auf Podien zu sitzen und für die Zeit zu schreiben, während andere ihr Dasein in der Residenzpflicht fristen. Das macht den rassistischen Diskurs auch so tricky: Er scheint so unhinterfragbar, unauflösbar und subtil, durchdringt jeden kleinen Winkel unseres Alltags.</p>
<p>Auch den Alltag von Mariam Lau, die in der Zeit gegen &#8220;dumme Unterschichtsmigrant_innen&#8221; bashen kann, als sei das irgendwie originell und kritisch. Interessant an der Kritik an Laus Artikel, die ich ganz oben verlinkt habe, waren auch die Kommentare. Dort äußerten sich gleich mehrere, dass sie es überhaupt nicht nachvollziehen können, wie eine Migrant_in wie Lau über ihre eigene Sippe lästert. Zu einem Rassismus gehört es auch, dass White Supremacy noch nicht mal die Rassifizierten entscheiden lässt, wen oder was sie diskriminieren dürfen. Unerhört! Migrant_innen sind auch rassistisch. Das darf eigentlich nur ich! Hier wird deutlich, wer_welche rassistische Diskurse bestimmen: Weiße. Wenn Weiße über Weiße abranten, spielt Hautfarbe/Herkunft natürlich nie eine Rolle. Nicht-Weiße fragen dann auch nicht brüskiert, wieso wir Weißen über unsere Sippe ablästern.</p>
<p>Dem White <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Gaze">Gaze</a> kann sich auch Mariam Lau nicht entziehen. Sie wird sofort mit denen in einen Topf geschmissen, von denen sie sich doch eigentlich abgrenzen wollte. Schade, der Punkt im Spiel &#8220;Rassismus vs. Rassismus&#8221; ging dann wohl nicht an Sie!</p>
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