Posted on Feb 16, 2012

Wie wollen wir im Netz füreinander Verantwortung tragen?

Seit geraumer Zeit beschäftigt mich der Gedanke, welche Strategien und Praxen es für Räume des Netzes (Chats, Foren, Mailinglisten, Twitter, Facebook, Blogs, etc.) gibt, die mit den dort stattfindenden sexualisierten Übergriffen, Formen verbaler Gewalt, Stalking, Mobbing, *istische Beleidigungen, Hate Speech – einen sensiblen und verantwortungsbewussten Umgang finden, welcher die Bedürfnisse von Betroffenen und potentiell Betroffenen in den Vordergrund stellt. 1

Es ist auffällig und ich schrieb das ja schon mal, dass feministische Gedanken zumindest im Netz eine höhere Reichweite besitzen (können) als noch vor ein paar Jahren. Die “feministische Netzgemeinde” wächst stetig, einzelne Personen gewinnen mehr Einfluss, mensch macht sich halt so Gedanken, warum da eine_r jetzt so emanzipatorisches Zeug ins Netz pustet, schließt sich vielleicht an, lehnt es ab, braucht noch ein paar Minuten länger zum Nachdenken. Die Vernetzung untereinander ist fester und stärker (so zumindest mein Eindruck), mensch trifft sich auch außerhalb des Internets gelegentlich, ein paar Freund_innenschaften sind auch entstanden.

Die “feministische Netzgemeinde” (im Folgenden “wir” – jede_r darf sich hier angesprochen fühlen, die_der meint sich angesprochen zu fühlen) ist sehr heterogen, vielleicht nicht unbedingt von ihren sozialen Positionen her (was definitiv schon etwas aussagt, aber jetzt hier nicht Thema sein soll), allerdings von ihren theoretisch-praktischen. Alle erdenklichen Feminismen sind vertreten, mal mehr, mal weniger diskursiv wirkmächtig, aber es gibt sie. Und je nach dem, welche Position eine_r vertritt, erntet sie_er dafür Zustimmung, Kritik, Ablehnung bishin zur Anfeindung. Das ist jetzt einigen von uns z.T. mehrfach passiert, mensch steht diese Phasen der Hasswellen irgendwie durch, macht das mit sich allein aus oder redet mit Freund_innen drüber, mit anderen Feminist_innen (offline wie online) und danach ebbt das ab. Was zurückbleibt ist ein bisweilen merkwürdiger Bekanntheitsgrad, Außenstehende bilden sich dann ihre Meinungen und mit dieser vorgefertigten wird daraufhin jeder neu geschriebene Text gelesen und kritisiert. Das ist erstmal ein “normaler” Vorgang, den ich nicht weiter kritikwürdig finde, ich fasse das mal unter Hermeneutik ;)

Nervig bis übergriffig wird es allerdings, wenn mensch für jeden Furz von der Seite angeblökt wird von irgendwelchen “Kritiker_innen”, ständig der eigene Name in den wüstesten Zusammenhängen auftaucht, @replies auf Twitter eintrudeln, Mails kommen, in denen die eigene Fickbarkeit analysiert wird ohne mit der Wimper zu zucken, als sei es das Normalste der Welt, fremden Leuten EMails zu schreiben und über ihre Person und ihre Sexualität wild in den Raum zu fantasieren, heterosexistische Sprüche abzulassen, Grenzen zu überschreiten. Kann mensch die Maskulisten recht einfach im Netz verorten, die sich ja eher selbst zum Gespött machen mit ihren abstrusen Thesen, die Vergewaltigungsandrohungen per Mail irgendwann überlesen werden (dickes Fell ftw!), sind es gerade die “Kritiker_innen”, die mir in diesem Zusammenhang etwas Sorge bereiten. Es ist eigentlich nur eine Frage des Wann, nicht des Ob, mensch wieder zur Zielschiebe antifeministischer und übergriffiger, hämischer und *istischer Ausgüsse über die eigene Person wird.

Offenbar fühlen sich genügend Menschen in irgendeiner Form durch die Äußerungen einiger Feminist_innen derart bedroht und belästigt, dass sie keine Gelegenheit ungenutzt lassen, um im Geheimen oder auch ganz öffentlich für alle einsehbar ihre Verbalattacken loszulassen. Don’t feed the trolls heißt es ja bekanntlich und wer mich kennt, weiß, dass ich von dieser beschissenen Anweisung wenig halte, verlagert sie die Verantwortung zu den Betroffenen.

Besonders tricky werden diese ständigen Attacken durch die Eigentümlichkeit des Netzes besonders kurze Kommunikationswege zur Verfügung zu stellen, so dass mensch über maximal 10 Ecken sofort zur ersten und zur letzten Ecke gelangt, manchmal sind die Ecken auch Bekanntschaften, Kumpels, Freund_innen. Im Netz kennt mensch sich, ohne sich dafür jemals in real getroffen haben zu müssen. Und, das darf bei allen Personenfragen nicht außen vor gelassen werden, es sind nicht immer ad hominem Geschichten, die eine_r im Netz kalte Schauer über den Rücken jagen oder das Triggerpotenzial in die Höhe schnellen lassen, sondern oft auch (egal ob unbedarft-naiv oder gewollt) Äußerungen zu Themen, mit denen sich (nicht nur) Feminist_innen seit Jahrzehnten und -hunderten beschäftigen. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Geschichte auf Twitter als ein bekannter Netzmann damit prahlte, sich ein T-Shirt drucken zu lassen, auf dem sinngemäß stehen sollte, dass er ein Vergewaltigungsapologet sei (und stolz drauf). Anlass war ein relativ polarisierender Text über Äußerungen und Einstellungen, die eine rape culture befördern (können). Der Text richtete sich ausschließlich an ein “männlich” gedachtes Publikum aus Sicht einer “weiblich sozialisierten” Person. Nun, einige Aussagen darin fand ich auch eher schwierig, ist aber Frage der feministischen Perspektive und kein Grund für irgendwen sich über reale Phänomene wie rape culture und Betroffene lustig zu machen in Form eines aufmerksamkeitsheischenden Tweets, der oft zitiert wurde und viel Zustimmung fand.

Mir ist es schleierhaft, warum sich Personen mit Dingen auseinandersetzen, die sie ablehnen und lächerlich finden, von denen sie auch keine Ahnung haben und sich auch nicht näher damit beschäftigen möchten (in Form von vorsichtigem, interessiertem Nachfragen oder selbstständiger Wissensaneignung). Wahrscheinlich weil es im Rahmen von vermachteten Diskursen (wo klar ist, welche Sprecher_innenposition das Privileg der Definitionsmacht besitzt) ein einfaches ist, bestimmte Hegemonien zu pflegen ohne dafür auch nur ansatzweise Kritik oder Sanktion zu erfahren. Im Gegenteil: Es klatscht Beifall, male (oder antifeminist) bonding galore, ist Anlass für persönliche Attacken oder schlicht Selbstvergewisserung und Machtdemonstration.

Das war jetzt mal so ein Querschnitt durch meine tägliche Erfahrungswelt im Netz, aber auch jener Erfahrungswelten von anderen Feminist_innen, die sich jetzt irgendwie mitgemeint fühlen oder selbiges erlebt haben. Nur mal so, um das Problem aufzureißen, von dem ich mir eine intensivere Bearbeitung wünsche, weil das Netz unser Raum genauso ist.

Denn den Umgang mit diesem Problem erlebe ich bisher so, dass zu solchen Fällen meistens geschwiegen wird. Klar gibt es auch Diskussionen, Widerspruch, bei heftigen Attacken auch mal nen bösen Kommentar und ggf. ein Twitter-Unfollow oder Block (auch bei Facebook), selten aber wirklich selten Blogeinträge, wo das Ganze noch einmal analysiert und kritisiert wird, eine breite Solidarisierung gegen die Kackscheiße gefordert wird. Wenn die Personen, die davon erfahren, nicht selbst betroffen sind oder sich als auch als Betroffene sehen, – nothing -. Das kann verschiedene Gründe haben und deshalb ist das jetzt nicht wertend gemeint, sondern deskriptiv.

“Interessant” wird es an der Stelle, wo die Person, die Kackscheiße produziert /produziert hat/, sich im gleichen sozialen Umfeld bewegt, wie die betroffene Person. Es also wie oben bereits angesprochen Verbindungspunkte gibt. Mensch ist also als Betroffene_r gezwungen, dieser Person (in der antisexistischen Arbeit wird er_sie “Täter” genannt) Eintritt in den Raum zu gewähren, in dem sich die_der Betroffene auch aufhält. Besonders bitter ist diese Tatsache dann, wenn die Verbindungsperson(en) sich als Feminist_innen verstehen, die eigentlich für solche Dinge sensibilisiert sind/sein sollten. Noch bitterer, wenn sich diese “Beziehungsdynamiken” dann auch noch in die offline-Welt verlagern und mensch nicht mehr bestimmte Veranstaltungen besuchen kann oder diverse Räume meidet, weil sich dort Menschen aufhalten, mit dem mensch keine Atemluft teilen kann oder will.

Auf Kritiken an diesem “Zulassen”, dieser Konfliktvermeidung (die eigentlich eine Konfliktintensivierung ist für Betroffene) wird oft mit Abwehrverhalten reagiert: “Was hat denn das mit mir zu tun? Warum sprichst du mich jetzt an? Was soll ich denn da machen? Ich kenne Person XY nur flüchtig. Person XY ist mein_e Freund_in. Das musst du schon selbst regeln, wenn es dich stört. Der_die hat halt (bitte hier Bezeichnung irgendeiner pathologisierten Verhaltensweise einsetzen) und deshalb ist er_sie so. Nimm’s nicht so schwer. Ach naja, ich kenne Person XY nicht anders. Das macht er_sie mit allen. Ignorier’s halt. … …” All diese Antworten sagen: Ich will mich damit nicht auseinandersetzen, deine Perspektive ist mir nicht so wichtig. In Einzelfällen kam es auch schon zu Victim Blaming oder Solidarisierung mit der attackierenden Person. Das gehört (zum Glück) zu den Ausnahmen. Was das schlussendlich bedeutet, auch dafür hat die antisexistische Praxis einen ziemlich eindeutigen Begriff: Täterschutz.

In der antisexistischen Arbeit gibt es für den Umgang mit solchen Vorfällen zwei (mir bisher bekannte) Konzepte: Definitionsmacht (Defma) und Community Accountability (CA). Während das erste Konzept konkrete Handlungsleitfäden im Umgang mit Betroffenen und Tätern bereithält, uneingeschränkt die Wünsche der Betroffenen in den Vordergrund stellt und wenn nötig den Täter konsequent aus Räumen verbannt und/oder den Kontakt abbricht, liegt bei CA auch (aber nicht nur) ein Fokus auf Präventivarbeit, um solche Vorfälle zu vermeiden. Defma soll auch sensibilisieren und Aufklärungsarbeit leisten, muss aber nicht mit Täterarbeit einhergehen, sondern das Hauptaugenmerk liegt auf der Betroffenenperspektive. CA ist also umfassender angelegt, meiner Interpretation nach. Das soll allerdings keine Hierarchisierung der Konzepte sein.

Ich frage mich nun, inwiefern diese Konzepte auch auf Räume des Netzes anwendbar sein können, auf ihre spezifischen Grenzen, Eigenschaften, Kommunikationswege und Beziehungsdynamiken. Würde das Defma-Konzept 1:1 übertragen werden, müssten die Betroffenen entscheiden, was sie sich wünschen von anderen, von den attackierenden Personen, ggf. wären auch hier eine radikale Meidung entsprechender Personen oder konsequente Ausschlüsse (den solidarisierende Personen mittragen und vor anderen auch vertreten) die Folge. Mindestens, und das wäre bei beiden Konzepten der Fall, wäre so eine offene Diskussion (ohne Infragestellung, Rechtfertigung der Betroffenen) möglich über den Umgang mit solchen Personen und Vorfällen. Konsequenzen und Gefühlslagen könnten in einem wertschätzenden Klima besprochen werden, ohne Perspektiven von Betroffenen zu negieren. Öffentlichkeitswirksamer Solidarisierungen und Aktionen gegen diese Formen der Gewalt wären ebenso möglich. Auch hätten andere Betroffene die Möglichkeit sich zurückzuziehen und bei diesen Aktionen nicht mitzuwirken, da sie Triggerpotenzial beinhalten, aber ein Rückzug aus Täterschutzgründen wäre nicht mehr tolerierbar.

Nachfolgend findet ihr ein paar wertvolle Links zum Einlesen in die beiden Konzepte, die Yori Gagarim vor einiger Zeit mal zusammengetragen hat, danke hierfür. Ich möchte mit euch in Austausch darüber treten, was ihr für Ideen/Links/Texte habt, für gangbar haltet, euch wünschen würdet, ihr könnt natürlich auch eure Erfahrungen mit Gewalt oder mit den Konzepten (gern auch anonym) per Mail an mich oder in die Kommentare schreiben. Ich werde äußerst streng moderieren, so dass sich hier keine Leute tummeln können, die hier nichts zu suchen haben. Super fände ich auch, ihre schreibt eigene Blogposts zum Thema (schickt mir ggf. den Link, wenn ihr nicht wollt, dass das an die große Glocke gehängt wird), damit sich nicht alles auf das Blog hier konzentriert und mehr Menschen davon erfahren. Danke.

http://www.incite-national.org/index.php?s=114

http://www.phillyspissed.net/node/36

http://www.transformativejustice.eu/wp-content/uploads/2010/11/Taking-Risks.-CARA.pdf

http://incite-national.org/media/docs/0985_revolution-starts-at-home.pdf

http://defma.blogsport.de/

http://asbb.blogsport.de/2008/07/24/queering-intimate-violence-antisexistische-praxis-gegen-gewalt-im-queeren-kontext/

http://www.transformativejustice.eu/?p=437

http://asbb.blogsport.de/2008/03/23/when-my-anger-starts-to-cry/

http://transformation.blogsport.de/

http://www.phillyspissed.net/node/18

http://www.phillyspissed.net/node/10

http://www.jpberlin.de/antifa-pankow/defmacht/

Notes:

  1. Vor einigen Monaten flammte mal kurzzeitig eine Debatte um “Internetethik” auf, die auf meine Fragen/Gedanken nur bedingt eine Antwort wusste und sich eher mit “universaleren” Fragen um Moral und Kommunikation auseinandersetzte.

Posted on Feb 2, 2012

Antwort der ZEIT

Ein_e Redakteur_in der ZEIT schrieb mir gestern eine E-Mail auf meine Kritik am rassistischen Sprachgebrauch in einem ihrer Artikel über Rassismus mit der freundlichen Bitte, das zu ergänzen, was ich hiermit tue.

Liebe Nadine Lantzsch,

Ich arbeite bei der Zeit und Fabian Dannenberg ist ein guter Freund von mir. Zusammen haben wir die Idee fuer den Artikel entworfen, und ich habe ihn bis zur Produktion betreut. Ich bin nicht weiss.

Fabian und ich haben Wort fuer Wort abgesprochen, was in der Ueberschrift, der Unterzeile und der Bildunterschrift steht. Die Zeile fand er “genau richtig”, weil sie den rassistischen Hass klar und abscheulich widerspiegelt.

Der Post auf Medienelite basiert also auf zwei Annahmen, die nicht stimmen. Mir ist es wichtig, das zu korrigieren und Fabians Artikel zu verteidigen. Ich waere Dir daher dankbar, wenn Du die Fehler korrigieren oder meine Antwort als Kommentar darunter stellen koenntest.

Viele Gruesse,

Khue Pham

Zur Transparenz: Es ist also in diesem Fall so, dass Worte wie “N.” in der Überschrift sowie “Rassenhass” in der URL, die ich in meinem Artikel kritisierte, offenbar mit dem Autor abgesprochen waren.

Das ist natürlich zu begrüßen, also die Absprache. Dieser Teil meiner Kritik ist demnach nicht zutreffend.

Auch wenn hier von Betroffenen bestimmt wurde, was wie genannt wird, impliziert die Verwendung von “Rassenhass” ohne Anführungszeichen und ohne weitere Kontextualisierung, es gäbe so etwas wie “Menschenrassen”, die aufgrund ihrer “Rassenzugehörigkeit” diskriminiert werden.

Die Verwendung von N. im Artikel kann natürlich ein Trigger für Betroffene darstellen, genauso wie in der Überschrift, aber sie sind immerhin eindeutig als Zitate gekennzeichnet, wo klar ist, dass N. keine Selbstbezeichnung oder korrekte Bezeichnung darstellt. Im N-Wort drückt sich natürlich erstmal, wie Redakteur_in und Autor ebenfalls meinen, Rassismus aus. Die Verwendung des N-Wortes ist _immer_ rassistisch. Es gibt keine Ausnahme. Ich finde, dass der Artikel das gut illustriert. In der Überschrift kulminiert also das, was der Autor in seinem Artikel beschreibt. Ich sehe ein, dass das ein gutes Argument für die Verwendung im konkreten Fall ist. 

Als eine, die in Sachen Herrschaftskritik auch auf Sprache achtet, finde ich es trotzdem unglücklich, dieses Wort in die Überschrift zu packen. Da die hiesige Gesellschaft weder aware in Sachen Rassismus ist, noch kritisch mit Rassismus umgeht, kein antirassistisches Wissen zum Alltagswissen gehört, trägt die Verwendung des N-Wortes (vor allem so plakativ in der Überschrift) zur Normalisierung bei. Das N-Wort wird nach wie vor benutzt, um Schwarze zu beleidigen oder über Schwarze Menschen zu sprechen, auch wenn dahinter die Absicht steht, mit der Verwendung zu illustrieren, dass hier gerade über Rassismus/rassistische Beleidigung gesprochen wird.

Da weiße die Definitionsmacht darüber besitzen, wie über Rassismus gesprochen wird, bricht die Verwendung mit dieser Definitionsmacht leider nicht. 1 Will sagen, dass auch weiße dann die Verwendung des N-Wortes für legitim halten, wenn sie Rassismus kritisieren wollen. Da ihnen die Entscheidung darüber nicht zusteht, finde ich Sprachpolizei immer gut, um ihnen diese Sprache “wegzunehmen” oder zumindest mit Abkürzungen wie “N-Wort”  oder “N.” zu arbeiten, um anzuzeigen, dass hier ein Problem mit dem Sprachgebrauch besteht und Betroffene nicht weiter zu verletzen / zu triggern.

Ich freue mich sehr über diese E-Mail, da Feedback zu Kritik an Artikeln in Massenmedien selten ist. Und weil mit dieser Tatsache an der einen oder anderen Stelle doch mal gebrochen wird.

Wer sich mit rassistischem Sprachgebrauch auseinandersetzen will, dem_der sei “Afrika und die deutsche Sprache” und “Wie Rassismus aus Wörtern spricht” als Einstiegsliteratur empfohlen. “Rassismus auf gut Deutsch” ist empfehlenswer für alle, die die anderen Bücher schon kennen bzw. einen akademischeren/sprachwissenschaftlicheren Zugang wollen.

Notes:

  1. Weshalb ich das Wort nicht mehr ausgesprochen/ausgeschrieben verwende – egal, mit wem und in welchem Kontext ich spreche/schreibe.

Posted on Jan 23, 2012

Rassismuskritik in den Medien: Die ZEIT und das N-Wort.

Es ist beachtlich, welch hohe Wellen die rassistische Praxis am Schlosspark-Theater in Berlin in den Medien schlägt. Seit Bekanntwerden des keineswegs Einzelfalles am Theater häufen sich Beiträge zu Alltagsrassismus, Rassismuskritik und Rassismuserfahrungen von Schwarzen, Afrodeutschen, People of Color und den “Migrationsanderen” in Deutschland, selbst das europäische Ausland berichtet.

Nach wie vor ist es wichtig, die Sprache genauer unter die Lupe zu nehmen, mit der das geschieht. Aufgefallen ist mir die Seite 3 in der ZEIT, in der der Fabian Dannenberg von seinen Erfahrungen berichtet. Die Gewalt, die ihm widerfahren ist und widerfährt, äußert sich auch in der Sprache, mit der er konfrontiert wird. Häufig ist im Artikel das N-Wort zu lesen.

Der Artikel von Fabian ist ein Gastbeitrag. Gastbeiträge folgen häufig auf Anfragen des entsprechenden Mediums. Gängige Praxis: Autor_innen liefern den Volltext ohne Überschrift und Schlagwörter. Redakteur_innen des Mediums, die den Artikel betreuen und/oder das Lektorat liefern den Rest. Es ist eher unüblich, die Überschrift noch einmal mit dem_der Autor_in abzuklären. Als Überschrift prangt “Was willst du hier, N.?”, Schlagwort der ZEIT ist “Rassenhass” (siehe URL), ein_e wohl etwas hellerer Kolleg_in hat im Artikel für ZEIT Online in der Stichzeile “Rassismus” geschrieben (über der Überschrift). Ich frage mich, was das soll…

Die Überschrift ist ein Zitat aus Fabians Text. Offenbar ist/sind sich die/_der zuständigen Redakteur_innen bewusst, dass N. ein rassistisches Schmähwort ist. Trotzdem schreiben sie es ausgeschrieben in die Überschrift. Auch wenn von Rassismus Betroffene dieses Wort in aller Deutlichkeit benutzen, steht es Weißen nicht zu, dieses Wort wieder und wieder zu annektieren. Auch wenn das N-Wort eine weiße Erfindung früherer Kolonialherren ist, steht es Weißen nicht zu, dieses Wort wieder und wieder zu annektieren. Für mich sagt diese Überschrift aus, dass die ZEIT sich vielleicht nicht darüber im Klaren zu sein scheint, welche triggernde und verletzende Wirkung dieses Wort auslösen kann bei Betroffenen oder sie stellen sich einfach keine_n nicht-weiße_n Leser_in vor. Vielleicht ist ihnen die aufmerksamkeitsheischende Wirkung des N-Wortes wichtiger als der sensible Umgang mit Sprache, ich weiß es nicht. Ich kann nur vermuten. Was soll diese Überschrift bei diesem Inhalt? Ist es nicht möglich, eine ebenfalls drastische Überschrift für den drastischen Inhalt zu finden, die ohne rassistisches Sprachvokabular auskommt?

Zum Label “Rassenhass”. Ich hatte kurz den Gedanken an Apartheidsregime. Rassismus ist kein Äquivalent für “Rassenhass”. Es gibt keine “Menschenrassen”. Das ist ein biologistisches Konstrukt, das in der Zeit der Aufklärung eingeführt wurde, um Hierarchien entlang einer biologistischen Achse zu rechtfertigen. Schwarz und Weiß sind politische Begriffe und keine “Beschreibungen” phänotypischer Merkmale, keine Hautfarben-Farben und keine Einteilungskategorien von “Menschenrassen”.

Der Artikel von Fabian spricht für sich. Rassismus ist Normalzustand, Realität für viele, die in der BRD leben. Rassismus ist Gewalt. Die sich u.a. durch und mittels Sprache äußert. Weiße besitzen Definitionsmacht über Rassismus und rassistische Sprache. Es ist zynisch, Fabians Text mit solch einer Überschrift und solch einem Label zu versehen, die sinnbildhaft für das stehen, was nach wie vor existent ist. Sprache bildet Gesellschaft ab. In diesem Fall die rassistische, dekonstruierbar ist das allerdings nur für geschulte/sensibilisierte Menschen. Und selbst, wenn alle diese Konstruktionen als solche erkennen würden, obliegt es nicht den Weißen darüber zu entscheiden, ob das “trotzdem okay” ist.

Ich würde mir wünschen, wenn in Zukunft solche wenigen, von der weißdeutschen Mehrheitsgesellschaft autorisierten subalternen Stimmen wie die von Fabian Dannenberg wenigstens konsequent beachtet werden würden und nicht erneut mit Rassismen belegt. Der Gebrauch von rassistischer Sprache trägt zur Normalisierung dessen bei und er gibt Weißen das Signal, dass es okay ist, Wörter wie N. zu benutzen, solange die “gute Absicht”(TM) dahinter steht.

Wenn über Herrschaft gesprochen wird, ist es wichtig zu beachten: Wer redet wie über wen in welchem Kontext? Zwangsläufig schreiben/sprechen nicht ausschließlich Betroffene über Herrschaft. Es wäre natürlich sinnvoll, allerdings ist das alles etwas komplexer als bloße Zugehörigkeit zu Kollektiven, als Identität. Herrschaft betrifft auch diejenigen, die keine Gewalt erfahren. Wenn Weiße ausschließlich über Weißsein und Verantwortung schreiben, Schwarze ausschließlich über Rassismus und Empowerment, dann haben wir wenig aufgebrochen von diesem aufteilenden und Entitäten schaffenden Prinzip, das Herrschaft innewohnt. Gerade weil dieses Prinzip so allgegenwärtig ist und ständig am Werk, sollte der sensible Umgang mit Sprache zu den ersten Schritten bei der Analyse von gesellschaftlichen Zuständen gehören. Herrschaftskritik ist nicht zuletzt eine Frage der Konsequenz. Zur Konsequenz zählt auch, sich als dominante Gruppe endlich von Herrschaftssprache zu befreien, auch wenn diese irgendwann mal von irgendeiner politischen/wissenschaftlichen Autorität zur “Abbildung” und Analyse geschaffen wurde. Das bedeutet auch, Definitionsmacht darüber abzugeben, wie über Herrschaft gesprochen wird. Das heißt auch, Worte wie Fremd(enfeindlichkeit), “Rasse(nhass)” und N. endlich aus dem Vokabular zu streichen, Ausländer(feindlichkeit) nur dann zu benutzen, wenn Ausländer_innen gemeint sind und sich auch da mal zu überlegen, für wen der Begriff “Ausländer” eigentlich gilt und für wen nicht, wer in diesem Land Bürger_innenrechte erhält unter welchen Bedingungen. Nationalismus ist eine Komponente im rassistischen System, nicht die ausschließliche. Aber dazu vielleicht an anderer Stelle mehr.

UPDATE: Die ZEIT hat auf diesen Artikel geantwortet.

Posted on Jan 10, 2012

Deutsche “Qualitätsmedien” und rassismuskritische Berichterstattung

Die rassistische Inszenierung von “Ich bin nicht Rappaport” am Schlosspark-Theater in Berlin schafft es nun auch besprechend in die Medien. Wie eigentlich zu erwarten war, werden die Kritiker_innen nur kurz zitiert, das ganze dann als “Rassismus-Vorwurf” interpretiert oder Kritik im Konjunktiv formuliert. So als wäre Rassismus Interpretationssache und debattierbar. Viel Raum hingegen bekommen die lächerlichen Rechtfertigungen von Dieter Hallervorden, Theaterleitung, Regisseur, usw. Ein weiteres rhetorisches Mittel in der Berichterstattung ist die Ausblendung rassistischer Kontinuität nicht nur im deutschen Kulturbetrieb, indem Kritik an rassistischen Inszenierungen nicht in einen größeren Kontext eingebettet wird. Die Darstellung der Kritik wird verkürzt auf: “Damals im 19. Jh. gab es diese Minstrel-Darstellungen, dazwischen nix und heute wieder mal eine, die aber… naja… nicht rassistisch ist” Was an sich schon faktisch falsch ist und außerdem verkennt, dass es nicht nur die Minstrel-Darstellungen sind, sondern ebenfalls rassistische Strukturen und Kontinuitäten, Rassismus sozusagen Historizität aufweist, sich u.a. in der Einstellungspraxis an deutschen Kulturbetrieben niederschlägt. Dass mensch das Journalist_in nicht weiß, geschenkt. Denn auch im Journalismus sitzen mehrheitlich weiße, die schreiben. Rassismuskritisches Wissen in der BRD existiert zwar, aber es wird ignoriert und negiert. Rassismus”kritik” in Deutschland heißt: Nazis doof finden, sich für den Holocaust zu schämen, Antisemitismus mit “Hitler fand Juden doof, nicht wir heute” zurückweisen, Antisemitismus für (den “einzigen”) Rassismus halten und Rassismus als historische Gewordenheit und Kontinuität zu leugnen. Kaum ein_e Journalist_in macht sich die Mühe, die vielfachen Lernangebote in Anspruch zu nehmen, die eigene Sprachwahl kritisch zu prüfen oder sich Kritik wirklich durchzulesen.

Deutlich wird: Weiße besitzen die Definitionsmacht über Rassismus. Weiße wollen nicht über Rassismus sprechen, sie wollen rassistisch sein, egal, was Betroffene dazu meinen. Ob in Polizeimeldungen die Herkunft der Täter_innen unverhohlen zum Hauptfakt erklärt wird, egal ob der Pressekodex sagt, dass diese nur in der Berichterstattung auftauchen darf, wenn sie für die Tat von Relevanz ist (was in den allermeisten Fällen nicht der Fall ist), ob für rassistische Übergriffe noch immer die Worte “fremdenfeindlich” und “ausländerfeindlich” benutzt werden, weil mensch es sich überhaupt nicht vorstellen kann, dass Menschen in diesem Land leben (seit Jahrzehnten oder schon immer), die weder “fremd” noch “Ausländer” sind (Ausländer_innen sind formal solche ohne deutsche Staatsbürgerschaft), wenn jeder rassistische Übergriff immer zugleich als rechtsextrem gelabelt wird, als seien die einzigen Rassist_innen in diesem Land Nazis… Wenn für Schwarze, Afrodeutsche, People of Color (oder Deutsche, hey… es gibt sie tatsächlich) die Bezeichnungen: “Afrikaner”, “Schwarzafrikaner”, “Farbiger”, “Dunkelhäutiger” benutzt werden, ohne sich die Mühe zu machen, die Herkunft der Person oder schlicht die Person ohne rassistische Markierungspraxis vorzustellen… wenn die weiße Norm stets unmarkiert bleibt (weiße Deutsche, Weiße_r, weißer Deutscher mit/ohne Migrationshintergrund), obwohl sie bei rassistischen Übergriffen ein wesentlicher Fakt ist… Wenn immernoch davon ausgegangen wird, dass es sich bei weiß und Schwarz um Hautfarben-Farben handelt und nicht um Bezeichnungen, die einerseits gesellschaftliche Ordnungsmuster sind und andererseits politisch korrekte Begriffe für die jeweilige Gruppe. Wenn Antirassismus als “Gutmenschentum” diffamiert wird. Protest gegen Rassismus oder white supremacy als unprofessionell, nicht journalistisch arbeitend, zu emotional, nicht objektiv abgeschmetttert wird. (Ich spreche aus eigener Erfahrung. Unter anderem ein Grund, warum ich nicht mehr als Redakteurin in deutschen “Qualitätsmedien” tätig bin). Wenn Rassismus ein Schimpfwort oder ein “böses” Wort ist, ein Vorwurf, eine Meinung und kein gesellschaftlicher Fakt.

Ich ärgere mich über all das, weil sich Journalismus häufig als vierte Gewalt im Staat begreift, als meinungsbildend, als gesellschaftsabbildend, als kritisch. Bis auf letzteres trifft auch all das zu. Denn der Staat handelt rassistisch, die Gesellschaft handelt rassistisch und ist rassistisch strukturiert, die herrschende Meinung sagt: Es gibt keinen Rassismus in diesem Land. Nur rassismuskritisch, da hört es bei den meisten dann auf.

Wenn es hart auf hart kommt, wird Rassismuskritik in Beleidigung und Hetze von weißen gegen weiße Antiras umgewandelt, Schwarze Aktivist_innen und deren Stimmen kommen dann nicht mehr vor. Es könnte alles nicht zynischer sein.

Infos für Journalist_innen (auch zum aktuellen Fall):
http://www.derbraunemob.de/deutsch/index.htm – rassismuskritische Media Watch Organisation
https://www.facebook.com/SchlussMitBlackface – Kritik&Abbildung der derzeitigen Berichterstattung
http://riotmango.de/rassismus-ist-kein-kuenstlerisches-stilmittel/ – Zusammenfassung der aktuellen Debatte mit hilfreichen Links
http://maedchenmannschaft.net/unglaublich-aber-auch-2012-sind-rassistische-traditionen-noch-rassistisch/ -Ebenfalls Zusammenfassung der Debatte mit hilfreichen Links

Organisierung für Aktivist_innen:
https://www.facebook.com/groups/207108692717136/ – Dort findet ihr auch die Mailadresse für eine Mailingliste, die Sharon Dodua Otoo initiiert hat.

Posted on Nov 16, 2011

Aktion Libero – Fast an die Wurzel

Mit Interesse verfolge ich die erstmal sehr lobenswerte Aktion Libero, an denen viele viele Blogs teilnehmen, um sich gegen Homophobie im Fußball auszusprechen.

Schaue ich mir die Seite genauer ein, stoßen mir viele Dinge auf:

- UnterstützerInnen: Theo Zwanziger, der sich nach wie vor schützend vor die homophoben Ausfälle der DFB-Elf (samt Trainer und Management stellt) und es SpielerInnen rät, sich nicht zu outen. Maria Furthwängler, die wesentlichen Anteil an einer homophoben Tatortfolge hatte (wurde mir zu getragen – schaue Tatort nie), Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die seit Jahren völlig untätig ist. Nicht gerade Vorzeigefiguren. Positiv hervorzuheben ist die Arbeit von Tanja Walther-Ahrens.

- Unterscheidung zwische Fußball und Frauenfußball. Erstmal geht es um schwule Männer. In der linken Spalte darf mensch sich dann auch mit Lesben auseinander setzen. Wer jetzt kommt mit, aber Fußball wird doch viel häufiger von Männern gespielt oder Frauenfußball sei was anderes, gibt sich mit dem sexistischen Normalzustand im Fußball zufrieden und hinterfragt keine Ursachen. Sagen wir so, für Lesben gelten im Fußball andere Umstände als für Schwule, ich hatte da mal was drüber gepinselt, aber die Ursachen sind die gleichen.

- Thema Toleranz. Natürlich ist es wichtig, auf Probleme hinzuweisen. Und Homophobie ist neben Rassismus und Sexismus im Fußball ein wirklich sehr großes (und nicht nur da). Homophobie gehört der Kampf angesagt, doch ich glaube und weiß auch aus eigener Erfahrung, dass es wenig bringt, Toleranz einzufordern. Das hat schnell zur Folge, dass mensch das Andere zwar neben sich akzeptiert, es aber immernoch als anders betrachtet. Schnell gesellen sich auch vermeintliche Denkverbote hinzu. “Jetzt darf ich schwul nicht mehr als Schimpfwort benutzen”, ohne zu wissen, warum das Wort “schwul” außerhalb der Benutzung als Selbstbezeichnung problematisch ist. Oder das Ding von “Ich hab ja nichts gegen Homos, aber…”, “Ist zwar jetzt schwulenfeindlich, aber ich find’s witzig, denn ich hab ja nichts gegen Schwule”.
Auf der Seite von Aktion Libero wird zwar gesagt, Sexualität darf keine Rolle spielen, doch das tut es. Auch mit Toleranz. Wenn ich auf Twitter Sprüche lese wie: “Es interessiert mich nicht, mit wem du vögelst, solange du gut kickst”, wird eines deutlich: Solange du die Leistung bringst, die ich von dir erwarte, darfst du dir meiner Homofreundlichkeit gewiss sein. Vielen Dank für das paternalistische Zugeständnis. Neben der sehr problematischen Verknüpfung mit Leistungsprinzipien, die eben auch genau im Fußball eine sehr schmerzliche Erfahrung für alle darstellt, die aus verschiedenen Gründen nicht die Spielleistung zeigen können und dann als Mutti, Weichling oder Schwuchtel gelten, finde ich merkwürdig, dass gar nicht an der Norm gekratzt wird: Heterosexualität und bestimmte Männlichkeitsvorstellungen.

Eine sehr gewichtige Ursache von Homophobie ist nämlich, dass diese beiden Dinge als Norm gesetzt werden, von der aus das Abweichende konstruiert und herabgesetzt wird. Wer schwul ist, gilt als unmännlich, wer nicht bestimmte Vorstellungen von Männlichkeit (Kraft, Stärke, Ausdauer, Härte, etc.) erfüllt, gilt als schwul. Schwul = scheiße. Toleranz einzufordern bedeutet nicht, diesen Vorgang sichtbar und kritisierbar zu machen. Es gibt Stimmen, die sagen, das sei überfordernd. Neben der klassistischen Implikation hinter dieser Aussage, nämlich Fußballfans und -spielerInnen als dumm und proletarisch hinzustellen, die angeblich nicht im Stande seien, diese eigentlich sehr einfach funktionierende Konstruktionsarbeit zu erkennen und deshalb lieber mit Toleranzforderungen zu konfrontieren, verkennt auch, dass sich Homophobie durch alle gesellschaftlichen Schichten zieht. Auch durch jene, in der sich reiche Supermacker wie Zwanziger aufhalten oder das sogenannte Bildungsbürgertum.
Dann gibt es Stimmen, die sagen, Toleranzforderungen seien der erste Schritt, dann könne mensch auch das andere ansprechen. Sehe ich anders. Denn: Wie oft denn bitte noch? Seit wievielen Jahrzehnten gibt es Forderungen nach mehr Toleranz? Wie viel hat sich seitdem verbessert? Nicht viel. Zu sagen: Du musst tolerant sein und darfst deswegen “schwul” nicht mehr als Schimpfwort verwenden, ändert nichts im Denken der Menschen, dass schwule Fußballer eben eine Abweichung darstellen, bei der ich mir als Hete aussuchen kann, ob ich das toleriere oder nicht (bei entsprechender Leistung wohlgemerkt).

Was könnte mensch also tun? Verwirrung stiften. Indem da nicht steht auf dem Eingangsfoto: Schwul/lesbisch, rund und grün, sondern hetero, rund und grün. Und dann die Leutchens mit ihrer Verwirrung abholen: “Sie dachten, hier ginge es eigentlich um Homos? Wieso eigentlich?” usw.

Noch am Rande: Die teilnehmenden Blogs finden für sich Themen, wie sie mit der Aktion Libero umgehen, die Aktionsseite selbst, bleibt in der oft wiederholten Regenbogen-Toleranz-Ecke stehen, die nebenbei auch mal wieder Frauen* unsichtbar macht. Schade eigentlich.

edit: gerade las ich noch eine andere Kritik an der Aktion, die auf das Symbol eingeht. Ich zitiere hier mal frech eine Konversation zwischen @tutnurso und @Voegelchen >> “schonmal auf das symbol von @AktionLibero geachtet? bildsprache = voll daneben. vermittelt “schwul”, sei das “schwarz” auf dem rasen. #fail” – “oder das schwarze Schaf auf der Wiese…” – “anscheinend keine sensibilität für rassistisch aufgeladene symbolik. ein pinker punkt, hätte es doch auch getan…” – “…und dann wäre trotzdem noch was zum thema weiß-sein als unhinterfragte kategorie anzumerken. grmpf.”