embracing self-destruction

liebhaber_innen von zines werden vielleicht maranda elizabeth kennen. maranda schreibt seit vielen jahren das zine telegram. es ist ein personal zine, also ein zine, das eher tagebuch-charakter hat. ich hatte die ausgabe #35 in den händen. in #35 erzählt maranda von marandas letztem (dokumentierten) suizidversuch. maranda wird vor dem todeseintritt ins krankenhaus gebracht und überlebt. es ist nicht der erste suizidversuch von maranda und so dreht sich das zine um den wunsch zu sterben, vergleiche zwischen dem ersten und dem aktuellen suizidversuch, die reaktionen und umgänge des sozialen umfeldes mit der suizidalität von maranda, diverse psychiatrie-aufenthalte, gender-basierte gewalt, diagnosen, medikalisierung gegen psychische und körperliche beschwerden, eingeschliffene verhaltensmuster, die schwer bis unmöglich zu durchbrechen sind, immerwährendes scheitern (von unterstützung, von community, von konkreter ab_hilfe) und wie das alles wiederkehrend zum wunsch nach tod führt, zu verzweiflung, abgestumpftheit, zum verlust von freund_innenschaften und beziehungen.

„the worst part of surviving suicide is still wanting to die. the worst part is wishing i didn’t fuck it up. the worst part is feeling obligated to pretend to care about things when i don’t care at all. the worst part is wondering if the friends i’ve got left are fucking sick of it. the worst part is watching myself repeat patterns of shit i’ve been doing for a decade and feeling no motivation to stop or change. the worst part is knowing the changes i want to make but feeling incapable. the worst part is returning to real life and continuing all the habits that led me to a coma. the worst part is wanting to be alone but not being able to take care of myself.“

[der schlimmste teil am überleben von suizid ist, noch immer sterben zu wollen. der schlimmste teil ist der wunsch, nicht gescheitert zu sein damit. der schlimmste teil ist, sich verpflichtet zu fühlen, so zu tun als ob mensch sich um dinge sorgt, wenn mir im grunde alles egal ist. der schlimmste teil ist, sich zu fragen, ob die freund_innen, die ich noch habe, verdammt nochmal die schnauze voll haben. der schlimmste teil ist, mich selbst beim wiederholen von scheiß mustern zu beobachten, die ich seit einem jahrzehnt tue und keine motivation habe, damit aufzuhören oder sie zu verändern. der schlimmste teil ist zu wissen, welche veränderungen ich machen will, aber mich unfähig zu fühlen. der schlimmste teil ist die rückkehr ins richtige leben und mit all den gewohnheiten weiter zu machen, die mich ins koma geführt haben. der schlimmste teil ist der wunsch nach alleinsein, aber nicht in der lage zu sein, auf mich zu achten.]

das obenstehende zitat hat mich beim lesen sehr gerührt. nicht aus mitleid, sondern aus mitgefühl. ich kann sehr viel mit marandas gedanken anfangen: manchmal zu wissen, wo mensch hin will, oder was getan werden muss, damit … und doch nicht herauszukommen aus der situation, sich immer wieder in stimmungen und mustern zu halten, unbewusst und bewusst. wiederkehrende suizidgedanken oder -versuche zu haben (oder fantasien, sich selbst zu verletzen – körperlich und psychisch). in einem anderen teil des zines schreibt maranda darüber, dass maranda keine unterstützung und hilfe in marandas community findet, dennoch immer wieder zurückkehrt und auf’s neue enttäuscht wird. ich habe diesen abschnitt so gelesen, dass es nicht darum geht, anderen die schuld zu geben oder verantwortung für sich selbst an andere abzugeben, sondern eher um sich zu hause fühlen von gedanken, mustern und handlungen. sich nicht isoliert zu fühlen mit dem, wie mensch gerade ist und fühlt.

in meinem umfeld sprechen wir viel über diagnosen, psychotherapie, psychiatrie. die meisten menschen, die ich kenne, sind diagnostiziert, therapiert oder gerade in therapie, wiederum einige haben zeit in der psychiatrie verbracht, andere haben medikamente genommen, nehmen noch medikamente. viele behelfen sich außerdem mit diversen heilverfahren und unterstützungsangeboten, die nicht schulmedizinisch anerkannt oder von der krankenkasse bezahlt werden. und ja das tun auch die, die eigentlich nicht so viel geld für sowas übrig haben. manchmal, weil alles andere nicht geholfen hat oder weil mensch nicht will, dass therapie und/oder psychiatrie oder geschweige denn eine diagnose in der krankenakte auftaucht, die trotz schweigepflicht und datenschutz immer wieder ihren weg in andere akten findet, die selbstgewählte pläne für das eigene leben behindern können.

egal, ob ich mich mit menschen über all das austausche, die psychopathologisierung und den medizinischen komplex darum politisieren und kritisieren oder mit menschen, denen das nicht so wichtig ist: eher selten sprechen wir über scheitern. über nicht-anders-wollen. über aufgeben wollen. über muster, die, wie maranda schreibt, ständig wiederholt werden, obwohl mensch es besser weiß. über suizid und suizidgedanken. und über unsere eigene verrücktheit, die immer wieder zu situationen führt, in denen wir uns alleine und nicht wahrgenommen fühlen – selbst mit unseren engsten menschen.

die omnipräsenz von diagnosen, tabletten und therapien führt in meinem umfeld jedenfalls öfter zu selbstpathologisierungen und erklärungen von „i was born this way“ oder „das BIN ich“. wir sprechen selten darüber, welche diagnosen wir bekommen haben und warum es gerade diese diagnosen sind und keine anderen. ich habe mir schon einige diagnoseschlüssel im dsm oder icd angesehen und dachte beim lesen: mensch, im grunde habe ich von vielen diagnosen etwas (ganz gleich welche 1-3 f-schlüssel in meiner akte auftauchen). trotzdem vertrauen wir den diagnosen, von denen wir wissen, dass wir sie bekommen haben und wenden sie auf unser erleben an. „ich bin borderline, deshalb…“ „ich mit meiner angststörung…“ „ich als bipolare person“.

wir reden selten über erfahrungen, die uns zu diesen diagnosen geführt haben, seltener über: warum reagiere und erlebe ich so, wie ich es tue? was hat sich über zeit verändert? ohne all diese medizinischen begriffe, die doch nicht die komplexität unserer persönlichkeiten und handlungen und empfindungen fassen können. ich bin verwundert darüber, dass der unausgesprochene konsens von „alles ist sozial konstruiert/nichts ist einfach so da“ auf das thema „seelische zustände“ selten angewendet wird, wenn es um das selbst geht. witzig. denn bei anderen dingen wird peinlichst darauf geachtet, dass alles von meiner identität eine frage der entscheidung ist und/oder von außen herbei geführt wurde. oder sich verändern kann über zeit und raum. nur mit diagnosen ist das oft nicht so. die sind halt nur ein wort für das, was mensch ist (und schon immer war).

radikale selbstakzeptanz geht offenbar nur auf kosten meiner selbstbestimmung, nur dann, wenn ich mein gesamtes leben in eine diagnose-schublade stecke. wahrgenommen von anderen werde ich häufig nur dann, wenn ich mich permanent selbst pathologisiere und diagnosen als erklärungen für alles nutze, was mich betrifft und mit gesundheitsnormen und normalitätsvorstellungen der gesellschaft bricht oder brechen könnte. wenn ich mich oute mit diagnosen. und wer nicht out&proud ist damit oder keine hat, ist eben gesund_normal und nicht „neurodivers“ (was für ein wort…). ich gehe davon aus, dass alle menschen, die diskriminierung und gewalt erleben, die pathologien dieser diskriminierung und gewalt in sich aufnehmen, darauf reagieren… diese welt ist verrückt, warum sollten wir es nicht sein?

auf der anderen seite nehme ich wahr, dass es viel darum geht, sich selbst zu verändern. den leidensdruck zu lindern, ein gutes leben führen zu wollen mit einem zustand von sich selbst, der sich im heilungsprozess befindet oder geheilt ist. muster zu durchbrechen, sich umzuprogrammieren oder mindestens andere überlegungen, prozesse und empfindungen in sich hineinzuschreiben. mehr möglichkeiten der reaktion und interaktion zu haben. in diesen erzählungen ist selten platz für die frage: warum eigentlich? für wen eigentlich? warum stoße ich mit bekannten mustern auf so viele barrieren? warum leide ich manchmal an meinem zustand? warum will ich mich nicht verändern (in teilen)? und es ist wenig platz für destruktivität, selbstverletzung und all die schönen dinge, die mit mustern einhergehen, die von außen jedoch als selbstzerstörerisch, falsch, … bewertet werden.

warum haben nicht all meine persönlichkeitsfacetten platz in diesem imaginierten guten leben? warum kann ich das gute leben erst haben, wenn ich muster aufgebe, die bekannt sind, gewohnt sind, manchmal stabilität bieten? warum ist das eine absurde logik? muster, mit denen ich mich schon so viele jahre meines lebens (und oft den überwiegenden teil meines lebens) wohl fühle? die schmerz und linderung zugleich sind? wo ist platz für widersprüche (gegen selbstpathologisierungen und gegen diesen ungebrochenen fortschrittsglauben der immer mit leistung_produktivität_anpassung verbunden ist)?

warum haben meine diagnosen platz im jetzt, jedoch nicht das konkrete oder akute? warum haben leere worthülsen wie trauma, depression, suizid, ptsd, panikattacken ihren angestammten platz in unseren erzählungen (weil kennen wir ja alle irgendwie), jedoch weniger, wie wärmend sich einsamkeit und verzweiflung anfühlen können, wie gut es tun kann, zu leiden, weil es emotion ist, weil es was auslöst in meinem körper, andere gefühle als angst und ausschalten wollen, überhaupt ein gefühl haben, spüren, mich spüren, mich spüren beim gedanken, mir ein messer in den handrücken zu rammen, blut zu sehen, auszurasten vor wut und sachen kaputt zu machen, zu klauen, ein öffentliches ärgernis sein, zuzuschlagen beim nächsten versuch des übergriffes, tagelang nicht die wohnung oder das bett zu verlassen, zu scheitern an den anforderungen des über_lebens oder (je nach erleben und perspektive) des chronischen sterbens (z.B. wegen lohnarbeit, beziehungsarbeit), einfach zu springen, soviel tabletten zu nehmen, dass ich nicht mehr aufwache, in gedanken abschiedsbriefe zu schreiben, heute einfach nicht an morgen und die konsequenzen meiner handlungen für mich und mein leben zu denken, an die konsequenzen meiner handlungen zu denken und traurig darüber zu sein, dass es nicht anders sein kann, tiefe trauer zu empfinden, sie zuzulassen, sich von ihr einnehmen zu lassen, einfach sein ohne das mantra der produktivität, der konstruktiven reaktion, des „du musst an diesen und jenen punkt kommen, damit…“. ohne unterbrechung, ohne stopps.

wer sind wir und was tun wir, wenn wir nicht darüber nachdenken, wer wir sein könnten, wie wir zu sein haben, was wir tun sollen… was der EIGENTLICH richtige weg wäre? wenn all das zu unserem er_über_leben gehört, wenn wir all das mit anderen teilen können, ohne gedanken zuzulassen, dass das gerade vielleicht nicht hilfreich sein könnte (für wen und warum?), dass es angeblich ein marker für „being stuck“, stillstand oder „opfer sein“ ist (für wen und warum)?

wenn wir keine erklärungen und rechtfertigungen in diagnosen finden müssten? wenn wir nicht ständig auf der suche nach neuen/anderen strategien des umgangs mit der welt wären, die uns dazu zwingt, uns auf bestimmte anerkannte art und weise zu verhalten? wenn community auch heißt, veränderungen anders zu denken, als aufzuhören mit mustern, die in der medizin wie in polit-kontexten als passive, nicht selbstbestimmte, nicht freie, selbstzerstörerische handlung gewertet werden? die angeblich macht über uns haben, aber wir angeblich keine macht über sie. wenn muster als etwas begriffen wird, das es partiell zu überwinden gilt, aber nicht als etwas, das zu uns gehört und dass es wert ist zu leben, solange wir anderen damit nicht gewalt antun. wenn wir ehrlich und offen sein können damit, dass die muster auch nach jahren des durchschauens, erklärens, verändern wollens noch immer zu uns gehören und einfluss auf unser er_leben und unsere interaktion mit anderen nehmen? einfach, weil wir sie nicht (vollständig) loslassen können_wollen?

was ist, wenn wir all die gründe auflisten, die uns davon abhalten, vermeintlich destruktive dinge zu tun? was ist, wenn wir all die gründe auflisten, die uns in die vermeintliche destruktivität treiben und feststellen, dass es überschneidungen gibt?

was würde das machen mit uns, unseren beziehungen zu anderen?

How to get over yourself. Über den Umgang mit Diskriminierung und Identität.

In den aktivistischen Umfeldern, in denen ich viel unterwegs bin oder denen ich mich zugehörig fühle, wird viel mit (verletzenden) Fremdzuschreibungen gearbeitet, um Menschen von außen auf bestimmte soziale Positionierungen in Diskriminierungsverhältnissen festzutackern. Ich finde es problematisch, Urteile über Lebensgeschichten und -realitäten von anderen zu treffen, die ich gar nicht kenne. Meistens geht es bei diesen Fremdzuschreibungen darum, von außen festzulegen, wer in Bezug auf ein bestimmtes Diskriminierungsverhältnis privilegiert oder diskriminiert positioniert ist. Ich verstehe das, weil es erleichtert, wie ich mich auf andere beziehe, wie ich ihnen gegenübertrete, welche Kritiken ich übe. Es schützt mich auch manchmal vor Verletzungen und Enttäuschungen. Und ich denke, dass Menschen, die Diskriminierung erleben, sehr gut darin sind, Privilegien, ihre Formen und Auswirkungen zu erkennen und zu benennen, auch in der Interaktion mit anderen, sozusagen Expert_innen sind in Bezug auf das Diskriminierungsverhältnis, das sie selbst als Betroffene erleben.

Dennoch: Mich nervt, dass das sozusagen einen gewissen Outing-Zwang hervorbringt, ich mich quasi „claimen“ muss (am besten mit Belegen aus meinem Leben), wenn ich nicht will, dass mich andere zu Unrecht und unwissend in die Schublade „privilegiert“ stecken. Nur weil ich Teile meines Lebens vor der breiteren Öffentlichkeit verstecke, heißt das nicht, dass es mich nicht in diskriminierender Weise betrifft. Klar gibt es Diskriminierungen, die sich schwer „verstecken“ lassen, die ich nicht verstecken kann, selbst wenn ich wollte und die ich nicht verstecken will, weil Empowerment. Aber es gibt eben auch Diskriminierung(serfahrungen), die für andere nicht so leicht zu erkennen sind und über die ich nicht offen spreche, weil ich nicht will (aus welchen Gründen auch immer) oder mein Erleben diesbezüglich (noch) nicht Teil meines persönlichen Auseinandersetzungsprozesses ist (aus welchen Gründen auch immer).

Zudem häufen sich in meinen aktivistischen Kontexten zum Teil recht eindimensionale Erzählungen, Analysen und Kritiken über bestimmte Diskriminierungen (z.B. Klassismus oder die Konstruktion und Diskriminierung von [vermeintlicher] Behinderung), die dann ungewollt zur Norm werden. Auch weil die Personen, die sich öffentlich als „Betroffene“ zu erkennen geben, von anderen zur einzige_n Expert_in auf dem Gebiet erklärt werden, obwohl sich das Erleben von Betroffenen z.T. fundamental unterscheiden kann. Die Folge ist, dass viele Aspekte von Diskriminierung nicht thematisiert werden, dementsprechend auch keine W_Orte für Austausch, Zusammenkunft und Empowerment da sind. Und da Privilegien immer schlecht sind und Privilegierte nur das sind (privilegiert), können sie dann lediglich zwischen „Kackscheiße“ und „Verbündet-Sein“ wählen. Das ist nebenbei bemerkt alles so weiß-deutsch, christlich und binär gedacht, dass ich mich frage, wie das mit vielen feministischen aktivistischen „Standards“ überhaupt in Einklang gebracht wird.

Ich will damit nicht sagen, dass wir ja alle ein bisschen diskriminiert sind (und deshalb alle gleich), dass wir uns alle ein Sternchen hinter unsere Identitätsmarker heften können oder dass Diskriminierung ja nur konstruiert ist. Ja, Diskriminierung passiert aufgrund von machtvollen Konstruktionen, deswegen sind es die Auswirkungen dessen aber nicht. Ich will damit sagen, dass die Auswirkungen von Diskriminierung komplex sind und nicht immer in eine einfache A oder B Logik passen. Und ich verstehe auch sehr gut die Angst vor jenen, die sich schnell einen Betroffenenstatus anheften, weil sie sich selbst nicht als machtvoll wahrnehmen (wollen) und glauben, diskriminiert zu sein würde sie von ihren Schuldgefühlen erlösen.

In meinen aktivistischen Zusammenhängen geht es oft darum, „Authentizität“ zu performen. Eindeutigkeit in Bezug auf Diskriminierung und Privilegierung herzustellen, „Wahrheit“ herauszufinden, festzustellen, zuzuordnen. Weil der Gedanke, privilegiert zu sein, unerträglich ist. Weil der Gedanke, andere könnten mir meinen Status als „Betroffene“ streitig machen, unerträglich ist. Wenn ich diskriminiert werde, möchte ich bitte auch so wahrgenommen werden, möchte ich anerkannt, ernstgenommen werden. Ich kann das super gut nachvollziehen, weil ich auch oft so unterwegs bin. In einer Gesellschaft, die mit Diskriminierung so umgeht, dass sie sie verleugnet und auch meine Erfahrungen verleugnet werden oder keine Bedeutung haben sollen, die mit Diskriminierung so umgeht, dass es nur Extreme gibt (z.B. Nazis vs alle anderen / der Staat vs alle anderen), in einer Gesellschaft, die Privilegien als Bürde verkauft und wo Menschen, die mit viel Macht ausgestattet sind, lieber Opfer spielen (siehe Schland), ist all das verständlich.

Trotzdem ist die Frage für mich, wem dieses Denken eigentlich in die Hände spielt, welche Logiken hier bedient werden und wie wir uns gemeinsam um Verantwortungsübernahme bemühen und diese praktizieren können, wenn wir ständig Einzelpersonen universalen Expert_innenstatus zuschreiben und jede_n „Neuzugang“ akribisch auf Positionierung abchecken, Verteidigungshaltung und Abgrenzung immer im Stand By Modus haben. Wenn Positionen, die wir nicht sofort mit „Ja, das stimmt/sehe ich genauso/geht mir genauso“ quittieren können, erst einmal solche sind, die kritisch zu beäugen und ggf. als „privilegiert“ abzulehnen sind. Es geht hierbei auch um den Umgang mit (Angst vor) Kontrollverlust. I totally get it.

Ich rolle mit den Augen und stöhne, wenn Menschen aufgrund ihrer Lebensentscheidungen denken, ihre (strukturellen) Privilegien seien dadurch nicht mehr vorhanden. Das fällt mir bei weißen Heten auf, die sich ab einem bestimmten Alter nicht ausschließlich sexuell auf ihre weißen Typen beziehen wollen und dann anfangen queere Räume und Personen zu sexualisieren / fetischisieren, sich aufregen, wenn sie nicht sofort gedatet werden (die sind ja auch voll diskriminierend!!!einself) aber dennoch gesellschaftlich als Hete eingelesen und entsprechend behandelt werden, die trotzdem mit Typen-Bezogenheit aufgewachsen sind, das als normal erlebt haben und sich bis heute vornehmlich auf Typen beziehen, Sorgearbeit für Typen leisten usw, also insgesamt in einer heterosexuellen Logik weiterleben (können, wenn es ihnen bequem erscheint). Andere haben diese Wahl einfach nicht. Diskriminierung hat für mich viel mit Optionen haben im aktuellen System, in dem ich lebe, zu tun. Und dass verschiedene Wahlmöglichkeiten, die ich habe, eher mit sozialer Anerkennung und Aufwertung einher gehen. Hete(Sternchen) ist dann eben kinky, modern, tolerant, individuell, aufgeschlossen und nicht Kampflesbe, scheiß Mannweib, „Es“, Gewalt, Vereinzelung/Isolation, Psycho_Pathologisierung, rassistische Polizeigewalt, Arbeitslosigkeit, das staatliche Verbieten von Reproduktion und Familiengründung, Armut und das Verletzen von (körperlicher) Selbstbestimmung.

Dennoch bleibt es problematisch aus diesem Kack-Hetenverhalten auf Lebensrealitäten anderer zu schließen, die für mich nicht „eindeutig genug“ betroffen sind. Ich kann nicht immer wissen oder nachvollziehen oder verstehen. Ich kann nicht verhindern, dass Menschen sich Lebensrealitäten aneignen, die nicht ihre sind. Ich kann schlicht keine Kontrolle darüber ausüben, wie verantwortungsvoll Menschen mit ihren komplexen Geschichten, mit ihren Diskriminierungen und Privilegien umgehen.

Mir hilft es in solchen Momenten, mich weniger auf mich selbst und meine Ängste und meine Ohnmacht zu konzentrieren, mich anzuerkennen (ja ich habe all das erlebt/erlebe all das, ja das ist meine Realität, mit der ich Umgänge finden muss) und mich öfter als Person zu begreifen, die dennoch sehr viele Wahlmöglichkeiten in ihrem Leben hat und mit vielem gar nicht und niemals umgehen muss. Daraus Verantwortung und solidarische Handlungen abzuleiten. Die Perspektive auf mich als „Betroffene, die jederzeit achtsam sein muss“ hin zu anderen, ihren Geschichten, ihren Politiken zu lenken. Ich erlebe das als sehr befreiend, empowernd und liebevoll. Es bereichert mich, es öffnet mich und stärkt mich in meinem Sein. Ich kann meine Identität in der Komplexität wahrnehmen, die sie nun einmal hat und finde Verbindungen mit anderen ohne dieses politische Abchecken, Einordnen und Performen. Mich selbst auch ein bisschen von diesen Kategorien zu befreien, im Sinne von: ihnen nicht mehr so viel Macht über mich, meine Entscheidungen und Handlungen zu geben (bzw die Möglichkeiten herauszufinden und auszureizen). Ob es jetzt nun Schuld oder Scham ist, weil ich Privilegien habe oder Angst vor Kontrollverlust, Ohnmacht, weil ich Diskriminierung erlebe… Sometimes I’m able to get over myself.

Das macht mich aktiv, gestaltend und lebendig. Es unterstützt mich in meiner politischen Arbeit. Es eröffnet andere Perspektiven und ermöglicht (andere Wege von) „gemeinsam“. Es gibt mir Hoffnung. In solchen Momenten erlebe ich, dass Utopie doch etwas sein kann, dass im Hier und Jetzt stattfindet.

Ausschluss oder Ausgangspunkt? Bündnisse und Fragen an die Lesbenbewegungen in der DDR

Vergangene Woche habe ich in Halle einen Vortrag mit o.g. Titel anlässlich der Tagung „Das Übersehenwerden hat Geschichte. Fachtag zu Lesben in der DDR und in der friedlichen Revolution“ gehalten.

Für alle, die nicht dabei sein konnten oder den Vortrag noch einmal nachlesen wollen: Hier geht es zum Download

Abstract:
Übersehenwerden hat und macht Geschichte. In der Rückschau auf vergangene oder nicht mehr existierende soziale Bewegungen, Veranstaltungen, Projekte oder Gruppen wird häufig nach inhärenten Ausschlüssen gefragt. Wer konnte mitmachen und sich Gehör verschaffen? Wer wurde gesehen, wahrgenommen, anerkannt? Wer durfte öffentlichkeitswirksam sprechen und worüber? Welche Inhalte blieben unthematisiert und welche Auswirkungen hatte dies auf Zusammensetzung der Bewegungen, Gruppen und Akteur_innen? Wer hat und macht Geschichte?

Bedeutsam hierbei ist, dass den Fragen „Warum“ und „Wie“ meistens die Frage nach dem „Wer“ vorausgeht. Statt zunächst die eigenen Organisationen, deren Strukturen, Arbeitsweisen und Themensetzungen zu be_fragen, müssen die Ausgeschlossen häufig erst „entdeckt“ werden. Um im nächsten Schritt darüber zu entscheiden, ob und welche ihrer Anliegen den eigenen „einschlusswürdig genug“ erscheinen. Das Machtgefälle, das diesen Überlegungen zu Grunde liegt und von welcher (machtvollen) Position aus diese Entscheidungsprozesse geschehen, bleibt dabei unhinterfragt.

Ich möchte in meinem Vortrag Formen der Retrospektive und Selbstkritik vorschlagen, die weniger nach möglichen Einschlüssen fragen, sondern mit Veränderungen eigener Bündnispolitiken antworten.

Lizenz: CC by-nc-nd 4.0 (Please take care!)

Zwei Seiten von Gewalt in Beziehungen.

Hast du dich schon mal gefragt, was du aus Rücksicht zu deine_r Partner_in/nen nicht tust? Was du vermeidest, unterlässt, unterschlägst, verheimlichst, obwohl du doch eigentlich und gerne und normalerweise und sonst auch… ?

Hast du dich schon mal gefragt, an welchen Punkten, zu welchen Zeiten, in welchen Momenten du deine Handlungen stoppst, unterbrichst, ihnen Einhalt gebietest und es sich anfühlt, als wäre nicht nur ein vorsichtiges Herantasten und Erkunden zum Erliegen gekommen, sondern als würdest du mit aller Anstrengung deinen Willen gefangen halten?

Hast du dich schon mal gefragt, wie häufig das passiert und welche Weg_Erklärungen du für dich selbst findest, um deinen eigenen Willen zu sanktionieren, zu unterdrücken, zu verwerfen? Empfindest du Trauer, wenn dein Wille sich nach Fürsorge, Zuwendung und liebevoller Berührung sehnt und all dies unerfüllt bleibt? Sagst du manchmal: „Es tut mir leid“, „Ich kann nicht“, „Vielleicht ein anderes Mal“, bevor du dich von ihm abwendest? Sagst du manchmal: „War eh nicht so wichtig“?

Hast du dich schon mal gefragt, warum dein_e Partner_in/nen von all dem nichts wissen? Warum du still bist? Warum sie nicht nachfragen? Warum bestimmte Antworten okay sind und andere nicht? Warum dein Wille sich anfühlt wie das Objekt von Eifersucht? Warum du deinen Willen manchmal gar nicht wieder erkennst? Warum du öfter verunsichert bist? Schämst du dich? Spürst du Schmerzen von Verlust? Bist du erschöpft?

Hast du dich schon mal gefragt, ob du Beziehung/en mit Selbstaufgabe verwechselst?

Hast du dich schon mal gefragt, ob deine Beziehung/en mehr Raum einnehmen als dir gut tut?

Hast du dich schon mal gefragt, was dir gut tut?

Hast du dich schon mal gefragt, ob du Gewalt in deiner/n Beziehung/en erlebst?

Hast du dir schon mal gesagt, ja, aber…?

Ist „Gewalt in Beziehungen“ Gegenstand deiner Theoretisierung, Analyse, Einordnung, Zuordnung, Bearbeitung, Werdung, Vermeidung, SichImProzessbefindung, Reflektionen, Auseinandersetzung?

Sprichst du mit anderen über Gewalt in Beziehungen?

Hast du Zugang zu deinen Gefühlen?

Was ist Eifersucht für dich?

Folge deiner Traumata und Verletzungen?

Dein inneres Kind, das sich nach Zuwendung sehnt?

Hältst du dich in Beziehungen für selbstlos, fürsorglich, aufmerksam, wertschätzend?

Fühlst du dich in Beziehungen missachtet, verletzt, nicht wertgeschätzt, nicht wahrgenommen?

Sind alle deine Gefühle erstmal okay?

Sind alle deine Erwartungen erstmal okay?

Sind alle deine Wünsche erstmal okay?

Sind alle deine Bedürfnisse erstmal okay?

Hast du dich schon mal gefragt, ob du Gewalt in deiner/n Beziehungen ausübst?

Hast du dich schon mal gefragt, warum du darauf mit „Nein“ antworten kannst/möchtest?

Zwei Seiten von Gewalt in Beziehungen.

Die eine hat etwas mit der anderen zu tun.

Immer.

Die eine hat nichts mit der anderen zu tun.

Niemals.

feminismus als selbstinszenierung

ich habe genau zwei politgruppen: meine band und die mädchenmannschaft. ich mag politgruppen nicht, ich gehe eigentlich nie zu regelmäßigen treffen von gruppe sowieso und arbeitskreis dies und das, selbst wenn mich die themen interessieren. mit politgruppen ist es bei mir wie in liebesbeziehungen. ich habe keinen bestimmten typ, wie mythen um verlieben und anziehung uns immer erzählen wollen. ich verliebe mich, weil ich menschen kennenlerne. obwohl es dreist und falsch wäre zu behaupten, dass äußerlichkeiten keine rolle spielen würden (das tun sie immer! diskriminierende blickregime! und nein, niemand kann sich davon freisprechen), denke ich, dass menschen mich umso mehr anziehen, je vertrauter und näher wir uns sind. ich finde mich in gruppen zusammen, weil wir ähnliche herangehensweisen und perspektiven haben, mit dem, was wir wollen. mit der band ist das so, mit der mädchenmannschaft ist das so. verschiedene charaktere, die dynamiken passen, wir haben uns aufeinander eingegroovt. wir haben uns kennen- und lieben gelernt. wir lernen voneinander, wir bereichern uns, wir schenken uns aufmerksamkeit, wärme, zuneigung, wir reden nicht nur über dinge, die nicht viel mit unserem leben zu tun haben. deswegen mag ich politgruppen nicht. weil sich dort meistens zuerst über inhalte zusammengefunden wird, noch bevor ich die leute kenne, die über diese inhalte sprechen.

die feministische netzszeneria in schland ist so eine politgruppe. mensch folgt sich, weil irgendwas mit antira, queer-feminismus, radikal, bunt, glitzer, pink, riots not diets in der twitter bio steht und sich tag ein tag aus über die gleichen sachen empört wird. doofer artikel in leitmedium xy hier, voll der kackscheißefail von dude tralala dort, schnell noch ein RT der demofotos gemacht, #hashtagerfunden und zwischendrin wieder ganz viel personal mimimi. manche haben 10k-20k follower, schreiben bücher, reden auf veranstaltungen, kündigen ihren ausstieg an, kommen wieder,  posten selfies und haben die pille danach zum feministischen thema des jahres auserkoren. manche haben eigene blogs oder tumblrs. irgendwo zwischen all den dingen, die ich gerade aufgezählt habe, bin ich.

ich hab lange angenommen, das internet sei meine favorite politgruppe. ich habe in fünf, sechs jahren tolle menschen über das internet kennengelernt, mit denen ich heute befreundet bin und die ich regelmäßig von angesicht zu angesicht treffe. ein paar andere sind vielleicht (noch) nicht meine freund_innen, aber wir haben uns gern und schätzen uns. ich habe lange angenommen, das internet sei meine favorite politgruppe, weil ich der festen überzeugung war, dass die ganzen blasierten feuilletonisten und internetausdrucker unrecht haben mit ihrem kulturpessimismus, das internet würde soziale beziehungen kaputt machen und unser hirn zu brei und überhaupt seien wir doch zu wahrer, echter kommunikation überhaupt nicht mehr fähig in dieser fantasiewelt, in der wir uns ständig aufhalten, sobald wir den laptop aufklappen oder das smartphone zücken!!! heute denke ich, dass ich mir ganz schön viel von den blasierten feuilletonisten und internetausdruckern abgeschaut habe in sachen kulturpessimismus.

ich bin immer wieder aufs neue beeindruckt, was das internet alles schafft. aktionen, interventionen, kritikformen, netzwerke, es ging ab in den letzten jahren aktivismus, in einer rasanten geschwindigkeit, überbordenden informationsdichte, das ganze pipapo. ich preise das internet für all das, was ich in meiner zeit als (netz)aktivistin mit/erleben durfte. vieles wäre ohne internet gar nicht denkbar gewesen oder völlig anders verlaufen. das internet hat politischen aktivismus wahnsinnig verändert. manchmal bin ich naiv und kann mir gar nicht vorstellen, dass die zahl derer, die in schland gegen diskriminierung kämpfen, so dermaßen gering ist, dass das bundesamt für statistik für sie bisher keinen namen hat, der irgendwas mit hintergrund heißt.

vor einer weile hat mich das internet kaum noch interessiert. eine der gründe war, dass ich jedes mal, wenn ich bei twitter auch nur länger als 5 minuten eingeloggt war oder einmal durch meinen feedreader scrollte, angstattacken und depressive schübe bekam. oder mir platzte gefühlt der schädel. ich fand es extrem anstrengend, mich in dieser riesenpolitgruppe namens netzfeminismus zu bewegen. es war wohltuend sich eine auszeit zu gönnen. mein blick auf die welt verengt sich auch heute noch sehr schnell, wenn ich zu lange online bin. ich kann dann nicht mehr filtern, was ich wichtig finde und was nicht. was relevanz hat für mich und was nicht. wenn ich überfordert bin, werde ich wütend, traurig, nervös, kann nicht schlafen, nicht essen, kurz: mein leben kotzt mich an. einen großen anteil daran hat diese politgruppe namens netzfeminismus. ich fühl mich manchmal wie bore out.

obwohl ich mittlerweile meine timelines und feedreader sehr gut sortiert habe und eigentlich nur noch personen und blogs folge, die mir wichtig sind und die ich immer lehrreich, lustig und informativ fand, schwappt dann doch mal durch RTs oder verlinkungen zeug in meine timeline, das mich instant runterzieht oder auf die palme bringt. und ich gebe zu, dass der langweilige privileged quark (neue männer, boyfriends, gleichstellung, frauen!!!, heten!!!) mich nur noch müde lächeln lässt. was mich ärgert ist eine bestimmte attitüde, die von Alphafeministin bis queer underground reicht. Eine inszenierung einer politisch korrekten identität, die getrieben ist von ständiger selbstoptimierung bei permanenter larmoyanz. eigentlich steht das eigene leid 90% der zeit im vordergrund, aber um diese selbstzentrierung zu kaschieren, werden zwischendrin random links und texte umhergeschickt und reflektierte gedanken formuliert, die von anderen beflissentlich gefavt und RT werden. diskriminierend sind immer nur die anderen und eigene privilegien finden tarnung hinter einer rhetorik, die kritik abprallen lässt. vieles davon finde ich extrem emotionslos und irgendwie mechanisch, so als sei aus den leuten das leben herausgesaugt, als würde die welt nur noch darin bestehen, von ihnen benannt, einsortiert, bewertet und politisiert zu werden. als sei welt eine einzige rationalisierte, intellektualisierte analyse. auch dann, wenn behauptet wird, intellektualismus sei nur was für’s bürgertum (und bürgertum: das sind auch immer nur die anderen).

ich bewege mich auch hierbei zwischen all dem und kann mich selbst nicht davon frei sprechen, merke aber, dass mir das überhaupt nicht gut tut, so zu agieren oder anderen dabei zuzusehen. vieles davon erinnert mich stark an christliche traditionen, an deutschland und sein unendliches streber_innentum mitsamt seiner nervigen nörgelei und seinem bürokratischen, emotionslosen, funktionalistischen verständnis von nahezu allem, perfektionismus mit stock im arsch und jammern auf höchstem niveau. und wenn ich mir anschaue, wer sich und wie wir uns da so gegenseitig behuddeln und beflauschen und strichlisten führen für fails, wie wir uns wie die geier auf leute stürzen, die undifferenziertes gedöns labern, aber selbst nicht besser sind, ständig auf der suche nach neuen marginalisierten identitäten, weil privilegiert das neue unsichtbar ist (und wir wollen sichtbar sein, sichtbar sichtbar! nicht mehr und nicht weniger als das), ja dann komme ich zu dem schluss, dass das wohl wieder nur ein um sich selbst kreisender privilegierter, studierter, weiß(und machmal auch west)deutscher zirkel ist, der sich nicht fragt, wo all die anderen sind, aber ständig von ausschlüssen redet, der sich leider viel zu wenig gedanken darum macht, was wir gemeinsam verändern und wie wir uns gegenseitig stärken können und zusammen an projekten arbeiten können. und der nicht ehrlich zugeben kann: nein, ich arbeite nicht mit dir zusammen. nicht, weil du privilegiert bist / problematische politiken fährst, sondern weil ich dich einfach nicht leiden kann.

wenn andere auf die eigene verantwortung hinweisen, die immer nur ins außen verlagert wird, sind sie die rücksichtlosen mistkühe (<3), die vermeintlich längst nicht so diskriminiert sind wie eine_r selbst. und wenn es das nicht ist: irgendeine politisch korrekte ausrede findet sich immer. wer keine verantwortung übernimmt, hat eben mit diskriminierungsbelastung zu tun. lieber meinen nachmittag am see mit meiner zweierbeziehung zubringen, mich besaufen, meinen guilty pleasures nachgehen, fernsehen, ausmalen sind dann keine dinge mehr, die ich tue, weil ich sie möchte (ganz egal, wer das privilegiert findet), sondern das ist dann self-care. und das wird ja wohl erlaubt sein! weil politisch und so!!! feminist burn out!!! mal sehen, wer von uns diesen aktivismus als erste_r durchgespielt hat. und wie viele social justice tumblr ich dafür noch abonnieren muss.

das internet ist prädestiniert für selbstinszenierung. deswegen mag ich das internet. weil ich mich verstecken kann, weil ich mich ausprobieren kann. dass ich mich gar nicht so ausprobieren kann, wie ich möchte, weil ich im internet nur 2 identitäten habe [hysterische, irre, faschistoide lesbe/klima der angst und die silencende privilegierte feministin], egal was ich tue, habe ich erst später bemerkt. deswegen bin ich aus der großen politgruppe netzfeminismus ausgeschieden (aber es gibt ja gar nicht DEN! netzfeminismus)  und verlasse seitdem lieber öfter mal das haus, mache fehler und scheitere (an meinen eigenen ansprüchen), konzentriere mich (mehr) auf meine politgruppen und freund_innen. sehr empfehlenswert.

ich hab ewig keine rants mehr geschrieben (bis auf diesen hier), weil ich zwischendurch zu der erkenntnis gelangt bin, dass das unproduktiv, unkonstruktiv, undifferenziert und keine coole form von politik ist, womöglich fallen da noch worte, die undurchdacht sind oder sowas. rants sind überhaupt nicht selbstkritisch. die 2,3 selbstkritischen sätze im text habe ich auch nur so pseudo reingeschrieben. weil eigentlich habe ich gerade gar keine lust mich selbst zu kritisieren. voll edgy.