Posted on Sep 17, 2009

Enterhaken an der falschen Stelle gedrückt

Bereits zum dritten Mal zeigt sich die Piratenpartei politisch naiv und dümmlich pragmatisch, was den rechten Rand betrifft. Das Netz empört sich zu Recht und es hagelt Kritik im Minutentakt über Twitter oder Blogs.

Dieser Kritik entgegnen die Piraten sofort mit vermeintlichen – jedoch hochgradig peinlichen – Totschlagargumenten “Man wird doch wohl mal dürfen”, “Man muss doch mit denen reden”, “Wir unterwerfen uns nicht der Meinungsdiktatur” “Piraten stehen weder links noch rechts, sondern machen sich gemein mit einer Sache” oder “Vielleicht kriegen wir ja ein paare rechte Wähler weg vom rechten Rand”. Dass sich die Argumentation teilweise widerspricht – geschenkt. Was viel verwerflicher ist – die Ignoranz der Partei gegenüber eigenen eklatanten Fehlern.

Zu den Argumenten…

1. “Man wird doch wohl mal dürfen”

Klar. Wer verspürt manchmal nicht die Lust mit dem braunen Pack einen gemütlichen Plausch abzuhalten? Natürlich ohne riskante Themen anzuschneiden. Herr X. aus M., für den die Islamisierung Europas das Ende des Abendlandes bedeutet, kann mir sicher auch mein Notebook reparieren oder mir den abgepackten Rindergulasch von Rewe für nur 2,99€ empfehlen, während wir uns beim Müll runtertragen zufällig über den Weg laufen.

2. “Man muss doch mit denen reden”

Klar. Wer verspürt manchmal nicht die Lust mit dem braunen Pack einen gemütlichen Plausch abzuhalten? Natürlich ohne riskante Themen anzuschneiden. Herr X. aus M., für den die Islamisierung Europas das Ende des Abendlandes bedeutet, kann mir sicher auch mein Notebook reparieren oder mir den abgepackten Rindergulasch von Rewe für nur 2,99€ empfehlen, während wir uns beim Müll runtertragen zufällig über den Weg laufen.

3. “Wir unterwerfen uns nicht der Meinungsdiktatur”

Klar. Alles was nicht nach dem piratischen Sinne diskutiert wird, ist natürlich reine Diktatur, Zensur, Beschneidung, Krieg gegen die Demokratie, etc. pp. ohne inhaltliche Auseinandersetzung. Das haben die Piraten doch gar nicht nötig. Mit ihrer Deutungshoheit über digitale Themen. Der Herr da hinten hat eine Wortmeldung?! Ja? Bitte! Achso! Das Argument mit Gutmenschentum und typisch deutscher Political Correctness hatten wir noch nicht. Danke sehr. Vielen Dank, dass Sie an diesem demokratischen Prozess der MeinungsfindungWortergreifung teilgenommen haben.

4. “Piraten stehen weder links noch rechts, sondern machen sich gemein mit einer Sache”

Löblich. Brüderlich reicht man sich die Hand im Kampf gegen Zensursula, und äääh… Zensursula. Die wird nach Kinderpornos auch vor faschistischen Inhalten und Volksverhetzung keinen Halt machen, die olle Schrapnelle. Nieder mit ihr! Breitet eure Arme aus und heißt die neuen Schafe herzlich willkommen in der ersten unpolitischen Partei Deutschlands, die Anspruch auf ein paar Sitze im Bundestag erhebt, um nicht mehr im verborgenen Kämmerlein oder im nächsten Straßencafé ihr W-LAN bemühen zu müssen. Übrigens: W-LAN für alle!

5. “Vielleicht kriegen wir ja ein paare rechte Wähler weg vom rechten Rand”

Herr X. aus M, der mir neulich dieses fantastische Rindergulasch-Rezept an die Tür gehängt hat, erzählte mir gestern beim Müll runterbringen, dass er jetzt Mitglied in der Piratenpartei ist. Findet er voll dufte – das Wort “cool” sei ja nur ein Indiz für den fortschreitende Amerikanisierung des deutschen Sprachraumes und bedeute damit das Ende des Abendlandes -, dass er jetzt endlich seine politische Heimat gefunden hat. Dort kann er die Notebooks von allen reparieren, natürlich arbeitet er unter einer CC-Lizenz, ist doch klar, und hat monatlich 1 GB Datenvolumen für umme auf dem Piratenserver für seine Hitler-Bilder, NPD-Parteitagsmitschnitte und Leni-Riefenstahl-Videos frei. Die er folgerichtig zum kostenlosen Download für alle Parteimitglieder freigibt. “Die Nachfrage nach Steinigungsvideos aus arabischen Ländern ist allerdings am größten”, erklärte er mir mit leuchtenden Augen. Die Piraten machten sich schließlich gemein mit der Sache, alles Unrecht auf der Welt lückenlos zu dokumentieren. “Manchmal, da sitzen wir abends bei Bier und Bytes zusammen und flanieren über den Islam und Moscheenbau in Deutschland. Bald – so nehmen wir uns dann immer vor – wollen wir mal so ein Papier einbringen in den Bundestag. Natürlich für alle – natürlich mit CC-Lizenz.” Als wir uns verabschiedeten, rief er mir noch hinterher, dass er ganz stolz darauf sei, dass die Junge Freiheit das Papier schon veröffentlicht hätte. Daraufhin sei der Artikel 300 Mal geretweeted worden – pro Stunde. “Das Internet – die tollste Erfindung der Welt”, schalmeite es, bevor meine Tür ins Schloss fiel.

Foto: PaGn (CC)

36 Comments

  • Tobi sagt:

    Die geschossenen Eigentore von den Piraten sind wirklich derb, aber ich finde es nicht richtig, jetzt die ganze Partei in ein rechtes Licht zurück, Lantzschi.
    Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Herrschaften nicht mal wirklich braun sind, sondern nur einfach selten dämlich².

  • lantzschi sagt:

    ich rücke doch die partei nicht ein rechtes licht. dann hast du den text wohl nicht verstanden :)

  • Tobi sagt:

    Ich habe den Text schon verstanden, aber irgendeinem Hirn muss der Dialog ja entsprungen sein und warte kurz, ich zähle mal die Autoren hier, …., ah ja, 1. :)

  • spa sagt:

    “das netz” beschwert sich wohl kaum, sondern nur teile davon. aber ansonsten fein gewörtert!

  • lantzschi sagt:

    @tobi: der text ist eine übertreibung und keine zuschreibung

    @spa: natürlich völlig richtig erkannt.

  • xbg sagt:

    Zitat lantzschi: “Brüderlich reicht man sich die Hand im Kampf gegen Zensursula, und äääh… Zensursula. Die wird nach Kinderpornos auch vor faschistischen Inhalten und Volksverhetzung keinen Halt machen, die olle Schrapnelle. Nieder mit ihr!”

    Plötzlich kommen wir also auf den Trichter, dass der Kampf gegen eine Zensurinfrastruktur auch den bösen Buben helfen könnte? Na großartig. Dann hätten wir das bei den Pädophilen ja auch schon als Argument erkennen können und uns gleich in die starken Arme von Schäuble schmeissen können, oder?

  • mr.plow sagt:

    alles sehr richtig. aber: die piratenpartei ist die einzige basisdemokratische partei deutschlands. niemand kontrolliert was ihre spitzenkandidaten und redensführer vertreten. können einzelne dann für diese partei sprechen? sicher sind dumpfbackiger politdilettantismus und naive farbenblindheit dinge die online und offline gerne kritisiert werden dürfen. aber rhethorisch jetzt das projekt abzuschreiben, scheint mir nicht weniger plump.

    mal am rande: wie viel professionalität erwartet man von einer partei die sich gerade erst gegründet hat? sollte man nicht den (piraten-)hut ziehen vor einer partei die in wenigen monaten 16 landesverbände aufgabaut, ein spannendes parteiprogramm verabschiedet und fast täglich irgendwelche aktionen und veranstaltungen ausgerichtet hat?

    mir scheint wir haben es hier eher mit dem aufmerksamkeitszyklus der medien und seiner hauptkonsumenten (blogger, mich eingeschlossen) zu tun, die glauben nach dem großen hype generation-x-style das was sie vor 10 minuten noch gut fanden plötzlich zerreißen zu müssen. es gibt eben keinen gott. erst recht nicht im netz. nur menschen die etwas tun wollen.

    solidarität ist, wenn’s nicht cool ist.

  • spa sagt:

    @mr.plow: das problem ist nicht fehlende professionalität, sondern entweder fehlende sachkompetenz (z.b. aufgabe: google “junge freiheit”) oder ein fehlendes problembewusstsein oder einfach nur dummheit oder tatsächlich eine rechtslastigleit mindestens einzelner auch in führungspositionen. was auch immer es davon ist: es qualifiziert nicht unbedingt für ein bundestagsmandat bzw. dann sind die piraten genauso usselig wie viele andere. basisdemokratie ist kein positiver wert an sich.

  • lantzschi sagt:

    @mr.plow: da gebe ich spa völlig recht. keiner spricht den piraten das recht ab, welpenschutz genießen zu dürfen. und keiner spricht ihr das recht ab, eine partei zu gründen, veranstaltungen zu organisieren und noob zu sein.
    im grunde machen sie nichts falscher oder richtiger als jede andere rand-partei à la bergpartei, appd, mlpd, etc.

    aber nur weil sie themen besetzen, auf die die große politik leider noch nicht gekommen zu sein scheint, sehe ich keinen grund, dieser partei jene wichtigkeit zuzuschreiben, wie es die halbe netzlandschaft tut. nichts weiter als eine blase. wie du schon sagst, hype.

    basisdemokratie hin oder her, nach meinen “beobachtungen” (möp) besteht diese partei aus nicht mehr als nerds, die fälschlicherweise aufgrund ihres nerd-daseins eine internet-, datenschutz- und kultur-expertise zugesprochen bekommen bzw. sich selbst zusprechen, proleten, mitläufern, die ihre politikverdrossenheit nun in piratenmitgliedschaft umbenennen, chauvis, egalitären und radikalen.
    alles supi – aber dann bitte ab nach hinten zu den anderen antidemokratischen und intoleranten heinis der DKP und konsorten.

    wer sich nicht politisch bekennt (aber im forum über gutmenschentum, frauen und migranten hetzt), wer keine werte vermittelt, wer auf politik scheißt, der hat in der “machenden” politik nichts verloren. und fang jetzt bitte nicht auch noch an, von “post-politik-zeitalter” zu sprechen, wie es an vielen anderen stellen bereits getan wird: http://mspr0.de/?p=891 :)

  • mr.plow sagt:

    “basisdemokratie ist kein positiver wert an sich” doch. genau das ist er.

    die piratenpartei ist nur die geronnene unzufriedenheit der netzpopulation, ohne dass sie für diese stellvertretend sprechen könnte. die eigentliche politische arbeit sollte auch weiterhin online und als teil anderer strukturen (aka social movements) erfolgen. die piraten können und dürfen da nur einen – und nicht einmal den wichtigsten – teil einer politischen strategie bilden. diese rolle haben sie im hinblick auf ihre bescheidenen mittel und das kurze zeitfenster mit bravour gespielt.

    sie werden auch niemals die 5-prozent-hürde knacken. aber als bürgerliche partei würde ich überlegen, ob ich mir 4,5 prozent potentieller wähler durch die lappen gehen lassen will. außerdem: was andere bereits seit jahrzehnten im bundestag vertretene (!) mandatsträger regelmäßig von sich geben ist oftmals so inkompetent und fragwürdig, dass die piratenpartei noch viel rudern muss, um jemals da hin zu kommen.

    ich weiß gar nicht warum wir deutschen immer alles schlecht und kaputt reden müssen. in den staaten, dem kommunismusfeindlichsten land des planeten, klopft man den marxisten auf die schulter, wenn sie lokal kinderbetreungsmöglichkeiten organisieren oder gewerkschaften beraten. man schaut erst was positiv vorangebracht wurde, bevor geurteilt wird. leute werden ermutigt, selbst wenn sie für den moment mehr (schwachsinn) reden als handeln. kritik äußern die meisten erst, wenn sie sich in die sprichwörtlichen eier getreten führen. davon ist die piratenpartei bei mir meilen entfernt. ich finde, von den amis können wir uns deutsche eine scheibe abschneiden… :D

  • lantzschi sagt:

    oh, so voreilig wäre ich an deiner stelle mal lieber nicht.

    die piraten wurden im vornherein mit viel lob überschüttet. warum eigentlich, frage ich mich bis heute, aber gut. weil: was haben sie erreicht? die dinge, die in der vergangenheit angestoßen wurden, war kein piraten-verdienst.

    der knackpunkt an der sache aber ist nicht das interview als solches, sondern die reaktionen darauf. ein offenbarungseid dieses sammelbeckens des populistischen pöbels.

  • lantzschi sagt:

    btw: sobald das internet auch im bundestag angekommen ist, und das wird es über kurz oder lang, sobald ernsthafte vorschläge zur finanzierung von kultur im netz genauso diskutiert werden wie die vorschläge der lobbyisten, wird eine piratenpartei obsolet.

  • xsicht sagt:

    ich finde das interview an sich nicht halb so problematisch wie die horden von piraten, die jeden kritischen artikel darüber (siehe taz.de) überfallen und groß rumbrüllen, dass jeder, der kritische artikel über die piraten schreibt, ein böser mensch der bösen systempresse ist, die die wahre lösung – nämlich die piraten – für deutschland verteufeln wollen. denn wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

    insofern kann man nicht davon sprechen, dass die piraten nur am rechten rand fischen. nein, sie übernehmen gleich die üblichen phrasen der npd.

  • Piraten im braunen Meer…

    Die durch die Große Koalition verabschiedeten Gesetze, welche “wir” gern BKA-Gesetz oder Internetzensur nennen, beeinträchtigen mich in meiner Freiheit. Genau so sehe ich es. Ich sehe meine Grundrechte verletzt, was für mich der Grund wa……

  • mr.plow sagt:

    wenn piraten-anhänger kritiker niederbrüllen, dann ist das schlecht und nicht im interesse ihrer eigenen programatik. das sind die gleichen sektierer die auch auf der seite der kritiker zu finden sind. einige scheinen zu vergessen, dass es dringenderes gibt als selbstdarstellung und abgrenzung in der öffentlichkeit. mal sehen wer endlich mal wieder an “das projekt” denkt…

  • zeilenfeind sagt:

    Das “Netz” empört sich also? Wusste gar nicht, dass IP-Pakete so etwas können.
    Also worüber empörst du dich denn nun?

    Das bisher eher apolitische Menschen, denen die Junge Freiheit kein Begriff ist, sich nun politisch engagieren? Das sie sich dabei auch noch organisieren? Oder empörst du dich, dass sie es in kurzer Zeit nicht schaffen sich die übliche Professionalität anzueigenen? Dann wäre das vermutlich nicht passiert mit dem Interview.
    Dann hätten wir nun Mandatsträger bei den Piraten mit dem üblichen Auftreten, keine Aussage ohne Medienberatung, kein Auftritt ohne Imageberatung und keine Position ohne Marktforschung.

    Nun versuchen also ein paar Gesellen vom rechten Rand auf den Zug aufzuspringen. Das ist nicht schön aber auszuhalten. Sollen Sie doch, in zig Ländern dürfen die Deppen ihren Schwachfug publizieren und die Demokratie geht nicht vor die Hunde. Von mir aus können sie das auch in D. machen. Sollen sie sich Hakenkreuze auf Jacken nähen, die Ausschwitzlüge auf den Arm tätowieren und volksdeutschen Irrsinn bloggen. Ich halt das aus und die Republik auch.

    Und was sollen deine leeren Vorwürfe, es ginge nur gegen Ursula und für freies W-Lan. Ich habe mir das Wahlprogramm vor ein paar Tagen durchgelesen und lese da deutlich mehr. Es geht schlicht darum, dass die Bürgerrechte auch dann noch gelten, wenn wir unser Leben digital führen statt analog. Es gibt keine virtuelle Welt. Das sollte vlt. auch mal wer dem lieben Albrecht von Lucke erklären, die naiven “Nerds” haben das immerhin schon verstanden.

    Die “Nerds” haben auch verstanden, dass dies nicht ein Randthema ist, sondern das zentrale Thema für die Gesellschaft wird. Wir brauchen diese Debatte jetzt in der Politik und nicht nachdem die IP-Pakete alles und jedes vernetzen. Wir hätten sie eigentlich schon Mitte der Neunziger gebraucht aber Technikfolgeabschätzung ist die Stärke der Politik nicht. Ein paar Aufsätze in Telepolis, mehr gab es nicht.

    Leider bekommen wir das Thema nur auf die Agenda mit einem neuen Balken in der Wahlberichterstattung. Mir wäre es lieber, wenn das Thema bei den etablierten Parteien ernsthaft auf der Agenda stünde. Allein, dem ist nicht so. Sollte sich das nun ändern, prima, dann nähen wir aus den orangenen Fahnen schicke Vorhänge für Kneipen, machen den Laden wieder dicht und bestellen ‘nen frischen Latte. Mir wäre es recht.

  • lantzschi sagt:

    @zeilenfeind: da sind wir uns doch völlig einig. hast du die kommentare gelesen? die bundespolitik hat dieses wichtige thema nicht auf dem schirm. früher oder später wird das aber kommen, dann brauchen wir keine unpolitischen nerds mehr, die meinen ohne politik politik machen zu können. blinder populismus…

    genau um den letzten punkt ging es mir nämlich mit der obenstehenden polemik, die du offensichtlich nicht als solche verstanden hast.

    memo an mich: disclosure schreiben!

  • lantzschi sagt:

    der text von albrecht von lucke in der taz nach dem JF-Debakel der Piraten ist übrigens genau das, was sich einige in der jetzigen debatte mal vor augen halten sollten und warum die piraten damit unwählbar sind. just my 2cent

  • RC sagt:

    Ich sehe es auch so, dass einige Mitglieder der Piratenpartei wirklich mal in sich gehen sollten um zu verstehen, dass nicht jede Kritik “böse” ist, sondern auch manchmal ernst genommen werden _muss_. Irgendwie hacken derzeit so viele auf die Partei ein, dass manche alles pauschal als “Niedermachen” auffassen. Insbesondere wenn es aber konstruktive Kritik ist, an der zudem was dran ist, ist das natürlich sehr ärgerlich.
    Zur Verteidigung der Piraten kann ich allerdings sagen, dass Leute die oft im offiziellen IRC hängen von solchen Sachen, die von aussen wahrgenommen werden, überrascht werden. Dort ist das gar nicht so, wie man es in den Blogartikeln liest. Dort macht man niemanden nieder weil er mal Kritik an der Partei übte. Auch hat man dort keine Nähe zum rechten Rand. Die besprochenen Themen drehen sich im Schwerpunkt darüber mit wem man im Fall der Fälle koalieren würde oder ob bzw. wie lange an dem Merkmal einer 1-Themenpartei festzuhalten ist.
    Meine Vermutung für dieses Verhalten ist, dass sehr viele Mitglieder der Partei sehr jung sind, was einfach zu eher hitzigen Aubrüchen führt, statt zu gemäßigten Reaktionen. Wenn Leute älter werden, dann legt sich auch oft das Temperament etwas. Bitte nicht als Entschuldigung für schlechtes Verhalten missverstehen!

    die bundespolitik hat dieses wichtige thema nicht auf dem schirm. früher oder später wird das aber kommen, dann brauchen wir keine unpolitischen nerds mehr, die meinen ohne politik politik machen zu können.

    16 lantzschi schrieb:

    Daran glaube ich jetzt überhaupt nicht. Langfristig (lang=viele Jahre) wirst du natürlich recht behalten – wenn die klassischen Medien mehr und mehr an Gewicht verlieren, KÖNNEN die anderen Parteien ja gar nicht mehr anders als dem irgendwie Rechnung zu tragen.
    Jedoch ist es doch so, dass DERZEIT davon überhaupt _gar nichts_ zu sehen ist. Im Gegenteil. Wieso sollten entsprechende Interessensgruppen jetzt so lange warten bis sich das _vielleicht_ mal ändert? Eine Garantie gibt es doch auch keine. Könnte doch auch niemand geben. Also macht die Piratenpartei doch Sinn! Umweltprogramme haben, seit es die Grünen gibt, inzwischen auch alle anderen im Parteiprogramm stehen – sind die Grünen deshalb jetzt überflüssig geworden? Ich finde nein. Daher sehe ich auch nicht, wieso das jetzt bei der Piratenpartei so sein sollte.
    Für die nahe Zukunft (=nächste Legislaturperiode) ist es ohnehin so, dass die CDU plant das Three Strikes Modell in Deutschland einzuführen wie es gerade in Frankreich verabschiedet worden ist… Ich hoffe mal ihr kennt alle das Hadopi Gesetz und wisst wovon ich spreche… Dazu soll der Datenschutz weiter angegriffen und aufgeweicht werden. Steht alles im Programm. Jetzt hab ich nicht mal erwähnt, dass die Filter weiter vorangetrieben/ausgebaut werden sollen! Brigitte Zypries von der SPD wird auch die Rechte der Urheber weiter ausbauen, obwohl sie ja schon 2 Novellen gemacht hat. Was auch wieder nur Three Strikes heißen kann, weil das nunmal auf den Wunschlisten steht. Weitere Kontrolle hat sie erwähnt. Statische IPv6 Adressen, die wie Fingerabdrücke jeden Nutzer identifizieren sollen, sind bereits auf ihrem Horizont aufgetaucht. Das alles nur in den nächsten 4 Jahren!
    Wer sich bisher schon an den Filtern gestört hat (und wer hat das nicht, dem Freiheit im Netz etwas bedeutet), für den tut sich hier ein waschechter Albtraum auf.
    Angesichts dieser Aussichten sind Leute wie ich, auf eine solche Partei dringend angewiesen, da sie in keiner anderen Partei eine Vertretung finden! Deshalb wünsche ich mir auch das die Partei lernt freundlicher mit Kritikern umzugehen und wenigstens versucht einzusehen, dass ein bisschen Gegenwind kein Weltuntergang ist – das es sogar im Gegenteil gut sein kann, wenn man mal einen Spiegel vorgehalten bekommt.

  • lantzschi sagt:

    lieber rc,

    das problem, dass du, die kommentatoren vor dir und die piraten ansprechen ist natürlich selbstredend. und bestritten hat das auch niemand.

    es geht darum, dass sich eine partei, deren inhalt (insbesondere 1 (!!) inhalt) unglaublich wichtig ist, aber für die bundespolitik noch nicht wichtig genug, aufmacht, politik machen zu wollen, wobei ihnen jedes mittel und jede stimme recht ist. egal, von wem sie sich instrumentalisieren lassen. ich rede nicht von irgendwelchen unerwachsenen reaktionen auf kritik, sondern von einer bornierten und z.T. menschenverachtenden haltung in dieser partei. hochgespült wurde das natürlich erst durch die JF-sache. tatsache war das sicher schon immer.

    die piraten haben keinen bock, werte und ideologie, ideale etc zu vermitteln, weil sie politikfaul und feige sind. stattdessen lassen sie zu, dass ihnen irgendwelche spinner die bude einrennen.

    und das alles bei einem so wichtigen thema, dass irgendwann jeden bundesbürger treffen wird. scha(n)de!

  • zeilenfeind sagt:

    Doch, als Polemik war der Text leider klar zu erkennen und in deinen Folgekommentare erkenne ich noch ganz anderer Dinge.

    Lantzschi, irgendwann reicht nicht, sondern fix muss die Problematik auf die Agenda. Sofern sie bisher auf der Agenda war, hätten die Piraten der Politik gut getan.

    Bisher geht es ausschließlich in Richtung Repression, Kontrolle, Interessenpolitik und Populismus. Nicht die Piraten sind die Populisten, die Ursula ist die Populistin kurz vor der Wahl das Fass mit den Kinderpornos und den Sperrfiltern aufzumachen. Die Angela ist die Populisten, wenn sie sich hinstellt und uns erklärt, dass ein paar Videokameras schon alles wieder hübsch friedlich machen werden. Und vor lauter Schiss sich nicht schmutzig zu machen, machen alle brav mit. Sämtliche Parteien und fast die komplette Presse. Also wer ist hier nun populistisch und apolitisch?

    Der liebe von Lucke möchte, dass die Piraten sich mal fix in dem klassischen Parteienschema der Republik verorten und die taz möchte das auch ganz dolle gerne. Das wird aber so schnell nicht passieren, denn aktuell ist das eine Themenpartei.
    Es gibt zu Fragen wie Energieeinspeisegesetzt, Staatsquote, Eigenverantwortung vs. staatlicher Fürsorge etc. pp. aktuell keinen Konsens. Das bedeutet aber nun nicht, dass das alles “unpolitische Nerds” seien, die ja eigentlich keine Politik machen wollten wie du unterstellst.

    Aber ein Wert ist vorhanden und völlig klar: klassische Bürgerrechte sind der Wert und zwar nicht “im Internet” wie immer wieder geschrieben wird, sondern absolut, denn “im Internet” gibt es nicht. Hat es nie gegeben.

    Reicht das also nun, die als Partei zu wählen oder müssen die erst noch ein paar Jahre auf die Weide? Ist es legitim ein Thema zu wählen? Ist es auszuhalten, dass ich dabei eventuell in schlechte Gesellschaft gerate, weil die bösen braunen Buben da ein Mittel zum Zweck sehen um endlich ihre Rudolf-Heß-Gedächtnis-Mützen frei bei ebay verkaufen zu können?

    Ja, mir reicht das und es ist völlig ungefährlich. Die Grünen habe ich Anfang der Neunziger auch nicht gewählt, weil sie so ausgereifte wirtschaftspolitische Ansichten hatten. Die habe ich trotz der obskure innerparteilichen Netzwerke gewählt und obwohl öffentliches Stricken nie mein Ding war. Denn anders war das Thema Ökologie nicht ernsthaft auf die Agenda zu bringen.

    Und damit sind wir beim eigentlichen Problem. Das Problem ist nicht, dass die Piraten noch keine “richtig echte Partei” [tm] mit einem Wertekanon sind. Das Problem ist, dass es in D. nur innerhalb des Parteiensystems möglich ist politisch zu partizipieren.

  • lantzschi sagt:

    @zeilenfeind:

    ich sehe lucke nicht als jemanden, der von den piraten verlangt, sich in das parteiensystem einzuordnen, sondern der erwartet, so wie ich es auch von einer politisch partizipieren-wollenden gruppe erwarte, seine ideale klar und deutlich zu formulieren und diese auch gegen äußere einwirkungen und instrumentalisierungen zu verteidigen. du tust hier so, als wären es lediglich die braunen, die die piraten instrumentalisieren. dem ist mitnichten so. bei den piraten lese ich in den reaktionen auf die JF-Kritik blinden politpragmatismus, wildes rumgetrolle und nahezu PI-ähnliche anfeindungen.
    im piratenwiki werden gutmenschen- und neger-diskussionen geführt und frauen herabwürdigend kommentiert. völlig gleich, ob da echte piraten das wort ergriffen haben oder irgendwelche trolle: piraten machen mit, goutieren sogar einige stichpunkte und distanzieren sich nicht von diesen denkschemata, die in keinster weise mit freiheit zu tun haben. man grenzt sich nicht ab, um wählerstimmen zu fangen.

    die heren ziele, für die sich die piraten als einzige partei deutschlands stark machen, rechtfertigen diese niveaulosigkeiten und naivitäten nicht. nicht, wenn diese partei vielleicht in den bundestag einzieht. halbbraune soße und radikale, getarnt in gutbürgerlich-demokratischen kleidchen haben wir dort schließlich schon genug.

    dass bürgerrechte überall gesichert und verteidigt werden müssen, ist doch bei dieser diskussion allen klar. schaue ich mir die piraten an, sehe ich da jedoch nicht nur bürgerrechtler, sondern zu viele ignorante stammtisch-proleten mit attraktivem netz-anstrich!

  • lantzschi sagt:

    nochmal: ich finde es erschreckend, wie von piraten und piraten-sympathisanten rechte missgeschicke, ohne mit der wimper zu zucken hingenommen und sogar verteidigt werden, um mit aller macht ein thema auf die politische agenda zu bringen, für das nicht mal die piraten das allheilmittel zur hand haben.

  • RC sagt:

    stattdessen lassen sie zu, dass ihnen irgendwelche spinner die bude einrennen.

    19 lantzschi

    Aber Mitglied werden kann jeder. Die Piratenpartei filtert hier nicht. Sachen wie Wiki und IRC Channel sind sogar offen für jeden, nicht nur Parteimitglieder. Damit sind die Piraten fast so ähnlich wie ein offenes Internetforum.
    In Wahrheit ist es wohl sogar so, dass von den 500 Leuten im IRC-Channel vielleicht mal 100 Piraten sind. Es bliebe also sogar noch offen zu diskutieren, welche Äußerungen (gerade in Blogkommentaren) von Parteimitgliedern stammen oder von Sympathisanten/Interessierten. Einer Menge Leute gefällt nämlich das wofür die PP kämpfen möchte, tritt deshalb aber natürlich nicht gleich bei.
    Wie würdest du versuchen, das Mitwirken von eventuell “böswilligen Zeitgenossen” zu unterbinden?

    Ich wünsche mir auch “mehr” von dieser Partei, jedoch halte ich z.B. das Erschließen neuer Themengebiete letztlich sogar für unvermeidlich, sollte es ihr gelingen weiterhin zu wachsen. Ab einer gewissen Mitgliederzahl wird es nicht mehr drin sein, bestimmte Felder zu ignorieren. Wenn die Zeit bis dahin genutzt wird, im Kernthema wirklich gut zu werden, dann sehe ich das sogar eher positiv, dass es bis jetzt “nur” überschaubare Themen sind.

    Am Ende muss ich noch sagen, dass es gerade die Diskussionen im IRC waren, die mir die Partei sympathisch machten. Die Gruppe die man dort antrifft ist hoch informiert (wirft man dort einen News-Link rein, dann kennt den schon jeder) und denkt über Datenschutz/neue Medien genau so, wie ich es immer in der bisherigen Politik schmerzlich vermisse. Es ist absolut nicht die Klientel, die z.B. mein “normales” Umfeld ausmacht – das hat mich dann schon ein bisschen begeistert.

    Der Partei würde es gewiss gut tun, wenn Leute wie du nicht nur mit Artikeln, sondern auch anders auf die Partei einwirken würden. Dann vergrößert sich auch die Chance, dass sie sich zukünftig in eine Richtung entwickelt, die dem entspricht, was man sich am Anfang mal davon erhofft hat.

  • zeilenfeind sagt:

    Ich finde es völlig in Ordnung der Neuen Freiheit ein Interview zu geben. Ich fand das Interview inhaltlich völlig in Ordnung. Die NF ist nicht meine Zeitung aber so richtig unsymphatisch ist mir das reflexhafte Beißen von Frau Seeliger. Ich weiß nicht, was die taz sich dabei denkt, einer Woche vor der Wahl der parteipolitischen Konkurrenz in dieser Form diese Plattform zu bieten. Den Artikel von Lucke finde ich ebenfalls sehr grenzwertig aber das geht nun zu weit und das sollten wir dann besser bei der taz diskutieren.

    Aber gut, da können wir ja verschiedener Meinung sein, ob es sittsam ist der Neuen Freiheit ein Interview zu geben. Als fischen am rechten Rand…also bitte.

    Nun zu deinen Vorwürfen, der Laden wäre “halbbraune Soße”. Oder wie du weiter oben schriebst…”nach meinen
    “beobachtungen” (möp) besteht diese partei aus nicht mehr als nerds,[...], proleten, mitläufern, die ihre politikverdrossenheit nun in piratenmitgliedschaft umbenennen, chauvis, egalitären und radikalen.”

    Öhm ja…das nenne ich mal sachlich, fundiert und frei von Vorurteilen.
    Ich habe mehrere Stammtische aus Interesse besucht, ist ja nicht weit zum Schlesischen Tor, konnte ich mir ja mal anschauen. Viel besser als immer nur zu lesen. Ich konnte die von dir beschriebenen Beobachtungen nicht machen. Ich kann in dem Parteiprogramm keine Hinweise darauf finden und auch nicht im Wahlprogramm. Möglicherweise gibt es ein paar Spinner bei den Mitgliedern. Bei mittlerweile 7000 neuen Mitgliedern in wenigen Monaten und MedienHype ist das sehr wahrscheinlich.

    Ich kann wie du in den Foren und Wikis haarsträubende Wortmeldungen finden. Ich kann dort auch sehr gute Wortmeldungen finden. Ich lege nicht jede Wortmeldung auf die Goldwaage. Zumal ich nicht sicher sein kann, ob dort nun ein Parteimitglied, ein Symphatisant oder ein Troll schreibt. Ich erwarte ganz bestimmt nicht, dass dort sofort alle Mitglieder etwaigen verbalem Mist entgegen treten. Ich habe nach 15 Jahren digital vermittelter Kommunikation gelernt, dass dann jede Sachdiskussion stirbt und der Flamewar beginnt. Zu Godwin’s Law sind es dann meist nur noch 2 Postings. Also beurteile ich die Ergebnisse und da kann ich bisher keine braune Soße entdecken. Insbesondere weiß ich natürlich nun nicht, welche Fälle du konkret im Kopf hast.

    Was ich beobachten konnte ist ein Mangel an Frauen. Das ist bisher leider fast ausschließlich eine Männerveranstaltung aber das laste ich nicht den Piraten an.

  • RC sagt:

    Ich fand das Interview inhaltlich völlig in Ordnung.

    24 zeilenfeind

    Dito.^^

  • weltgeist sagt:

    @ mr. plow:
    1.’“basisdemokratie ist kein positiver wert an sich” doch. genau das ist er.’ nö. wenn jemand basisdemokratisch scheiße verzapft wird die nicht besser.
    2.’ich weiß gar nicht warum wir deutschen immer alles schlecht und kaputt reden müssen’ ich weiß nicht warum deutsche immernoch denken das wäre ein argument. wenn ich mich recht entsinne, dann war “nicht immer alles schlechtreden” ein lieblingssatz meines opas. und zwar wenn es um dinge ging, bei denen wir uns einigermaßen einig sind, dass sie scheiße sind.
    3.’in den staaten, dem kommunismusfeindlichsten land des planeten, klopft man den marxisten auf die schulter, wenn sie lokal kinderbetreungsmöglichkeiten organisieren oder gewerkschaften beraten’ ab davon, dass ich den wahrheitsgehalt der ersten aussage mit blick auf 60 jahre brd und der zweiten mit blick auf den wahlkampf fragwürdig finde – es geht hier doch nicht um formfragen, oder? zumindest ich fänd es hochproblematisch wenn nazis gewerkschaften organisieren. eine kinderbetreuungsmöglichkeit, eine gewerkschaft oder datenschutzbestimmungen sind keine ‘neutralen’ erscheinungen, sondern politisch umkämpfte. und wenn ich mein programm so gestalte, dass nazis das gutfinden können, dann muss ich mir fragen gefallen lassen. der skandal ist ja nicht nur das interview in der jungen freiheit, sondern mindestens ebensosehr, dass der jungen freiheit ihr kampf gegen gutmenschentum und political correctness mit dem der piraten kompatibel erschien…
    @zeilenfeind: ‘Ich halt das aus und die Republik auch.’ die “republik” hält so einiges aus, die frage ist ob das für oder gegen sie spricht. aber nazis sind und bleiben massenmörder im momentan durch (relative) irrelevanz erzwungenen wartestand – die trotzdem auch gerade immerwieder genug menschen einschüchtern und des öfteren auch totschlagen. aber ich bin vermutlich viel zu unsouverän und intolerant.
    @lantzschi: wer sind eigentlich diese “radikalen” von denen du immerwieder schreibst?

  • lantzschi sagt:

    @zeilenfeind und rc: aaah, ich spreche mit zwei piraten :) kein wunder, dass euer geschreibe nicht objektiver wird.

    es heißt übrigens junge freiheit, um mal klugzuscheißen und genau da ist wieder so ein punkt. keiner hat sich mit dem blatt auseinandergesetzt und alle sagen: is ja nicht so wild. ein bisschen mehr googlen hilft das nächste mal. egal, was popp und seipenbusch da von sich gegeben haben, es ist die publikation und das verteidigen dieser. was popp naivität ist, ist bei seipenbusch kühne berechnung. schreibt er ja auch. und ja, er gibt auch indirekt zu, am rechten rand zu fischen, verdeckt durch die argumentation: vielleicht könne man ein paar arme seelen nach hause holen. ja is klar, besonders, wenn man es nicht für nötig erachtet, sich politisch zu positionieren.
    aber wir drehen uns im kreis, wenn es hier bereits wieder darum geht, dass die taz böse ist und frau seeliger mal grünenpolitikerin war. völlig egal, die kritik an den piraten war sachlich und differenziert. andere medien halten es nicht für nötig, sich mit der partei überhaupt auseinanderzusetzen. kinder, alles kinder!

    überlegt euch mal, ob es nicht besser wäre, statt billiger “is mir egal”-attitüde ein bisschen differenzierungs- und einordnungsvermögen an den tag zu legen. zusammenhänge sind was ganz tolles. dann muss man sich auch nicht mehr hinter dem goldwaagen-argument verstecken.

  • lantzschi sagt:

    @weltgeist: radikale für mich in diesem kontext – demokratiefeindlich, freiheitsfundamentalistisch. nicht ganz korrekt, i know.

  • zeilenfeind sagt:

    Also erst diverse Mal pauschal Müll ausschütten und nun sind Deine Mitdiskutanten nicht objektiv, da sie ja Piraten sind. Sorry aber als “Pirat” möchte ich mich nicht bezeichnen, ich teile zentrale politische Forderungen. Ich teile übrigens auch mit anderen Parteien zentrale politische Forderungen. Bei den Pirate sind einige Dinge kritikwürdig aber hier wird ein Wahlkampfskandälchen konstruiert.

    Davon ab ist die taz nicht böse. Die hat eine gewisse Ausrichtung, das ist völlig in Ordnung und ich lese sie gerne. Aber ob es eine gute Idee ist, eine Mitarbeiterin, die jahrelang bei den Grünen war und aktuell für die Heinrich-Böll-Stiftung über die Piraten recherchiert und schreibt, nun als “Partei-Watcherin” für die Piraten kurz vor der Wahl in den redaktionellen Teil zu nehmen, bezweifel ich. Sicher, das ist praktisch, da kann sie ihre Recherchen gleich doppelt verwerten. Bietet sich an aber für mich hat das etwas viel Geschmäckle. Ein Kommentar wäre völlig in Ordnung gewesen. Ein Interview mit ihr wäre völlig in Ordnung gewesen aber ein redaktioneller Artikel ist nicht was ich unter Qualitätsjournalismus zu verstehen gelernt habe. Über die Ausgewogenheit müssen wir nun hier nicht diskutieren, die taz hat ja eine Kommentarfunktion. Wenn wir möchten, können wir das ja dort machen.

    Zu meinem Verstecken hinter meinem undifferinzierten “Scheiß-egal”. Ne, nicht scheiß egal aber eins ist mal klar, wir bekommen die 7% NPD in Sachsen nicht wieder weg, wenn die taz stramm gegen rechts schreibt und wir in Blogs “Pfui Piraten, mit der JF darf man doch nicht reden” rufen. Denn während wir uns dann dem wohlig warmen Gefühle der gestärkten Gruppenidentität hingeben können und aufrecht links durch Fhain flanieren, betreiben die bösen Jungs in den Dörfern Sachsens kommunale Basisarbeit und lachen sich ins Fäustchen. Schaffen Strukturen und Vertrauen, betreiben Freizeitangebote für gelangweilte Jugendliche und sammeln Symphatisanten. Wir bekommen das auch nicht weg, wenn wir denen den Mund verbieten. Denn das geht halt nicht mehr, dann steht der Kram unter *.de.vu. Es sei denn aber das Thema hatten wir ja nun gerade erst mit den Filtern…

    Belege und Quellen bezüglich deiner Einschätzung der braunen Soße wären übrigens hilfreich. Ich find halt nichts, was mich this far and no further rufen lässt.

    PS: Stimmt, ich habe mehrmals Neue Freiheit geschrieben. Lapsus, Neue Freiheit ist das Ekelforum, Junge Freiheit die Ekelzeitung. Gelesen habe ich beides schon, besser ging es mir danach nicht.

  • lantzschi sagt:

    rechten den mund verbieten? davon redet doch gar keiner. die piraten reden aber auch nicht vom kampf gegen den rechtsextremismus. zu dem thema steht in ihrem programm nämlich mal so gar nichts. die interviews jetzt also als kampf gegen rechts auszulegen und zu werten, ist reichlich naiv.

    die npd ist überhaupt auch nicht das problem und basisarbeit machen in sachsen eher die freien kameradschaften. und um jene sollte man sich kümmern. immerhin hat die npd 2009 fast 50% weniger stimmen bekommen, nämlich 5,6% und nicht 7. das sind 4 Sitze weniger, die sich nach den nächsten eskapaden im landtag auch erledigen werden. aber das ist ein anderes thema. jedoch keins der piraten!

    pauschal müll hab ich zu beginn gar nicht ausgeschüttet, denn mein post ist eine überhöhtes, zynisches szenario, dessen aussage du nicht verstanden hast und argumentierst, ich würde das datenschutz- und bürgerrechtsproblem nicht auf dem schirm haben. darum ging es gar nicht. insofern reden wir schon die ganze zeit aneinander vorbei.

    zu frau seeliger: wenn es danach ginge, dürfte sie als ehemalige grüne für absolut gar kein medium arbeiten. totschlagargument. und wenn eine partei einer rechtskonservativen zeitung ein interview gibt, ist das sehr wohl ein thema für die taz. oder fühlt sich da wer ans bein gepisst? nicht die berichtenden sind hier die dummen, sondern die piraten. statt kritikfähigkeit zu beweisen ergeht man sich lieber in schmähkritik über linke, grüne, sozis, taz blabla. peinlich.

    ich fand in den piratenforen doch einiges, was mich hat sehr verwundern lassen. mehrheitlich war man dort für die wiedereinführung des wortes negers in die deutsche sprache :) die anderen sind ja die gutmenschen. aber das hat weltgeist sehr treffend kommentiert.

  • lantzschi sagt:

    @zeilenfeind: was genau an den piraten findest du denn kritikwürdig?

  • zeilenfeind sagt:

    Das Argument, dass J. Seeliger nicht für die taz arbeiten sollte habe ich nicht gebracht. Ich finde es nur ausgesprochen grenzwertig sie zur “Piraten-Watcherin” (der Begriff stammt übrigens von ihr selber) zu machen. Was soll das? Wenn ich frisch aus der CDU raus bin und mit der Konrad-Adenauer-Stiftung verbandelt bin, werde ich dann bei der taz vor der Wahl “Grünen-Watcher” und darf Artikel ins Blatt hauen?

    Einiges stört mich an den Piraten:
    Der Anspruch, das Sprachrohr der “Internetbewegung” zu sein. Das wird ihnen oft angeheftet aber sie nehmen es auch dankbar an. Sofern es so etwas überhaupt gibt, finden sich in ihr auch viele Aktivisten, die mit den Piraten nichts zu tun haben.

    Mich stört, dass auch einige Piraten nicht begriffen haben, dass Bürgerrechte kein Internetthema sind, bzw. bald jeder Mist miteinander vernetzt sein wird. Die Diskussion muss weg von WWW, Musikdownloads und Partikularinteressen, auch in der Öffentlichkeitsarbeit der Partei.

    Die Konzentration auf Kernkompetenzen geht in Ordnung aber einige Dinge sind doch stark mit Bürgerrechten in der digitalen Welt verwoben. Sicherheits- und Außenpolitik (insbesondere EU und IGO-Politik) zum Beispiel. Ich erwarte von denen keine Position zu Afghanistan aktuell aber wie bringen wir die europäische Integration vorran und halten dabei den demokratischen Standard? Da hätte ich schon gerne eine paar konkrete Aussagen.

    Außerdem geht auch mir die Richtung der letzten Wochen zu stark in den Bereich “hippe Jugendbewegung”. Irgendwann hört mein technisches Verständnis auf, ich bin nur ein dummer KoWi-Fuzzi. Ich brauche die echten Nerds, damit die mir die Welt in den Platinen erklären. Ich brauche keine Mitte-Modenerds, die den Style schick finden und ‘ne Hornbrille ohne Dioptrin tragen. Also weniger 5 Prozent-PR und wieder zurück zur Sacharbeit.

    Davon ab werden durch das schnelle Wachstum und dem geringen Organisationsgrad nun viele Spinner in die Partei gespült und es wird noch böse Überraschungen geben, davon gehe ich aus. Das mache ich der Partei aber explizit nicht zum Vorwurf, das können sie kaum verhindern. Auch nicht, dass nun Spinner die Foren fluten.
    Den Vorwurf der Rechstlastigkeit, den empfinde ich dagegen als unfair.

    Ach ja, hatte ich schon gesagt, dass ich die Sprache mit “Squads” etc. teils einfach nur peinlich finde?

  • RC sagt:

    @zeilenfeind und rc: aaah, ich spreche mit zwei piraten :) kein wunder, dass euer geschreibe nicht objektiver wird.

    27 lantzschi

    Huch? Zum einen bin ich erst seit Samstag Mitglied und habe noch nicht mal meinen Parteiausweis, zum anderen hätte ich dir auch davor gar nichts anderes erzählt. Ich habe hier auch schon genug Kommentare geschrieben, dass du wissen könntest, dass meine Meinung recht konstant geblieben ist. Ich bin sogar erschreckend berechenbar, immer der gleiche Tenor von mir, wenn es um solche Themen geht. :P
    Ob mit oder ohne Mitgliedschaft, meine Meinung wäre exakt die gleiche. Das wirst du mir dann schon glauben müssen.

    Davon abgesehen bin ich mir dessen nicht bewusst, noch subjektiver als sonst zu schreiben.

    Genau genommen habe ich dir nicht mal wirklich widersprochen, sondern nur versucht anzumerken, dass es einfach nicht drin ist 100% in einer Partei gegen eine Sache zu bekommen. Das geht halt einfach nicht. Und brächte wieder andere Nachteile. Das es nötig ist irgendwo Grenzen zu setzen, um etwa zu verhindern, dass ein Freiheitsgedanke etwa von Rechtsaussen missbraucht werden kann, ist doch keine Frage – aber im Augenblick bei Themen wie Datenschutz noch kein wirkliches Problem. Sowas wird dann nötig und wichtig wenn mal gesellschaftliche Themen aufgenommen werden.
    Im Falle der Webfilter bin ich bei etwa volksverhetzenden Seiten genauso dafür das sie dann halt gelöscht (statt gesperrt) werden, wie beim dokumentierten Missbrauch von Kindern. Das wäre in dem Fall dann für mich auch kein Entgegenkommen dem rechten Rand gegenüber, denn was sich noch nicht im strafrechtlichen Bereich bewegt, muss man tolerieren. Das ist dann eben unser freiheitlicher Rechtsstaat. Darüber, dass man nicht einfach was gegen böse Buben machen kann, ohne dabei auch Kollateralschäden anzurichten, müssen wir doch nicht reden. Leute wie ich denken sich, sollten sie so eine Seite sehen, ohnehin nur “labert ihr nur euren Mist, ist nicht meine Meinung”.
    Die Piraten haben viel einstecken müssen für dieses Interview und das man sich da blamiert hat (hinterher zu sagen das man keine Ahnung hatte) muss man sich wohl auch gefallen lassen. Aber ich denke man hat daraus gelernt und wird sich in Zukunft da im Vorfeld mehr Gedanken machen. Mehr kann jetzt im Nachinein leider auch keiner leisten. Wenn mein Geschreibe daher nicht mehr objektiv sein soll, weil ich das nicht als die absolute parteizerstörende Krise ansehe, dann weiß ich auch nicht mehr was ich noch sagen soll.

  • [...] die geistig Verwirrten bei der Piratenpartei die lautesten sind, kennen wir ja bereits. Auch eine Genderdebatte hatte es vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr gegeben. Daraus [...]

  • ninguno sagt:

    Vorschlag: Entweder Politiker werden und nur darüber reden es besser zu machen, obwohl man mangels Teilnahme am Prozess eigentlich keine Ahnung hat über was man eigentlich redet bzw. entscheidet. Oder aber aktiv werden und dann nach ein paar Jahren doch in Politikersein abdriften ohne es zu merken. Dann hat mans aber wenigstens versucht. Wir nörgeln ja alle gerne aus Mangel an “richtigen” Problemen. Das wird dann schnell zu einer Nörgelwelle … duh. Dabei ließt sich der “Unterton” des Artikels ehr als mangelnde menschliche Zuwendung beim Author. Zum Ausspruch “man muß doch mal mit denen reden” kann ich nur sagen. Wie denn bitte sonst? Abschreiben, Stempel drauf und für immer verabscheuen. Da klingt der Nichtnazi wie der Nazi selbst. Diesen wie allen anderen Problemgruppen ist mit oberflächlichen Bewertungen bestimmt geholfen. Wie ein europäischer Superreicher der sich darüber beschwert, dass Afrika arm ist und nichts sinvolles dagegen unternimmt.
    “End of yet another useless opinion :)”