Wenn Figuren in Literatur und Film sterben, kann das sinngemäß als Scheitern der Person/Lebensweise an den Moralvorstellungen/Lebensentwürfen der im Werk skizzierten oder zum Entstehungszeitpunkt des Werkes real existierenden Gesellschaft bzw. als Scheitern an den Moralvorstellungen/Lebensentwürfen des Drehbuchautors oder Schriftstellers verstanden werden.
Dem Werk liegt ein Lebbarkeitshorizont der handelnden Personen zugrunde, den der/die Betreffende mit seiner Wirklichkeitsdeutung überschreitet oder ihm zuwider läuft und deshalb scheitern muss.
Nicht selten geht der Rezipient dieser Werke mit dem Scheitern des Handelnden konform, würde sich selbst in gleicher Situation als gescheitert betrachten bzw. die Motivation des Drehbuchautoren/Schriftstellers den Handelnden scheitern zu lassen, teilen. Ergo wird die Richtigkeit des Scheiterns nicht in Frage gestellt, wenngleich der Tod als Folge oder das Scheitern selbst als emotional aufwühlend empfunden wird, ja sogar als falsch, unnötig, traurig.
Die Verhältnismäßigkeit wird in Frage gestellt und erzeugt Unverständnis. Menschen neigen zu Mitleid.
Dieses Absolute des Scheiterns lässt zwei Fragen unvermeidlich werden:
Wieso keine zweite Chance?
Was fasziniert die Menschheit daran so sehr, dass bereits Sophokles Antigone in den Tod schickte? (Und dieses Drama seit Jahrhunderten als Weltliteratur gilt? Filme mit deratigen Inhalten oft Preise gewinnen?)
Die erste Frage lässt sich in Bezug auf Film und Literatur leicht beantworten.