
Wenn Menschen traurig sind, dann werden ihre Augen glasig, ihre Blicke leer.
Sie sehen ihre Umwelt an, ohne sie wahrzunehmen.
Ihre Stirn legt sich in Falten, ihr Gesicht ist gequält vom Schmerz.
Sie versuchen mit ihrer Mimik von ihrer Traurigkeit abzulenken, damit niemand ihren Schmerz bemerkt.
Sie schneiden obskure Grimassen, die so wirken sollen, als sei mit ihnen alles in Ordnung.
Doch sie können ihre Traurigkeit nicht verbergen.
Ihr Kraftaufwand, Tränen zu unterdrücken, vermeidet nicht, dass sie trotzdem weinen. Dass ihr Herz weh tut, durchstochen von 1000 Pfeilen.
Die erkrankte Seele schreit nach Freiheit, doch Menschen bemühen sich, niemanden an ihrer Traurigkeit teilhaben zu lassen.
Allein, einsam, für sich wollen sie den Schmerz ertragen, der sie nicht loslässt.
Sie wollen jede Mitteilungsform ihres Innersten an ihren Verstand auskosten.
Genießen, wie erdrückt, erniedrigt, gedemütigt und verzweifelt sie sich fühlen.
Emotionen in jede Pore ihres Körpers pressen, bis sie drohen, daran zu ersticken.
Um zu wissen, dass es das einzige Leid ist, das sie für sich behalten dürfen.
Um zu wissen, dass sie leben.
(Beobachtungen in einer Berliner S-Bahn, August 2006)Foto: der Bobbel, Creative Commons
kommt mir alles sehr bekannt vor….