Posted on Jun 4, 2009

Niemals mehr.

Als sie sie sah, versetzte es ihr einen Dolchstoß mitten ins Herz. Es zerbrach kurz danach in tausend kleine Teile. Sie bemerkte es sofort. Und sie spürte, dass es niemals mehr jemanden geben würde, der alle diese Teile aufsammelt und mühevoll zusammenpuzzlet. Sie würde es nicht wollen.

Sie stand nur da und sah ihr zu. Wie sie genussvoll die Gabel zu ihrem Mund führte. Argentinien. Ein kleines Kalb, noch zartrosa in der Mitte. Dazu ein zart arrangiertes Salatbouquet, umschmeichelt von wenigen Tropfen Vinaigrette. Man sah es kaum, doch im Gaumen ergab sich ein sondersgleichen Zusammenspiel, dass es einem den Atem verschlug. Sie kannte das Restaurant, in dem sie nun saß und genau diesen Genuss erlebte. Man sah es ihr an, wie das Diner in ihr einen Vulkanausbruch auslöste. Ihre Augen funkelten im Kerzenschein.

Ihre Haut war so zart, wie das Fleisch, das sie gerade aß. So zart wie früher schon. Sie hatte sich nicht verändert. Diese Tatsache ließ sie innerlich zerbrechen. Sie merkte, wie sie sich allmählich auflöste, doch ihre äußere Hülle blieb.

Die funkelnden Augen…sie wünschte sich, sie würden auf ihr liegen. Und nicht auf ihm. Er war schön. Keine Frage. Sie hatte Stil. Sie hatte sich nicht verändert.

Sie liebte ihn. Es war so offensichtlich. Nicht nur die Kerzen und das ausgesprochen gute Essen ließen ihre Augen funkeln. Er war es. Es gab keinen Zweifel, dass sie glücklich war. Mit ihm.

Sie drehte sich um und ging. Nie war sie sich so sicher, dass es keinen Grund gab, stehen zu bleiben. Und sie wusste, nie würde sie sich wieder so sicher sein. Niemals mehr.

1 Comment

  • RC sagt:

    Schon die Überschrift hat in mir Erinnerungen an Edgar Allen Poe (Der Rabe) hervorgerufen. Nimmermehr!

    Und ich habe gelernt wie man Vinaigrette schreibt!