“we’ve all been raised in a sexist, racist, transphobic, heteronormative society, and gues what, that affects our behaviour.” (Jess McCabe)
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Der Begriff „Gender“ – eingeführt durch John Money 1955 – ist nicht einfach nur der Begriff für die soziale Rolle, die ein Mensch einnimmt oder das soziale Geschlecht, das er sich selbst gibt. Gender ist viel mehr eine Antwort auf die existenzielle Frage, wer wir sind. Als lesbische Frau half mir die Auseinandersetzung mit der Gender-Theorie nach meinem Coming Out mich selbst zu finden, mir eine Definition von mir selbst zu geben. Lange Zeit wusste ich keine Erklärung darauf, warum eine Lücke zwischen mir und der heterosexuellen Welt bestand. Wieso ich nicht dem Bild einer Frau entspreche, das unsere Gesellschaft so gern auf seine Mitmenschen projiziert und das ich bis dato aus meinem sozialen Umfeld, Politik und Medien kannte.
Die Erkenntnisse der Gender-Theorie schloss diese Lücke und vermittelte mir zugleich eine kategorien-freiere Sicht auf die Begriffe „Mann“ und „Frau“. Heute sehe ich keinen Widerspruch mehr zwischen mir und dem, was nicht ich bin, denn die Einteilung in zwei Geschlechter und das Aufrechterhalten eines heteronormativen Weltbildes ist lediglich ein Konstrukt der Gesellschaft, um Dinge zu erklären, die augenscheinlich und vermeintlich normal sind.
Gender- und Diversity-Kompetenz zu studieren, bedeutet für mich deshalb, die Gesellschaft und meine Person näher zu erforschen, da ich diesen Vorgang als einen ständigen Prozess erachte. Ebenso wie die Gender-Theorie selbst ein fortlaufender Prozess ist, wie Judith Butler ihre Thesen des „Gender Doing“ mehr als zehn Jahre später zum „Gender Undoing“ erklärt, sehe ich in dem Studiengang die Möglichkeit, neue Erkenntnisse der Gender-Theorie auf Praxisfähigkeit abzutasten und ihre Umsetzung in der Politik oder Verflechtung in das Sozialgefüge unserer Gesellschaft nachzuvollziehen. Zudem möchte ich den Studiengang nutzen, um mein gendertheoretisches Wissen weiter zu vertiefen und bereits Erarbeitetes in mein soziales wie berufliches Umfeld einfließen zu lassen. Die dort gesammelten Erkenntnisse möchte ich wieder zurück an die Universität führen und damit den stattfindenden Diskurs bereichern. Außerdem halte ich den Aufbau eines Netzwerkes während der Studienzeit für unerlässlich. Hierzu bietet „Gender- und Diversity-Kompetenz“ sicherlich eine gute Gelegenheit.
An vielen Stellen muss sich Gender mit naturwissenschaftlichen und anderen soziokulturellen Erkenntnissen messen lassen. Genau dort sehe ich einen Ansatzpunkt für den Studiengang, die sich zum Teil widersprechenden Argumente in Einklang zu bringen und damit den Praxisbezug von Gender und Diversity für jedes Mitglied unserer Gesellschaft erfahrbar zu machen. Hierbei spielt vor allem der Diversity-Gedanke eine entscheidende Rolle.
Chancengleichheit nicht ohne Individualität
Unabhängig von Geschlecht, sexueller Identität und Orientierung, Herkunft, Kultur, Religion, Gruppenzugehörigkeit und sozialem Stand sowie körperlicher Verfassung sollte es für jedes Mitglied einer Gesellschaft möglich sein, die gleichen Bildungs- und Berufsmöglichkeiten wahrzunehmen. Eine Politik der Chancengleichheit sollte dabei stets die Wahrung von Individualität und die Berücksichtigung der jeweiligen Kenntnisse und Fähigkeiten des Einzelnen als oberste Priorität setzen. Umso tragischer ist für mich die Tatsache, dass eine Frauenquote in Wirtschaft und Politik noch immer wichtig ist, da sie Frauen nicht ausschließlich aufgrund ihrer Kenntnisse für eine bestimmte Position befähigt, sondern weil sie als Sex auch das Attribut „weiblich“ vorweisen kann. Dennoch ist es bisher die einzige Möglichkeit, Männer zu zwingen ihre Bande aufzugeben und die Chancen für Frauen zu erhöhen, in bestimmte Positionen zu streben. Dadurch werden auch Vorurteile, Frauen seien für bestimmte Positionen aufgrund ihrer Psychologie ungeeignet, abgebaut. Erst wenn eine Selbstverständlichkeit solcher Vorgänge erfolgt ist, die eine Frauenquote überflüssig macht, sollte ein Abbau sowie Neubewertung von sexistisch geprägten Begriffen erfolgen ebenso wie eine geschlechtslose Behandlung und Bewertung von Berufen.
Zu einer Politik der Chancengleichheit gehört deshalb auch, Menschen Mut zu machen, ihnen Ängste und Vorurteile zu nehmen, Kategorien aufzubrechen. Oft genug passiert es, dass wir uns selbst einschränken und vor Gegebenheiten kapitulieren. Jedoch wird damit der Ungleichheit zu seiner Daseinsberechtigung verholfen. Erst ein aktives und selbstbewusstes (Er-)Leben in der Gesellschaft trägt zu seiner Veränderung bei. Dazu bedarf es einer engeren Verzahnung und Zusammenarbeit von Politik und Gesellschaft. Ungerechtigkeit und ungleiche Verteilung von Chancen müssen stärker in das öffentliche Interesse rücken. Bereits in der Schule kann diese Problematik im Lehrplan ihren Platz finden, ebenso sollte sich jeder demokratische Staat nicht nur zu solch einer Politik bekennen, sondern in erster Linie Problemfelder aufzeigen und Lösungen herausarbeiten. Oftmals geschieht dies nur auf der Ebene der Gleichstellung von Mann und Frau, dabei ist das Spektrum von Diversity und Gender Mainstreaming weitaus größer. Auch Medien kommt hierbei eine stärkere Verantwortung zu. Zu gering ist der Anteil an entsprechender Berichterstattung.
Weg vom Szenedenken
In meiner Freizeit bestimmen Homosexualität, Homophobie und Heterosexismus nach wie vor meinen Alltag. Dabei habe ich stets darauf Wert gelegt, mich nicht ausschließlich innerhalb einer bestimmten Szene zu bewegen, da mir die dort propagierten Werte und Lebensweisen zu einseitig und kategorisierend erscheinen. Homosexuelle wollen zum einen ein fest integrierter Bestandteil des Mainstreams sein, zum anderen jedoch die Berechtigung haben, sich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung als stolze Subkultur präsentieren zu dürfen. Dieses Paradox wird sich in meinen Augen allerdings nie aufgelösen, solange man andere Menschen und Lebensweisen ausgrenzt und ablehnt oder gar als minderwertig einordnet. Etwaige Erlebnisse und Beobachtungen verarbeite ich seit mehreren Jahren schriftlich auf meiner eigenen Website, das zu gleichen Teilen Tage-, Notizbuch und Protokoll aktueller politischer wie wissenschaftlicher Entwicklungen ist, deren Wirkungsbereich homosexuelle und transgender Menschen tangieren, z.B. Familien- und Adoptionsrecht für eingetragene Lebenspartnerschaften oder Gendertheorie.
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Disclosure: Dies ist ein Auszug aus meinem Exposé für den Gender-Master an der FU Berlin. Wenn alles klappt, dürft ihr mich ab Herbst eine politisch korrekte, spießige und verbohrte Nerd-Lesbe nennen.
Besonders gut gefallen mir di eeingebauten Zitate. Schöne Einleitung in das Exposé! Ich drück alles, was ich habe und werde dich dann mit dem größten Vergnüge eine politisch korrekte, spießige und verbohrte Nerd-Lesbe nennen! Die Öko-Schlappen und Hornbrille gibt´s dann noch gratis dazu!!