Gewiss, Ursula von der Leyen muss sich Kritik gefallen lassen. Denn die Umsetzung des Kampfes der Politik gegen Kinderpornografie ist ein sprichwörtlicher Griff ins Klo. Noch mehr: Die Netzsperren und die dafür zuständigen Behörden könnten dem sonst so bunten Internet gewaltig den Hahn zudrehen. Zensur nennt man das dann im Jargon der freiheitsliebenden Bürger.
Was auch immer ihre Motive waren, ein Gesetz ins Rollen zu bringen, das weder Kinder vor sexueller Gewalt schützt, noch Verantwortliche auf lange Sicht aus dem Netz zu verbannt und zur Rechenschaft zu zieht – sie sind mir schleierhaft. Ich will auch gar nicht mutmaßen, denn viel schlimmer ist in der Debatte um Zensursula das erneute Auskippen, ja gar die virenhafte Ausbreitung, einer verschwörungstheoretischen Welle, ausgehend von den – politisch links angesiedelten – Netzbewohnern.
Soweit Kritik an von der Leyens Vorgehen auch richtig und wichtig ist, sollte niemand vergessen, worum es eigentlich geht: Kinderpornografie, Kinder, sexueller Missbrauch und Vergewaltigung von Kindern. Und was tut die deutsche Blogosphäre? Organisiert bescheuerte wie unwirksame Netzdemos gegen die vermeintliche Internetzensur, postet Bilder von deutschen Politikern mit sarkastischen und beleidigenden Bildunterschriften, geifert mit Schaum vor dem Mund über die Diktatur des Staates, den Zusammenbruch der Demokratie und bringt den eigenen Schwanz zum Wachsen mit dem inflationären Gebrauch von Neologismen wie Zensursula. Ersetzen Sie Zensursula durch Schulz mit einem wortmalenden *rülps* und es würde auf dasselbe hinaus laufen.
Ganz nebenbei werden Videos und Anleitungen verbreitet, wie man, für den Fall, man wäre betroffen von einer Sperre, diese in Windeseile umgeht. Bravo. Da freuen sich aber die Betreiber von Seiten mit kinderpornografischem Inhalt. Noch besser: “Hat mal jemand nen Link zu ner Kinderporno-Seite? Ich will gesperrt werden” oder “Ich melde XY bei Zensursula für Twitpic XY”. “Verstehen Sie Spaß” kann mehr.
Wie müssen sich Eltern betroffener Kinder oder ehemals betroffene Kinder oder Opfer von Pädophilen bei solch verantwortungslosem Zynismus fühlen. Heuchelei für ernsthafte Probleme unserer Gesellschaft wurde jedenfalls schon mal glaubwürdiger in Szene gesetzt. Kaum jemand interessiert bei der jetzigen Debatte wirklich für die Betroffenen, einzig und allein werden wieder Gräben aufgerissen, um dort Grabenkämpfe auszutragen. An konstruktiver Zusammenarbeit mit der deutschen Politik ist niemand interessiert.
Hey, wenn ihr schon alle solche Techniknerds seid und Sperren umgehen könnt, warum baut ihr keine wirksamen gegen kinderpornografische Seiten? Wo bleiben die alten, heroischen Ziele des Hackertums? Wo bleiben die Menschen, die aufklären? Über Pädophile, die weiß Gott nicht alle Kinderficker sind? Pädophile – die meisten von ihnen – darben in sozialer Einsamkeit ohne jemals Liebe erfahren zu können mit ihrer sexuellen Abart. Sich schon mal vorgestellt wie das sein muss? Dass es unter ihnen auch solche gibt, die so verzweifelt sind, dass es sie automatisch auf diese Seiten zieht? Was muss mit ihnen passiert sein, dass sie sich wissentlich Bilder, Videos und widerwärtige Geschichten geben, die von Kriminellen produziert wurden und Kinder ihres Lebens berauben? Wie muss das sein, ohne Moral zu leben? Was ist mit denen, die Therapien besuchen, die sogar im Glauben ihr einziges Seelenheil widerfahren? Die niemanden schädigen wollen und damit auch gar nichts zu tun? Wo bitte sind die Menschen, die grundständige Ursachen eines Problems hinterfragen? Wo engagiert ihr euch für den Kampf gegen Kinderpornografie?
Das neue Gesetz ist weit weniger als keine Glanzlösung. Wem Macht gegeben, der steht immer im Verdacht, diese auszunutzen. Wann, wie, ob das so kommen wird, kann jetzt und hier niemand beantworten. Bis es soweit ist, kann man alle einem zur Verfügung stehenden Hebel des einfachen Mannes in Bewegung setzen, Alternativen auszuarbeiten und versuchen, diese in einem offenen und vor allem objektiven Dialog vorbringen. Und wenn die Zensur kommt, ja dann habt ihr ja immernoch den Blogger von nebenan, der euch in Sekunden aushilft. Während in derselben Zeit ein Kind missbraucht und dabei gefilmt wird.
[UPDATE: ich füge hier noch zwei sehr lesenswerte Links ein, nämlich die Definition, was Kinderpornografie ist und eine sehr differenzierte Auseinandersetzung mit der politischen Komponente.]
“politisch links angesiedelten”
Tja, so sind die bösen Linken halt. :D Zum Glück gibts ja noch die C D U, das letzte Bollwerk für das Gute und Anständige in der Welt. :P
Aber im Ernst. Ich finde es ja lustig das jeder einem linken Spektrum zugerechnet wird, weil er die Pläne einer zufällig konservativen Politikerin ablehnt. Die Zypries ist ja in der SPD und von ihren Aktionen halte ich kein Stück mehr. Für mich läuft es auf eine rein rationale Sache hinaus. Wieso ein Gesetz erlassen um _vielleicht_ einen Zugriff auf eine ekelhafte Seite zu verhindern, wenn man doch diese einfach vom Netz nehmen kann? Wenn diese vielleicht sogar in Deutschland steht und nicht einmal die Zusammenarbeit mit einem anderen Land nötig wird? Für mich ergibt das alles einfach keinen Sinn. Ein ungefiltertes Netz betrachte ich schlicht als ein höheres Gut, als die blanke Möglichkeit das jemand am Zugriff auf wenige Seiten gehindert werden könnte. Die es gar nicht mehr gäbe, würde man sie einfach schließen. Das gefilterte Web wird in der Tat zur Realität, sobald das umgesetzt wird, der gestoppte Kipo aber noch lange nicht. Mir fehlt hier auch komplett die Auseinandersetzung in der Politik mit genau diesen Punkten. Server mit Kinderpornographie zu blockieren aber am/im Netz zu lassen statt sie einfach runterzunehmen halte ich für bescheuert. Gerade wenn man sie sogar noch genau kennt. Andernfalls könnte man sie ja auch nicht in eine Liste schreiben. Einen Hausdurchsuchungsbeschluss wegen Verdacht des übermäßigen MP3 Hörens bekommt die Polizei ja auch sofort. Da kann es einfach bei Kipo nicht so schwer sein. Aber mehr als genug dazu…
“Und was tut die deutsche Blogosphäre? Organisiert bescheuerte wie unwirksame Netzdemos gegen die vermeintliche Internetzensur, postet Bilder von deutschen Politikern mit sarkastischen und beleidigenden Bildunterschriften, geifert mit Schaum vor dem Mund über die Diktatur des Staates”
Klingt ja ganz schön hässlich. Die Seiten die ich frequentiere dokumentieren eher was alles so los ist und halten sich auch in Kommentaren an die Fakten aus den News und “verschwören” wenig bis gar nicht. Eventuell hier beginnen andere Feeds zu konsumieren. Bei der Faktenlage muss man das auch nicht. Es ist auch auf alle Fälle sehr richtig, dass sowas in einer ernsthaften Diskussion auch nicht hilfreich ist.
“Ganz nebenbei werden Videos und Anleitungen verbreitet, wie man, für den Fall, man wäre betroffen von einer Sperre, diese in Windeseile umgeht. Bravo. Da freuen sich aber die Betreiber von Seiten mit kinderpornografischem Inhalt. Noch besser: “Hat mal jemand nen Link zu ner Kinderporno-Seite?”
Ouch. Glaubst du das wirklich? Es ist doch höchst unwahrscheinlich das jemand der da “betroffen” ist wirklich auf so eine Anleitung angewiesen ist. Das ist ja gerade einer der Streitpunkte. Das wahrscheinlich mehr normale Surfer belästigt werden, als “irgendwelche fiesen Kinderpornographen”.
Hinzu kommt, das der Tenor in den Medien schon eher in die Richtung ging, dass diese Szene sowieso außerhalb des Netzes agiert. Tauss, Vetter und wie sie alle heißen berichteten ja, dass solche Sachen über Handys verteilt werden und dann auf DVDs per Post bestellt werden. Gerade weil im Internet so viel kontrolliert wird läuft das längst anders ab… Alles Sachen die die Ministerin nicht hören möchte, weil damit ihr Vorhaben immer weniger sinnvoll erscheint.
Außerdem denke ich mir irgendwie immer ein FAIL dazu, wenn eine Lösung letztlich darauf basiert, dass die Leute “dumm” sind. Kein durchschnittlich begabter Mensch ist doch so unfähig, sich nicht selbst Wissen verschaffen zu können. Insbesondere welches, dass so trivial ist. Ich habe hier die ganze Zeit das gleiche Problem, es ergibt für mich keinen Sinn.
“Wie müssen sich Eltern betroffener Kinder oder ehemals betroffene Kinder oder Opfer von Pädophilen bei solch verantwortungslosem Zynismus fühlen.”
Ja das ist halt der typische ideologische Scheidepunkt. Die Rechten/Konservativen sehen es so und die gemeinen Linken denken sich das gleiche bei der Idee der Ministerin, weil sie nicht glauben das es hilft, dass es letztlich auf ein Placebo hinausläuft.
“Heuchelei für ernsthafte Probleme unserer Gesellschaft wurde jedenfalls schon mal glaubwürdiger in Szene gesetzt.”
Welche Blogger heucheln denn Betroffenheit? Es geht hier doch nur darum, einen Vorschlag, der nach Ansicht vieler Menschen nicht macht was er soll, zu stoppen. Was den Kritikern doch offenbar nicht einmal gelingt…
Für mich ist der Zynismus an der Sache, zu erzählen man mache es für die Kinder, auch wenn es gleichzeitig höchst fragwürdig ist wie weit diese Maßnahme irgend etwas bringt, ausser eben eine Zensur Infrastruktur zu errichten, die gewiss auch für andere Sachen benutzt werden wird. Verschiedene Interessensgruppen können sich doch kaum mit “ich will auch” zurückhalten. Und wieso sollte man überhaupt der Ministerin vertrauen [1], nur weil sie ständig mit dem Kinder Argument ankommt? Auch ein Punkt der diskussionswürdig wäre, aber selbstverständlich verpönt ist.
“An konstruktiver Zusammenarbeit mit der deutschen Politik ist niemand interessiert.”
Dem Punkt kann ich mich auch so gar nicht anschließen. Was man stattdessen wollte, was an den Plänen gar nicht und wieso nicht funktioniert… Dieses ganze Zeug ist doch wirklich gründlichst durchgekaut worden.
Es gibt wirklich mehr als genug Leute die sich ausführlich der Sache ohne Polemik angenommen haben. Mehr können Nicht-Politiker doch gar nicht tun, um mit der Politik zusammenzuarbeiten.
“Hey, wenn ihr schon alle solche Techniknerds seid und Sperren umgehen könnt, warum baut ihr keine wirksamen gegen kinderpornografische Seiten?”
Falsche Vorgehensweise. Wenn Sachen klar strafbar sind, dann nehmt sie doch aus dem Netz. Wieso muss man unbedingt längst bekannte Kipo Server online lassen? Was soll der Quatsch? Verhaftet die Hintermänner und wenn man wirklich mal jemanden festnimmt, der dann auch tatsächlich Kinder missbraucht hat, _dann_ ist das doch auch mal ein echter Erfolg. Etwas worüber man sich _wirklich_ freuen kann. _Dann_ wäre wirklich was gutes passiert. Ab hier würde es dann vielleicht sogar wirklich dazu kommen, dass Kinder vor Missbrauch geschützt wurden, zieht man Verbrecher aus dem Verkehr die das machen.
“Wo bleiben die alten, heroischen Ziele des Hackertums?”
Die heroischen Ziele des Hackertums sind es Informationen frei und unzensiert zu sehen. Also das genaue Gegenteil. Deshalb nimmt sich der Sache keiner an. Was wäre das für ein Hacker, der für die Urheber [2] und sonstige Lobbyisten eine Zensurmethode errichtet? Warum für Kipo Server die in Deutschland stehen einen Filter aufbauen wenn man sich einfach ins Auto setzen kann, kurz hinfährt und die abschaltet? Hacker verstehen das das Blödsinn ist.
“Wo bleiben die Menschen, die aufklären?”
Du liest definitiv die falschen Seiten. Aufklärung war genau das worum es die ganze Zeit ging. Exakt dafür haben sich viele Leute die Finger blutig getippt. Es wurden nicht nur alle Einzel-Aspekte erschöpfend behandelt, sondern es gibt auch viele verdammt gute, übersichtliche Zusammenfassungen [3].
“Sich schon mal vorgestellt wie das sein muss? Dass es unter ihnen auch solche gibt, die so verzweifelt sind, dass es sie automatisch auf diese Seiten zieht?”
Und diese Filter helfen den Pädophilen jetzt wie? Bzw. verbessern wie genau die Situation?
Ich hätte ja folgen können wenn da verstärkt Therapie angeboten wird oder sowas.
Aber vielleicht hat es auch damit zu tun das Kindesmissbrauch in den letzten 10 Jahren abgenommen hat. Stand auch in den Nachrichten. Und klar, wenn man sowas sagt kann einem Verharmlosung vorgeworfen werden, eben weil es so ein schlimmes Verbrechen ist. Aber politischen Nutzen aus so einer Sache zu ziehen ist eben auch nicht richtig. Genau damit werkeln solche Leute doch, dass es kaum möglich ist hier was zu sagen. Diese ganze Methode ist doch verachtenswert. Nur weil man irgendwas tun will, hat man auch noch keinem Kind geholfen, so leicht sollte man es Leuten nicht machen, die sich da profilieren wollen.
“Wann, wie, ob das so kommen wird, kann jetzt und hier niemand beantworten.”
Ich wünschte ich könnte das so optimistisch sehen [4]. Meinst du wirklich all die Lobbyisten scheitern mit ihren Wünschen, die Filter erweitern zu lassen? Was jetzt passiert ist doch aus deren Sicht nur eine weitere Hürde die genommen wurde, eine weniger bis zum Ziel.
“Bis es soweit ist, kann man alle einem zur Verfügung stehenden Hebel des einfachen Mannes in Bewegung setzen, Alternativen auszuarbeiten und versuchen, diese in einem offenen und vor allem objektiven Dialog vorbringen.”
Aber wieso muss man dann jetzt diese doofen Filter einführen? Das verstehe ich einfach nicht. Wieso denn nicht gleich alle Hebel in Bewegung setzen und eine Alternative ausarbeiten, die aus einem objektiven Dialog entsteht? Müsste das nicht sowieso immer der erste Schritt sein? Genau das ist die Definition von Aktionismus.
“Während in derselben Zeit ein Kind missbraucht und dabei gefilmt wird.”
Soll das jetzt schocken und/oder ein schlechtes Gewissen machen? Mit dem hilfsbereiten Blogger von nebenan hat das jedenfalls nichts zu tun und diese Sache passiert oder passiert nicht völlig losgelöst von dem was er macht.
Wir können ja T-Shirts verkaufen mit Logos gegen Kindesmissbrauch darauf und mehr oder weniger subtil implizieren jeder der es nicht kauft ist für Kindesmissbrauch… Das wirklich Traurige ist, so eine geschmacklose Aktion würde vermutlich genug Leute “reinlegen”. So tut man nichts Gutes.
btw: Allein das Geld für die sinnlosen Filter könnte man gewiss besser verwenden. In Ermittlungen gegen die Server z.B…
[1]
Familienministerin von der Leyen will ehemalige Heimkinder, die Zwangsarbeit leisten mussten, nicht entschädigen. Ausgerechnet die Täterverbände sollen die Aufklärung leiten.
[...]
Wie aus einem Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs im Familienministerium, Hermann Kues (CDU), an den Petitionsausschuss hervorgeht, will das Ministerium nun statt der beiden kirchenunabhängigen Vereine den “Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge” mit der Organisation des runden Tischs betrauen – ausgerechnet den Dachverband der ehemaligen Täterorganisationen. Für die Mitglieder des VEH ist diese Entscheidung nicht zuletzt aufgrund der NS-Vergangenheit des Vereins untragbar.
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/heimkinder-gehen-leer-aus/
[2]
“Nur 12 Minuten nach dem Beginn der Kinderpornoblockdebatte fällt das Wort Urheberrecht.”
http://netzpolitik.org/2009/bundestag-von-kinderpornografie-zum-urheberrecht-in-12-minuten/
[3]
http://www.heise.de/ct/Die-Argumente-fuer-Kinderporno-Sperren-laufen-ins-Leere–/artikel/135867
[4]
Ein Vertreter des IT-Branchenverbandes Bitkom brachte Befürchtungen zum Ausdruck, dass einmal errichtete Internetsperren auch “Begehrlichkeiten wecken könnten, diese gegen Urheberrechtsverstöße und Glücksspiel einzusetzen”.
http://www.golem.de/0903/65890.html
http://www.br-online.de/imperia/md/audio/podcast/import/2009_03/2009_03_03_16_12_28_podcast_iq_access_denied_10309_a.mp3
Ach Nadine.
Mal ganz im Ernst, eigentlich dachte ich, dein Verstand für das Wesentliche und auch dein technisches Verständnis würde hier anders rangehen.
Es geht noch niemandem um Kinderpornografie oder den Versuch, etwas dagegen zu unternehmen. In diesem Punkt sind sich doch alle einig.
Sicher, es ist haarsträubend, was in einigen Blogs so steht und wie das zensierte Internet von morgen die Welt verändert, da gebe ich dir ja völlig Recht, aber dein Appell an die Hacker, eine andere Lösung zu erstellen, ist albern.
Denn, der Chaos Computer Club, bekannt für genau diese Randgruppe, argumentiert seit Bekanntwerden der Vorgehensweise gegen diese Art und Weise der Bekämpfung, weil es nichts bringt.
Ich nutze seit mehr als 10 Jahren das Internet und ich war schon auf vielen echt kranken Seiten, aber noch nie auf einer, auf der kinderpornografisches Material zu sehen ist. Auf so eine Seite kommt niemand rein zufällig, man muss es wollen und man muss wissen, wo man sowas findet.
Google zensiert das Internet seit Jahren an dieser Stelle und führt zu Wikipedia-Artikeln, statt zu Material, welches Perversen Futter liefert.
Das Internet ist doch so riesig und komplex und es geht hier letztendlich um einen Milliardenbruchteil von Internetseiten. Und das witzige ist, um dir das mal zu erklären, die Art und Weise der Sperre.
“Medienelite.de” ist einfach nur ein Alias-Name in einem großen Netzwerk, so wie dein Macbook “Lantzschi-Mac” heißt (oder wie auch immer) und wenn das jemand in seinen Browser eingibt, ruft dieser beim DNS-Server des eigenen Providers an und dort wird in einer Datenbank “Medienelite.de” mit einer IP-Adresse (die deines Servers) gesucht und dorthin weitergeleitet. So, jetzt ist Medienelite.de in diesem DNS-Verzeichnis nicht auf deine IP-Adresse weitergeleitet, sondern auf das lustige Stoppschild. Also, was machste? Nimmste einfach einen anderen DNS-Server. Da brauch man keine großen Anleitungen oder computerwissenschaftlichenhackernerd-Hochschulabschlüsse, sondern einfach nur die Gabe, Google zu nutzen, oder man kennt sich eben ein klein wenig damit aus.
Um das mal zu vergleichen. Mitten im Ozean (wo niemand aus Versehen hinkommt) steht eine Insel auf der es brennt. Und damit niemand aus Versehen reinläuft und sich die Finger verbrennt, baut man einen rostigen und löchrigen Maschendrahtzaun drumherum, bei dem Du noch nicht mal den Bolzenschneider brauchst, um dir trotzdem Zutritt zu verschaffen.
Es geht niemandem in dieser großen und aufgehetzten Debatte um den Versuch, etwas zu unternehmen. Aber es muss dir doch, wie meinem Vorredner, wirklich bewusst sein, dass das “Wie” einfach Quatsch ist. Es gibt technische Lösungen und vorallem auch Bevollmächtigte, die solche Internetseiten einfach vom Netz nehmen können. Bei Servern, die als Tauschbörse dienen, wird das doch genauso gehandhabt.
Hier wird ein Problem einfach nur zugedeckt, statt etwas gegen die Ursache zu unternehmen. Und der große Knackpunkt, an dem sich jetzt wirklich die Geister scheiden ist der, dass es keine kontrollierende Instanz gibt. Dort sitzen also ein paar Leute beim BKA und tippen URLs in diese Sperrliste, die von den Providern übernommen wird.
Die Musikindustrie hat bereits großes Interesse verkündet, ebenfalls ein paar Seiten auf diese Liste zu setzen. Na wen wunderts? Und es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis sich weitere Interessenten melden.
Ich sehe zwar keine chinesischen Verhältnisse auf und zukommen, aber dennoch die Gefahr, dass man ein zensiertes Internet genießt und nicht merkt, dass es zensiert ist. Es wird ein paar Leuten die Macht in die Hand gelegt, über Gut und Böse im Internet zu entscheiden und es gibt niemanden, der diese Entscheidungen für Richtig oder Falsch gegenprüfen kann, da diese Sperrlisten geheim sind.
Lies dir mal Link 3 bei heise.de durch, den mein Vorredner dir netterweise hinterlassen hat. Vielleicht denkst Du danach etwas anders.
unabhängig davon, dass es wie hier in den kommentaren zu sehen durchaus eine differenzierte auseinandersetzung mit dem thema gibt, ist der im post schon erwähnte sarkasmus, der – wie grotesk! – auch noch oft genug auf 140 zeichen transportiert wird, der Sache alles andere als angemessen.
vor allem aber ist es traurig, dass so eine zensursula-welle im netz nur dann losgetreten werden kann, wenn das thema selbstreferentiell genug ist. nur weil dem netz kollektiv und sowieso der arsch auf grundeis geht, sobald von netzsperren die rede ist, haben wir die diskussion überhaupt. würde von der leyen sich auf die postalische verbreitung von kinderpornografie stürzen und über eine belieferungsperre hinlänglich bekannter haushalte nachdenken, hätten wir es maximal mit ein paar versprengten blogeinträgen statt dieser massendiskussion zu tun. dieser reflex ist losgelöst von den inhalten der diskussion ziemlich ekelhaft.
RC,
freut mich dich hier wieder zu treffen. zunächst einmal finde ich deinen kommentar sehr differenziert und gut, aber wie du auf mein geschriebenes reagiert hast, zeigt, dass wir beide völlig aneinander vorbeireden und du mich wahrscheinlich nicht so richtig verstehen willst.
ich könnte jetzt hier alles im detail aufzählen, nur dazu fehlt mir leider leider die zeit. wir sprechen aus zwei völlig unterschiedlichen perspektiven auf das thema. deine hat nicht weniger berechtigung als meine. Und in den vielen Punkten, die du ansprichst, gebe ich dir auch recht und das habe ich auch im post nie in abrede gestellt.
btw: mit aufklärung meinte ich übrigens aufklärung über kinderpornografie nicht über die wirksamkeit und gefahren solcher netzsperren.
ich sehe an deinen ausführungen, dass es dir ebenso wenig um das problem an sich geht, viel mehr um die angst vor brd, man könne jetzt wild rumzensieren und weit mehr unschuldige sperren als kriminelle. lass uns nochmal drüber reden, wenn es so weit ist ok?
es ist nicht so, dass ich die bedenken verstehe, nur: vorher hat das problem mit solchen seiten niemanden interessiert. die deutsche netzlandschaft interessiert sich nur für ihren müll, ihre nerdscheiße, ihre freiheit. das ist in meinen augen heuchlerisch. glaub mir, ich habe mehrere blogs un seiten zu dem thema gelesen, ich fand fast keine auseinandersetzungen zum thema kinderpornografie oder allgemein gesprochen: alles außerhalb dieser nerdwelt interessiert diese nerds nicht, deshalb bleiben blogs auch wieterhin so irrelevant. andere länder sind da lange den kinderschuhen entwachsen.
so what, danke für die interessanten links und für deinen beitrag.
tobi,
alles was du schreibst sehe ich ganz genauso. das schrieb ich auch schon in meinem post.
doch diese geschichte allein sollte nicht ausschließlich thema sein. aber wie RC und du und viele andere auch kleinreden, dass kinder missbraucht werden und lieber an ihren schicken blog denken, naja, da wird mir ganz übel. ehrlich.
die hackerlösung meinerseits war nicht so ganz ernst gemeint zugegeben und ja die bringt auch nichts, die macht server auszuknipsen hat die BRD. aber wo kamen denn petitionen der netzlandschaft dafür? dass sowas passiert? oder will mir jemand erzählen, dass meinungen für sich behalten/bloggen (und das ist das internet, weil wir alle so unwichtig sind, dass das draußen keiner hört) die einzig mögliche form politischer partizipation sein soll? ich bitte dich. das ist naiv.
hinterher aufschreien. huh. wie intelligent. ich nenne das nicht aktionismus sondern reaktionismus.
denise. word. aber sowas von. genau darum geht es mir auch. nur leider sieht diesen fakt niemand. auch nicht in den kommentaren.
Die Frage ist: Warum hat Ursula von der Leyen auf die Zugangssperren für Kinderpornoseiten gedrängt? Hat sie es getan, um heimlich eine Internetzensur einzurichten, von der in Zukunft das BKA munter Gebrauch machen kann, wann immer Sony, Warner oder Wolfgang Schäuble auf es zukommt? Hat sie also vor, unsere demokratischen Grundrechte einzuschränken und dafür ein schwerwiegendes Verbrechen, wie das des Kindesmissbrauchs, nur vorgeschoben? Das werfen ihr die Kritiker aus den Blogs nämlich vor und das halte ich für eine absurde Verschwörungstheorie.
Warum hat sie es dann getan? Sie hat das Gesetz ja bekanntermaßen aus anderen Ländern übernommen. Dummheit und Unwissenheit war es sicherlich auch nicht, immerhin sind an einem solchen Gesetz viele Menschen beteiligt, die sich mit sowas auskennen (sollte man jedenfalls hoffen). War es Faulheit? Ein schon in anderen Ländern vorhandenes Gesetz ist vielleicht schnell kopiert und nicht so zeitaufwändig, wie ein neues zu entwerfen. Es kann viele Gründe geben aber vielleicht ist der simple Grund einfach, dass sie glaubt, dass es etwas bringt.
Ich nehme ihr ab, dass sie etwas gegen Kinderpornografie unternehmen will, ich glaube Ursula von der Leyen ist keine Politikerin, die etwas tut, nur um vor der Mehrheit der Wähler gut dazustehen. Sonst hätte sie sich in ihrer Partei auch nie für das Elterngeld oder den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen aussprechen dürfen, denn die CDU-Wähler sind ja zur Mehrheit ein Klientel, das dem konservativen Familienbild (Mutti bleibt daheim) entspricht.
Ich fürchte aber, Ursula von der Leyen ist eine Politikerin, die zu viel auf Symbolpolitik setzt. Die vorschnell eigene Politik als Erfolg preist (s. Elterngeld) und zu wenig auf Fakten schaut oder hört.
Ich denke, die Bedenken, die viele Blogger, Fachleute aber auch Journalisten jetzt haben, sollten deshalb weiter deutlich formuliert werden. Ich rechne nicht damit, dass das Gesetz wieder zurück genommen wird. Es sollte aber, und da gebe ich Lantzschi vollkommen recht, versucht werden, gemeinsam mit der Politik weiter gegen Kinderpornografie vorzugehen.
Dazu gehört aber, dass die kritische Masse ihre Forderungen eindeutig formuliert (z.B. “schließen sie diesen Server”), dass sie sie an die richtige Adresse formuliert (die ist mit Sicherheit nicht das Familien- sondern das Innenministerium) und dass sie sich nicht mit wilden Verschwörungstheorien und seltsamen Hetzkampagnen unglaubwürdig macht.
Ansonsten bleibt natürlich auch die Option, SPD zu wählen und zu hoffen, dass sie ein besseres Gesetz machen bzw. das alte zurücknehmen. Aber Brigitte Zypries (SPD) hat ja bekanntermaßen auch nicht viel dafür unternommen, dass dieses Gesetz nicht verabschiedet wird. Im Gegenteil: sie hat darauf gedrängt, dass aus der anfänglichen Selbstverpflichtung überhaupt erst ein Gesetz wurde.
einerseits finde ich die sperre gut, das schreckt erstmal ab. dabei darf es allerdings auch nicht bleiben. ich finde auch, dass solche Seiten vom Netz genommen werden müssen. problem dabei ist, dass der betreiber der seite sich nen anderen provider sucht und dort wieder eine seite aufmacht. das ist gehüpft wie gesprungen.
vielmehr muss am eigentlichen grundproblem angesetzt werden.
ein offenes internet ist heutzutage einfach nicht mehr möglich. zuviel kriminelle energie steckt im netz. nicht auszudenken was passiert, wenn das internet völlig ungefiltert existiert. ein rechtsstaat kann auch nicht ohne gesetze und regeln existieren. das wäre ja dann wieder die reine anarchie, wie wir es schon in deutscher geschichte erlebt haben.
fazit: filterung ja, aber kernproblem erkennen und eindämmen. denn die gesellschaft prägt unseren charakter, da liegt der hase im pfeffer.
@L:
Gut, also dass unsere lieben in ihrer eigenen Welt lebenden Nerds sowieso nur in die durch ihren beschränkten Blinkwinkel beeinträchtigte Röhre schauen, ist ein Ding für sich. Ich hab deinen Artikel heute morgen in der S-Bahn gelesen, vielleicht ist es dabei ein wenig untergegangen, dass dir nun das am Herzen liegt. Okay, unter dem Aspekt verstehe ich das schon.
Viele bewegen sich ja sowieso nur auf ihrer kleinen Ebene vom eigenen Blog, die gelesenen Blogs, twitter und facebook und plärren jetzt los, dass da ein Zaun um die Insel gebaut werden soll, die (noch) fernab des Erreichbaren liegt.
Dass genau jene nun die Chance nutzen, mal das Maul aufzumachen, wundert mich nicht und aus dem ach doch so witzigen Begriff “Zensursula” wird sicher bald ein neuer SEO-Wettbewerb.
Es redet doch sicherlich niemand klein, dass Kinder missbraucht werden! So blöd das jetzt klingen mag, aber es gibt soviel Elend auf der Welt, was willst Du denn dagegen überall unternehmen? Du kaufst doch auch deine (teuren) quietschbunten Schuhe und interessierst dich nicht dafür, dass sie von irgendeinem chinesischen Mädchen in deinem Alter zusammengeflickt wurden und die dafür 10 Euro im Monat bekommt.
Apple ist unter den Computerherstellern, die am wenigsten auf Menschenrechte und Umweltbestimmungen achten, ganz vorne und trotzdem kaufste dein Macbook, obwohl in Fabriken Leute den ganzen Tag die giftigen Gase einatmen müssen.
Ich weiß ja, der Vergleich hinkt ganz schön, aber es muss immer erst jemand ein Thema breittreten, dass mal jemand darauf reagiert. Und hier ist es einfach ein politischer Alleingang (ich würde es beinahem Amtsmissbrauch nennen), denn auf wen soll man sonst hören, wenn nicht auf Experten, die sich mit dem Thema besser auskennen als Ursula von der Leyen? Experten geben ihr klares Statement ab und alle Expertenmeinungen und Ansätze eine intelligentere Lösung zu finden, werden abgelehnt. Hallo?
Dass das Niveau der “Berichterstattung” zu dem Thema leider überall im Keller liegt, ist ein anderes Problem. Aber das ist eben die Sensationsgeilheit und das Aufschnappen hier und da, dass man durchkaut und wieder ausspuckt.
Das ist dann eben doch oft der beschränkte Horizont von vielen. Und obs nun an der Linken Orientierung liegt, mag mal dahingestellt sein, aber bekanntermaßen hetzt man ja in linken Kreisen auch gerne sehr progressiv los, in sofern wundert es mich also nicht.
Was mir einfach nur so sauer aufstößt ist, dass hier plötzlich so ein Gesetz aus dem Boden schießt, als wären im letzten Jahr 10 Mal soviele Fälle wie jemals zuvor aufgetreten. Vorher wurde das Thema niemals so aufgeweckt und jetzt gehts von 0 auf 180. Den populistischen Wahlkampfhintergrund, mit dem viele argumentieren, finde ich weit hergeholt, aber wenn man mal drüber nachdenkt… In der Politik geht es eben auch nur um Macht.
@Falk:
Danke. Genau. Das Zensieren an sich ist es noch nicht mal, was mich stört.
Zur Vermeidung von Selbstmordanschlägen oder Schulmassakern Bombenbaupläne oder ähnliches unzugänglich zu machen, fände ich auch nicht unsinnig. Gewaltverherrlichung oder Missbrauch von Menschen hat im Internet einfach nichts zu suchen, aber es muss eben eine Institution ran, die das sinnvoll zensiert und nicht in einem Loch ohne Boden verschwinden lässt und dann so tut, als wäre das Problem gelöst.
Also: Agree to the Hase im Pfeffer!
@tobi in beiden comments. d’accord. ich sehe schon, dass wir beide gleicher meinung sind. jawohl uvdl reagiert hier reichlich spät mit falschen taten, die lobbyisten sicher geil machen wird.
nun, aber auch das war schon immer so. nicht die politik regiert deutschland, sondern die wirtschaft. auch das ist ein so weitreichendes problem wie das schlechte auf der welt.
und ja, mein leben gestaltet sich auf dem unrecht anderer länder. darüber nachdenken tue ich wenig bis gar nicht. durchaus schlecht für mich und viele andere, die das genauso tun.
dennoch: ich sage nicht, dass man das schlechte auf der welt bekämpfen muss, sondern eine debatte, die es natürlich durchaus wert ist, einmal von allen seiten zu beleuchten. so wie es jetzt stattfindet, bringt es wenig.
blogger besitzen nicht das alleinige recht zur polemik, genauso wenig wie medien im klassischen sinne. aber genauso wenig sollten sich blogger auf purer polemik ausruhen, denn das hilft auch niemandem.
@lantzschi
Ich glaube ich habe dein Anliegen besser verstanden als mein Kommentar das rüber gebracht hat. Eventuell hätte ich dieser Sache wesentlich mehr Rechnung tragen müssen. Der Grund dafür ist jedoch ein einfacher, mir erscheint es jetzt gerade wichtiger und dringlicher eine IMHO sinnlose Zensur zu stoppen, als den Themenkomplex Kipo als solchen anzugehen. Einfach durch die gegebene Aktualität. Würde niemand die geplanten Filter kritisieren, würde man diese noch viel leichter durchsetzen können und Politiker fühlten sich durch fehlenden Gegenwind weiter bestätigt. Zum gängigen Demokratieverständnis in Berlin gehört es einfach, Schweigen als Zustimmung zu empfinden. Stimmt man nun aber nicht zu, empfinde ich es immer als wichtig, wenigstens dies auch so rüberzubringen. Will man die Filter nicht, hat man IMHO hier wenig Handlungsspielraum, über welches Thema man primär berichten sollte.
Das es so ankommen musste, als wollte ich dich gar nicht verstehen, war absolut nicht beabsichtigt.
Man sieht also auch an diesem Text, du hast Recht gehabt. Für mich wurde Kinderpornographie in der Tat erst durch Ereignisse wie dieses zum Thema und ich habe mich vorher nie auf diesem Feld eingebracht. Der Grund aus dem ich mir dennoch nicht wie ein Heuchler vorkomme, ist der, dass ich ja nie behauptet habe an der wirksamen Bekämpfung der Kinderpornographie mitzuwirken. Ich glaube auch nicht das ich das getan haben muss, um jetzt die Ideen der Familienministerin kritisieren zu dürfen.
Zudem beanspruche ich keine moralische Hoheit für meine Argumentationsbasis oder meine Ziele, sondern beabsichtige schlicht deren Rationalität, Nachvollziehbarkeit, Logik und sachliche Korrektheit. Das ist meistens ein guter Anfang.
Wie im obigen Link der taz zu sehen war, hatte auch von der Leyen schon so ihre Chancen Kindern wirklich zu helfen, hat sich aber offenbar bewusst dagegen entschieden und Unterstützung gar verhindert.
Der entscheidende Unterschied den ich sehe ist auch der, dass im Gegensatz zu Menschen wie mir, von der Leyen nunmal an der Macht ist und allein dadurch mehr Kritik ausgesetzt ist, ausgesetzt sein muss. Ich glaube das Autoritäten zu hinterfragen sind, im Falle dieser Filter-Idee, wo es vor bizarren Punkten nur so wimmelt, fühle ich mich besonders legitimiert dies zu tun.
Für mich wirkt es also schlicht schwerer, dass eine Familienministerin des Bundes sinnlose Filter an den Start bringt, die man dann vielleicht nie mehr los wird und die im Laufe der Zeit gar erweitert werden, als das Geeks erst jetzt das für sich zum Thema auserkoren haben, weil sie eben nun durch die Netzfilter selbst betroffen sind. Leute rühren sich üblicherweise immer erst dann, sobald es sie selbst tangiert. Da z.B. solche Blogger ja in the first place nicht behauptet haben “Helden” zu sein, finde ich auch nicht, dass diese entsprechenden Kritiker sich dafür schämen müssen.
Blogger hier vorzuführen aber die Politik machen zu lassen erscheint mir irgendwie als verquere Logik. Für mich wäre das höchstens ein Thema, gäbe es nichts dringlicheres.
Ich halte es auch quasi für ein Ding der Unmöglichkeit, Vorschläge bis z.B. ins Familienministerium durchzukommunizieren. Alle die das versuchten, scheiterten. In der Politik kommt man, etwa als Minister, eben auf eine Idee und beginnt dann damit, diese gegen alle Widerstände durchzupressen bis man am Widerstand nicht mehr vorbeikommt, oder diesen überrollt hat. Hätte von der Leyen andere Wege einschlagen wollen, hätte sie die Möglichkeit dazu gehabt. Hier die Gründe verstehen zu wollen (und deshalb zu rätseln) halte ich übrigens für ganz natürlich und nicht für Verschwörungstheorien – bleibt es auf dem Boden der Tatsachen.
Da aber die Berichterstattung und Auseinandersetzung zu der Sache AFAIK sowieso schon auf vielen Seiten steht, ist es aber vielleicht gar nicht so schlecht, hier noch einen weiteren Aspekt zu erkennen und zur Diskussion zu stellen, der Netzgemeinde sozusagen einen Spiegel vorzuhalten.
PS: Zum Schluss muss ich noch sagen das auch zuviel auf Blogs herumgeritten wird, ich habe schon ins Internet geschrieben als es das Wort noch gar nicht gab und werde das wohl auch noch tun wenn Blogs vergessen sind. Überhaupt machen Blogs nur den kleinsten Teil meines Netzkonsums aus. Würden nicht auch viele Leute, die echt Plan haben und interessante Sachen verzapfen, Blogs besitzen, wären diese vermutlich kaum ein Thema für mich. Mein eigener Blog wäre wohl auch im schlimmsten Fall bis ganz zum Schluss nicht von Sperren betroffen, weil dort einfach nichts ist das Aufmerksamkeit generiert. Für mich bleibt die allgemeine Ablehnung allzu leichtfertig angebrachter bizarrer Filter & Co. der Kern meiner Motivation hier “ohne mich” zu sagen.
Ich kann kaum beschreiben wie furchtbar ich schon immer angenervt bin wenn ich auf Youtube ein “nicht in deinem Land” zu sehen bekomme. Das Netz ist längst überall zu sehr beschränkt. Der ganze grundlegende internationale Gedanke ist längst auf dem Rückzug. Überall sind Buden auf dem Vormarsch die nur gucken was man _lokal_ anbieten will. Willkommen im Localnet.
@Ulli
“Ich nehme ihr ab, dass sie etwas gegen Kinderpornografie unternehmen will, ich glaube Ursula von der Leyen ist keine Politikerin, die etwas tut, nur um vor der Mehrheit der Wähler gut dazustehen. Sonst hätte sie sich in ihrer Partei auch nie für das Elterngeld oder den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen aussprechen dürfen, denn die CDU-Wähler sind ja zur Mehrheit ein Klientel, das dem konservativen Familienbild (Mutti bleibt daheim) entspricht.”
Das war aber auch noch nicht kurz vor der Bundestagswahl. Ist das jetzt schon eine Verschwörungstheorie?
@Falk
“problem dabei ist, dass der betreiber der seite sich nen anderen provider sucht und dort wieder eine seite aufmacht. das ist gehüpft wie gesprungen.”
Wenn man so einen Server hoch nimmt erhält man aber gleichzeitig auch Logs und weitere Hinweise die zu Hintermännern führen können usw… Der Betreiber der ins Gefängnis wandert macht dann nicht einfach den nächsten Server auf. Rollt die Polizei bei so einem Serverraum rein, passiert doch mehr als nur den Stecker aus der Wand zu ziehen.
“ein offenes internet ist heutzutage einfach nicht mehr möglich. zuviel kriminelle energie steckt im netz. nicht auszudenken was passiert, wenn das internet völlig ungefiltert existiert. ein rechtsstaat kann auch nicht ohne gesetze und regeln existieren. das wäre ja dann wieder die reine anarchie, wie wir es schon in deutscher geschichte erlebt haben.”
OMFG. Warum ist ein offenes Internet nicht mehr möglich?
Kriminelle Energie steckt in Menschen, nicht im Netz.
Das Netz ist im Augenblick weitestgehend ungefiltert. Wo hast/siehst du da ein Problem? Ich finde keins. Ich sehe das Netz wie eine Fußgängerzone. Dort stehen überall Leute herum die sich unterhalten und austauschen worüber sie wollen. Die Polizei fängt dort auch nicht an jedes Gespräch abzuhören. Gleichzeitig muss man als Fußgänger nicht die Gespräche anderer anhören, sondern kann einfach weiterlaufen und sich um sein eigenes Zeug kümmern. Ich habe seit Ende der 90er privates Internet. Noch nie sah ich Kipo im Netz. Nirgends. Ich habe allerdings auch nie danach gesucht, weil ich sowas gar nicht sehen _will_. Jedenfalls wird hier auch das Argument beerdigt man würde sowas zufällig zu sehen bekommen. Ist nicht der Fall. Sondern eher ein unfaires Argument um seinen Willen zu bekommen.
Das Internet hat doch Regeln und Gesetze. Zuviele IMHO. Das Internet ist alles andere als ein rechtsfreier Raum. Das ist das größte Märchen überhaupt. Gerade das Web leidet unter völliger Überreglementierung.
Wann gab es in deutscher Geschichte eine Anarchie? Zu Zeiten der Barbaren?