Manchmal muss eine Frau tun, was eine Frau tun muss. Sie muss in einem Sexshop shoppen.
…
“Oh, da haben Sie aber eine gute Wahl getroffen.”
“Echt?”
“Ja. Moment. Ich pack das mal aus.” (Sie holt Batterien aus einem Schubfach … ) “Hier. Fassen Sie mal an. Der macht so Wellen.”
“Hmm. Ganz okay. Und der Delfin hier oben, bewegt der sich auch?”
“Naja der vibriert halt. Hier schauen Sie. Verschiedene Stufen. Die Wellen bewegen sich übrigens auch rückwärts.”
“Mh. Bisschen wenig.”
“Den Delfin können sie auch zur Anus-Stimulation nehmen. Je nach dem.”
“Der Bedienkasten hier stört mich. Haben Sie nicht noch was Dezenteres?”
“Die normalen Vibratoren vibrieren halt nur. Is ja auch langweilig. Da haben Sie nur die Vibration”
“Ja ist langweilig.”
(holt einen anderen Dildo aus dem Regal, der mit einem Häschen geschmückt ist)
“Der hier ist toll. Gucken Sie hier die Perlen. Anfassen!”
“Fühlt sich toll an. Was kann der Hase?”
“Die Ohren vibrieren in Intervallen. Das ist das tolle. Und automatisch geht das. Sie müssen nichts drücken, wenn Sie nicht wollen.”
“Aha… Hm… Das ist bestimmt geil! Aber. Irgendwie. Das ist mir alles zu bunt. Ich schau nochmal weiter.”
Ich gehe zurück zum Regal und bleibe bei den Vibratoren hängen, die 2008 mit Designpreisen ausgezeichnet wurden. Eine Freundin: “Guck mal hier!” Sie hält einen Arm aus Gummi in die Höhe. Wir stöbern uns durch Umschnalldildos, Penispumpen und Taschenmuschis. Nichts dabei.
Die Verkäuferin kommt zurück. “Der hier ist noch ganz toll. Der ist mit Fernbedienung. Da können Sie sich in die Küche stellen und der andere macht das dann vom Schlafzimmer aus. Auch nett, nicht? Lustig irgendwie. Wie ne Wundertüte, man weiß nie, was kommt. Kostet allerdings über 100€”
Ich halte ihr ein futuristisches Etwas unter die Nase, das aussieht, als wäre es ein Beißring für Babys. “Penisring.” “Ah.” Neidisch lege ich es zurück.
“Die sind so süß.” Vibratoren in Raupenform. Die Raupe grinst debil. Manche haben Hörnerchen.
“Das hier sieht interessant aus.” “Ist das für anal?” “Echt? Nee. Doch. Schade”
Wir entdecken wieder einen designpreis-prämierten Vibrator, eher was für die reine G-Punktstimulation. Er sieht aus wie ein Schwan und ist wunderschön. Ich melde schon mal mein Geburtstagsgeschenk an. “Ich lade viele Leute ein, dann kriegt ihr das Geld sicher zusammen.” “Ok, machen wa so.”
“Ich nehm jetzt hier die Liebeskugeln mit”, sage ich entschlossen und beinahe trotzig.
“Oah guck mal hier”
“Ja das sind so Eier. Die hält man sich an die Klitoris. Ne Kommilitonin von mir hat davon geschwärmt. Ohne kam sie gar nicht mehr zum Orgasmus.”
“Ey das hier ist doch cool.” Sie hält eine Verpackung in der Hand. Darin befindet sich etwas kleines Blaues, das man verschieden einsetzen kann. Mit Fernbedienung in Herzform. Ebenfalls blau. “Und dann noch in meiner Lieblingsfarbe.” “Ja auch meine.”
Mit zwei Packungen und den Liebeskugeln gehen wir zur Kasse.
“Oh da haben Sie sich ja was Feines ausgesucht” und deutet auf die Kugeln. “Im Ernst?” “Wunderbar. Machen Sie Gleitgel drauf und führen es sich ein wie einen Tampon. Brauchen Sie Gleitgel?” “Nein, hab ich noch.” “Aber rein bis zum ersten Schließmuskel. Es darf nicht weh tun beim Laufen. Und immer bewegen. Bewegen bewegen bewegen. Können Sie überall und jederzeit tragen. Aber nicht zu lange. Ich spreche da aus Erfahrung. Ich hatte es mal den ganzen Tag drin, weil ständig Kunden kamen und ich nicht auf die Toilette. Danach hatte ich Muskelkater, das kann ich Ihnen sagen. Hilfe!”
[Anm. d. Autors: Liebeskugeln trainieren u.a. die Beckenbodenmuskulatur. Hebammen empfehlen sie Frauen nach der Entbindung]
“Man kann es aber auch beim Sex verwenden?” “Klar, aber immer bewegen, damit sich die Kugeln innen auch bewegen.”
“Und dann nehmen wir noch das hier.”
“Ja das ist toll nicht? Ich hab leider nicht so viel Geld alles auszuprobieren. Aber hat zehn verschiedene Stufen. So wird’s nicht langweilig. Brauchen Sie Batterien?”
“Mh.”
“Na dann lass ich die gleich drin.”
(kassiert)
“Das macht dann… oh eine Schnapszahl. Da bekommen Sie ein Feuerzeug dazu. Oder wollen Sie lieber das Schlüsselband?”
“Feuerzeug reicht, danke.”
“Den neuen Katalog haben Sie auch noch nicht oder?”
“Nein.”
“Gut dann steck ich den gleich mit rein.”
“Gern. Haben Sie vielleicht einen größeren Beutel?”
“Ja na klar. Na dann wünsche ich noch einen schönen Abend und viel Spaß.”
“Danke. Tschüß.”
Als wir den Laden verlassen, schauen wir uns an und prusten laut los.
“Also nee, das ist schon genau das Richtige. Die Dildos sahen ja aus wie ein Black&Decker in Bunt.”
“Probierst du gleich aus?”
“Klar. Du nicht?”
“Ich komm heute nicht dazu. Aber erzähl mir wie’s war.”
“Mach ich.”
“eher was für die reine G-Punktstimulation.” reiner kennerblick, nehme ich an.
welche form hat denn das feuerzeug?
Erzählste uns auch, wie’s war :)?
hatte gestern die idee, eine kolumne aufzumachen mit dem titel “körper und kiez” (in anlehnung an sex and the city)…wär doch was, oder?
Hehehe sehr geil…
Viel Spaß damit. Darf ich mit dem Blauen mal spielen, wenn ich dich das nächste Mal besuche?
@denuse: feuerzeug: normale form. ist nur ein sonnenbrillentragendes kondom drauf. für kenner: http://www.funfactory.de/de/produkte.php?pmenuid=28&produktid=272&&name=Aufladbar
@ulli: klingt super. bin dabei. erzählen: klar, immer.
@tobi: nein, is meins :)
sex sells? Brauchst du mehr klicks auf dein blog? Oder was soll das? Dennoch: amüsant zu lesen.
ich bin beeindruckt wieviel gesprächsstoff du dir merken kannst.
Ich hoffe du hast nen paar Euronen mehr ausgegeben, nicht das ich es heute Abend klappern höre^^
@paul: hach, du bist so mainstream, dass du mir sowas unterstellst.
@timo: es ist gut möglich, dass jetzt nicht jedes wort genauso passiert ist, aber es geht. wenn es nicht so lange her ist ;)
@markus: nee, is schon obere preiskategorie.
ich erinner mich noch wie ich als 19 jaehriger journalistenpraktikant nen kurzbericht ueber einen neu eroeffneten frauen-erotikbedarf schreiben musste- einziger typ in einem laden voller sehr aufgeklaert wirkender kundinnen- und einer verkaeuferin die sich an meinem knallroten kopf delektierte und sich einen spass draus machte mir alles moegliche und unmoegliche in die hand zu druecken – und es moeglichst blumig zu beschreiben. mitgenommen hab ich, dass ich, wenn ich eine frau waere, vibratoren an der nase testen sollte, weil die angeblich aehnlich empfindlich ist, dass es wasserdichte badewannen-gummienten vibratoren gibt und dass es in jeder mittelgrossen stadt ne ganz nette alternative zu eroticdiscountern gibt…
wo ich das jetzt hier so lese, sollte ich vielleicht jetzt wo ich aelter und abgeklaerter bin, doch mal wieder shoppen gehen.
“Da können Sie sich in die Küche stellen und der andere macht das dann vom Schlafzimmer aus. Auch nett, nicht? Lustig irgendwie.”
Äh, da haste dann zusammen Sex aber irgendwie doch nicht, oder wie?!
Warste da mit Jana unterwegs?