Posted on Sep 27, 2008

BILD, Hitler und die Medien.

Ich habe es ja schon kundgetan.

Und möchte gern wissen: Wann hat es sich eigentlich eingebürgert, dass man alles, was man mit den Mainstreammedien als etwas Schlechtes verbindet, gleichzeitig auch an die BILD denkt und äußert?

Das Vergleichskriterium für ein Mainstreammedium, sei es TV, Radio, Online oder Print ist die BILD. Auf dem schmalen Grat um die Gunst der Rezipienten geht es nur noch darum, nicht mit der BILD verglichen zu werden. Wer nicht weiter weiß, wer keine Ahnung vom Geschäft hat, wer keine Ahnung von Journalismus hat, wer ein Troll ist, all das undifferenzierte dumme Geplapper des Internetmobs (mich natürlich mit inbegriffen) kanalisiert sich in einem Satz, der rundumschlagender nicht sein könnte: “Das ist ja BILD-Niveau”.

Da werden Meinungsstücke der BILD gleichgesetzt, weil die Leser zu blöd sind Artikel und Meinung trotz Kennzeichnung zu unterscheiden. Da werden Meinungsstücke/Artikel mit der BILD gleichgesetzt, weil die Leser keine Ahnung von journalistischen Genres haben. Sie wollen stets objektive Information. Sobald es sich bei der Information jedoch um Boulevard oder einen Fakt handelt, der nicht in deren Weltbild passt, ist es unseriös, unsachlich, Meinungsmache, kurz: BILD.

Hier stellt sich natürlich leicht die Frage: Was war zuerst da, Huhn oder Ei? Ist die BILD schuld mit ihrer Vorstellung von “Zeitung machen”, dass sich alles Schlechte in ihr manifestiert hat und gleichzeitig zum Akronym für jeden “Fehler” der Mainstreammedien? Oder sind die Rezipienten schuld, die dem Boulevard zu wenig und gleichzeitig zu viel zumuten, gespickt mit ordentlich Unwissenheit?

Und wie weit sind unsere Erwartungen an die großen Medien Deutschlands überhaupt noch zeitgemäß? Ist nicht aller Streit über die Medien, die so verteufelt werden, ein zusammengekehrtes Häufchen Elend, das sich selbst beiseite fegen würde, wären wir der Rationalität fähig? Seit wann überschätzen wir uns als Leser gleichzeitig mit der Aufgabe des Presserats, des Verurteilers? Warum ständig Scharfrichter sein in einem Prozess, für den Objektivität schon lange ein Fremdwort ist?

Man sollte vielleicht endlich mal begreifen, dass Medien machen im Großen und Medien nachahmen im Kleinen ein himmelweiter Unterschied ist. Dass die BILD da ist und dass sie für einen Großteil der Deutschen ein Informationsmedium darstellt. Dass es ist, wie es ist. Dass alle Medien außer die BILD nichts mit der BILD gemein haben. Vielleicht noch die ganzen xy-Kuriere und die B.Z., die noch schlimmer ist als die BILD selbst.

Dass ein Vergleich eines Mediums mit der BILD einem Hitlervergleich nahe kommt: argumentationsfrei, sinnfrei, schuldfrei.

Medienkritik braucht ein neues Spielfeld, eine neue Herangehensweise, mehr Substanz. Vorurteilsfreie Begegnung mit dem Mainstream der Informationsbranche kann auch sein, dass man die Inhalte konsumiert, die einem wirklich am Herz liegen und interessieren. Kritik gegebenenfalls inbegriffen. Den Rest blendet man einfach aus. Die Gebetsmühle hakt schon längst.