Ein kleines Gimmick für den vorherigen Post und eine bis dato einmalige Sache hier auf medienelite.de folgt jetzt. Nachstehend findet ihr einen Artikel von mir, der demnächst veröffentlicht werden soll in seiner Rohfassung. Wild zusammenklamüsert aus stundenlangem Gebrainstorme nach einer These (siehe Überschrift). Ihr dürft gern diskutieren, kritisieren, verbessern, anstreichen, whatever. Feel free. PS: Der Aufruf für den Videodreh gilt übrigens immer noch.
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Spießig ist, wer ein Anti ist
KonservativPutzfimmel, Häkeldecken, Schrebergarten: Der grausigen Lebenseinstellung unserer Eltern wollen wir um Himmels Willen nie nacheifern. Deswegen wollen wir mit aller Macht alles anders machen. Dabei merken wir nicht, wie das Wegrennen in die entgegen gesetzte Richtung irgendwann in einer Sackgasse der Intoleranz des Andersseins endet. Wie kindisch. Denn spießig sein bedeutet mehr als nur einen Gartenzwerg zu besitzen.
Vor einem Jahr erst herrschte die Debatte über das Spießertum in allen deutschen Medien. Jens Jessen von der ZEIT propagierte nach der U-Bahnschlägerei den Angriff auf piefige Rentner. Danach schrieben sich die Medienjournalisten an ihm selbst und seiner provokanten These die Finger wund. Später freuten sich die Feuilletons über das pamphlet-artige Ausschmücken einer eigentlich nur netten Kaffeeklatsch-Debatte. Doch eines wurde deutlich: Der Begriff Spießer ist längst überholt.
Versteht man unter Spießer gemeinhin einen bornierten Gartenzwerg- und Plastikblumenfetischisten oder kurz gesagt: einen Deutschen, ist doch die allgemeine Begriffsbezeichnung viel passender: „Als Spießbürger oder Spießer bezeichnet man abwertend eine Person, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen, Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung, Komfortismus und starkem Bedürfnis nach Sicherheit auszeichnet.“ Diese Erklärung schließt weder trashige 90er-Jahre-Wohnzimmer-Accessoires mit ein noch die nächste Tupperparty. Das sind vielleicht bildhafte Begleiterscheinungen einer Spießerrandgruppe, mehr aber auch nicht.
Was viel deutlicher wird: Spießer ist, wer sich dem gesellschaftlichen Mainstream angliedert, sich darin wohlfühlt und auf seinen Ansichten gluckt wie eine Henne beim Eierlegen. Auch das muss nicht per se heißen, dass alle Spießer konservative Werte vertreten. Denn wer sagt, dass der gesellschaftliche Mainstream immer noch bei anno 1950 feststeckt? Zeitgeiste sind dynamische Strömungen. In unserer heutigen Leistungsgesellschaft gliedert sich gerade die heranwachsende Generation in vermeintliche Traditionelle und in die Antiliga, die da – ob aus Trotz oder Faulheit – nicht mitspielen will. Aber wer ist jetzt hier eigentlich der Spießer?
Während die eine Seite nach den Werten streben, die im gesellschaftlichen Konsens für das glücklich sein wichtig erscheinen – Familie, Karriere, Stabilität und Gesundheit – entwickelt sich die andere Seite zur personifizierten Antiautorität. Dazu gehört, dass man sich möglichst politisch-links gibt, den Kapitalismus verurteilt, mit Freunden im Park sitzt, ab und zu einen kifft und über den Werteverfall der Gesellschaft diskutiert. Dazu gehört, möglichst nicht den konservativen Wertvorstellungen des Mainstreams zu entsprechen.
Doch ist es nicht genauso konservativ diesen Gegenpol bilden zu wollen? Mit Begrifflichkeiten zu argumentieren, deren Definition eher Auslegungssache als status quo ist? Die geistige Unbeweglichkeit, die einen Spießer ausmacht, manifestiert sich genau mit diesen Schubladen, in die er andere gerne steckt und sich selbst damit auch. Im Grunde genommen ist es zweitrangig, ob jemand seine Kissen mit dem berüchtigten Handkantenschlag versieht oder lieber bei Sonnenschein und Becks eine neue Weltordnung denkt. Entscheidend ist das Befreien der eigenen Denkweise von ewiggestrigen Klischees. Denn das ist wirklich spießig.
Ein kleines Gimmick für den vorherigen Post und eine bis dato einmalige Sache hier auf medienelite.de folgt jetzt. Nachstehend findet ihr einen Artikel von mir, der demnächst veröffentlicht werden soll...
konservativ, häkeldeckchen, schrebergarten – welches wort passt nicht in diese reihe? :) vielleicht nimmst du noch ein anderes substantiv, gelenktasche oder mamorplattentisch (ich weiß nicht genau, wie dieser sofatisch heißt, den meine eltern wie wahrscheinlich 96 prozent der gesamten deutschen bevölkerung ost, sich so um 1993 plötzlich ins wohnzimmer stellten, aber den mein ich)
das wort “ewiggestrig” in der letzten zeile kontekariert deine these irgendwie. das impliziert in ja doch wieder, dass spießertum was mit dem alter der werte und vorstelungen zu tun hat, die für den spießer gedanklich unüberwindbar sind. das wort klischees ausnahmsweise mal ohne adjektiv tut es auch, ist sogar in dem satz bzw. dem ansonsten sehr sringenten und guten angebrachter.
Schöner Artikel. Trifft im Groben auch meine Meinung. Ich will da jetzt auch nix auseinandernehmen ;-) (hab doch zu tun!!!) Für die Einleitung würd ich auch eher noch was substantiviertes nehmen. Gartenzäune sind in meinen Augen sehr spießig. Also sowohl im Klischee als auch tatsächlich :P Aber das könnte wohl keiner Verstehen. Mallorca-Urlaub auch…hmm, Herrenhandtasche, ist tatsächlich auch wahnsinnig passend (@denise)…länger will ich nicht nachdenken.
ansonsten nehm ich post ja eher als grundlage für das eigene stellungnehmen, weniger penibles zerpflücken…
also sei hier noch gesagt, dass vor allem die so genannte “linke Szene” ganz besonders die PUNKS mit mittlerweile so weit zum hals runter hängen, dass ich mich komplett darin einwickeln könnte:
Da kleidet man sich in politische Phrasen, deren Ursprung man nicht kennt, deren Geschichte man nicht versteht. Hängt sich Palitücher um den Hals und Färbt sich einen bunten Irokesen. Kauft die Mailorder leer und kleidert sich in uniformen buntem Karo… Singt dann aber auch Konzerten lauthals “Vorstadtrebell” (A.C.K.: http://www.lastfm.de/music/A.C.K./_/Vorstadtrebell ) mit und zeigt mit dem Finger auf die Anderen, weil man ja selber ganz, ganz anders ist…
okay, gut soweit, ich wollt nicht abschweifen…werd dazu wohl eh noch mal bloggen :)
Auch jeden Fall sind für mich PUNX die größten Spießer, die es gibt.
Was deine These ja mehr als bestätigt.
hagen, auf jeden…
aber bist du auch so ein anti-palituch-faschist??? :)
@denuse: danke für die einschätzung, ich habs gleich mal geändert, so live und direkt
Pah, anti-Palituch ist doch harmlos. Da fehlen noch das obligatorische Che Guevara T-Shirt und ein Button mit Maos Konterfei. Hab ich irgend einen Massenmörder vergessen? Vielleicht Stalin und Pol Pot? Ach so, ja AUTOBAHN geht natürlich gar nicht. Übrigens ein toller Song von Kraftwerk…
@lantzschi: ehm naja so radikal anti-palituch nicht. ich trags zwar nur noch selten und dann einfach weils in meinen augen nen praktisches kleidungsstück ist^^
dabei allerdings die wahre geschichte alleine schon der politischen korrektnis wegen immer im hinterkopf! ;-)