Heidi.

by lantzschi

2002. Das Jahr, in dem ich das letzte Mal mit meinen Eltern zusammen verreiste. Da war ich 16/17, heute bin ich fast 23. Das erschrickt mich zutiefst. Nicht das Alter, sondern dass ich so lange nicht mehr mit meinen Eltern verreist bin. Und Urlaube hatte ich 2,5 seitdem: Bulgarien 2004 (nur gelötet und im Hotelzimmer verbracht, dabei depressiv), Dubai 2005 (anderer Kulturkreis, unvergesslich, warm und Gucci-Brille) und Ostsee 2006 (depressiv, einsam, Angst vor dem Meer).

2002 war auch das Jahr, als meine Eltern und ich im Kleinwalsertal waren. Das ist einerseits ein beliebtes Skigebiet, andererseits ein beliebtes Wandergebiet. Ich bevorzuge zweites, da ich ein Schisser bin und mich außer einem kläglichen Versuch nie wieder auf Skier stellen werde. Wandern. Mit meinen Eltern. Das klingt ungefähr so bohème wie Rudolf Scharping. Ich liebe es trotzdem. Als ich noch jünger war, hatte ich das zu wenig geschätzte Glück jedes Jahr mit meinen Eltern wegzufahren für 2 Wochen. Abgesehen von Disneyland, Ostsee und Spanien, an die ich mich nur noch sporadisch erinnern kann, fuhren wir stets in die Berge. Österreich, Deutschland, Kroatien, Norwegen, Italien.

Immer wanderten wir im Hochsommer, also schwierigste Bedingungen für Leib und Seele. Bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Beine, Blut, Schweiß und Tränen inklusive. 10h-Wanderungen, am Berg abrutschen und sich an einem kleinen Bäumchen festkrallen, was natürlich nachgibt, Schlamm bis zu den Kniekehlen. Gelacht hat man trotzdem. Bestiegen habe ich schon alles (sic!), was knapp über 3000 war. Leider geben die Alpen nicht so viel Stoff her, müsste man mal nach Frankreich. Oder wir sind dafür nicht ausgerüstet. Klettern okay, das ist auf die Dauer vielleicht doch ein wenig viel des Guten. Obwohl ich vor so allem Angst habe, aber nicht vor dem Hochkommen. Das Runter ist der viel schwierigere Teil. Oder man verläuft sich trotz Karte…Stundenlang nicht wissen, wo man gerade ist. Eine psychische Belastung.

Das Kleinwalsertal liegt auf österreichischem Gebiet, gehört aber zu Deutschland. Oder umgedreht oder beides. Jedenfalls im Herzen des Allgäus und nahe der Skisprungschanze Oberstdorf. Es ist ein Überbleibsel der Eiszeit, des Pleitozäen, um zu Klugscheißen, wie man allerdings die Zeit nennt, in der die Alpen geformt wurden, wusste ich zuletzt bei meiner mündlichen Prüfung in Geografie.

Ich werde jeden Morgen ein fantastisches Frühstück zu mir nehmen, jeden Abend ein 3-Gänge-Menü, danach werde ich die ZEIT lesen, bewusstlos sein oder bloggen. Ich nehme mein neues Baby mit und versuche mich irgendwo einzuschleusen. An ein Internetcafé glaube ich mich auch erinnern zu können. Damit ihr teilhaben könnt, an diesen Bildern (siehe links).

Danach gehts noch für drei Tage an den Tegernsee. DonAlphonsos Notebook in den See schmeißen. Oder den reichen Wessis beim Gold essen zuschauen. Selber rumprollen.

Was ich am Wandern mag, mögt ihr sicher wissen? Die grenzenlose Weite, dass man bezwungen hat, wenn man auf dem Gipfel steht und das grenzenlose Nichts, dass man nie bezwingen wird, wenn man auf dem Gipfel steht.

Wer eine klassische und persönlich handsignierte Postkarte möchte, der melde sich bitte mit seiner Anschrift unter meiner Handynummer.

Bis dahin sag ich tschüß und bis zum 19. Juni. :-*

Fotos by andreasbalzer (CC) | Aufmacher by Verleihnix | (CC)

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