Posted on Mai 14, 2008

Mein erster Großbrand.

brand.jpg Foto: me

Ich wundere mich noch, was riecht denn hier so komisch?

Höre Raunen und sehe, das alle um mich herum aufstehen und zum Fenster laufen. Ich schaue aus dem Fenster und sehe Rauch. Viel Rauch. Wenig später sitze ich in einem Taxi, bewaffnet mit Zettel, Block und einer Spiegelreflex und düse Richtung Kreuzberg. Oder werde gedüst, besser gesagt. Der Fahrer schmeißt mich an der Ecke zum brennenden Papierlager raus. Geld gegen Quittung. Dann renne ich los. Dieser Teil Kreuzbergs kommt mir vor wie das Myfest, nur schlecht riechender. Mein Fuß macht die Rennerei nicht lange mit. Schmerz lass nach.

Ich schieße die ersten Fotos, versuche Gespräche der Leute aufzuschnappen. Entweder wird kein Deutsch gesprochen oder Berichte von Schaulustigen, aber keine Augenzeugen. Ich bin ein wenig enttäuscht, dass das Feuer im Vergleich zum Rauch so mickrig ausfällt. Katastrophe sieht anders aus. Ein Papierflöckchen fliegt mir auf die Nase. Ascheregen. Es wird doch besser.

Ich wundere mich weiter über die Menschenmassen, die mittlerweile ein Areal von 300qm für sich und ihre Fotohandys in Beschlag nehmen. Wahrscheinlich wundern sich auch die Autonomen und Punks am Köpi. Einer kam mir schon völlig verwirrt dreinblickend entgegen. Vielleicht riechen die nicht mal mehr, was ich rieche. Ab und an muss ich mir meinen Schal vor das Gesicht halten. Ich mache weiter Bilder, laufe über die Brücke und treffe auf ein paar Fotografen, die ich vor 2 Jahren schon nicht mochte. Auf der anderen Seite der Spree lässt es sich auch noch gut fotografieren. Alle reden, die meisten von ihnen sind Jugendliche, die schlechte Witze über die Feuerwehr im Zusammenhang mit Schläuchen machen.

Sehr bezeichnend waren die drei Mitte-Kreuzberg-Bohemians, die etwas abseits vom Mob (natürlich), schon über die Popkulturelle eines solchen Brands und die gesellschaftlichen Folgen der Rauchentwicklung philosophierten. (NATÜRLICH!)

Ich hatte noch nicht genug gesehen und bewegte mich nochmal auf die Papierfabrik zu, kein Durchkommen. Nur noch mehr Rauch. Und mehr Menschen mit Fotohandys. Neue Einsatzwagen, der X-te innerhalb weniger Minuten. Dann wird es Zeit zu gehen. Ich laufe nach Kreuzberg rein und ärgere mich schon über meine Ortsunkenntnis in diesem Bezirk, als mir auf einmal doch ein Taxi entgegenkommt.

Der Fahrer ist Türke und wir reden die gesamte Fahrt zurück über große und kleine Verbrechen in der Türkei. Ehrenmord, Eifersucht. Macht deutscher Mann nicht, lässt sich nämlich scheiden. Ich nicke. Deutschland ist ruhig. Ich nicke. Reporterin. Ich nicke. 10,40 Euro bitte. Ich nicke. Quittung. Danke, schönen Abend. Ein netter Mensch. Ich grinse bereits das zweite Mal an diesem Tag ob der Absurdität meines banalen Alltags.

Dann bin ich da. Kollegen fragen neugierig. Nein, nicht was es neues gäbe. Sondern, warum es hier auf einmal so komisch riecht.

Ich nicke. Denn das bin ich.

UPDATE:

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