Darüber bin ich ja immer begeistert. Meinung, Meinung, Meinung! Vor allem und gerade weil und deswegen auch sowieso. Dass Informationen natürlich wesentlich mehr Gewicht bekommt und das auch zu Recht, brauch’ ich glaube nicht zu erwähnen.
Doch sollte klar gekennzeichnet sein, was Meinung ist und was nicht. Von einem Journalisten sollte man erwarten können, dass er zwischen diesen beiden Hauptsäulen der redaktionellen Contentproduktion (ein sehr mechanisches Wort, ich weiß, aber abstrakt ist gut) zu unterscheiden weiß und eindeutig Stellung bezieht, was der Konsument da nun gerade vorfindet zum konsumieren.
Thomas Leif scheint das wohl nicht so genau zu nehmen. Polarisation super. Populismus scheiße. Und dieser Knieschuss der Öffentlich-Rechtlichen ist einfach nur ein Armutszeugnis. Zumal Leif netterweise noch ein kleines Intro vorschiebt, in dem er erklärt, was den Konsumenten gleich erwartet. Super. Ich bin begeistert. Informationen über Digitalisierung, öffentlich-rechtliche Inhalte im Netz, wie die Privaten versuchen gegenzusteuern usw. Eine sehr wichtige Debatte, über die der gemeine deutsche Bürger nicht viel weiß. Sich wahrscheinlich nicht mal dieser bewusst ist. Aber wiederum entscheident für sein Nutzerverhalten und Umgang mit dem Internet und sein Selbstverständnis von eben diesem.
Thomas Leif ist Chefreporter beim SWR und Vorsitzender des Netzwerk Recherche. Dort schreibt man sich gern auf die Fahnen, wie bedeutsam Recherche für die journalistische Arbeit ist. Man darf den Leser ja schließlich nicht fehlinformieren. Journalisten haben einen Auftrag. Journalisten haben Verantwortung. Vierte Säule und so. Auch behaart das Netzwerk Recherche auf die eindeutige Trennung von PR und Journalismus. Hier wieder mein Beifall.
Aber kann ich dann nicht als gemeiner Zuschauer erwarten, dass ein Thomas Leif vom Netzwerk Recherche für eine Reportage, die auf ARD ausgestrahlt wird, dass ich sachlich-objektiv und ganz ohne Einflussnahme irgendwelcher Dritter informiert werde, so dass ich mir im Nachhinein eine Meinung bilden kann? Diese Frage sollte doch ohne langes Überlegen mit einem kräftigen JA zu beantworten sein.
Thomas Leif peitscht uns aber in 45 unsäglich weinerlichen und hasstriefenden Minuten ein NEIN ins Geschicht. Sogar mehrmals. Ich mag jetzt hier gar nicht so gern auf diese ÖR-vs-privat-Debatte kommen. Das wird ja bereits mehr oder weniger objektiv woanders thematisiert. Mir geht es hier um das Handwerkliche an dieser Reportage. Wie groß muss der Kindergarten der Medienbranche in Deutschland bereits sein, dass mir nach diesem Film nur ein Kopfschütteln mit einer Prise Entrüstung bleibt?
Natürlich will ich hier nicht vergessen anzufügen, dass mein Arbeitgeber in diesem Film sogar ein paar Minütchen bekommt. Und ich auch sicherlich deswegen etwas darüber schreibe.
Wer sich das kurze “Interview” mit Ulrich Wickert anschaut und genau hinsieht, wird feststellen, dass an die von Leif gestellten Fragen nicht immer Wickerts Antworten folgen, zumindest nicht seine direkten. Entweder war der Ton in dem Moment zu schlecht oder Herr Wickert hat gehustet. Ich kann es mir jedenfalls nicht erklären, warum hier so geschnitten wurde. Und das ist nur ein Punkt, über den man sich so wundert, für welche Bilder er eigentlich verantwortlich zeichnet. Leif lief (sic!) in der Redaktion herum und interviewte Redakteure zum Start von zoomer.de. Sein einziges Ziel schien wohl Bloßstellung zu sein. Aber wenigstens kann er dabei den Anstand aufbringen und sich auf dieselbe Ebene begeben. Nicht oben-unten-gut-böse-intelligent-dumm. Dick und doof, hätte ich beinahe gesagt, aber lassen wir das. Zusammenfassend hat er in diesem kurzen Teil über zoomer.de all das NICHT herausschneiden lassen, was üblicherweise nicht den Weg ins Fernsehen findet.
Ob man das jetzt als investigativ bezeichnen mag, obliegt dem Zuschauer. Aber es tat seine Wirkung und sah zumindest so aus. Meinungsmanipulation wäre bestimmt zu weit gegriffen. Vielleicht so ähnlich. Aber es waren ja nicht mal fünf Minuten. Was bei den restlichen 40 Minuten schief ging, weiß ich nicht. Gesamteindruck schien trotzdem mehr als fragwürdig, ob man das so einseitig darstellen muss.
Eigentlich hatte ich ja gehofft, die Infos zu bekommen, die Leif in dem kurzen Intro verspricht. Fehlanzeige. An Stelle dessen: Thrillermusik, Leif’s Off-Stimme, die nach Verbrechen und Skandal klingt und Leif selbst, der wohl Fan von Michael Moore zu sein scheint.
Leif will uns etwas sagen: nämlich, dass ÖR grundsätzlich die letzten Bastionen der Qualität sind und dass die Privaten alles beherrschen wollen. Kommt euch das nicht irgendwie bekannt vor aus der Blog vs Medien-Debatte? Aber darum geht es ja nicht, wie ich vorhin bereits schrieb. Fakt ist, dass dieser Beitrag NICHT informiert, sondern Tatsachen vorgibt, die so nicht stimmen. Oder die Einstellung von Leif und dem Sender zur Thematik. Ergo: MEINUNG!!! Wie er diese Bigotterie überhaupt mit seinem angeblich vortrefflichen Berufsethos und dem Netzwerk Recherche vereinbaren kann, ist mir schleierhaft.
Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass diese Herangehensweise an Themen nicht auch anderswo passieren, egal in welchem Medium. Ich mag es nur nicht, wenn die Schere zwischen Vorgeben, Reden, Handeln und letztlich so Meinen so grundsätzlich auseinandergeht wie hier geschehen. Bitte also Beitrag anschauen und selbst ein Urteil bilden.
Vielleicht noch einmal nach rechts geblickt: FAZ, Focus, KSTA, tagesschau.de
und nach links: Niggemeier (großartig), Spreeblick, Knüwer
unterschrieben.
leif rechtfertige sich im medienmagazin auf radio eins in etwa so: “der film ist absolut objektiv. die sprechzeiten der einen und der anderen seite wurden sogar mit der uhr abgemessen und sind völlig gleich” na holla, da ist aber einer ganz vorsichtig. schade, dass er in seiner begrenztheit nicht merkt, dass das alles nichts nützt, wenn der offtext sich so sehr auf eine seite schlägt.
ich weiß nicht, wie die ard auf den trichter kommt, sowas auszustrahlen. sie hat in manchen teilen recht, sich selbst mit lobhudeleien zu beschenken, qualitätsjournalismus und so machen sie mitunter ja wirklich auch noch. zur genüge. mehr als die privaten. aber das ist auch ihr job. dieser leif film, der – um das paradoxon auf die spitze zu treiben – den privaten auch noch kampagnenmache vorhält (was stimmen mag, aber das in diesem diabolischen leif-umfeld anzuklagen, ist erbärmlich peinlich)ist das letzte.
leif und sein saubermann-image ist sowieso zum kotzen. dabei stand er schon einmal wegen eines recht gravierenden falles (oder verdachtes) von schlechter recherche und arbeit in der kritik:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24025/1.html
kurzum: dieser film ist hinten und vorne peinlich. das das keiner zugibt und die ard diesem leif einen leitunsposten bietet, ist noch viel peinlicher.
[...] Thomas Leif hat meine Ideale nicht zerstört. [...]