Die kontroversen Beiträge, Artikel und Kritiken zum Launch von zoomer.de haben gezeigt, wie wirklich über unsere Generation gedacht wird. Nein, das wird jetzt keine zoomer.de-Replik. Es geht um etwas Grundsätzliches.
Im Grunde genommen unterscheidet sich die Medienlandschaft von der des Bloggers nicht. Auch wenn beide immer gern auf ihre Unterschiede verweisen und Hasstiraden gegen den jeweils anderen schwingen. Journalistisch wollen beide sein, eigentlich sind sie doch nur peinlich, redundant und Ewiggestrige. Ich zeige euch jetzt an folgenden Punkten, warum das so ist.
- Gatekeeping für Hirnlose oder Jugend=Tokio Hotel: Klassische Medien brüsten sich ja nur allzugern damit, dass sie es sind, die das gemeine Volk aufklären, informieren und Themen bestimmen, über die sich Hans und Gretel unterhalten. Agenda-Setting nennt man das im modernen Sprech. Zugleich fungieren sie damit als Gatekeeper. Sie bestimmen, was wir konsumieren. Da kann es schon mal passieren, dass gewisse Themen oder Informationen gar nicht auf die Agenda kommen, entweder, weil man sie mit Absicht vorenthalten will, den News- und/oder Interessegrad für zu gering erachtet. Oder weil man dem Konsumenten nichts zutraut. So schreibt beispielsweise spiegel.de, dass wenn wir junge User selbst bestimmen könnten, was wir lesen möchten, dann würde man in den Medien nur noch Tokio Hotel und Paris Hilton finden. Ist klar. So müssen wir uns auch damit abfinden, dass sich in allen Medien dieselben Themen mit derselben Aufmachung und demselben Dreh wiederfinden. Wiedergekäut, alles Agenturmaterial (auch wenn es diese Medienmöchtegerns ihrem faschistoiden Intelligenzblatt nie zutrauen würden), redundant.
So gab es irgendwann die Reise ins Kleinbloggersdorf, da dachten wir, endlich unsere Heimat gefunden zu haben. Themen, die für uns wirklich relevant sind, in einer völlig neuen Aufmachung, Autoren, die sind wir wir. Ja nee is klar. Blogger scheißen auf die Jugend. Arrogant watend im Sud ihrer eigenen erfolglosen Karriere brüllen sie wie Rumpelstilzchen gegen die großen Medien und denken, sie wäre damit ganz nah dran am User und am Puls der Zeit. Da wird beleidigt (ist ja cool) und Gerüchte werden gestreut (merkt ja keiner – Gatekeeping für Hirnlose eben). Logisch gibt es ein paar Fahnenschwinger, doch die sind ja die Hirnlosen. - Ohne gemeinsame Schnittstellen: Womit wir gleich zum nächsten Punkt kommen. Blogger und Medien merken gar nicht, wie sehr sie sich mittlerweile in ihrem Denken und Struktur von uns entfernt haben. Lustigerweise finden beide trotzdem, sie würden uns durchschauen :) Während Blogger wenigstens noch das Gegenteil unserer Ansicht als einzige Wahrheit für alle propagieren [Bsp: StudiVZ - Blogger: Social ist doof | User: Social ist cool], nehmen die klassischen Medien uns gar nicht wahr. Wir kommen einfach nicht vor. Stimmt. Unser Denkhorizont reicht ja auch nicht über Britney Spears. Hatten wir ja vorhin schon. Was maximal noch geht, ist stumpfes Konsumieren.
- Keiner hört uns: Dass die wohl einzigen Medien, die auf unseren Zahn der Zeit fühlen, so einschlagen, interessiert hüben wie drüben auch keine Sau. NEON/neon.de, Zuender, jetzt.de – Völlig aus dem Fokus und vor allem: außen vor. Sind diese Sachen außerdem wirklich alles? Ich habe keine Lust Stunden damit zu verbringen, kleine süße Blogs zu suchen, von denen ich nach dem ersten Post glaube, sie haben mein Leben verändert. Wie soll ich die finden, bitte? Warum gibt es keinen, der mich dahin geleitet? Warum nimmt sich niemand unserer Themen an und uns ernst? Warum ist der Longtail nach dem letzten Schnulzen-”Wie du ihn auch nach der Trennung als Freund behältst”-Popkultur-is-cool-Artikel von neon.de zu Ende?
Richtig. Weil wir eben dumm sind. Uns ja gar nicht dafür interessieren. Britney rulz und so. Und wer als junger Mensch Ahnung vom Netz hat, neugierig alles beäugt, probiert und für sich selbst denken kann, der ist sowieso nur Klickvieh.
Ich hoffe, diese Ewiggestrigen, diese Blogger, diese gescheiterten Existenzen, diese-die-sich-noch-Publizisten-Nenner, diese vergraupelten alten Säcke sind irgendwann Geschichte und die gesamte Medienwelt incl. Blogger kommen im Hier und Jetzt an. Ich brauche keine Gatekeeper, ich brauche keine Britney Spears, ich will einfach jemanden, der mir am Tag zwei, drei Türchen aufstößt mit dem Satz: “Guck mal da. Bring uns was Schönes mit.”
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Fotocredit: Scott Gries/Getty Images found on Flickr














