Posted on Dez 6, 2007

Ironie der Arbeitsmoral oder “draußen anonym”.

Heute schieb ich mal wieder die Spätschicht. Eigentlich ein ganz angenehmes Arbeiten von 14-22 Uhr (heute eher länger, da Versatel sich nicht auskäst ^^), man steht zeitig und trotzdem ausgeschlafen auf, wäscht Wäsche oder ab, erledigt ein wenig Lebensverwaltungslkram, hat Zeit für Cappu mit 1-2 Zigaretten am eigenen Küchentisch, ein ausgedehntes Bad. Nur noch Schnittchen schmieren für die Arbeit und los gehts.

Gerade heute dacht ich mir. Jut, jehste mal bissl eher los. Is ja Teamsitzung um 13.30 Uhr. Dass man noch bisschen was mitbekommt vom Redaktionsinterna. Während ich wieder in mein Stefan-Zweig-Buch vertieft bin und so die ganzen Höhenschönhausener, Marzahner, Hellersdorfer und Lichtenberger HarztIV-ler und Arbeiter um mich herum vergesse, höre ich nur die Stimme des Tram-Fahrers: “Wir haben einen Stromausfall und können deswegen nicht weiterfahren. Warten Sie entweder so lange oder laufen Sie vor bis zur Greifswalder Straße. Da ist wieder Strom und Sie können mit der M4 weiterfahren.”

Jut du Vollpleps. Jut, dass ich eigentlich nur bis Alexanderplatz muss und deine Scheiß-M4 mir auch nicht hilft. Jut, dass wir erst am Platz der Vereinten Nationen sind und ich nun fast nen Kilometer Fußmarsch vor mir habe. Egal. Du kannst ja nichts dafür. So denn ausgestiegen. Mit allen anderen Fahrgästen. Man kennt das ja. Anonym sind wir alle in der Großstadt und manchmal ist es so ruhig im ÖPNV, dass man sich vor peinlicher Stille schon von ganz allein die Kopfhörer in die Ohren setzt. Wir steigen also aus. Immernoch in Anonymität gehüllt. Niemand redet. Nicht mal ein erbostes Wort über diese missliche Lage, die uns auf einmal alle zu verbinden scheint. Aber ihr wollt nicht verbunden werden, ich seh schon. Deswegen rennt ihr auch so. Jaja. Na gut. Da muss ich nun nicht mithalten. Wer nicht will, der hat schon, bekanntermaßen.

Natürlich fängt es jetzt auch noch an zu regnen und logischerweise hat meine neue stylische Winterjacke keine Kapuze, nur einen besonders hohen Kragen. Unwetter ertragen wir auch so. Ehrensache. Pünktlich auf Arbeit war ich trotzdem und erfreute mich, dass ich mich zwischen meine lieben Kollegen auf die “Redkonf” drängeln konnte und mich wieder fühlte wie in der Uni beim ADM. In Berlin ist man wohl nur draußen anonym.