
S Ostkreuz mit Blick Richtung Warschauer Straße
Foto by grapf
Leopold hat sich ja noch nicht so ganz eingefunden in Bigtown. Immerhin wohnt er jetzt schon mal in F’hain. Verstehen kann ich ihn irgendwie.
Die alteingesessenen Berliner haben ihren eigenen Charme: “Komm mir bloß nie zu nahe mit deine Fresse, wa?” Ein bisschen unterkühlt und immer feste druff. Mit subtil hamms die nicht so.
Dem Gegenüber stehen die Zugezogenen, wie ich, die Möchtegernstylos, die Hippen und die, die immer auf der Suche nach Metropolis sind. Auf der Suche nach Schnellebigkeit, Kurzweile und ganz neuen Eindrücken. Viele von denen werden hier nicht heimisch. Dazu ist Berlin einfach zu föderalistisch mit seinen unzähligen Bezirken, die in sich eine völlig eigene Stadt/Land/whatever bilden.
Berlin ist kein Ort der Ruhe. Glaubt man zumindest, wenn man sich nicht mit der Stadt einlässt oder einlassen will. Wenn man von Anfang an sagt: “Scheiß Türken. Scheiß Gewalt. Scheiß Berliner. Scheiß Großstadt.” Stimmt. Eigentlich. Denn uneigentlich sind das nur Klischees, die sich dem oberflächlichen Betrachter bieten. Neukölln kann sicher ganz schön sein, genauso wie der Wedding. In Spandau leben bestimmt nicht nur Gucci-Muschis. Und mit Sicherheit gibt es die Mitte-Lemuren ab und zu auch in Lichtenberg.
An Berlin hat mich stets seine Vielschichtigkeit fasziniert. Man lernt hier nie aus. Zum Beispiel, dass Fahrkartenkontrolleure der S-Bahn (gehört zu DB) gleich die Polizei rufen, wenn man sein Monatsticket vergessen und sich nicht ausweisen kann (oder man legt gleich 40€ in bar hin) und die Kontrolleure der BVG (U-Bahn, Tram usw.) einen Schrieps ausstellen und gut.
Noch ein Beispiel gefällig? Gestern fuhr ich wie gewohnt von Potsdam mit dem RE heim. Jeden Tag freue ich mich, wenn ich am Zoo vorbeifahre und noch mehr, wenn ich Tiergarten hinter mir lasse und auf den Hauptbahnhof zusteuere. Direkt zwischen S Bellevue und diesem bietet sich dem Berlinliebhaber bei gutem Wetter eines der besten Bilder der Stadt. In Fahrtrichtung rechts kann man von der Gedächtniskirche über den Potsdamer Platz zur Friedrichsstraße bis zum Alex blicken. Davor der Bundestag, Kanzleramt, Haus der Kulturen der Welt, Siegessäule. Ein Stück weiter links: Berliner Dom, Synagoge, Charité. Kann man vom kapitalistischen Prunkbau Hauptbahnhof halten, was man will. Eindrucksvoll ist er allemal. Dort stieg ich diesmal aus. Wir wollten uns am Capital Beach treffen. Während ich Richtung Bundestag lief, musste ich mich immer wieder umdrehen, weil die Sonne so charmant den ehemaligen Lehrter Bahnhof küsste. Trotz der Betonwüsten hat Berlin einen unersatzbaren Charme. Als ich die Treppe hinunter ans Spreeufer lief und ich etwa eine 100m lange Betonwand streifte…eine Fotoserie. Von der WM. Jemand war durch die Stadt gepilgert und fotografierte die Deutschlandflagge und deutsche Farben während dieser Zeit. Gänsehaut stellte sich ein. Ich verweilte einen Augenblick vor jedem Foto und erinnerte mich an MEIN Deutschland-Italien auf der Fanmeile. [Hier noch ein Foto]
Danach gesellte ich mich zu den anderen, nippelte an meiner 0,2l Coke und zog genüsslich an meiner letzten Lucky-Strike. Nebenan sprangen Touri-Teenies immer wieder aufs Neue von einer 5m hohen Brücke in die Spree, um ihre Touri-Teenie-Mädchen zu beeindrucken.
Ich fange an, mich hier heimisch zu fühlen. Man findet schon sein Plätzchen, man muss nur die Geduld zur Suche aufbringen. Das Pulsieren sollte dabei ein angenehmer Effekt sein.
Vielen Dank :) Das war die realistischste Beschreibung des schönen Berlins für einen großstadtfernweh-geplagten Mittweidastudenten :(( Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, wie ich letztes Jahr jeden Sonntagabend mit dem ICE in die Stadt hineingefahren bin. Die Sonne kitzelte an den Dächern der Stadt, die Silouetten von den Gebäuden rund um die Museumsinsel, das große Loch der Baustelle “Alexa” und der Duft des Backstandes auf dem Gleis 10 vom Bahnhof Zoo. Jedes Mal, wenn ich dann die Treppen hinunter zur U-Bahn geschlendert bin und mir jedesmal die selben zwei Leute ihre Tagesfahrkarten für 2,50€ andrehen wollten, wusste ich, hier möchte ich wieder leben. Der Wind, der einem um die Nase wedelte, wenn die quietschgelbe U9 einfuhr und das penetrante gefietsche des Abfahrtssignals. Nein, ich will keine “Motz” kaufen, aber dennoch geb ich der jungen Frau ein paar Cent, die mir der Automat vorher ausgepuckt hatte. Auf dem Kurt-Schumacher-Platz (kurz: Kutschi) wartete dann meistens noch ein Döner auf mich, während mir die Flugzeuge 50m über Kopf drüberschepperten. Die Sonne war schon fast weg und die letzten Meter zu Kaserne genoss ich, mir die leichtbekleideten Frauen auf dem Boulevard anzuschauen. Ach….ob Winter, ob Sommer – oh schönes Berlin, du fehlst du mir! :(
Ein Tipp zum Seele baumeln lassen oder mal die Flasche zu heben: der Friedi oder von Mama auch immer “Volkspark Friedrichshain” genannt. (“Da sind wir immer mit dir und dem Kinderwagen durchgerollert”) :-P
Amen!
den kenn ich doch schon längst. aber danke für deine anteilnahme.
und bitte, dass unsere zwei herzen gleich schlagen und ich dir mit ein paar zeilen den tag versüßen konnte ^^
hrrr…ich beneide dich…gib mir noch drei (*kreisch*) Semester… :( Bis dahin verfolge ich deine täglichen Zeilen! xD
Peace in die Mutterstadt
[...] gehen. Mein Kopf schmerzt etwas vom Gedanken hier noch 2 Jahre zu sitzen. Grund genug um an etwas anderes zu denken… Prüfungszeit? Ihhh. Offene Belege? Ihhh. Und jetzt VWL? Verdammt, ich hab [...]
du kannst ja einfach deine schönen ferien für ein praktikum hier opfern ;)
…ich bin schon dran :) Ich lass es dann lauthals verkünden =D
gutes kind. ja mach mal.
btw: wo war denn deine kaserne?
Reinickendorf / Tegel / Wedding..ach irgendwie genau in der Mitte..lol Jedenfalls direkt am Flughafen :-P
UND: Ich bin ganz knapp dran, Sommer in Babelsberg xD Ich hab nur keene Wohnung in Potsdam…hach
machs doch wie stefan, der hat im wohnheim gewohnt. http://www.klickertrigger.de/?p=121
oder wie ich. jeden tag dahin. is nur gewöhnungssache.
Ihgitt :D Dann muss ich mir in Berlin wat suchen…hab da zwar homies, aber den will ich mit meinem Gestank nicht auf die Nerven fallen. Wenn du mal ein Angebot hast, dann weißte wo du es abladen kannst. Gott sei mit dir!