Posted on Jun 1, 2007

Liebe Frau Mercedes Bunz,

zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen, weil ich früher dachte, Ihr richtiger Name wäre ein zynischer Seitenhieb auf eine weltbekannte Automarke und nicht Ihr richtiger Name. Seit geraumer Zeit weiß ich es besser. Einen schönen Vornamen haben Sie übrigens.

Ich wollte Ihnen schon lange mitteilen, wie sehr ich Sie bewundere. Für Ihre bisherigen Stationen, für Ihre unermüdliche Arbeit an und mit der Popkultur. Wieso kennen Sie sich so gut mit Kunst aus? Braucht man dafür lange?
Beeindruckend fand ich Ihren Text zu den Urbanen Pennern. Ich nenne diese Leute ja die digitale Bohème. Ich weiß, dass es ein paar Menschen in Berlin gibt, die sich auch so nennen. Aber sich vielleicht nicht mit dem Begriff Penner in Verbindung bringen würden. Ich finde Ihre Analyse trotzdem auch auf diese Gruppe zutreffend.

Vielleicht können Sie mir mal bei Gelegenheit erklären, wie Sie es schafften ein Magazin über elektronische Kultur zu gründen und nachhaltig zu etablieren. Hatten Sie Geldgeber oder ging es dem Printmarkt damals einfach noch viel zu gut? Vielleicht haben Sie es ja auch nur mit Ihren bloßen Händen geschafft. Einfach so. Weil Sie gut sind. Ich halte Sie nämlich für eine der wenigen übrig gebliebenen Journalisten und Schreiber, bei denen Idealismus stets im Geschriebenen mitschwingt.
Mein größter Wunsch ist es, auch mal ein Magazin zu gründen. Eventuell können Sie mir da ein paar Tipps aus Ihrer reichhaltigen Schatzkiste geben, Frau Bunz!? Das wäre ausgesprochen nett von Ihnen.

Ich finde es ja auch toll, dass Sie schon einen Doktortitel haben. In Ihrem zarten Alter.

Sie haben eine Art von Humor, der sehr dezent und trotzdem treffend ist.

Nun sind Sie ja seit Anfang des Jahres Chefredakteurin der Tagesspiegel-Onlineredaktion und basteln grad an einem Relaunch. Dass das nicht so verstaubt aussieht, wie momentan noch. 2.0 muss halt sein. Trotzdem lassen Sie sich davon nicht bestimmen. Weiter so. Vergibt der Tagesspiegel eigentlich Volontariatsplätze? Und wieso wird er in Ostberlin gerne noch das “westdeutsche Lehrerblatt” genannt?

Ich hoffe, ich habe irgendwann einmal die Chance Sie persönlich zu treffen. Bis dahin werde ich Ihr Schaffen weiterhin gespannt verfolgen. Machen Sie es gut.

Hochachtungsvoll,

lantzschi

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